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Sozialwissenschaften


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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 10.2012
AuflagenNr.: 1
Seiten: 72
Abb.: 26
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Bereits seit vielen Jahrhunderten versuchen sich Wissenschaftler sämtlicher Disziplinen darin, dem Mysterium der Liebe auf den Grund zu gehen. Auch wenn viele Menschen der Meinung sind, dass sie bei der Entscheidung, mit welcher Person sie zusammen sein möchten, völlig freie Hand hätten, so ist der tatsächliche Umfang an potentiellen Partnern aus soziodemografischen, gesellschaftlichen und kulturellen Gründen extrem limitiert. Und selbst wenn man eine Person gefunden hat, welche nicht durch besagtes Raster fällt, so ist dies noch lange kein Garant für die Entstehung einer längerfristigen Beziehung. Doch war dies schon immer so? Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte konnte ein spürbarer Rückgang an Mehrgenerationenhaushalten verzeichnet werden. Während frühere Partnerschaften nahezu ausschließlich durch familiäre Strukturen geprägt wurden, kann inzwischen nicht mehr auf besagtes Muster zurückgegriffen werden. Dementsprechend scheint heutzutage einzig und allein das Individuum darüber zu entscheiden, mit welchem Partner eine Beziehung eingegangen werden soll. Viele soziologische Theoretiker sind jedoch nach wie vor der Ansicht, dass es auch heutzutage noch bestimmte Muster bei der Suche nach dem Partner fürs Leben gibt. Während Charles Darwin bereits im vorletzten Jahrhundert die These aufstellte, dass primär die Attraktivität des Menschen über den Erfolg der Fortpflanzung entscheidet, ist sich Scott L. Feld sicher, dass Beziehungen aus sozialstrukturellen Gemeinsamkeiten entstehen. Der Psychologe David M. Buss knüpft mit seinem Ansatz an Darwin an, fügt jedoch die Komponente der geschlechtsspezifischen Partnerpräferenzen hinzu. Gary S. Becker hingegen denkt rein ökonomisch und sieht den Kern einer erfolgreichen Beziehung in der Nutzenmaximierung des Haushalts begründet. Doch wovon hängt es wirklich ab, ob eine Beziehung von Glück erfüllt wird? Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, welcher Theorieansatz das Prinzip der Partnerwahl am effektivsten erklären kann. In Zusammenarbeit mit FriendScout24, Deutschlands größtem Partnerportal, soll herausgefunden werden, welche beziehungsrelevanten Faktoren ausschlaggebend für eine zufriedene Partnerschaft sind. Mit Hilfe einer schriftlichen Befragung wird überprüft, ob sich die auf den Prinzipien der Homo- und Heterogamie basierenden Theorien auch im Kontext des Online-Datings bestätigen lassen. Nach der Erläuterung des theoretischen Konstrukts findet die Ableitung der Hypothesen statt. Anschließend soll kurz auf den aktuellen Stand der Forschung sowie den Prozess der Datenerhebung eingegangen werden. Die finale Auswertung zielt schließlich darauf ab, diejenigen Determinanten ausfindig zu machen, die für das Gefühl von Zufriedenheit innerhalb einer Beziehung ausschlaggebend sind. Abschließend sollen sowohl die Ergebnisse der Untersuchung als auch ein Ausblick auf weiterführende Fragestellungen und Forschungsansätze diskutiert werden.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 4, Forschungsstand: Empirische Untersuchungen zeigen, dass größtenteils die makrotheoretischen Überlegungen des Homogamie-Konzepts bestätigt werden können. So gab es in der Vergangenheit bereits eine Vielzahl von Versuchsreihen, welche allesamt zu dem Ergebnis kamen, dass elementare Gemeinsamkeiten für längerfristigen Zusammenhalt sorgen. Oftmals haben sich diese Studien explizit an mikrotheoretischen Ansätzen zur Erklärung des Prinzips der Partnerwahl orientiert, häufig wurden die Probanden jedoch auch direkt nach gemeinsamen Wertvorstellungen und sonstige ideologische Eigenschaften gefragt. Dieses Kapitel soll einen kurzen chronologisch geordneten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung liefern. Im Jahr 2001 haben Axel Franzen und Josef Hartmann (2001) von der Universität Bern eine umfangreiche Studie zum Thema Partnerschaft und Sexualität durchgeführt. Die 490 Teilnehmer der Untersuchung sollten angeben, wie wichtig ihnen Aussehen, Beruf, Intelligenz, Humor und Treue im Kontext einer längerfristigen Partnerschaft sind. Die Ergebnisse der beiden Sozialwissenschaftler sind dabei deckungsgleich mit dem Theorieansatz von David M. Buss: Während für mehr als die Hälfte aller weiblichen Teilnehmer die berufliche Stellung des Mannes von großer Bedeutung ist, legen nur etwa ein Drittel aller männlichen Befragten Wert auf die berufliche Stellung der Frau. Eine optisch ansprechende Partnerin hingegen ist fast der Hälfte aller männlichen Probanden wichtig, während nur knapp ein Drittel aller Frauen besonderen Wert auf die Attraktivität ihres Partners legen. Bei allen anderen erfragten Items gab es keine nennenswerten Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern. Die beiden US-Psychologen Peter Buston und Stephen Emlen (2003) haben insgesamt 978 Studenten der Cornell-Universität im Staat New York nach deren Attributen und denen ihres fiktiven Idealpartners befragt. Dabei ging es um die Bewertung von Merkmalen wie beispielsweise Attraktivität, sozialer Status, Gesundheit oder Zuwendung. Die beiden daraus resultierenden Antwortsets stimmten nahezu komplett überein. Vor allem Familienbewusstsein, Treue und Hingabe wurden häufig als wichtigstes Kriterium bei der Wahl des Partners genannt. Das Aussehen spielte laut Ergebnissen nur eine sekundäre Rolle. Lediglich Personen, welche sich selbst als besonders attraktiv bewerteten, legten vermehrt Wert auf die Optik ihres Partners. Johannes Bauer und Christian Ganser (2007) von der Ludwig-Maximilians-Universität in München kamen im Rahmen ihrer Studie zu Partnerwahl und Partnerschaft zu dem Ergebnis, dass vor allem der strukturelle Ansatz nach Feld das Prinzip der Partnerwahl erklären kann. Es konnten zwar auch teilweise die ökonomischen und evolutionspsychologischen Ansätze der Paarfindung bestätigt werden, jedoch ließ sich kein signifikanter Einfluss der elementarsten Annahmen nachweisen. So spielte zwar für Männer das Aussehen eine wichtigere Rolle als für Frauen, und auch Frauen war der Status des Partners wichtiger als Männern, jedoch stellten besagte Ergebnisse im Widerspruch zur Theorie nicht die wichtigsten Faktoren des Partnerwahlprozesses dar (vgl. Bauer / Ganser 2007: 15). Auf Basis des biologischen Ansatzes nach Charles Darwin haben die Forscher Leonard Lee, George Loewenstein, Dan Ariely, James Hong und Jim Young (2008) die Attraktivitätsniveaus von Mitgliedern der Website 'Hot or not?' analysiert. Die Annahme, dass attraktive Menschen nach ähnlich attraktiven Partnern suchen, konnte auch im Rahmen dieser Studie belegt werden. Im Vergleich zu Frauen ließen sich Männer deutlich häufiger von der Attraktivität des weiblichen Gegenübers beeinflussen. Oft wurden auch Partner bevorzugt, die noch etwas attraktiver waren als man selbst. In Deutschland gilt Prof. Dr. Manfred Hassebrauck, seines Zeichens Professor für Sozialpsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal, als Experte zum Thema Partnerwahl. Auch er kommt in seinem Werk 'Alles über die Liebe' (2010) zu dem Ergebnis, dass Gegensätzlichkeit in einer Partnerschaft nicht förderlich ist. Unter dem Einbezug von Daten, welche ebenfalls von Mitglieder-Befragungen des Partnerportals FriendScout24 stammen, kann er für die Vermutung, dass sich unterschiedliche Ansichten in Einstellungen und Interessen positiv oder zumindest neutral auf die Qualität einer Beziehung auswirken, keinerlei Bestätigung finden (vgl. Hassebrauck 2010: 132). Es gibt jedoch auch Untersuchungsergebnisse, welche zumindest teilweise das Prinzip der Heterogamie bestätigen. Beispielsweise hat Steven Reiss (2002) empirisch belegen können, dass Partnereigenschaften zwar im Bereich der existenziellen Wertvorstellungen und sozialen Normen homogam, im Bereich der Hobbys und Interessen jedoch heterogam sind. Bei seinen langjährigen Untersuchungen, welche auf Daten von über 6.000 Männern und Frauen aus Japan, Kanada und den USA basierten, kreierte er eine vielschichtige Anordnung von homogamen Leitmotiven des Menschen. Reiss kam letztendlich zu der Erkenntnis, dass Paare mit überwiegend gleichen Wertvorstellungen signifikant häufiger in stabilen Beziehungen leben. Auch Claus Wedekind und Sandra Füri (1997) von der Universität Bern stellten heterogame Mechanismen bei der Wahl des Partners fest. Nachdem im ersten Schritt eine Blutabnahme erfolgte, mussten Studentinnen an den Kleidungsstücken ihrer männlichen Kommilitonen riechen. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die weiblichen Teilnehmer eher zu Männern hingezogen fühlten, deren Immunsystem sich extrem von dem eigenen unterschieden hat. Auch wenn diese Untersuchung kaum einen theoretischen Bezug zu den im Rahmen dieser Arbeit vorgestellten Ansätzen aufweisen kann, so ist es dennoch interessant zu sehen, welche weiteren Faktoren bei der Wahl eines Partners unter Umständen von großer Bedeutung sein können.

Über den Autor

Sebastian Hauser wurde 1986 in München geboren. 2012 schloss er sein Studium der Soziologie und Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München ab. Schwerpunkte des Studiums lagen dabei im Bereich der quantitativen und qualitativen Sozialforschung sowie dem Themenkomplex der internationalen Beziehungen. Insbesondere die Felder der Stadtsoziologie sowie der Familiensoziologie mit Spezialisierung auf den Prozess der Partnerwahl standen dabei im Fokus seiner Forschung. Sebastian Hauser lebt in München.

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