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Pädagogik & Soziales

Jiale Müller

Faszinosa. Eine Studie des menschlichen Alltags

ISBN: 978-3-96146-600-9

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 02.2018
AuflagenNr.: 1
Seiten: 184
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Diese explorative Studie des menschlichen Alltags beruht auf den Fragen Was geschieht im Alltag des Menschen? , Wie oder wer ist der Mensch? und Warum? . Grundlagen für den Inhalt des Buches bilden Beobachtungen und Gedanken, die ab 2009 in Infrastrukturen, auf Arbeitsplätzen und während Beziehungen entstanden. Das Werk ist eine theoretische Erzählung des Alltags mit Erkenntnisinteresse auch für das, was von Gemeinplätzen nicht beschrieben wird. Der Inhalt kann auch als ein Kommentar zum Zeitgeist in der Schnittmenge von Individualismus, Pluralismus, Kapitalismus, Behaviorismus und Humanismus eingeordnet werden. Verhältnisse von Selbst- und Fremdbestimmung sind Teil der thematischen Auseinandersetzung. Interessierte sind dazu aufgefordert, sich interaktiv und frei mit dem Text zu beschäftigen.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 4.5 Das Ich und die Fremdbestimmung - Das Leben als bunte Mischung, Vermischung der erlebten Realitäten zu einem uferlosen Fluss und das Ich irgendwo darin verloren, Abhängigkeiten überlagern sich, und das Ich ist in ihnen. Mit einer aufgelösten Psyche ist in der Fremdbestimmung kein Wille bzw. kein Handeln nach dem eigenen Willen. Denn wo immer man seinen Willen einsetzt, gerät man in Fremdbestimmung. Die Psyche aber ist entweder auch Teil einer bewusst-gesteuerten und gestaltenden Tätigkeit oder sie ist der Fremdbestimmung durch den Verkehr mit der Welt durch die Sinnesorgane überlassen. In der eigentlichen Leere ist im Lebewesen nur ein brachiales Fühlen der Leere, welches der Bezugsantrieb zur Umwelt ist, aber auch das Unschützbare am Menschen bzw. seiner Psyche. Denn die Leere ist selten geschlossen, sondern Aufnahmebereit für die Sinneseindrücke der Welt, die als Symbole in irgendeiner Anordnung die Psyche des Menschen oder dessen Bewusstsein ausmalen. Darin Ich sein zu wollen, unabhängig oder geschützt, ist durch Auswahl am ehesten möglich, d.h. Steuerung durch den Körper und Sortierung von zu Verdrängendem und Hervorzuhebendem. Woher soll man jedoch Ich sein, wenn das Ich durch andere Menschen angrenzt und übertritt, da zwischen Lebewesen immer ein Austausch stattfindet? Die Bewegung dieses Austausches führt zu einer ständigen Vergrenzung des Menschlichen, welche kaum noch Inhalte haben kann. Das Private wird das Individuelle in der Gemeinschaft, welches genauso angeboten und verkauft werden muss wie das Unprivate. Und ob man gerne Anteile des Menschlichen verkauft oder ob man dies tun muss, um als Subjekt das notwendige Maß an Bestätigung zu erhalten, sei dahingestellt. Aber am ehesten werden Menschen bestätigt, die gerne bestätigt werden wollen. Aber was bedeutet das für das Ich? - Eigentlich nur, dass es immer weniger unabhängig sein kann, dass das Seinwollen immer mehr dazu führt nicht mehr zu sein, anderes Ich zu sein, weil das Band der Fremdbestimmung zwischen dem einen Ich und dem anderen keinen Raum lässt, es ist dauernde Korruption. Das andauernde Korrumpiertwerden trifft alle in ihrer Bedingtheit, die ihnen bleibt, und führt zu weitest möglicher Unselbstständigkeit und Uneigentlichkeit des Ichs. In der Orientierungslosigkeit und dumpf-schmerzenden Leere steht das Ich quasi gelangweilt vor dem Abgrund, denn es weiß: Irgendeine Eingebung, eingebildet oder tatsächlich von einem anderen Ich kommend, wird eine Wendung bringen. Welche Erniedrigung auch immer - sie geht vorbei und doch nicht, dafür muss sie gefühlt und gelebt werden. So weiß das Ich schon in der Ausweglosigkeit, es wird einen Ausweg geben, eine kurze Integrität nach einer Auflösung, nach der Erkenntnis dessen, was passiert ist und danach wird dasselbe wieder passieren. Das richtige Leben existiert nicht (mehr), die Erniedrigung der quälenden Sehnsucht danach aushaltend oder die eigenen Gebärden davon gesteuert oder Gleichgültigkeit demgegenüber, dies dreierlei ändert nichts und führt ohne das Ich in Veränderung oder mit ihm. Falsch ist der nächste Schritt sowieso wieder, er wird nur getan, weil er gewusst wird und weil für einen kurzen Zeitraum Leben stattfindet, ob es das eigene ist oder nicht, es findet an einem selber statt. Aussuchen erfordert die Kapazität einer bewussten Handlung in einem Gemeinschaftsgefüge, welches fortwährend auf die Fremdsteuerung seiner Mitglieder abzielt, damit diese für etwas, was es eigentlich nicht gibt, funktionieren, damit es eben dieses gibt. Den normalen Menschen gibt es nicht: der Mensch ist egoistisch, er ist untätig, müde, unauthentisch, er redet falsch, ist unaufmerksam o.Ä. Wie man die Individuen auch genauer betrachtet, man findet immer einen Fehler, einen Mangel und wenn nicht, dann tritt der Fehler, der Mangel mit der Zeit auf. Das Gefüge, in dem die Person lebt, ist von gar nicht zu kontrollieren, es ist nicht kontrollierbar. Das Individuum kann nur sich selbst kontrollieren, aber das erspart nicht den Fremdzugriff anderer. 4.5.1 Normalität und Ichverlust Was macht der Mensch eigentlich, wenn er normal ist? Denkt er? Fühlt er? Arbeitet er? Und wenn ja: was? Und in welcher Form darf er darüber sprechen? Was das Subjekt ist, ist seine eigene Einstellung zu dem, was es ist und dieses ist veränderbar. Sowohl das körperliche Leid wie auch die Lust begleiten den Menschen permanent und vergegenwärtigen ihm seine Verbundenheit mit seiner Umwelt, in die er zufällig hineingeraten ist. Ein Subjekt kann nicht da sein und Freude empfinden, es kann nicht da sein und Leid empfinden und dies beides verkörpern. Das ist seine Fähigkeit der Maskerade, die nüchtern betrachtet wieder darauf schließen lässt, dass es vielleicht unauthentisch oder krank ist. Es ist eine Kombination von Nichtdasein und Dasein-Müssen, die diese Formen zustande bringt, die befremdlich sind. Solcherlei Gefühlsausdrücke müssen nicht begründet werden, es sind menschliche Reaktionen auf die Umwelt. Das Subjekt, das da ist, in der Welt handelt und lebt, sich abgibt und andere aufnimmt und an den Punkt gerät, an dem es nirgends hin kann, nirgends ist, das kann eigentlich nicht mehr Dasein. Und in der Zeit ist einfach kein Ort, wo es sich abholen könnte. Das Suchen und Wandeln in Erinnerungen, um das eigene Ich zu finden oder das Aufsuchen von anderen Menschen, um das eigene Ich zu finden, ist erstens eigentlich unmöglich, weil das Subjekt ja nicht mehr Dasein kann und folglich nicht mehr entscheiden kann, wo es hin will und zweitens ist es abstraktes Leben. Erinnerung ist nicht Jetzt. An andere Menschen zu denken ist nicht mit ihnen real zusammen zu sein. Dass die Person gerade in ihrem Nicht-Dasein und den damit verbundenen Unfähigkeiten durch die Welt muss, um sich wieder zu finden, ist dann noch mehr als die letzte Gefahr und Erniedrigung. Und dennoch erlebt der/die Protagonist/in dabei, wie ihr/sein Leben kurzfristig wieder normal wird, als könne sie/er immer darauf vertrauen, dass er/sie die an ihn/sie gestellten Aufgaben nicht richtig bewältigen kann, sich dabei verliert und durch eine Fügung wieder notdürftig hergestellt wird, aber nie dauerhaft. Diese Abhängigkeit, die daraus resultierte, dass sich das unwissende und unverbrauchte Wollen mit dem eigenen Recht verband und dazu führte, dass jede/r alles von der Welt haben konnte, was er/sie wollte, lässt das Subjekt nicht mehr frei. Von da an muss die Person entgegengesetzt einwirken, um sich von der Welt fernzuhalten, hat aber nie genug Kraft dafür, da die Kraft sich erschöpft, die Welt in ihrem Geschehen jedoch nicht, sie wirkt immer weiter. Die Welt ist die ständige Manipulation der Personen. Der Körper gehört zuweilen auch zur Welt. Der Körper ist das, wodurch ein Individuum hat . Durch den Körper hat eine Person nicht nur, sie verliert auch. Der Körper ist Bedingung des Gebens und Nehmens. Die Bedingung ist Wechselwirkung mit der Umwelt und mit anderen. Deswegen wird verloren und gehabt und nur mit dem, was auch hat und verliert kann jemand an einen Ort und in Lebensumstände gelangen. Kontrolle über sich zu haben bedeutet Kontrolle über die Umstände und über andere zu haben, dennoch gelangt die Person nicht zu ihrem Sein. Im Gegenteil, das Individuum weiß, dass es sich fortlaufend auf den Tod hinbewegt. Daraus resultiert seine Beschränktheit und seine Verletzlichkeit in seiner Einstellung, die sich beide im Körper niederschlagen. Nach all dem ist es schwer verständlich: Warum sollte sich ein Mensch richtig verhalten können und was ist eigentlich das Menschliche an der menschlichen Situation? Alle werden in Handlungen getrieben, bis sie merken, dass diese zu keinem Ende führen. Danach wird der Mensch aus oder in das Menschsein getrieben, bis ein Ende da ist wie Nichts-Außer-Der-Erlebten-Gegenwart, nach der nichts mehr kommt: Draußen fahren Autos, stehen Häuser und laufen dieselben immer anders. Es gibt kein richtig am Subjekt. Es ist also nicht so, dass das Lebewesen falsch sein kann, es kann nur nicht richtig sein. Es gibt keinen Maßstab für das Fühlen, das Empfinden, den Atemrhythmus und all das in Kombination. Fakt ist nur: das wechselt. Das Gefüge ist zu kompliziert, um genaue Maßstäbe festzulegen. Die Psyche geht verloren, die Psyche wird wieder gefunden. An lieblosen Orten bemisst man den Menschen daran, wie schnell und durch was die Person sein/ihr Ich verliert und wie lange er/sie benötigt, um es wieder zu finden. Z.B. an Orten, an denen hoher Konkurrenzdruck und Langweile die Situation des Miteinanders prägen. Ein Ich hat mehr Macht als ein Nicht-Ich. Im Wiederfinden des Ichs ist es neu. Und wenn man sich die Menschen anschaut: Alles, was sie tun, hängt parallel zu allen anderen damit zusammen. Das Ich des Menschen kann verschieden deutlich vorhanden bzw. anwesend sein. Die Abwesenheit des Ich geht mit einer Desidentifizierung einher. Alles, was Nicht-Ich ist, wird als fremd erkannt. Dazu gehören auch Teile, die zum Körper, aber auch zur äußeren Welt gehören, weil der eigene Körper aus diesen Teilen besteht, z.B. Wasser. Besitztum und Definition, Zugehörigkeitsbestimmung, Formierung und Verstandestätigkeit schützen vor diesem Ichverlust. Das Bestreben nach Zugehörigkeit, Besitztum und Definition, welches über die Person hinaus ragt, kann aber auch erst zu dieser Situation des Ichverlusts führen. Das Ich bleibt unvollständig und mit der Regellosigkeit seiner Körperentstehung, der Bewegung, Materie, Ausdehnung und Teilung in der Desidentifizierung verbunden. Da es dann jedoch nicht beteiligt war, erfährt es diese Aspekte als fremd, sich ihnen gegenüber machtlos. Das Ich erkennt jedoch das Gefühl der Ausdehnung, Lust und Schmerz, die Wachstum begleiten und die Schuld als Grenze zur Welt und zu anderen Menschen.

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