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- Der Leipziger Augustusplatz: Betrachtung eines innerstädtischen Platzes im Kontext des ‚gelebten‘ Raumes
Geschichte
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Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 01.2010
AuflagenNr.: 1
Seiten: 118
Abb.: 27
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback
eBook
Medium: PC-PDF
DRM: Wasserzeichen
Eine Stadt ist nicht nur als materieller Raum zu verstehen. Die städtische Silhouette stellt sich als urbane Kulisse dar, vor der sich das städtische Leben abspielt. Menschliche Aneignung, Belebung, das Versehen mit Symbolismen und Bedeutungen prägen die Stadt. Zudem wird Stadt auch nicht nur ihren unterschiedlichen Funktionszuweisungen nach genutzt, sie wird dabei auch namentlich gefühlt. Sie vermittelt einen Eindruck und wird auf eine Art erlebt, die über die visuell, auditiv und olfaktorisch wahrnehmbaren Komponenten hinausgeht und sich aufgrund verschiedenster Wirkursachen zu einem immateriellen Gesamteindruck verdichtet. Hier greift das Konzept des 'gelebten' Raumes. Es suggeriert, dass Städte und städtische Räume Individualität aufweisen, nicht nur aufgrund ihrer materiellen Diversität, sondern auch aufgrund ihrer jeweils unterschiedlichen Aneignung, Belebung und der humanen Agitation, die in jedem Raum ein besonderes Klima, eine spezifische Grundstimmung schafft. Anhand des Leipziger Augustusplatzes wird ein innerstädtischer öffentlicher Platz als 'gelebter' Raum betrachtet. Der erst im 19. Jahrhundert entstandene Platz war einer der schönsten und größten Plätze Deutschlands und hatte eine weitreichende Ausstrahlung und Bedeutung für die Stadt Leipzig und deren Bewohner. Der Platz hat sein Antlitz seit seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg stark verändert. Unter Aufopferung historischer Bausubstanz wurde der Platz zum Vorzeigeobjekt der DDR-Ideologie und -architektur umgestaltet. Damit einher ging auch ein Wandel der Lebensqualität und der Bedeutung des Platzes. Nach dem Ende der DDR wurde versucht, in einem vorsichtigen Umgestaltungsprozess den Platz wieder seiner ursprünglichen Bestimmung eines innerstädtischen Freiraumes mit bestimmten Aufenthaltsqualitäten und Nutzungsanreizen zurückzuführen und damit der Stadt Leipzig ein Stück Identität zurückzugeben. Die Studie betrachtet nicht nur die physisch-materiellen Gegebenheiten, sondern auch die dahinter liegenden unsichtbaren Strukturen, den Charakter des Platzes und seine Atmosphäre. Dabei wird auf unterschiedliche Erhebungsinstrumente zurückgegriffen. Neben einer umfassenden allgemeinen Typisierung von Plätzen erfolgt ein Abriss der Geschichte des Augustusplatzes.
Textprobe: Kapitel 4, Zur Typologie des Augustusplatzes: Der Augustusplatz ist ein innerstädtischer Platz von 4 ha Grundfläche im Zentrum der Stadt Leipzig. Er befindet sich am östlichen Außenrand der historischen Altstadt. In ihn mündet die Grimmaische Straße, die ihn quert und an seinem östlichen Rand in den Grimmaischen Steinweg übergeht. Flankiert wird der Platz im nordwestlichen Bereich von der Goethestraße, an seiner gesamten westlichen Seite vom Georgiring. Westlich schließt sich die historische Altstadt an. Der Augustusplatz ist Bestandteil des um die historische Altstadt herumführenden und größtenteils begrünten Promenadenrings. Er stellt im Stadtgefüge optisch einen markanten Punkt dar, da er eine relativ große Freifläche bildet. Zudem ist er mit bedeutsamen Gebäuden umstanden. An seiner südlichen Westseite befindet sich das Hauptgebäude der Universität Leipzig, das derzeit neu gebaut wird. Nördlich wird er vom Opernhaus und südlich vom Gewandhaus begrenzt. Die Entstehung des Augustusplatzes im historischen Kontext: Zur Vorgeschichte des Platzes: Der Augustusplatz bzw. das Gelände des heutigen Augustusplatzes gehörte ursprünglich nicht zum historischen Stadtkern, sondern lag außerhalb der Stadtmauern, deren einstige Lage der heutige Promenadenring nachzeichnet. Im Osten befand sich das Grimmaische Tor, dessen Vorplatz (‚die Gegend vor dem Grimmaischen Thore‘ genannt) das Areal des heutigen Augustusplatzes einnimmt. Die Geschichte des Leipziger Augustusplatzes lässt sich in die drei Abschnitte Vorstadt, Festung, Platz gliedern. Vorstadt: Das Grimmaische Torwar 1498-1501 erbaut worden. Vor dem Tor entwickelten sich im 13./14. Jahrhundert die Grimmaische Vorstadt mit Wohnhäusern, Werkstätten und Gärten. In Kriegszeiten wurden die Vorstädte immer wieder abgerissen und neu erbaut. Durch die Schaffung eines breiten Glacis sollte den Belagerern die Möglichkeit genommen werden, in den Gebäuden Schutz und Deckung zu finden. Im 17. Jahrhundert endete die Phase der Vorstadt mit der Errichtung eines modernen Festungswerkes. Der Funktionswandel vom Vorstadtareal mit Wohnbebauung zum Festungs- und Verteidigungsgelände legte den Grundstein für die spätere Bedeutungszuweisung als öffentlichen Raum mit jeweils zeitgemäßer Nutzung. Festung: Im 17. Jahrhundert wurde das Grimmaische Stadttor erbaut. Von 1642 bis 1650 wurde die Anlage zum sogenannten ‘Grimmaischen Werk’ ausgebaut, welches anschließend zum 1690 fertiggestellten Grimmaischen Tor wurde. Im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) hatte sich die Befestigungsanlage aus dem Mittelalter trotz wiederholten Instandsetzungsversuchen als untauglich zum Schutz gegen feindliche Angriffe erwiesen. Nach Beendigung des Krieges 1763 stellte der Kurfürst Johann Georg II. daher die Festungsanlage und auch das Areal des heutigen Augustusplatzes dem Rat der Stadt zur Verfügung, mit der Auflage, sie zu gemeinnützigen Zwecken umzugestalten. Ab 1784 begann man mit dem Abtrag der Grimmaischen Bastion. Die Doppeltoranlage des Grimmaischen Tores wurde erst 1831 abgerissen. Mit der Verfüllung der Festungsgräben endet die Vorgeschichte des Platzes und seine eigentliche Geschichte wird eingeleitet. Die Promenaden und der ‚Platz vor dem Grimmaischen Thore‘: Schon seit dem Mittelalter besuchten die Stadtbewohner die Areale vor den Toren Leipzigs, um sich zu entspannen und zu vergnügen. Für Volksfeste wie Vogelschießen oder das Johannisfest bedurfte es Platzes außerhalb der Stadtmauern. Das Gelände des späteren Promenadenrings wurde anfangs nur als Übergang zu den Kaffegärten, Vergnügungslokalen und Festwiesen der Vorstädte gesehen. In den Jahren 1702/1703 wurden rings um den Stadtkern Alleen von Eichen-, Linden- und Weidenbäumen von Bürgermeister Franz Conrad Romanus angelegt und damit eine Route für das Promenieren und Reiten um die Stadt herum geschaffen. In dem Bereich zwischen Grimmaischen und Halleschem Tor ließ der Leipziger Baudirektor Johann Friedrich Danthe zwischen 1786 und 1796, eine Parklandschaft anlegen. Vor dem Grimmaischen Tor, auf dem Gelände des heutigen Augustusplatzes, der im Einfahrtsbereich zum Stadtzentrum lag, schuf Danthe eine Umrahmung aus Pappeln und Kastanien. Ein Fahrweg teilte diesen mittig. Der Platz hatte schon seine ungefähren späteren Ausmaße und seine Lage und blieb vorerst unbebaut, er wurde lediglich von Barrieren aus Kanthölzern begrenzt. In den Messezeiten stauten sich auf dem Platz Wagen und Messeverkäufer. Der Promenadenring wurde zu einer beliebten Flaniermeile: Die bürgerliche Gesellschaft pflegte hier ihre Freizeit zu verbringen mit Spaziergängen um die Stadt herum, um zu sehen und gesehen zu werden. Ebenso hatten Bürger niederer sozialer Schichten hier die Möglichkeit an der ‚großen Gesellschaft‘ teilzuhaben. Der Handel fand innerhalb der Stadtmauern statt, Entspannung und Vergnügen suchte man jedoch davor. So wurde aus dem Gelände vor den Toren der Stadt ein urbaner Raum, der die innere, ehemals ummauerte Stadt mit den Vorstädten zu verband. Zentrumsnah und doch großflächig war er ideal geeignet, zum Dreh- und Angelpunkt der Großstadtentwicklung zu werden. Er nahm neu entstehende Verkehrsströme auf und wurde zum Freizeit- und Repräsentationsraum für die an Bevölkerung rasant zunehmende Stadt. Kulturelle und gesellschaftliche Bauten und Denkmäler entstanden. Auf dem Platz vor dem Grimmaischen Tor wurden zwischen 1789 und 1799 zwei Rasenrondelle angelegt. Der Plan von 1799 zeigt, dass bereits in dieser Zeit ein Postgebäude östlich an den Platz grenzte. Bebauung vor 1831: Als zum Ende des 18. Jahrhunderts die ästhetische Gestaltung des damals noch namenlosen Augustusplatzes begann, grenzte dieser mit seiner Westseite an die äußere Stadtmauer. An das zentral befindliche Grimmaische Tor schlossen sich in nördlicher Richtung die Kollegiengebäude der Universität und südlich der mittelalterliche Baukomplex des ehemaligen Dominikanerklosters (Paulerkloster, Paulinum), inzwischen der Universität angeeignet, an. Nach der Säkularisierung des Klosters mit Einführung der Reformation 1539 hatte der Herzog Moritz von Sachsen im Jahr 1543 die Klosteranlage der Universität übereignete, die 1409 in Leipzig gegründet worden war. Die Universitätskirche wurde für den evangelischen Gottesdienst sowie als Aula umgebaut und am 22.8.1545 von Dr. Martin Luther geweiht.
Josephin Lehnert wurde 1979 in Schwerin geboren. Im Jahr 2002 begann sie in Leipzig ein Studium der Diplom-Geographie, das sie Anfang 2009 erfolgreich abschloss. Ihre besonderen Interessen galten Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Durch Praktika bereits während des Studiums vertiefte sie ihre Kenntnisse in diesen Bereichen. Unter anderem hat sich die Autorin intensiv mit dem Aspekt der nachhaltigen Stadtentwicklung auseinandergesetzt. Dabei beschäftigte sie die Frage, wie die Lebensqualität von städtischen Räumen erhoben werden kann, um eine für jedermann lebenswerte städtische Umgebung zu sichern und unterschiedlichsten Anforderungen zu entsprechen, die vorliegende Studie widmet sich dieser Thematik.
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