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Pädagogik & Soziales

Anja Groer

Psychosoziale Beratung von älteren Menschen: Konzepte aus Expertensicht

ISBN: 978-3-95934-637-5

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 06.2015
AuflagenNr.: 1
Seiten: 100
Abb.: 16
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die vorliegende Arbeit untersucht den Bereich der psychosozialen Beratung älterer Menschen unter der Fragestellung: Wie sieht aus Expertenperspektive ein psychosoziales Beratungskonzept für ältere Menschen aus? Die Datenerhebung für die Arbeit erfolgte dabei per Experteninterview. Die Auswertung der gewonnenen Daten orientiert sich an der Grounded Theory von Strauss und Corbin und erfolgt mittels des computergestützten Auswertungsprogrammes ATLAS.ti. Des Weiteren werden Textpassagen von Beratungsprotokollen des Projektes Zukunft im Alter unter der Trägerschaft des K.U.B. e.V. in Berlin zur Illustration der Ergebnisse verwendet. Weiterhin beschäftigt sich die Arbeit mit Aspekten der psychosozialen Beratung Älterer, die in der Literatur zu finden sind. Hier spielt der Beratungsprozess mit dem äußeren Rahmen, der Gesprächsführung, den Interventionen und den Beratungselementen eine große Rolle. Außerdem wird auf den Beratenden und auf das methodische Vorgehen in der psychosozialen Beratung Älterer eingegangen. Am Ende soll ein Ausblick über mögliche zukünftige Entwicklungen des Bereiches der psychosozialen Beratung älterer Menschen gegeben werden.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2, Einführung in die Thematik: 2.1, Methodik der psychosozialen Beratung älterer Menschen: In der Literatur ist zu finden, dass für die psychosoziale Beratung älterer Menschen ein methodenoffenes Vorgehen sinnvoll ist, welches auf die Belange dieser speziellen Gruppe, der älteren Menschen, ausgerichtet sein sollte. So postuliert Peters (2006): Ich bin der Auffassung, dass bei dieser Gruppe Behandlungserfordernisse vorliegen, die eine flexible Ausrichtung und eine Offenheit voraussetzen, sich von unterschiedlichen therapeutischen Richtungen inspirieren zu lassen und wo es häufig erforderlich ist, unterschiedliche Hilfsangebote zu kombinieren (S. 48). Der Psychotherapeut und Psychoanalytiker Meinolf Peters (2006) findet vor allem für die Psychotherapie älterer Menschen - innerhalb eines psycho-analytischen Zugangs - den Einbezug verschiedener Anregungen aus unterschiedlichen Ansätzen bedeutsam, zum Beispiel die Ressourcenaktivierung aus dem systemischen Ansatz, das Erleben und die Integration von Gefühlen aus der Gesprächspsychotherapie und die Zielgerichtetheit und Angemessenheit von Verhalten und Erleben aus der Verhaltenstherapie sowie eine Vielzahl anderer Möglichkeiten. Brückner und Al Akel (2006) nehmen die Grundhaltung des Verstehens an, die traditionell mit tiefenpsychologischen und klientenzentrierten Ansätzen verbunden ist. Des Weiteren können aber auch verhaltenstherapeutische oder systemische Methoden, Rollenspiele und imaginative Verfahren von Bedeutung sein. Deshalb vertreten die Autoren einen methodenoffenen Ansatz. Sie legen sich nicht auf eine bestimmte Methode fest, sondern befürworten verschiedene Verfahren für die jeweils unterschiedlichen Klienten, Ziele und Beratungssituationen. 2.2, Der Beratungsprozess: 2.2.1, Äußerer Rahmen: Zum äußeren Rahmen gehört die Erreichbarkeit der Beratungsstelle. Ein Augenmerk der Erreichbarkeit sollte die Mobilität älterer Menschen sein. So kann beispielsweise eine ausschließliche Komm-Struktur in der psychosozialen Versorgung als Barriere in Betracht kommen (Görgen & Engler, 2005). Al Akel (2006) schlägt ein Hausbesuchskonzept in Form von aufsuchender Arbeit vor. Auch nach ihrer Sicht reicht eine herkömmliche Komm-Struktur nicht aus, um ältere Menschen rechtzeitig zu erreichen. Das verdeutlicht der geringe Zulauf von älteren Menschen in Krisendiensten oder bei Psychotherapeuten. Eine Bring-Struktur bzw. ein Hausbesuchskonzept ist besonders für Klienten mit altersbedingten körperlichen Einschränkungen von Bedeutung. Außerdem führt die aufsuchende Arbeit zu einer Erleichterung des ersten schweren Schrittes, Hilfe in Anspruch zu nehmen und zur Unterstützung beim Anvertrauen an einen Beratenden, der in diesem Fall fremd für die Älteren ist (Al Akel, 2006). Für Peters (2006) sind die Lage und die Erreichbarkeit der Räumlichkeiten, vor allem bei eingeschränkter Mobilität der Klienten, von großer Bedeutung. So empfindet er eine ausreichende Beschilderung oder auch einen Lageplan zur Orientierung als hilfreich. Des Weiteren sollte beachtet werden, ob die Räumlichkeiten per Treppe zu erreichen sind oder ein Aufzug für gehbehinderte Ältere zur Verfügung steht. Ebenerdige Räumlichkeiten schaffen viele Erleichterungen. Bei der Raumgestaltung sollte nach Peters (2006) Sicht auf Möblierung und Farbgestaltung geachtet werden. So sollten Sessel zur Verfügung stehen, die besonders für ältere Menschen geeignet sind. Solche äußeren Faktoren tragen, nach Auffassung des Autors, zur Schaffung von Behaglichkeit und eines als zuverlässig erlebten Rahmens bei. 2.2.2, Barrieren der Inanspruchnahme von Beratung: Die Zurückhaltung älterer Menschen gegenüber psychologischer Beratung oder Psychotherapie wird in der Literatur betont. Peters (2006) Annahme, dass Ältere beispielsweise eine geringere ausgeprägte Psychotherapiemotivation haben, wurde in einer seiner Untersuchungen bestätigt (vgl. Peters et al 2000). Die Gründe hierfür sehen sowohl Peters (2006) als auch Brückner und Al Akel (2006) darin, dass im Charakter älterer Menschen manifestiert ist, ihre Probleme selbst zu lösen. Erkrankungen werden beispielsweise nicht mit seelischen Schwierigkeiten in Verbindung gebracht: […] Sie verspüren weniger einen seelischen Leidensdruck, haben seltener den Wunsch, in Gesprächen ihre Probleme zu bearbeiten und sind eher geneigt, ihre Hilflosigkeit zu verleugnen (Peters, 2006, S.82). Psychologische Beratung wird von Älteren eher als eine Niederlage gesehen, als eine Hilfe, die sie bei Schwierigkeiten unterstützt. Ältere Menschen haben verinnerlicht, Probleme nicht nach außen zu tragen (Brückner, Al Akel & Klein, 2006). Al Akel (2006) erwähnt auch, dass ältere Personen oft sehr misstrauisch sind und Fremden abwehrend gegenüber stehen. Ein Bedarf an Hilfe ist ihres Erachtens zwar deutlich spürbar, dennoch ist die Hemmschwelle sehr hoch. Dieser Hemmschwelle kann aber beispielsweise durch so genannte Türöffner-Gespräche, bei denen der Erstbesuch gemeinsam mit einer Vertrauensperson und dem Psychologen stattfindet, entgegengewirkt werden. Aufgrund dieser Barrieren, gegenüber einer Inanspruchnahme von psychologischer Hilfe, sollte in einem ersten Gespräch das Augenmerk besonders darauf liegen, dass die Klienten darin unterstützt werden, ihren eigenen Hilfebedarf wahrzunehmen sowie eine Bereitschaft zu erarbeiten, Hilfe annehmen zu können (Al Akel, 2006). Peters (2006) betont die Einschätzung der Motivation des Klienten als eine wichtige Aufgabe im Erstgespräch. So geht es nach seiner Sicht in einem ersten Gespräch darum, skeptische ältere Klienten oder Patienten für eine Beratung oder Therapie zu gewinnen, und in ihnen die Bereitschaft zu fördern, sich zu öffnen und sich auf einen Selbsterfahrungsprozess einzulassen. 2.2.3, Bedeutung des ungleichen Paares: Jüngerer Berater und älterer Klient: Zwischen dem Klienten und dem Berater besteht oftmals ein großer Altersunterschied. Die Klienten haben manchmal einen Gesprächspartner vor sich, der ihr Kind oder manchmal sogar ihr Enkel sein könnte. Der Beratende sollte sich mit seinen persönlichen Vorstellungen und Ängsten zum Thema Alter auseinander setzen. Auch treten ältere Klienten den jüngeren Beratern, gerade in den Anfängen der Beratung, häufig mit großer Skepsis gegenüber. Hierbei ist es von Bedeutung den Personen die Zeit einzuräumen, die sie brauchen, um langsam ein Vertrauen aufzubauen und zu akzeptieren, dass auch eine sehr viel jüngere Person sie unterstützen kann (Al Akel, 2006). Vertrauen kann zum Beispiel durch das Verwenden alter, bekannter Ausdrücke gebildet werden, denn dies hilft die Alters-Kluft zu verringern. Die Wortwahl sollte dem älteren Klienten gegenüber angepasst sein, d.h. es sollte auf neue Worte verzichtet werden (Al Akel, 2006). Der Berater sollte außerdem auf altersbedingte Veränderungen eingehen, beispielsweise auf körperliche Einschränkungen, wie Schwerhörigkeit. Dementsprechend ist es angemessen, sich klar und einfach auszudrücken, langsamer zu sprechen, zuhören zu können, sich Zeit nehmen, nachzufragen, sowie den Klienten bei Folgerungen stärker zu unterstützen. Es besteht des Weiteren auch die Möglichkeit, dass die gemeinsame Arbeit – insbesondere das bisher Erreichte – aufgrund altersbedingter Veränderungen zurückgeworfen werden kann (Al Akel 2006). Aufgrund der Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Menschen gibt es Aspekte, die der Berater im Umgang mit den älteren Klienten beachten sollte. Lehr (2000) stellte, bezogen auf Ergebnisse der Lernforschung, relevante Faktoren zusammen: So behindert unter anderem schnelles Sprechen Ältere mehr als Jüngere bei Älteren sind in der Regel mehr Wiederholungen nötig, um den gleichen Stand zu erreichen und die Aufmerksamkeitsspanne ist reduziert. Nach Auffassung von Al Akel (2006) muss der Beratende auch darauf achten, nicht von den Klienten adoptiert zu werden. Das Beratungskonzept ist hier zwar weniger starr psychologisch, also stützender, annehmender, direkter und aufsuchend, trotzdem sollte die professionelle Ebene zwischen Berater und Klienten nicht vergessen werden. Das erfordert, um dabei nicht zurückweisend zu wirken, einen Balanceakt mit viel Sensibilität auf Seiten des Beratenden.

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