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- Sporttauchen und Kälteschutz: der Einfluss von Kälteschutzanzügen auf die körperliche Belastung
Sport
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Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 11.2010
AuflagenNr.: 1
Seiten: 150
Abb.: 35
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback
eBook
Medium: PC-PDF
DRM: Wasserzeichen
Taucher werden durch verschiedene Faktoren in ihrer Leistungsfähigkeit beeinflusst. Das Ziel dieser Arbeit war die Durchführung eines Leistungstestes, mit dem der Einfluss von Kälteschutzanzügen auf die Belastung beim Tauchen mit Drucklufttauchgerät bestimmt werden sollte. Als leistungsdiagnostische Methode wurden ein dreistufiger Belastungstest mit Tauchgeschwindigkeiten von 0,4-0,6-0,8ms-1 und ein Maximalgeschwindigkeitstest verwendet. Anhand der Parameter Herzfrequenz, Anstrengungsempfinden (RPE) und Maximalgeschwindigkeit und deren Veränderungen beim Gebrauch von Nasstauchanzügen sollten Aussagen über den Unterschied in der Beanspruchung bei der Fortbewegung unter Wasser gemacht werden. Darüber hinaus sollte der Einfluss der Umgebung, Hallenbad gegenüber Freigewässer, verglichen werden. Es sollten die Fragen beantwortet werden, ob die Herzfrequenzen in der Vortestphase bei den verschiedenen Untersuchungsbedingungen vergleichbar waren, und ob die Taucher in der Lage waren den Leistungstest nicht nur im Hallenbad, sondern auch im Freigewässer durchzuführen. Des Weiteren sollte untersucht werden, ob Unterschiede der Maximalgeschwindigkeit in der Halle, den Herzfrequenzen und dem RPE mit Kälteschutz unter den verschiedenen Testbedingungen nachzuweisen waren. Neben thermoregulatorischen Effekten wurden Veränderungen des Strömungswiderstandes durch die Körperhaltung unter Wasser und die Flossenschlagamplitude der Probanden, sowie der Einfluss peripherer Umweltreize und Motivationsfragen als Gründe für die Veränderungen der Herzfrequenz und dem RPE unter den verschiedenen Testbedingungen diskutiert. Aus den Untersuchungen ergeben sich Hinweise für das sportartspezifische Training für Sporttaucher.
Textprobe: Kapitel 4.3.1. Herzfrequenz beim Feldstufentest im Hallenbad: Vorangestellt werden sollte, dass Immersion unmittelbar zu einer Blutvolumenverschiebung mit Erhöhung des Schlagvolumens um 30-40% und Reduzierung der Hf um ungefähr 10min-1 führte. Körperliche Belastungen unter Immersionsbedingungen bewirkten durch Anstieg der Hf eine Erhöhung des Herzminutenvolumens bei unverändert hohem Schlagvolumen. Im Hallenbad kam es beim Tauchen nach drei Minuten ohne Kälteschutz in einer Geschwindigkeit von 0,4ms-1 zum Hf-Anstieg von 87,9min-1 auf 120,2min-1, mit Kälteschutz von 89,5min-1 auf 132,3min-1. Der Gebrauch von Kälteschutz führte zu um 10% signifikant höheren Herzfrequenzwerten. Bei beiden Testreihen konnten erhebliche interindividuelle Schwankungen der Hf festgestellt werden, was auf unterschiedliche metabolische Belastungen der einzelnen Probanden hindeutete. Hauschild konnte in seiner Gruppe erfahrener Taucher beim Tauchen ohne Kälteschutz und ohne Blei in 0,4ms-1 über zwei Minuten eine mittlere Hf von 113,8min-1 messen. Seine Probanden tauchten in Hallenbädern bei niedrigeren Wassertemperaturen (20-26°C), wodurch auch die niedrigeren Herzfrequenzen erklärt werden könnten. Über noch niedrigere Herzfrequenzen bei 0,4ms-1 berichtete Böttger. Seine Gruppe beendete diese Belastungsstufe mit einer mittleren Hf von 89,5min-1, obwohl die Stufendauer vier Minuten betrug. Er führte seine Untersuchungen am Morgen und vormittags durch. Bei erhaltener zirkardianer Rhythmik werden morgens niedrigere Herzfrequenzen gemessen als nachmittags/abends. Koltyn und Morgan registrierten beim Tauchen in 0,5ms-1 über 20 Minuten in 24°C kaltem Wasser einen Anstieg der Hf ohne Kälteschutz auf 122,3min-1 und mit 6,35mm dickem Nasstauchanzug auf 146,8min-1. Das entsprach einer signifikanten Steigerung um 17%. Parallel hierzu wurde ein Anstieg der Körperkerntemperatur mit Kälteschutz auf 38°C gemessen und eine leichtes Abfallen ohne Kälteschutz auf 36,5°C. Der Anstieg d er Körperkerntemperatur galt als Erklärung für den signifikanten Anstieg der Hf mit Kälteschutz. Beim Schwimmen oder Tauchen in geringer Geschwindigkeit kommt es zum Wärmeverlust. Es konnte gezeigt werden, dass geringe körperliche Ergometerbelastungen bei Immersion ohne Kälteschutz in 28°C kaltem Wasser zum Abfall der Körperkerntemperatur führten, intensivere Belastungen hielten die Temperatur konstant bei 37°C. Schwimmen in 26°C kaltem Wasser führte bei einer Geschwindigkeit von 0,5ms-1 zu einem leichten Abfall und bei 0,75ms-1 wieder zum Anstieg der Körperkerntemperatur (Nadel 1974). In 33°C warmem Wasser kam es schon bei niedriger Schwimmgeschwindigkeit zum Anstieg der Körperkerntemperatur (Nadel 1974). Als Erklärung wurde angeführt, dass geringe Bewegungen der Extremitäten zur Produktion von Wärme führten, die durch eine Vasodilatation der Blutgefäße in die Peripherie geleitet werden musste, um dort über die Haut an die Umgebung abgegeben zu werden. Die vermehrte Durchblutung der Muskulatur führt zur Reduktion der Gewebeisolationsschicht. Hierdurch wurde ein vermehrter Wärmeabtransport ermöglicht. Ohne Kälteschutz konnte die Wärme von der Haut über Konvektion durch die hohe Wärmeleitfähigkeit des umgebenden, fließenden Wassers leicht abgegeben werden. Um erhebliche Wärmeverluste oder Überhitzung beim Wettkampfschwimmen zu vermeiden hat entsprechend international gültiger Vorgaben die Wassertemperatur zwischen 25° und 28°C zu betragen. Im Hallenbad lag die Wassertemperatur bei unseren Untersuchungen mit 26°C für die Versuchsreihe ohne Kälteschutz im oben genannten Bereich. Beim langsamen Tauchen dürfte es im Hallenbad am ehesten zu leichten Wärmeverlusten gekommen sein. Mit Kälteschutz ist die Wärmeabgabe an das umgebende Wasser erschwert. Shiraki et al. zeigten, dass Tauchen mit 6mm dickem Neoprenanzug dazu führte, dass es in 14°C und 27°C kaltem Wasser in d en ersten 15 Minuten zu keinem Abfall der Körperkerntemperatur kam. Erst längeres, langsames Tauchen in 5m Tiefe mit 5mm Neoprenanzug führte in 17-18,5°C kaltem Wasser zum Abfall der Körperkerntemperatur.
Jochen Wagener wurde 1963 in Dortmund geboren. Nach seiner Lehrzeit zum staatlich anerkannten Krankenpfleger 1986 schloss er das Studium für Humanmedizin 1993 ab. Im Rahmen seiner Ausbildung zum Sportmediziner 1995 und Facharzt für Arbeitsmedizin 1997 suchte er ständig Verknüpfungspunkte zur Tauchmedizin, dessen Qualifikation er im Rahmen seiner Ausbildung über die Deutsche Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) 2000 erlangte. Während seiner gesamten Berufsausbildung war er als Sporttaucher aktiv. Durch eine Enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule Köln und der Universitätsklinik Ulm konnte ein Forschungsprojekt realisiert werden, bei dem der Einfluss von Kälteschutz auf die Bewegungseffizienz bei Sporttauchern unter Wasser untersucht wurde. Dieses Projekt wurde vom Autor als Dissertation im Jahr 2009 abgeschlossen. Es ergaben sich interessante Hinweise für die praktische Ausübung des Tauchsports.
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