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Edition

Walter Zimorski

„Der Blick auf das blaue Meer“ – Wilhelm Raabe auf Sylt und Borkum

Wilhelm Raabes Sylter Novelle, Sylter Zeichnungen, Reisebriefe und Reiseberichte

ISBN: 978-3-86815-737-6

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Produktart: Buch
Verlag: Igel Verlag
Erscheinungsdatum: 07.2020
AuflagenNr.: 1
Seiten: 160
Abb.: 38
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die einzigartige geografische Lage der nordfriesischen Insel Sylt im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer und der ostfriesischen Nordseeinsel Borkum im vergleichsweise milden Hochseeklima sowie die ursprüngliche Landschaft und abwechslungsreiche Natur beider Inseln motivierten Wilhelm Raabe, mit seiner Ehefrau Bertha und Tochter Margarethe die damals strapaziöse Reise nach Sylt und Borkum zu unternehmen, um sich nach ärztlicher Empfehlung von seinem chronischen Asthma-Leiden zu erholen. Dieses Reisebuch dokumentiert biografisch-literarische Facetten der künstlerischen Reiseerfahrungen Wilhelm Raabes. Ausgewählte Reisebriefe, tagebuchartige Reiseberichte und die Spontaneität seiner Sylter Zeichnungen vergegenwärtigen die typisch friesische Atmosphäre der Inselwelt. Neben Raabes facettenreicher Sylter Novelle Deutscher Mondschein, in der er seinen satirisch-kritischen Kommentar zum beginnenden Badetourismus und zu kuriosen Badegästen formuliert, bietet das Buch einen literarhistorischen Kommentar, detaillierte Texterklärungen sowie Einblicke in die problematische Entstehungs- und Editionsgeschichte. Der von ausgewählten historischen Bilddokumenten zur Entwicklungsgeschichte der Nordseebäder Sylt und Borkum begleitete Kommentar wird durch ein chronologisches Werkverzeichnis und eine strukturierte Bibliografie ergänzt.

Leseprobe

Textprobe: Wilhelm Raabes familiäre Badereise nach Sylt (1867) Nachdem der 35-jährige Wilhelm Raabe seinen seit 1865 entstehenden Roman »Abu Telfan oder Die Heimkehr vom Mondgebirge« im Mai 1867 geschrieben hatte, reiste der Familienvater mit seiner Ehefrau Bertha und der erst vierjährigen Tochter Margarethe von seinem damaligen Wohnort Stuttgart (Hermannstraße 11) am 12. August 1867 nach Sylt. Zu dieser Zeit warb die Direktion des Nordseebades Westerland der nordfriesischen Insel Sylt um Bade- und Kurgäste durch ein (im Sylter Archiv in Westerland dokumentiertes) informatives Inserat gleichwohl war die Sylter Meer-, Küsten- und Naturlandschaft bei treuen Badegästen schon längst bekannt. […] Gleich zu Beginn seiner Sylter Sommerfrische hat Wilhelm Raabe in einem Brief vom 15. August 1867 an seine Mutter Auguste Raabe erwähnenswerte Stationen der Reiseroute mitgeteilt. Vom damaligen Wohnort Stuttgart fuhr er mit seiner Familie am 12. August 1867 mit der Eisenbahn über Harburg und Altona nach Husum – ein Zug der Zeit war die ›Zeit der Züge‹. Im Alt-Husumer Wohnhaus des Dichter-Kollegen Theodor Storm überreichte Wilhelm Raabe seine Visitenkarte als Grußadresse, denn Storm war zu Besuch bei Klaus Groth in Kiel, wo er an der Landesuniversität das Studium der Rechte (nach einer damals ungewöhnlichen Studienzeit von elf Semestern) mit gutem Erfolg absolviert hat. Zu Klaus Groth (1819 bis 1899) führte Storm die Affinität zur Dichtkunst in niederdeutscher Literatursprache, durch die Groth seit seinem 1852 in Hamburg erschienenen Gedichtband »Quickborn« dem (mit dem Niederdeutschen als Literatursprache kaum vertrauten) Bürgertum bekannt wurde. Klaus Groths Gedichte in niederdeutscher Mundart und hochdeutscher Sprache wurden zurzeit des deutsch-dänischen Konflikts um die politische und territoriale Selbständigkeit der drei Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg auch als solidarische Signaturen für deren Zugehörigkeit zum deutschen Sprach-, Literatur- und Kulturraum verstanden. Die erfolgreiche frühe Wirkungsgeschichte seiner mundartlichen Gedichte von 1852 belegen die bis zum Tode Klaus Groths im Jahr 1899 erschienenen 24 Auflagen. Theodor Storm war damals als gewählter Landvogt für alle Rechtsangelegenheiten im Landkreis Husum, auf den nordfriesischen Inseln und Halligen zuständig. Für das rechtsuchende Publikum hatte Storm die Landvogtei im Parterre seines bürgerlichen Wohnhauses in der Wasserreihe eingerichtet, das heute vielfältige Funktionen als Dichter- und Literaturmuseum und als Zentrum der internationalen Storm-Forschung und Storm-Gesellschaft erfüllt, die ein Literatur-Archiv und eine Studienbibliothek mit umfangreichen Manuskript- und Buchbeständen, Akten und Urkunden, Foto-, Film- und Tondokumenten gründete. In Husums wohlbekannter Buchhandlung C. F. Delff in der Krämerstraße, bei der Storm nicht nur Buchgeschenke für seine Familie und Freunde und Bücher für seine Bibliothek, sondern gelegentlich auch begehrte Kupferstiche von Daniel Chodowiecki bestellte, kaufte Raabe das von der Westerländer Badedirektion empfohlene regionale Handbuch »Das Schleswig’sche Wattenmeer und die friesischen Inseln« Christian Peter Hansen, Sylter Heimatforscher und Chronist, Sagensammler und Zeichner, Lehrer an der Keitumer Volksschule, überlieferte zahlreiche Zeichnungen der Sylter Küsten- und Dünenlandschaft und vermittelte durch seine Schriften vielfältige Einblicke in die Sylter Insel- und Kulturgeschichte, vor allem in die Sylter Sagenwelt. »Hansen warb mit diesen Zeichnungen wie mit seinen Schriften, mit denen er das alte Sylt der Nachwelt erhalten wollte.« Nahe am Grünen Kliff in Keitum bezog C. P. Hansen mit seiner Familie 1851 ein Friesenhaus mit großem Hausgarten und neu gepflanzten Bäumen. Die auf seine Initiative erfolgte Baumbepflanzung in Keitum veränderte die nordfriesische Atmosphäre des ältesten Inseldorfes: Reetdachhäuser hinter Friesenwällen befinden sich seither in schattigen Baumalleen. In Keitums evangelisch-lutherischer Kirche Sankt Severin diente C. P. Hansen viele Jahre als Organist und Küster im Jahre 1420 erstmals urkundlich erwähnt, gehört die auf einem hohen Geestkern errichtete Keitumer Kirche mit der evangelischen Kirche Sankt Martin in Morsum zu den ältesten Kirchen auf Sylt und zu den ältesten Sakralbauten in Schleswig-Holstein. Auf dem angrenzenden Friedhof befindet sich noch heute seine letzte Ruhestätte. Vom Husumer Hafen startete die Familie Raabe die Seereise nach Sylt mit dem Dampfschiff am 12. August 1867 nach Wyk, dem Seebad an der Südostküste der grünen Insel Föhr. Vom »Sandwall«, der Strandpromenade des Seebades, konnte Raabe den Blick auf das weite Meer genießen, die in der Ferne liegenden Halligen erkennen und gelangte sogleich zum feinsandigen Meeresstrand, beobachtete und zeichnete in seinem Notizbuch einen Konvoi preußischer Schiffe, insbesondere das Kanonenboot »Loreley«. Ins Zentrum seiner spontanen Bleistiftzeichnung stellte Raabe ein kleines Mädchen, das sich vor der Sonnenstrahlung mit einem dekorativen Sonnenhut schützt und einen gefangenen Seestern betrachtet, den sie vorsichtig in den Fingerspitzen hält. Seesterne faszinierten auch Wilhelm Raabe am Westerländer Meeresstrand. An Deck des Fährschiffes sah Raabe die unverkennbare Silhouette der lang gestreckten Nordseeinsel Sylt mit ihrer hügeligen Dünenlandschaft und erreichte mit seiner Familie den Anleger »Nöse« an der Ostspitze Sylts, die Anlegestelle für den vom Festland kommenden Schiffsverkehr. Der Fähr- und Frachthafen Munkmarsch, der nur bei Flut anzusteuern war, bedeutete seit 1869 Sylts »Tor zur Insel«, nachdem der Keitumer Hafen seit 1868 wegen Schlick- und Sandablagerung unbefahrbar war. Über einige erwähnenswerte Stationen der Anreise hat Wilhelm Raabe seiner Mutter Auguste Raabe im Brief vom 15. August 1867 aus dem idyllischen Inseldorf Tinnum berichtet, dem Reiseziel und Domizil der Badegäste, das weite sommerliche Wiesen und Felder umgaben: »Am Donnerstag kamen wir bis Altona. Am Freitag bis Husum. Von Husum fuhren wir am Sonnabend mit dem Dampfer Nordfriesland nach Wyk auf Föhr wo wir bis Montag Mittag blieben. Dann hatten wir beim schönsten Wetter noch einmal einen etwas kürzeren Weg über die See und quer durch die Insel gelangten wir gegen 4 Uhr auf einem hohen Stuhlwagen nach Westerland.« In Tinnum, ländliches Nachbardorf von Westerland, mietete die Familie Raabe ihr Quartier in einem reetgedeckten Friesenhaus der Bäckerwitwe P. M. Christiansen, das der passionierte Zeichner Wilhelm Raabe bei wolkenverhangenem Himmel am 19. August 1867 mit kurzen Hinweisen gezeichnet hat. Form und Funktion des traditionell aus rotem Backstein gebauten, reetgedeckten Friesenhaus bestanden in der geplanten Einheit von Wohnräumen und einem angrenzenden Wirtschaftsteil. Nach bewährter friesischer Wohnkultur wurden die gediegenen Möbel an den Wänden platziert, um den Wohnraum nicht zu verstellen.

Über den Autor

Walter Zimorski lehrte nach dem Studium der Germanistik und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum neuere deutsche Sprache und Literatur an Volkshochschulen im Ruhrgebiet und publizierte zahlreiche Studien und Forschungsbeiträge sowie kommentierte Novellen-Editionen und Studienbücher zur Literatur des 19. Jahrhunderts. Im Igel-Verlag erschienen die mit Dokumenten und Materialien erläuterten Ausgaben von Theodor Storms Novellen Ein Bekenntnis und Draußen im Heidedorf .

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