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- Brauchen wir das UEFA-Financial Fairplay? Eine ökonomische Analyse zu Ausgleichsinstrumenten im Sport
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Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 09.2011
AuflagenNr.: 1
Seiten: 100
Abb.: 22
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback
eBook
Medium: PC-PDF
DRM: Wasserzeichen
Die Wahrheit liegt auf dem Platz, heißt es in Bezug auf Fußball immer wieder. Bei genauerem Hinsehen erweist es sich jedoch als schwierig, die Frage zu beantworten, ob die Wahrheit nun auf dem Platz, daneben oder ganz woanders zu finden ist. Zum Thema, durch welche Kriterien sportliche Wettbewerbe entschieden werden, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein eigener Forschungsbereich entwickelt: die Sportökonomie bzw. Sportökonomik. Diese junge Wissenschaft verknüpft im weitesten Sinne die Sportwissenschaften mit den Wirtschaftswissenschaften, wobei sich die Forschung in zwei Hauptstränge teilt. Zum einen die präskriptiv arbeitende, normative Ebene, wo ökonomische Modelle auf den Sport übertragen werden, um dann anhand von Wirkungsanalysen Sportverbände und Organisationen beraten zu können. Zum anderen die deskriptive Analyse, welche Sportergebnisse sammelt und (statistisch) auswertet, um so mögliche Einflussfaktoren auf Entwicklungen im Sport erklären zu können. Die meisten Sportökonomen achten dabei sensibel auf eine Abgrenzung zum Sportmanagement, wo der Fokus auf einen stärkeren Praxisbezug gerichtet ist und zumeist in irgendeiner Form organisierenden oder vermarktenden Charakter hat. Dabei liefert die Sportökonomie u. U. dienliche Ansatzpunkte für das ‘tägliche Brot’ eines Sportmanagers. Diese Studie beschäftigt sich mit einer ausgewählten Fragestellung der Sportökonomie. Im Speziellen steht das Thema Finanzausgleich im Sportwettbewerb zur Diskussion. Sowohl in Deutschland als auch international ist dieser Themenkomplex in den letzten beiden Jahrzehnten zunehmend ins Blickfeld gerückt. Damit im Zusammenhang stehend nimmt der Sport auch eine immer größere Bedeutung in der Gesellschaft und als Wirtschaftsfaktor ein und sorgt somit eigenständig für eine Professionalisierung des Sports auf vielen Ebenen. Einen grundlegenden Unterschied zwischen ökonomischem und sportlichem Wettbewerb beschreibt Neale in seinem Louis-Schmeling-Paradoxon: In der Wirtschaft sei es höchst profitabel ein Monopolist zu sein, im Sport wäre es der Ruin ohne ernsthaften Herausforderer und spannenden Wettbewerb, da ein Zusammenhang zum Zuschauerinteresse unterstellt wird. Die zentrale Erkenntnis dieser Studie, zu der auch Dobson und Goddard kommen, lautet: Erlösaufteilung oder Umverteilung zwischen Teilnehmern eines Contests zeigt keinen nachweisbaren Einfluss auf die Ausgeglichenheit eines Wettbewerbs.
Textprobe: Kapitel 2.3, Teamsportarten: Mannschaftssport hat die Eigenschaft, im Gegensatz zu den Individualsportarten, dass eben nicht Einzelne gegen einander antreten, sondern eine Ansammlung von Individuen gemeinsam versucht eine andere Gruppe zu besiegen. Dabei kommt es in den meisten Fällen im besonderen Maße auf das Zusammenspiel der einzelnen Individuen an. Es kommen Elemente wie Kommunikation oder auch Taktik ins Spiel, was dieses zugleich komplizierter macht als die meisten Einzelsportarten. In einigen Sportarten ist das Zusammenspiel entscheidend: Beim Fußball, Handball, Basketball etc. Bei anderen, wie Schwimm- oder Leichtathletik-Staffeln sind die aufsummierten Einzelleistungen ausschlaggebend für den Erfolg. Mitunter gibt es auch Mischformen aus Mannschafts- und Einzelsport. Tennis kann im Einzel- oder Doppel gespielt werden, aber auch im Einzel und trotzdem kann man einem Team angehören, nämlich einem Nationalteam, wie z. B. im Daviscup. Nationalteams kann es natürlich in jedem Sport geben. In der weiteren Analyse spielt eine Unterscheidung keine Rolle. Es ist eher eine Angelegenheit der reinen Sportwissenschaften. Die Probleme der Teamproduktion liegen auf der Hand. Doping einzelner Spieler hat einen ebenso geringen Einfluss auf den Erfolg einer Mannschaft, wie ein einzelner Starspieler. Welcher durchaus als Zuschauermagnet andere positive Effekte auslösen kann. Nach dem Demsetz-Gesetz ist der Output eines Teams nicht gleich der Summe der individuellen Leistungen. So kann ein Spieler sehr erfolgreich und bspw. Torschützenkönig werden, aber die Mannschaft trotzdem absteigen. Zudem besteht die Gefahr von Moral Hazard und des Shirking. Weniger Anstrengung bzw. eine Leistungszurückhaltung steigert den privaten Nutzen, und schließt trotzdem eine Beteiligung am sozialen Erfolg nicht aus. Einen Mannschaftssport, der geprägt ist von Zusammenhalt und Teamgeist auf die ökonomischen Effizienzkriterien zu abstrahieren und in ein normatives Modell zu packen, lässt Szymanski zu der Aussage kommen, dass es eine eigenartige Ökonomik ist, mit welcher er sich selber befasst. Dabei kann hier die ökonomische Theorie, wie in vielen anderen Bereichen auch, zur Hilfe herangezogen werden. Wenn ein Organisator eben wissen möchte, wie er seinen Wettkampf ausgestalten soll, um seine Ziele zu erreichen. Neben der Theorie ist das Wettkampf-Design auch eine Frage der Einstellung und der Tradition. Bestes Beispiel dazu sind die unterschiedlichen Transfersysteme und die Spielermobilität in Nordamerika und Europa. Die zentrale Erkenntnis, zu der auch Dobson und Goddard kommen, muss lauten, dass Erlösaufteilung oder Umverteilung zwischen Teilnehmern eines Contests keinen Einfluss hat auf die Ausgeglichenheit des Wettbewerbs. Auch hier gilt das Invarianzprinzip. Aber: Wie Szymanski feststellt, gilt dies nur in einer Walras-Welt (Standard-Modell nach z. B. Vrooman), aber nicht wenn man Eigennutzstreben nach Nash und individuelle Gewinnmaximierung als abgeänderte Annahmen unterstellt. Nash-Gleichgewichte gelten als Benchmark für nicht-kooperative Spiele. Weiterhin gilt das fixe Angebot an Talent. Alle Teams sind abhängig von den Entscheidungen anderer Teams. Bei n-Teams entscheiden (n-1)-Teams und für das n-te Team ist die Wahl über die eigenen Anstrengungen keine Wahl mehr. Bei nur zwei Teams ist also ein Team entscheidend. Das ist aber nicht typisch Nash. Dieser suchte immer nach besten Antworten auf die Strategien des Anderen. Auf die Wahl von Team 1 hat Team 2 nur eine mögliche Antwort, das ist dann automatisch die beste Antwort. Wenn man sagt, dass man aber aus mindestens zwei Alternativen Antworten wählen können muss, dann existiert also überhaupt kein Nash-Gleichgewicht. Weil eben die gegenseitige Abhängigkeit die Wahlfreiheit beschneidet. Deswegen formuliert Szymanski das Spiel um. Man entscheidet nicht mehr direkt über Siegwahrscheinlichkeiten, sondern zunächst über seinen Anteil an der Gesamtmenge an Talent. Auch hier entsteht ein Gleichgewicht. Das nun ein quasi Cournot-Nash-Gleichgewicht eines Duopols abbildet. Der wichtigste Punkt ist in Abbildung 11 grün gekennzeichnet. Dieser Punkt ist so hervorhebenswürdig weil er links vom Ausgangsgleichgewicht liegt. Die Grenzerlöse der Investments sind gleich, aber nicht die Grenzerlöse der Gewinnwahrscheinlichkeit. Das bedeutet für gleiche Investitionen im Jahr n folgt nicht, dass das große Team 1 (z. B. Bayern) und das kleine Team 2 (z. B. Freiburg) gleiche Chancen auf den Sieg haben. Weitere Faktoren, vor allem frühere Investitionen spielen eine Rolle. Das Gleichgewicht verschiebt sich nach links. Dies kommt in der Grafik zustande, weil sich die Grenzerlöse aus dem Talentestock des großen Teams um einiges weiter nach unten verschieben als die des kleinen Teams. Dies kommt zustande, weil bei Erlösaufteilung, die beiden Grenzerlöse interdependent sind. Soll heißen die Erlöse des einen beinhalten auch einen Teil der Erlöse des anderen, die er abgeben muss, falls dieser gewinnt. Dieser Effekt aufgrund der größeren Gesamterlöse beim großen Club natürlich größer als beim kleinen Club, deswegen die größere Verschiebung. Die Verschiebung ist nicht das eigentlich Interessante. Sie deutet zwar auf eine Veränderung der Competitive Balance hin, aber entscheidend ist die Verschiebung nach links. Dies zeigt nämlich, dass sich bei Nash-Verhalten und einer Erlösaufteilung, der Wettbewerb
Stefan Kutzner, Jahrgang 1984, wuchs in Heudeber am Harz auf und besuchte das Gymnasium Stadtfeld in Wernigerode. Seinen Zivildienst leistete er in seinem Heimatort in der Landschaftspflege. 2004 begann er sein Studium in Magdeburg mit den Schwerpunkten Sportökonomie und der Beratung von Kleinstunternehmen und Start-Ups (Entrepreneurship), zumeist im Onlinegeschäft oder auf vor- oder nachgelagerter Wertschöpfungsstufe (E-Business). Sein Studium ergänzte er durch Auslandsaufenthalte in Budapest, Breslau und Moskau. 2009 graduierte zum Diplom-Kaufmann. Stefan Kutzner ist Inhaber der Trainer-A-Lizenz im Fußball und Mitbegründer der Jugendfußballschule neuchento.soccercoaching. Er sammelte Erfahrungen in Scouting und Spielerberatung bei Stars & Friend Deutschland, erlangte Tracking- und Observing-Kenntnisse bei Live-Ereignissen für die Impire AG im Auftrag der DFL und Expertise im Sportsponsoring-Markt durch Engagement bei der SPORT+MARKT AG in Köln. Heute ist er im öffentlichen Dienst tätig und nebenberuflich als Scout beschäftigt.
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