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Geisteswissenschaften

Elisabeth Pedrini

Die Übersetzung der Contes von Charles Perrault im Wandel der Zeit

ISBN: 978-3-95820-409-6

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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 05.2015
AuflagenNr.: 1
Seiten: 48
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die Contes des Charles Perrault haben in Frankreich im späten 17. Jahrhundert die Gattung des Märchens salonfähig gemacht und später auch Eingang in die deutschen Märchensammlungen gefunden. Das vorliegende Buch möchte sich nun mit den Übersetzungen, die sich direkt auf die Erzählungen von Charles Perrault beziehen, und nicht mit den bearbeiteten Fassungen auseinandersetzen. Dazu soll zuerst das Märchen als literarische Gattung beschrieben und dann im Besonderen die Contes des Charles Perrault im Hinblick auf die Zeit ihrer Entstehung analysiert werden. Da im deutschen Sprachraum dieselben Erzählungen vor allem in der Fassung der Gebrüder Grimm bekannt sind, werden diese zum Vergleich herangezogen. Auf der Basis von translationswissenschaftlichen Methoden, besonders unter Bezugnahme auf den Ansatz des Göttinger Sonderforschungsbereichs Literarisches Übersetzen , sollen dann die Übersetzungen von Friedrich Justin Bertuch, Walter Scherf und Doris Distelmaier-Haas untersucht werden. So entsteht ein Vergleich von Übersetzungen aus verschiedenen Epochen anhand der zwei Märchen Le Petit Chaperon rouge und Cendrillon ou La petite pantoufle de verre.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.2, Der Göttinger Sonderforschungsbereich Die Literarische Übersetzung : In der Mitte der achtziger Jahre wurde an der Universität Göttingen der Sonderforschungsbereich Die literarische Übersetzung eingerichtet. In den Göttinger Beiträgen zur internationalen Übersetzungsforschung , herausgegeben von Armin Paul Frank und Horst Turk, sind die Forschungsberichte der Gruppe dokumentiert. Ziel dieser Forschungsgruppe ist es, eine Kulturgeschichte der literarischen Übersetzung in Deutschland zu beschreiben. Die zentrale Frage ist dabei: Was wurde wann, wie oft, von wem, wie übersetzt? Mit der systematischen Untersuchung von Übersetzungen will man große historische Zeiträume erfassen und die übersetzerische Tätigkeit einer Epoche möglichst umfassend darstellen. Denn erst durch eine systematische Erfassung können Aussagen über die Wirkungsweise von Übersetzungen in den einzelnen Kulturen getroffen werden. Anhand von sprachlichen und kulturellen Differenzen zwischen dem Ausgangs- und Zieltext will man den Wandel von Übersetzungsnormen und den Einfluss der jeweiligen Literaturen auf die übersetzerische Praxis darstellen. Jedoch nicht nur der Einfluss der jeweiligen Kultur auf das Übersetzen, sondern auch umgekehrt der Einfluss, den das Übersetzen auf die jeweilige Kultur ausübt, soll aufgezeigt werden. In diesem Zusammenhang werden die Begriffe Nation und Internationalität eingeführt. Allerdings nicht im politischen Sinne, sondern im Sinne einer Sprachgemeinschaft oder Lesekultur. Nationalliteraturen stehen der Internationalität gegenüber, wobei mit Internationalität der Kontakt bzw. der Austausch, der durch Übersetzungen verbundenen Nationen gemeint ist. Man geht also davon aus, dass durch das literarische Übersetzen die einzelnen Nationalliteraturen durch fremde Elemente bereichert werden, und so das Übersetzen zum Ausbau und zur Erweiterung von literarischen Formen beiträgt. Vor allem aber will sich der Göttinger Sonderforschungsbereich von einem normativ-präskriptiven Ansatz abgrenzen und stellt dem eine historisch-deskriptive Sicht gegenüber. Differenzen in der Übersetzung werden nicht als Fehlerquelle, sondern als Parameter für die Erforschung von Übersetzungen gesehen. Selbst wenn es das Ziel des Übersetzers gewesen ist, vollständige Äquivalenz zu erreichen, kann eine literarische Übersetzung nur aus einem für sie kennzeichnenden Verhältnis aus Äquivalenzen und Differenzen bestehen, und verschiedene Übersetzungen desselben Werks aus verschiedenen solchen Verhältnissen. Aus Gründen wie diesem ist übersetzerische Differenz [kursiv im Org.] ein wichtiger, aber nicht ohne weiteres erkennbarer Indikator für die relative Bereicherung oder Verarmung der jeweiligen Zielkultur, in die eine Übersetzung eingeführt worden ist. Sie dient zugleich als wichtiger Bestimmungsfaktor in der Übersetzungsgeschichte. (Frank/Kittel, 2004, S. 19) Literarische Übersetzung wird folgendermaßen definiert: Eine literarische Übersetzung läßt sich als eine Version im Sinne einer Re-Produktion – nicht einer photographischen Reproduktion – in einer zweiten Sprache und im Hinblick auf eine zweite Lesekultur auffassen, die mit literarischem Anspruch das Verständnis und die Wertschätzung ausdrückt, die zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort ein Übersetzer dem fremden Werk entgegengebracht hat. (Frank/Kittel, 2004, S. 19) So bekommt die literarische Übersetzung auch eine Wertigkeit, jedoch nicht im Sinne von richtig oder falsch, gut oder schlecht, sondern im Sinne einer Einschätzung der Verhältnisse der Nationalliteraturen untereinander. Die Wahl von eher verfremdendem oder einbürgerndem Übersetzen wird zum Indiz dafür, ob das Prestige der Ausgangs- oder der Zielliteratur als höher eingeschätzt wird. In seiner methodischen Vorgehensweise unterscheidet der Sonderforschungsbereich vier Arten von Studien: die Kometenschweifstudien, die sämtliche Übersetzungen eines fremden Werkes in einer gegebenen Übersetzungskultur untersuchen, Übersetzerorientierte Studien, Autororientierte Studien und Studien geordneter Übersetzungscorpora. Unter letzterer versteht man vor allem die Arbeit mit Repertoires, z.B. Spielplänen von Theatern, oder Verlagsprogrammen. Ausgehend von einer umfassenden Analyse des Ausgangstextes erstreckt sich die Untersuchung der Übersetzung auf die Kategorien Kontexte, Abweichungen, Normen und Normenfelder sowie produktive Abweichungen. Mit Kontext ist sowohl der historische Kontext, als auch die ganz individuelle Art, wie der Übersetzer den Ausgangstext interpretiert, gemeint. Um Abweichungen systematisch einzuordnen, wird der Ausgangstext im Hinblick auf vier Kategorien, das sind textliche Mikroeinheiten, textliche Rekurrenzen, literarische Schemata und literarische Inferenten, sowie anhand von vier Arten der Korrelation zwischen Ausgangs- und Zieltext, nämlich Auslassung, Hinzufügung, Wiedergabe und Veränderung, untersucht. Textliche Mikroeinheiten umfassen Graphemik, Phonetik, Wörter, Wortgruppen, Syntax und übersatzmäßige Formen. Unter Rekurrenz versteht man Wiederholungen, die als Stilmittel verwendet werden, um Verbindungen aufzuzeigen. Literarische Schemata beinhalten Metrum, Prosodie, Handlungsschemata, Figurentypen, usw. Literarische Inferenten hingegen sind Elemente, die der Leser mit dem Werk verknüpft, wie z.B. Erzählsituation, Dialog, Milieu, Figur oder Mentalstil. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen absoluten und relativen Normen. Absolute Normen werden durchgesetzt und Abweichungen davon bestraft, während relative Normen sich selbst regulieren. Die Normenfelder, die die Tätigkeit des Übersetzers beeinflussen, werden bestimmt durch das Anstreben übersetzerischer Treue, durch die Vorstellung, die ein Übersetzer von einer guten Übersetzung hat, durch die Übersetzungskultur, durch Normen einer weiteren Kultur, sofern eine Mittelübersetzung aus einer dritten Lesekultur herangezogen wird, durch die der Übersetzung innewohnenden Konsequenz, durch Literaturkenntnis sowohl der Ausgangs- wie auch der Zielkultur, durch literatursprachliche Normen, durch Sprachnormen, durch eventuelle technische oder Aufführungsnormen und durch naturgegebene Normen. Mit produktiver Abweichung meint man den kreativen Umgang des Übersetzers mit Normenkonflikten. Das heißt, dass der Übersetzer fremde Elemente aus dem Text der Ausgangskultur nicht der Zielkultur anpasst, sondern sie als neue literarische Stilmittel einführt, und damit, wie schon erwähnt, das literarische Schaffen der Zielkultur ausbaut und bereichert. Insofern kommt der Literarischen Übersetzung eine Vermittlerrolle zu, die nicht nur literarische Werke der Ausgangskultur den Lesern der Zielkultur zugänglich macht, sondern überhaupt die literarische Entwicklung der Zielkultur als prägender Faktor mitbestimmt. 3., Die Contes von Charles Perrault: 3.1., Entstehungsgeschichte: Charles Perrault lebte von 1628 bis 1703. Er wuchs als jüngster Sohn einer Advokatenfamilie in Paris auf. Auch er selbst studierte Jura und wurde 1651 als Anwalt zugelassen. Sein ältester Bruder Pierre, für den er anfangs arbeitete, führte ihn in den Hof ein. Schon damals hatte Perrault zu schreiben begonnen und verfasste unter anderem die Odes au Roi et autres poèmes . Bald fiel er dem Minister Colbert auf, der ihn zum Sekretär der Petite Académie, einer Prüfinstanz für Kunst- und Literaturwerke, und zum Generalinspekteur der königlichen Bauten machte. 1671 wurde Charles Perrault in die Académie Française aufgenommen. Doch mit dem Tod von Colbert 1683 verlor Perrault seinen Fürsprecher und damit seine privilegierte Stellung. Mit seinem Gedicht Le Siècle de Louis le Grand , in dem er die zeitgenössische Literatur der französischen Klassik über die der Antike stellte, löste er die Querelle des Anciens et Modernes aus. Sein Hauptgegner auf der Seite der Anciens war Nicolas Boileau. Um seine Position darzulegen, verfasste Perrault die Parallèles des Anciens et des Modernes , in denen er die zwei Seiten in Dialogform gegenüberstellte. Wenn auch die Ansichten Perraults anfangs als Provokation galten, so setzte sich langfristig dann doch die Position der Modernes durch. Als weitere Provokation wurde später die Veröffentlichung der Contes de ma mère l’Oye gesehen, die Charles Perrault schon in fortgeschrittenem Alter verfasste. Zwischen 1691 und 1695 erschienen die ersten drei Erzählungen, Griseldis, Peau d’Ane, und Les Souhaits Ridicules, in Versform. Doch diese Erzählungen stießen wegen ihrer einfachen Form und ihren Inhalten aus der Volkspoesie auf harte Kritik vor allem bei Perraults Gegner, Nicolas Boileau. In der Ausgabe von 1695 verteidigte Perrault seine Geschichten, indem er sie mit der antiken Sagenwelt verglich und sie sogar über diese stellte. So schrieb er in seinem Vorwort: Das gilt nicht für die Erzählungen, die unsere Vorfahren für ihre Kinder erfunden haben. Sie haben sie nicht mit dieser Eleganz verfertigt und mit diesem Zierrat ausgeschmückt, wie es die griechischen und lateinischen Erzähler mit ihren Sagen taten doch waren sie stets sorgfältig darauf bedacht, daß ihre Geschichten eine rechte und lehrreiche Moral vermittelten. (Perrault, 2001, S. 8) Perrault legitimierte seine Erzählungen also vor allem mit der Moral, die sie auf unterhaltende Weise vermitteln sollten. Doch nicht zuletzt auf Grund seiner Kritiker hat Perrault seine weiteren fünf Erzählungen dann in Prosa verfasst und nur bei den daran anschließenden Moralités den Reim beibehalten. 1697 erschienen alle acht Erzählungen in einem Band mit dem Titel Histoires ou contes du temps passé, avec des moralités unter dem Pseudonym Darmancour. Als Autor gab Perrault seinen jüngsten Sohn Pierre an, doch dies bezweifelte man von Anfang an. Charles Perrault mag wohl diese Geschichten seinen Söhnen, die er auf Grund des frühen Todes seiner Frau vorwiegend selbst aufzog, oft erzählt haben, doch nichtsdestotrotz wurde die Autorschaft von Charles Perrault durch den Briefwechsel mit seinem Freund Abbé Dubos bewiesen. (vgl. Lacassin, 2003, S. IV) […].

Über den Autor

Elisabeth Pedrini, Master of Arts, studierte Übersetzung Französisch, Spanisch – Deutsch am Institut für Translationswissenschaft in Innsbruck. Ihren Schwerpunkt legte sie auf die literarische Übersetzung im Allgemeinen und auf die Übersetzung von Märchen und von Kinderliteratur im Besonderen.

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