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Gesellschaft / Kultur


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Produktart: Buch
Verlag: disserta Verlag
Erscheinungsdatum: 11.2012
AuflagenNr.: 1
Seiten: 160
Abb.: 24
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die Vernachlässigung von Kindern und das damit verbundene Interesse an einem verbesserten Kinderschutz sind in den letzten Jahren vermehrt in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Die in den Medien aufgegriffenen tragischen Verwahrlosungs- und Todesfälle, welche durch reißerische Aufbereitung für Schlagzeilen sorgen, stellen allerdings nur die Spitze des Eisbergs dar und lassen aufgrund einer vermutlich hohen Dunkelziffer die Tragweite dieses gesellschaftlichen Problems erkennen. Vor allem den Schutz von Säuglingen und Kleinkindern gilt es zu verbessern, da diese aufgrund ihrer Bedürftigkeit und Hilflosigkeit besonders für Vernachlässigung und Misshandlung gefährdet sind. Kinder unter drei Jahren stellen für die Öffentlichkeit einen blinden Fleck dar, weil sie meist ausschließlich innerfamiliär betreut werden und dadurch nur wenig mit anderen Erwachsenen oder Organisationen in Kontakt kommen. Deshalb werden die meisten Fälle von Vernachlässigung oder Misshandlung erst dann bemerkt, wenn Kinder in Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen regelmäßig außerhalb ihrer Familie beaufsichtigt werden. Präventive Maßnahmen und frühzeitige Interventionen versprechen den größten Erfolg für den Entwicklungsverlauf in der frühen Kindheit, in eben diesem Zeitraum, in dem ein Kind den größten Risiken ausgesetzt sein kann. Flächendeckende Unterstützungsangebote, die während der Schwangerschaft oder ab dem Zeitpunkt der Geburt einsetzen, haben das Potenzial, Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern zu reduzieren. Eine gute Vernetzung zwischen den Systemen des Gesundheitswesens und der Sozialarbeit kann zudem dazu beitragen, so früh wie möglich hilfsbedürftige, armutsbelastete oder sozial benachteiligte Kinder und Familien zu identifizieren, ohne sie zu stigmatisieren.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 3.5.4, Schichtenspezifische Sozialisation: Autoritäre und repressive Erziehung war bis zum zweiten Drittel des letzten Jahrhunderts in allen sozialen Schichten der Bevölkerung üblich. Gewalt und Schläge waren nicht nur als Erziehungsmittel für Eltern, sondern auch für Erzieher/innen, Pädagoginnen und Pädagogen das Mittel erster Wahl, um Kinder zu rechtschaffenen Menschen zu machen. Mit den Erkenntnissen der Entwicklungs-, Individualpsychologie und Psychoanalyse fand jedoch ein Umdenkprozess im Erziehungsverhalten statt, allerdings fast ausschließlich nur in der Mittel- und Oberschicht der Bevölkerung, der durch Hilfe und Unterstützung geprägt war. Im Vergleich dazu waren in der Unterschicht sehr oft Werte wie Gehorsam und Anpassung erwünscht, die mit Befehlen und Strafen zu erreichen versucht wurden. (vgl. Schenk-Danzinger 1996, S. 123ff.) Die Veränderungen von der klassischen Familie hin zu anderen Lebensformen führen oft zu belastenden Umständen, die ihrerseits wiederum als Risikofaktoren für Vernachlässigung, Verwahrlosung oder Kindesmisshandlung gelten. Auch wenn es keine eindeutigen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gibt, so geht Vernachlässigung doch gehäuft mit bestimmten Risikofaktoren einher, die das Familienleben stark belasten können. Das bloße Vorkommen einiger dieser Faktoren in einer Familie führt nicht zwingend zu Kindesvernachlässigung, allerdings muss man von einer höheren Gefährdung ausgehen, wenn mehrere dieser Risikofaktoren in einer Familie zusammenwirken. Uri Bronfenbrenner resümiert, dass die Familie als wirkungsvollste Sozialisationsinstanz die Entwicklungschancen eines Kindes am nachhaltigsten bestimmt. Die isolierte Förderung von Kindern in benachteiligten Familien zeige keine nachhaltige Verbesserung der Situation. Erst die Einbeziehung der Familie und des sozialen Umfelds bewirken eine Verbesserung der Entwicklungschancen von Kindern. (vgl. Bronfenbrenner 1981, S. 38) Innerhalb einer Familie entwickeln sich nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern. Jedes Familienmitglied entwickelt sich in einem gemeinsamen Zeitraum sowohl für sich selbst, aber auch im Hinblick auf die Gemeinschaft. In dieser Zeit treten natürliche und entwicklungsbedingte Lebensübergänge auf, die häufig vorkommen und sich in das Familienleben einfügen. Meist werden diese als Herausforderungen, weniger als Stressoren bewertet und können von vielen Familien ohne fremde Hilfe bewältigt werden. (vgl. Germain/Gitterman 1999, S. 304f.) ‘......auch die Eltern, besonders die Mütter, von der Hilfe einer größeren sozialen Gruppe abhängig sind’ (Bowlby 2005, S. 83). ‘Wahrscheinlich gibt es nur dann, wenn die Großfamilie aufgehört hat zu bestehen, in größerem Umfang das Problem der vernachlässigten Kinder’ (Bowlby 2005, S. 71). Türkmen-Barta (1994) entschärft jedoch die Wichtigkeit des Aufwachsens und der Sozialisation von Kindern in einer Großfamilie. Durch die Lektüre von Fachzeitschriften, Broschüren und Büchern über die Pflege, Ernährung und Förderung von Säuglingen können Wissensdefizite, ihrer Meinung nach, völlig überwunden werden. ‘Diese Lese-Beratung ersetzte mir das, was in der reichen Gesellschaften die kulturelle Tradition des Teilhabens an der Pflege jüngerer Geschwister oder kleinerer Nichten und Neffen leistet’ (Türkmen-Barta, S. 7). Studien zufolge sind jedoch persönliche Gespräche und der Austausch mit erfahrenen Müttern, Freundinnen / Freunden, Verwandten oder Expert/innen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen für die meisten Mütter / Familien trotzdem wichtiger als Informationen aus Fachbüchern. (vgl. Stierle 2006, S. 11f.)

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