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Geisteswissenschaften

Sebastian Böttger

Das Abendmahl im interkonfessionellen Dialog unter Heranziehung von CA10

ISBN: 978-3-95820-028-9

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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 07.2014
AuflagenNr.: 1
Seiten: 40
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem innerchristlichen Problem, welches seinen Ursprung in der Reformation hat und bis in die Gegenwart weiterhin noch Fragen, Unklarheiten und Streitpotential besitzt: Das Sakrament des Abendmahls aus interkonfessioneller Perspektive ausgehend von CA10. Aber wie entwickelten sich diese Probleme? Wer streitet sich hier mit wem und worüber? U.a. diese Fragen sollen in dieser Arbeit behandelt werden.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 3, Das Abendmahl in CA10: ‘Von dem Abendmahl des Herren wird also gelehrt, daß (sic!) wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brots und Weins im Abendmahl gegenwärtig sei und da ausgeteilt und genommen werde. Derhalben wird auch die Gegenlehr verworfen.’ An dieser Stelle ist anzumerken, dass der deutsche Text aus den gesammelten Bekenntnisschriften der ev.-luth. Kirche zitiert wurde. Im Laufe dieses Kapitels wird sich auch darüber auseinander gesetzt, dass es deutliche Unterschiede zwischen dem lateinischen Text und der deutschen Übersetzung gibt. Es liegt eine weitere deutsche Übersetzung vor, die von Grane genutzt wird. Dies ist allerdings eine Neuübersetzung ins Deutsche, vorgenommen von Heinrich Bornkamm, und erschienen in seinem Werk Das Augsburger Bekenntnis im Jahre 1965. Dies dient auch als Hilfestellung zum Verständnis der lateinischen Version. Wenn im Folgendem von dem lat. Text gesprochen wird, wird sich hier auf diese Übersetzung bezogen, wenn vom dt. Text gesprochen wird, ist der ursprüngliche Text von Melanchthon aus den gesammelten Bekenntnisschriften gemeint. 3.1, Unterschiede zwischen dem deutschen und lateinischen Text: Das Verständnis dieses Artikels ist sehr stark auf einige kleine Passagen bezogen. Der lateinische Text spricht von einem wahrhaft gegenwärtig, wohingegen der deutsche Text davon spricht, dass Jesus Christus unter der Gestalt des Brots und Weins im Abendmahl vorhanden sei. Die Transsubstantiation, also die Wesenverwandlung von Brot in Leib und Wein in Blut, wird in CA10 nicht erwähnt, allerdings auch nicht direkt ausgeschlossen. Hier ergibt sich Interpretationsspielraum, welcher durch verschiedene Formulierungen in den zwei Texten deutlich wird. Man kann davon sprechen, dass im deutschen Text die Formulierung der Gestalt von Brot und Wein sehr passend wäre, wenn ausgedrückt werden sollte, dass eine Wandlung stattfände. Die Lutheraner würden somit auch dem Ausdruck des Laterankonzils von 1215 sehr nahe kommen, in welchem auch von der Gestalt (lat. species) gesprochen wird. Der dt. Text ist letztendlich viel schärfer formuliert, als der lat. Text, obwohl beide Texte aus der Feder von Philipp Melanchthon stammen. ‘Leib und Blut Christi wahrhaft im Abendmahl gegenwärtig’, so wird es im lat. Text geschrieben, allerdings ist das dt. Pendant viel schärfer mit ‘wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftiglich’ formuliert. Man kann hier sogar von einer wirklichen ‘Doppelung’ und somit von einer ausdrücklichen Betonung der Wahrhaftigkeit sprechen. Durch diese Formulierung wird jedoch der Interpretationsspielraum für die Gegenwart Christi, im Sinne einer geistlichen Gegenwart, weitestgehend eingeschränkt. Trotz keinem klaren Bekenntnis zur Transsubstantiation, wird hier im dt. Text eine Realpräsenz von Jesus Christus deutlich hervorgehoben. Eine große Diskussion gibt es über das im lat. Text genutzte Wort ‘vere’. Bei der Auslegung finden sich verschiedene Auslegungen und Ansichten darüber, was Melanchthon mit der Verwendung dieses Wortes tatsächlich ausdrücken wollte. Mögliche Übersetzungen davon sind ‘richtig’, ‘wahrhaftig’ und ‘wirklich’. Aber ob Jesus Christus nun wahrhaftig und wirklich anwesend ist, oder richtig im geistlichen Sinne, darüber lässt streiten. Deshalb spricht man davon, dass im deutschen Teil eher die Realpräsenz angenommen wird. Melanchthon versucht auch in seiner Theologie den Gedanken zu äußern, dass er die Gegenwart Christi während der Eucharistiefeier nicht direkt mit Brot und Wein verbindet, sondern dass es sich eher um eine sakramentale Handlung handelt und sich deshalb, wie bereits erwähnt, nicht offen zu einer klaren Verwandlung äußern möchte. In diesem Punkt weicht er von Luthers Theologie ab. Als Einschub ist noch einmal zu erwähnen, dass das Abendmahl auch als Kommunion anzusehen ist, oder im klassischen kath. Sinne einfach als Messe bezeichnet wird. Es ist eine Art Erinnerung und Festigung des Glaubens, welcher regelmäßig erneuert wird. Der deutsche Text schließt durch die klare Formulierung ‘unter der Gestalt’ auch nicht unbedingt aus, dass das Abendmahl etwas Anderes, bzw. noch viel mehr als Kommunion sei. Woraufhin der lat. Part eher zurückhaltender ist und zwar davon spricht, dass es einheitlich sei und im Prinzip gleichgestellt ist. Allerdings ist dieser kleine Funke an etwas mehr, und noch Besonderem als es schon ist, nicht zu sehen. Was viel darauf zurückzuführen ist, weshalb die dt. Formulierung des Artikels schärfer formuliert wurde, lässt auf eine antizwinglianische Form schließen. Außerdem will man sich nicht mit dem Kaiser erzürnen, um möglichst seine Gunst zu erlangen, was auch geschehen ist, dass die CA als Bekenntnis angenommen wurde. Dafür gingen die Lutheraner jedoch ein großes Risiko ein, wonach sie die Gunst der Schweizer und Süddeutschen verlieren würden. Der Ausdruck der Gestalt wurde laut neuesten Forschungen eher benutzt, ohne sich auf die Transsubstantation beziehen zu wollen. Aber wie passt es zusammen, wenn regelmäßig im Glaubensbekenntnis gesprochen wird, dass er zur Rechten Gottes säße? Wie kann Christus dort sein und zeitgleich während des Abendmahls anwesend sein? Luther sieht es so, dass die Angabe ‘zur Rechten’ nicht lokal gesehen werden sollte, sondern eher als eine Art rechte Hand Gottes, der durch ihn wirkt. Von daher sollte davon ausgegangen werden, dass Christus allgegenwärtig ist. Allerdings nicht nur in einem geistlichen, göttlichen Wesen, sondern auch in seinem menschlichem Wesen, da diese nicht voneinander zu trennen sind. Diese Theorie ist als Ubiquitätslehre bekannt, welche in Luthers Schriften jedoch selten direkt erwähnt wird. Grane bezieht sich zuerst auf die Forschungen von Maurer. Dieser beschreibt in seinen Forschungsarbeiten, dass die Texte Luthers und dessen Definition des Abendmahls, überwiegend keine Grundlage für den Text von CA10 gebildet haben und man daher nur indirekt davon ausgehen kann, dass Luther hierauf weniger Einfluss hatte, als auf andere Artikel. Eher ist zu finden, dass Melanchthon in seinen Schriften und dessen Sammlung von Kirchenväterzitaten, aus dem Jahr 1530, hierfür selbst seinen Grundstein legt. Dort beschreibt er, dass bereits die Kirchenväter ähnlich wie die Lutheraner gedacht haben und viele Kongruenzen zu finden sind. Wie bereits erwähnt, legte er sich wohl selbst dadurch die eigene Grundlage, da auf Ecks 404 Artikeln reagiert werden musste. Weiterführend bezieht sich Grane auf Forschungsarbeiten von Wilhelm Neuser, welcher ebenfalls beide Fassungen von CA10 detailiert erforschte. Seine Behauptung besteht darin, dass zwischen den beiden unterschiedlichen Formulierungen der CA ein theologischer Gegensatz bestünde. Hier ist nicht nur der Unterschied gemeint, dass es eine weitere und eine engere Fassung für verschiedene Adressaten ist. Es wird davon gesprochen, dass der lat. Text die Abendmahlslehre von Melanchthon widergibt und der dt. Text anscheinend doch eher von Luther geprägt sei, was dem widerspricht, was vorher Maurer gesagt hat. Wie schon zu erkennen ist, ist selbst heute noch die Auslegung des Artikels und die Auslegung der weiteren reformatorischen Schriften, sehr schwierig und lässt weiterhin große Spielräume. Es lässt sich aber vermuten, dass ein gewisser Agricola Einfluss auf die Formulierung ‘unter Brot und Wein’ hatte, um die Realpräsenz währenddessen noch einmal hervorzuheben. Besonders anzumerken sind noch weitere Unterschiede in der Formulierung. In diesem Artikel wird die Verwerfung anderer Lehren deutlich milder ausgedrückt, als in den anderen Artikeln der CA. Normalerweise werden diese Verwerfungen mit damnat oder reiiciut niedergeschrieben. Allerdings ist es hier der Fall, dass das feinere, mildere improbant genutzt wird, welches deutlich zeigt, dass hier noch viel gestritten werden kann, statt einer strikten Ablehnung gegenüber anderer Auffassungen Genüge zu leisten. Im Deutschen wird dies allerdings auch als ein ganz klares verwerfen übersetzt. Aber hier wird noch einmal deutlich, dass die deutsche Version schärfer formuliert ist. Aber die Formulierung hat, wie oben bereits erwähnt, seine Gründe in dem Blick auf den Kaiser, mit welchem man sich keinen Feind schaffen wollte. Wenn man sich den Artikel aus CA13 zu Hilfe zieht, wird dort aber formuliert, dass eine ganz klare Ablehnung des spirituellen und scholastischen Sakraments-verständnisses stattfindet. Hier wird wieder Luther ins Spiel gebracht, da die Schwabacher Artikel als reformatorische Schrift gelten und gleichzeitig eine Grundlage für weitere Artikel der CA gebildet haben. In diesen Artikeln wird davon gesprochen, dass das Abendmahl sowohl als Sakrament gesehen werden kann, als auch vom Glauben aus. Allerdings wird der Glaube an sich in CA10 gar nicht erwähnt. Was jedoch auch dafür wichtig sein könnte, dass der Glaube, wie bereits oben behandelt, den Grundstein für das Gerüst des Sakramentsverständnisses legt. In Luthers Predigten und Schriften kann man aber einen weiteren Aspekt herausarbeiten, in welchem er sich klar zu der Verwandlung äußert, indem er einen Vergleich zu den alten Texten der Kirchenväter herstellt. ‘Aber die veter (sic!) und wir zu weilen so reden: ‚Christus leib (sic!) ist im brod (sic!)‘.’ Melanchthon hat eine weitere Fassung, eine modifizierte Fassung der CA geschrieben, in welcher er auf weitere reformierte Flügel zugeht, indem er eine Formulierung benutzt, die viel schließen lässt, nämlich dass alle, die am Abendmahl teilnehmen, das Angebot erhalten, ‘Leib und Blut Christi zu empfangen, die aber damit rechnet [die Auffassung], daß (sic!) die Ungläubigen, d.h. die, die dieses Angebot nicht annehmen, nur Brot und Wein empfangen.’ Hier ist also keine Verwandlung vorzufinden, wenn der Mensch, der das Abendmahl empfängt, nicht an Gott und somit auch nicht an die Verwandlung glaubt. Dieser Person wird Brot und Wein in seiner natürlichen Form gereicht. Luther jedoch spricht davon, dass auch die Gottlosen diese Verwandlung gereicht bekommen, statt nur des Brotes und Weins. Anfang der 1520er begann es aber auch in Reihen Luthers mit dieser Auffassung. Karlstadt lehrte davon, dass das Abendmahl eher als ein Sakrament zur Erinnerung an Jesu Tod zu sehen sei. Dies zeigt klare Parallelen zu Zwingli, der auch ein rein geistliches Verständnis vom Abendmahl besaß, worin Christus an der Stelle im Himmel und nicht leiblich präsent bei der Abendmahlsfeier ist. Die Formulierung Das ist mein Leib sollte eher symbolisch gesehen werden. Dies ist auch in dem Marburger Religionsgespräch von 1529 zu sehen, in dem sich Luther und Zwingli über die verschiedenen Auslegungen gestritten haben. Es zeigte am Ende Einigkeit in mehreren Punkten, jedoch nicht über die Realpräsenz. Luther hat hier eine Zwischenposition zwischen Zwingli und der röm.-kath. Kirche bezogen.

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