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Pädagogik & Soziales

Stefan Igelhaut

Mensch-Tier-Beziehungen in der Sozialen Arbeit

ISBN: 978-3-95934-828-7

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 11.2015
AuflagenNr.: 1
Seiten: 116
Abb.: 9
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

In einem Großteil der deutschen Haushalte werden die unterschiedlichsten Haustiere wie Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Fische oder Terrarientiere gehalten, wobei zum Teil immense Summen für die Tierhaltung ausgegeben werden. Warum findet das Halten von Haustieren einen so großen Zuspruch? Welche Auswirkungen der Tiere auf den Menschen werden erwartet? Warum wird in bestimmten (Lebens-) Situationen auf die Präsenz von Tieren Wert gelegt? Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit dem Ursprung, dem Wandel und den Eigenschaften der Beziehung zwischen Menschen und Tieren im Hinblick auf den Einsatz im Rahmen der Sozialen Arbeit. Vor allem der Einsatz der tiergestützten Therapie bzw. der tiergestützten Pädagogik erschließt hier ein breites Feld von Handlungsmöglichkeiten. Außerdem wird im Einzelnen der Frage nachgegangen, welche Lernmöglichkeiten hierdurch entstehen und welche Chancen und Erfahrungsmöglichkeiten diese für die betroffenen Personen mit sich bringen. Da mittlerweile eine immer größer werdende Anzahl von Institutionen professionell tiergestützt arbeitet und hieraus viele Projekte entstehen, werden einige davon im Rahmen dieser Untersuchung dargestellt. Weiterhin werden die angesprochenen Fragestellungen auf der Grundlage der Auswertungen aktuellster Fachliteratur ausgeführt. Mündliche Mitteilungen (ehemals) betroffener Personen sowie Besuche in einigen Einrichtungen und die Verwendung von bildlichem Material ergänzen die Fachliteratur um greifbare Beispiele, um einen umfassenden und praxisorientierten Einblick in das Thema Mensch-Tier-Interaktion für den Bereich der Sozialen Arbeit zu liefern.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 5.1.3. Arbeit mit Katzen: Katzen eigenen sich in der tiergestützten Sozialen Arbeit vor allem als ständige Mitbewohner in den verschiedenen Heimtypen für Tierbesuchsdienste sind sie weniger geeignet, da sie sich in einer neuen Umgebung erst neu orientieren müssen, und in diesem Zeitraum selbst sehr unsicher sind. Sie können in der Gemeinschaft mit den Menschen leben, ohne durch ständiges, aufforderndes Verhalten aufzufallen. Daher sind sie auch für Menschen geeignet, die sich nicht dem ständigen Kontakt mit einem Tier aussetzten möchten. Katzen suchen zwar den Kontakt, ziehen sich dann aber wieder in ihre Ecke in ihren Korb o. ä zurück. Durch das weiche Fell, das Schnurren und die damit verbundenen Vibrationen sind Katzen besonders für gehörlose oder blinde Menschen geeignet, da diese die Schwingungen aufnehmen und auch ohne sehen oder hören zu können, als Zeichen des Wohlbehagens verstehen. Katzen beweisen ihren eigenen Willen und handeln selbstbewusst ihr Tagesrhythmus passt sich gut dem der Menschen an (vergl OTTERSTEDT, 2001, Seite 147 f.). Außerdem sind Katzen in Sachen Hygiene durch das Aufsuchen der Katzentoilette besonders für den Heimalltag geeignet, da hier das Ausführen, wie es bei Hunden üblich ist, oder große Ausmistaktionen wie bei Kaninchen usw., entfallen. 5.1.4. Arbeit mit Ziervögeln: An vierter Stelle der gehaltenen Heimtiere stehen mit 4,2 Millionen die Ziervögel. Hierunter fallen z. B. der Kanarienvogel, der Wellensittich, andere Papageien, Finkenarten und unzählige mehr. In einigen Altenheimen sind Wellensittiche oder Kanarienvögel zu finden, sie sitzen (wegen der Infektionsgefahr und der Verschmutzung) meist in großen Volieren (sog. Vogelbauern ), wo sie sich einigermaßen frei bewegen können. Trotzdem geht OTTERSTEDT davon aus, dass durch das Fehlen des direkten Kontaktes die pädagogisch-therapeutische Mensch-Tier-Beziehung nur unzureichend aufgebaut werden kann, was ich aus persönlichen Erfahrungen ausdrücklich bestätigen kann. Das freiwillige Zukommen des Tieres auf den Menschen, fehlt hier ebenso wie der unmittelbare Körperkontakt, was sich in gewissem Maße negativ auf den Erfolg der Tierhaltung mit pädagogisch-therapeutischen Absichten auswirkt. Erfolgversprechender wäre hier natürlich der Freiflug von z. B. Wellensittichen im Zimmer, bzw. die Einrichtung eines Vogelzimmers , in dem sich Mensch und Tier frei begegnen können. Dies ist aber aus hygienischer Sicht schlecht vertretbar, warum auf die Volierenhaltung zurückgegriffen wird, was sicherlich besser ist, als gar keinen Tierkontakt zu ermöglichen. Im Onlinedienst der Zeitschrift Haus+Garten ist folgendes zu lesen: Forscher verteilten 1994 11 Wellensittiche in 37 Altenheimen. Als wir sie nach acht Wochen wieder mitnehmen wollten, hätten uns die Senioren und das Pflegepersonal fast verprügelt , schmunzelt Professor Dr. Reinhold Bergler (Universität Bonn), Leiter des Forschungskreises Heimtiere in der Gesellschaft . Mit den Vögeln zog Fröhlichkeit ein und Stoff für Gespräche. Es entwickelte sich ein Familiengefühl und Freude auf den nächsten Tag. Die Beglückten hatten endlich wieder eine Aufgabe, nahmen weniger Medikamente, gingen seltener zum Arzt, brauchten weniger Pflege-Service. Nicht die Zipperlein standen im Vordergrund sondern der Sittich. Die Tier-Mensch-Beziehung im Alltag weckt zunehmend das Interesse der Wissenschaft: Sie ist nichts weniger als Liebe und seit zehn Jahren auch hierzulande anerkannt als eine bestmögliche Medizin. (http://www.haus.de/PH2D/ph2d.htm?snr=3995, o. V., aufgerufen am 01.01.06). An diesem Beispiel aus der Praxis ist die enge Bindung zwischen Menschen und Tieren zu erkennen, die schon nach kurzer Zeit entsteht und deren Weiterbestehen mit hohem Emotionsaufwand verteidigt wird. 5.1.5. Arbeit mit Aquarien- und Terrarientieren: Die Anwesenheit eines Aquariums mit Pflanzen und Fischen ist in vielen Einrichtungen zu finden. In Kanzleien und Büroanlagen ebenso wie in Alten- oder Behindertenheimen. Das Aquarium stellt eine eigene Traumwelt dar man kann darin abtauchen, ganz darin versinken, weit weg vom eigenen Alltag. Die Gefahr der Infektion der Menschen durch Aquarien ist gleich null einzuschätzen, sofern die Pflegearbeiten vom Personal ausgeführt werden. Aber auch bei der Aquarienpflege durch Kinder, Bewohner oder Jugendliche ist bei entsprechender Hygiene die Gefahr einer Krankheitsübertragung gering. Außerdem macht ein Aquarium keinen Lärm, verursacht keine Geruchsbelästigung und ist auch bei geringen Platzverhältnissen realisierbar. Das unmittelbare Berühren der Aquarienbewohner entfällt hier natürlich, dafür kann dessen Lebensraum durch die Aquarieneinrichtung gestaltet werden. Anders ist dies bei Terrarien und dessen Bewohnern. Hier entsteht die Möglichkeit, die verschiedenen, für solche Zwecke geeigneten Terrarienbewohner in ihrem eigens eingerichteten Lebensraum zu beobachten und sie - bei entsprechender Gewöhnung - auch anzufassen. Gerade das begreifen dieser sonderbar erscheinenden Tiere macht Kindern und Jugendlichen viel Spaß und regt zu weiteren Aktivitäten zum Wohle der Tiere an. […] Die dafür bestens geeigneten Bartagamen bieten eine interessante Gestalt, eine unkomplizierte Pflege unkomplizierte Futteransprüche (Salat, usw.) und eine natürliche Zahmheit ggü. dem Menschen. Außerdem gibt es einige Insektenarten, wie die australische Gespenstschrecke, Stabschrecken oder die Madagassischen Fauchschaben, welche für die Betreuung durch Kinder oder Jugendliche in Betracht kommen, so das Schulbiologiezentrum des Instituts für Didaktik der Naturwissenschaften (SBZ) (vergl. http://www.sbg.ac.at, KALAS, K., aufgerufen am 22.01.06, SEILER, C. et. al., 2000, Seite 124). Die Pflege eines Terrariums kann z. B. an einer Schule nach dem Unterricht in selbst organisierten Arbeitsgruppen unter Anleitung eines Lehrers geschehen, was auch schon an manchen Schulen mit Erfolg durchgeführt wird. Natürlich lassen sich auch andere Krabbeltiere wie Marienkäfer, Glühwürmchen oder Regenwürmer, welche in einer Exkursion ( Kleintiersafari ) des Kindergartens, der Hortgruppe o. ä. gesammelt werden, zur Anschauung halten. Auch hier werden – eingebettet in Gruppenspiele, welche den Kindern das Einfühlen in einen kleinen Marienkäfer erleichtern – wertvolle Erfahrungen gesammelt und Respekt vor einem noch so kleinen Lebewesen vermittelt. Weitere Spielmöglichkeiten schildern MARTINA KROTH und MONIKA LANGE in ihrem Buch Käfer, Katze und Kaninchen , welche Werte vermitteln und zum Nachmachen in einem Kindergarten einladen. Außerdem zeigt P. STAMER-BRANDT weitere Möglichkeiten auf, Erlebtes in Form von Liedern, Geschichten und Gedichten einzufassen ( Leben mit Tieren , Freiburg, 2003). 5.1.6. Arbeit mit Kleintieren (Kleinsäugern): Unter die Bezeichnung Kleinsäuger fallen viele der beliebtesten Heimtiere. Hierunter zählen Hamster, (Renn)Mäuse, Ratten, Meerschweinchen, (Zwerg)Kaninchen, Degus und Nagetiere aller Art, Frettchen, sowie fast alle anderen pelzigen Kleintiere . Durch ihr mehr oder weniger langes Fell, ermuntern diese Tiere natürlich dazu, sie anzufassen und zu streicheln. Durch ihre geringe Größe sind sie auch gut zu handhaben und z. B. bei Tierbesuchsdiensten gut zu transportieren. Die taktilen Reize, welche durch das Streicheln dieser Tiere auf den Menschen einwirken, verbunden mit der Körperwärme dieser Tiere, lässt sehr schnell eine sehr enge Mensch-Tier-Beziehung entstehen. Die meisten Kleinsäuger sind ruhig, friedfertig und lassen sich auch von Fremden ohne weiteres berühren und streicheln, was sie für die tiergestützte Pädagogik besonders wertvoll macht. Besonders Meerschweinchen sind hier aufgrund ihrer ausgeprägten Beißhemmung besonders geeignet, weit besser als der nachtaktive Hamster, der meiner Meinung nach überhaupt nicht für Kinder(hände) geeignet ist. Zumeist trauen sich die betroffenen Menschen – außer im Fall einer starken Abneigung oder daraus folgender Reizgeneralisierung – diese Tiere an sich zu nehmen, sich auf den Schoß zu setzten oder auf sich herumkrabbeln zu lassen, was v. a. bei Mäusen und Ratten (Ratte bei Punks oder obdachlosen Menschen, s. o.) üblich ist. Da vielen Kindern (bedauerlicherweise) vom Elternhaus das Halten von Tieren untersagt wird, oder aber diese aus anderen Gründen nicht möglich ist, ist der Kontakt zu einem Tier eventuell nur im Rahmen dieser sozialen Einrichtung möglich. Diese Tiere sind zur dauerhaften Haltung in Heimen oder Kindergärten geeignet, wo die täglich anfallende Arbeit (Futter, Wasser, ausmisten) von den Kindern unter Anleitung leicht zu bewerkstelligen ist, und die Beziehung zum Tier, aber auch zu den Mitmenschen gefestigt wird. Es werden sich z. B. zusammen große Sorgen um das Wohlergehen des Kaninchens gemacht, wenn es erkrankt ist, oder aber auch die Freude bei Kaninchennachwuchs miteinander geteilt, wodurch soziale Grund-leistungen erlernt und gefestigt werden. Hier werden das Verantwortungsgefühl, die Teamfähigkeit sowie das individuelle Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl gefördert und stabilisiert, was der Kindergartengruppe im Kleinen, der psycho-sozialen Entwicklung der Kinder im Großen zugute kommt.

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