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Pädagogik & Soziales
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Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 03.2009
AuflagenNr.: 1
Seiten: 172
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback
eBook
Medium: PC-PDF
DRM: Wasserzeichen
Die Urlaubsart Ferien auf dem Bauernhof ist kein Wirtschaftszweig, der sich hauptsächlich für den Tourismus entwickelte. Der landwirtschaftliche Betrieb hat sich vielmehr für die Urlauber geöffnet und ist zu einer attraktiven Urlaubsform geworden, die vor dem Hintergrund der Erlebnisaktualität einen neuen Stellenwert bekommen könnte. Urlaub auf dem Bauernhof wird vielfach mit Erlebnissen in Verbindung gebracht und gilt als Familienurlaub, der besonders für Kinder interessant ist. In dieser Studie werden Erlebnisse von Gästen auf Ferienbauernhöfen in der SG Selsingen/Niedersachsen auf der Grundlage von psychologischen, soziologischen, ökonomischen und pädagogischen Ansätzen zum Erlebnis untersucht. Ziel ist es dabei herauszufinden, welche Erlebnisse die Gäste haben, inwiefern diese an den Ferienbauernhof gekoppelt sind und ob die theoretischen Erlebnisansätze auf das Urlaubserleben der Gäste anwendbar sind. Zur Bearbeitung der Fragestellung wird die Untersuchung in drei Teilen bearbeitet. Im ersten Teil werden die theoretischen Ansätze zum Erlebnis erläutert. Dabei wird das Erlebnis definiert und mit psychologischen Ansätzen erklärt, die Erlebnisgesellschaft, Erlebnisökonomie und die Erlebnispädagogik dargestellt und die Theorie vom Urlaubserleben von Schober vorgestellt. Im zweiten Teil der Untersuchung wird Urlaub auf dem Bauernhof auf der Grundlage von Literatur untersucht. Hierbei sollen folgende Punkte bearbeitet werden: die Entwicklung in Deutschland, das Gästeklientel und das Angebot der Ferienbauernhöfe. Der dritte und praktische Teil der Untersuchung widmet sich der Gästebefragung und der Auswertung der Ergebnisse. Dazu werden stichprobenartig Urlaubsgäste auf Ferienbauernhöfen in der Samtgemeinde Selsingen in Niedersachsen qualitativ interviewt. Die Fragen beruhen auf den theoretischen Ansätzen zum Erlebnis, wie sie im ersten Teil vorgestellt werden. Die Ergebnisse sollen mit Hilfe der Theorie vom Schober zum Urlaubserleben veranschaulicht werden.
Kapitel 3.2 Entstehung Die Idee, Urlaub auf einem Bauernhof zu machen, reicht laut Hülsen (1973 in Schöppner 1988, S.5) nachweislich ins 19. Jahrhundert zurück. Zu jener Zeit stand allerdings die Notwendigkeit der Erholungssuche und nicht die romantische Vorstellung von Erleben und Genießen im Vordergrund. Erst durch die Veränderung der Wirtschaftssituation konnte Urlaub auf dem Bauernhof entstehen. Während bis dato Fremdenverkehr als Luxus galt und dem Adel und Großbürgertum vorbehalten war, schafften neue Zugeständnisse der Arbeitgeber an ihre Arbeitnehmer die Grundlage für die heutige Selbstverständlichkeit, Urlaub zu haben. Eine Urlaubsbewegung entstand, die unter dem Namen der Sommerfrische bekannt wurde (vgl. Schöppner 1988, S.5.)(siehe Anhang 4). Die Urlauber suchten in erster Linie in ihrem Urlaub den Weg Zurück zur einfachen Natur (Knebel 1960, S.40 zit. in Schöppner 1988, S.5) und nutzten die Urlaubszeit vorrangig zur Erholung, suchten Ruhe und das ‚gesunde, einfache Leben‘ in einer landschaftlich reizvollen, ländlichen Umgebung (ebd.). Große finanzielle Faktoren spielten bei dieser Urlaubsform keine Rolle. Vielfach standen daufgenommenen Stadtbewohner mit den Gastgebern aus dem Dorf in einem Verwandtschaftsverhältnis, so dass sie meist kostenlos auf dem Hof unterkamen. Die Gäste wurden von den Dorfbewohnern je nach freien Raumkapazitäten aufgenommen. Die Reiseintensität der mittleren Beamten und Angestellten nahm zu. Infolgedessen traten immer mehr Bauern als Fremdenverkehrsanbieter auf, so dass sich die Zahl der gästebeherbergenden Betriebe bis zum Jahr 1932 zu einer Größe entwickelte, die statistisch erfasst werden konnte. Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch in dieser Entwicklung seine Spuren. Nach dem Krieg war die Gesamtzahl der ländlichen Ferienhöfe gegenüber 1932 stark gesunken und konnte sich erst über 20 Jahre später, Ende der 50er Jahre, regenerieren. Das Augenmerk lag damals nicht auf standardisiertem Komfort. Ein niedriges Preisniveau und eine geringe Ausstattung prägten das Image der Ferienbauernhöfe mit einem einfachen und bescheidenen Standard. Fließendes Wasser, ein eigenes Badezimmer oder ein separater Aufenthaltsraum galten als Ausnahme (vgl. Schöppner 1988, S.6).
Isabel Kaiser, Diplom-Freizeitwissenschaftlerin (FH). Internationales Studium der Angewandten Freizeitwissenschaft an der Fachhochschule Bremen, Abschluss 2008 als Diplom-Freizeitwissenschaftlerin (FH).
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