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Finanzen

Philipp Rosenbach

Deutsche Hedgefonds – Eine Analyse der Entwicklung und Zukunftsperspektiven

ISBN: 978-3-96146-721-1

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 07.2019
AuflagenNr.: 1
Seiten: 60
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Hedgefonds sind auf den globalen Finanzmärkten etablierte Akteure, die weltweit eine große wirtschaftliche Bedeutung haben. Dennoch sind die Domizile dieser speziellen Fondsgattung oft auf nur einige, wenige Länder beschränkt. Von allen wirtschaftlich starken Ländern scheint es, als wäre insbesondere Deutschland als Standort für Hedgefonds uninteressant, was sich sowohl in der Anzahl der Fonds als auch deren Volumen widerspiegelt. Dieses Buch geht grundlegend auf die Frage ein, welche Entwicklung die deutsche Hedgefonds-Branche durchlebte und welche Determinanten eine entscheidende Rolle dabei spielten. Insbesondere wird die Regulierung nach deutschem Recht im Laufe der Zeit und der Einfluss der Gesetzesänderungen auf die Hedgefonds-Branche in Deutschland betrachtet. Zudem zeigt die Veröffentlichung wesentliche Einflüsse abseits der Regulatorik auf, wie die durch Investoren oder des Vertriebs. Abschließend werden potentielle Wege zur Steigerung der Attraktivität dieser Anlageklasse in Deutschland aufgezeigt.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 4.1. Einflussfaktoren auf die Entwicklung der deutschen Hedgefonds-Branche: Die für die mangelhafte Entwicklung der deutschen Hedgefonds-Branche verantwortlichen Faktoren sind derart zahlreich, dass sie zur einfacheren Übersicht in vier Gruppen eingeteilt werden können: Investoren, Regularien, Vertrieb und solche, welche keiner der drei vorangegangenen Gruppen eindeutig zuzuordnen sind. 4.1.1 Einflüsse von Investoren: Die Entwicklung im Laufe des ersten Jahres nach Einführung des InvG wurde innerhalb der Branche und von führenden Experten auf dem Gebiet insgesamt als enttäuschend angesehen. Den vermutlich größten Einfluss auf die Entwicklung hatte die mangelnde Nachfrage seitens (institutioneller) Investoren. Dies hat vielfältige Gründe, welche unter anderem die Vorschriften seitens der Regierung, die Mentalität der deutschen Anleger und prägende Finanzmarktereignisse umfassen. Die mangelhafte Entwicklung zu Anfang konnte schnell an einer grundsätzlichen Unkenntnis vieler Investoren in Sachen Hedgefonds festgemacht werden. Ein weiterer Faktor, welcher die Entwicklung bedingte, war die ebenfalls als mangelhaft einzustufende Kenntnis bei Beratern, Banken und Vertriebsgesellschaften. Da für diese bis zur Einführung des InvG in Deutschland nie die Notwendigkeit bestand, sich mit dem Produkt oder der Auflage von Hedgefonds auseinanderzusetzen, konnte den Investoren zum Zeitpunkt der Einführung keine qualifizierte Beratung angeboten werden. Es wurde versucht, diesem Problem mit dem Einkauf von qualifiziertem Personal zu begegnen, was sich allerdings zunehmend schwierig gestaltete. Die deutsche Branche war im internationalen Vergleich durch ihre erst kurze Existenz und das geringe eingesammelte Kapital von zu der Zeit 1.153,6 Millionen Euro uninteressant. Immer schon beeinflusste die deutsche Mentalität die Auswahl der Investitionen deutscher Anleger. In angelsächsischen Ländern wird oft von dem sogenannten Stupid German Money , dem dummen deutschen Geld gesprochen. Dies bezieht sich darauf, dass deutsche Sparer ihr Geld auf Tagesgeld- oder Girokonten lagern, anstatt es zu investieren. In einer eigens dazu angefertigten Studie kam Blackrock zu dem trivialen Ergebnis, dass die Mentalität in Deutschland gegenüber dem Eingehen von Risiken, dem unternehmerischen Denken und dem Sich-Verschulden auch tatsächlich anders sei als in anderen Ländern. Diese Eigenschaft betrifft allerdings nicht nur den deutschen Sparer, sondern auch institutionelle Investoren. Demzufolge hatte dies einen erheblichen Einfluss auf die neue, deutsche Hedgefonds-Branche. Insbesondere Versicherungen hielten sich anfangs bezüglich einer Investition in deutsche Hedgefonds-Produkte lange zurück. Dies war dadurch bedingt, dass sie einerseits erst ab August 2004 in solche Produkte investieren durften (einhergehend mit einem neuen Anlagekatalog) und dass sie andererseits die Risikokapitalquote von 5% nicht übersteigen durften. Dies führte im Umkehrschluss dazu, dass zum Ende des Jahres 2005 weniger als 0,5% der Kapitalanlagen von Versicherungen in deutschen Hedgefonds investiert waren. Im Gegensatz zu weit verbreiteten Meinungen in der Branche besserte sich die Bedeutung von Versicherungen als Investoren in deutsche Hedgefonds im Laufe der Zeit nicht. Im ersten Halbjahr 2014 machten Versicherungen nur 3% der Investitionen in deutsche Hedgefonds durch institutionelle Anleger aus. In den kommenden zwei Jahren verloren Versicherungen weiter an Bedeutung, sodass sie als Investoren im wichtigsten Marktüberblick deutscher Hedgefonds (dem des Bundesverbandes für Alternative Investments) nicht mehr aufgeführt wurden. Führend in der Investition in Hedgefonds sind laut dem German Market Review H1 2014 Family Offices mit einem Anteil von 34% an der gesamten Investitionsquote. Im Jahr 2017 machen Family Offices sogar 35% der gesamten Investitionsquote deutscher Hedgefonds aus. Was auf den ersten Blick wie ein hohes Investitionsvolumen wirkt, ist bei genauerer Betrachtung ein Verweis darauf, wie unwichtig die deutsche Hedgefonds-Branche ist. Die Investitionsquote von 35%, welche von Family Offices abgedeckt wird, entspricht einer Studie zufolge nur 2,8% der insgesamt angelegten Gelder. Dies ist dadurch bedingt, dass Family Offices, ebenso wie Versicherungen und nahezu alle anderen institutionellen Investoren, eine risikoaverse Haltung bei ihren Investitionen verfolgen. Ihre primäre Aufgabe ist der Kapitalerhalt und erst sekundär die Renditemaximierung. Entsprechend bevorzugen Family Offices Investitionen in Aktien, Anleihen oder auch Immobilien. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Erwartungen von Hedgefonds-Managern und Hedgefonds-Anbietern in Bezug auf das investierte Kapital deutlich verfehlt wurden. Dies lag zum einen an der beschriebenen Risikoaversion institutioneller Anleger und zum anderen an der restriktiven Regulatorik des deutschen Gesetzgebers, welche im nächsten Teil erörtert wird. 4.1.2 Einflüsse der Regulatorik: Nachdem in Kapitel 3 die Entwicklung der Regulatorik der deutschen Hedgefonds-Branche hinreichend beleuchtet wurde, wird sich der folgende Abschnitt mit den Auswirkungen eben dieser auf den Fondsstandort Deutschland auseinandersetzen. Beginnend sollte erwähnt werden, dass einige Hedgefonds-Manager und Hedgefonds-Anbieter schon bei der Umsetzung des InvG bemängelten, dass es sich bei deutschen Hedgefonds eher um herkömmliche Investmentfonds mit größeren Freiheiten als um Hedgefonds im eigentlichen Sinne handele. Hedgefonds im eigentlichen Sinne sind klassifiziert durch nahezu vollständige Freiheit bei der Auswahl der Anlageprodukte, sehr geringe Regulierung und die Lokalisierung in offshore-Standorten. Deutsche Hedgefonds hingegen entsprachen und entsprechen diesen Charakteristika nur bedingt, da sie einen engen regulatorischen Rahmen haben, in der Wahl ihrer Anlageprodukte begrenzt sind und nicht offshore sondern onshore, d.h. in Deutschland, lokalisiert sind. Nach der Öffnung des deutschen Marktes für Hedgefonds und Hedgefonds-Produkte im Jahr 2004 entstanden die ersten regulatorischen Problematiken relativ schnell. Doch nicht nur aufsichtsrechtliche und investmentrechtliche Aspekte prägten die anfänglich problematische Ausgestaltung deutscher Hedgefonds, eine weitere wesentliche Determinante war die steuerrechtliche Behandlung deutscher Hedgefonds und derer Investitionen. Das Problem bestand darin, dass nur Hedgefonds welche jede ihrer Transaktionen offenlegten, steuerlich effizient bewertet werden konnten. Selbst wenn der zuständige Manager / das zuständige Vehikel einer Offenlegung zustimmten, war der Verwaltungsaufwand derart hoch, dass dies nicht möglich war und bis heute nicht möglich ist. Dies allein benachteiligt Deutschland als Fondsstandort ungemein, da bspw. in offshore-Standorten nahezu keine steuerlichen Offenlegungspflichten für Hedgefonds existieren. Schon 2004 konnte erkannt werden, dass der deutsche Gesetzgeber Hedgefonds zwar zuließ, allerdings nur in einem für die Industrie engen regulatorischen Mantel. Diese Beobachtung sollte sich im weiteren Verlauf der Zeit bestätigen. Das Beispiel, welches nahezu prädestiniert dafür ist, ist die Umsetzung der AIFM-Richtlinie in das deutsche Gesetz. Die AIFM-Richtlinie orientiere sich grundsätzlich an dem deutschen Ansatz der Regulierung von Hedgefonds, stellte aber nun einen europaweiten Rahmen für die gesamte Branche dar. Der deutsche Gesetzgeber hingegen übernahm die Richtlinie nicht unverändert, sondern ging noch darüber hinaus und implementierte eine stärkere Regulierung als gefordert. Es wurden Meinungen laut, dass der Gesetzgeber mit der Überregulierung nichts Anderes als puren Wahlkampf im Sinn habe. Bezeichnend für die Überregulierung, insbesondere der Hedgefonds-Branche, war das Vertriebsverbot an Privatanleger, damit diese besonders risikoreichen Anlagen geschützt werden . Was auf den ersten Blick als möglicherweise sinnvolle Maßnahme erschien, verkam auf den zweiten Blick zu Effekthascherei. Während Privatanlegern die Anlage in Single-Hedgefonds untersagt wurde, war es ihnen (bis zum partiellen Verbot durch die BaFin in 2017) weiterhin möglich, high-risk-Certificates zu erwerben, oder ihr Geld in den sog. Grauen Kapitalmarkt zu investieren. Nicht nur entmündigte die Bundesregierung damit den Privatanleger, sie handelte auch Empfehlungen aus der Branche zuwider. Schon 2007 forderten Anlegerschützer, Single-Hedgefonds in Deutschland zum öffentlichen Vertrieb zuzulassen. In einem eigens für dieses Buch geführten Interview mit dem Geschäftsführer des Bundesverbandes für alternative Investments, Frank Dornseifer, kam dieser zum Schluss, dass dieses Verbot nicht nur unlogisch sei, da der Zugang zu Zertifikaten uneingeschränkt möglich war, sondern auch kein gutes Licht auf den deutschen Gesetzgeber werfe. Schlussendlich ist erkennbar, dass dem deutschen Gesetzgeber von Beginn an daran gelegen war, der Hedgefonds-Branche zwar Zugang zu Deutschland als Fondsstandort zu genehmigen, aber nur zu eigenen Bedingungen.

Über den Autor

Philipp Rosenbach, geboren 1996 in Hannover, studiert seit 2019 im Master of Finance-Programm der Frankfurt School of Finance and Management, wo er bereits seinen BSc. in Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen hat. Während seines Studiums konnte er bereits praktische Erfahrungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Investment Banking und Private Equity sammeln, die ihn motivierten, sich der Thematik des vorliegenden Buches zu widmen.

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