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Geisteswissenschaften

Silvana Lehmann

Interkulturelle Erziehung

ISBN: 978-3-95820-184-2

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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 10.2014
AuflagenNr.: 1
Seiten: 32
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Interkulturelle Erziehung geht nicht nur von einem Kulturbegriff aus und meint nicht nur die geistige Kultur einer Gesellschaft, sondern auch die Alltagskultur, also den tagtäglichen Umgang der Menschen miteinander. Dabei orientiert sie sich an den universellen Menschenrechten, versucht die Gleichheit aller Menschen und Kulturen anzuerkennen. Der Terminus entwickelte sich aus der Ausländerpädagogik. Einsicht und Erfahrung zeigten, dass ehrenamtliche Bemühungen in ‘Hausaufgabenhilfen’ keine angemessene Hilfe zur Förderung und Integration ausländischer Kinder darstellte und führte zu Veränderungen in diesem Bereich. Zum einen kam es zu einer Erweiterung des Arbeitsfeldes sowohl im Kindergartensektor als auch im Umgang mit ausländischen Erwachsenen. Zum anderen kam man zu der Erkenntnis, dass Ausländerpädagogik keine Sonderpädagogik für Ausländer sein könne. Vielmehr müsse man sich auch an die ‘Inländer’, also die Deutschen wenden, da viele Aufgaben nur im dialogischen Miteinander zu bewältigen wären. Da der Terminus ‘Ausländerpädagogik’ diese Inhalte nur ungenügend und missverständlich widerspiegelt, werden heute zunehmend die synonymen Begriffe ‘interkulturelle Erziehung’ und ‘interkulturelle Pädagogik’ verwendet.

Leseprobe

Kapitel 3, Interkulturelle Erziehung in der Schule: 3.1. Diskussion in den Erziehungswissenschaften: Die Aufgabe der Bildung ist es, Kultur, die in der jeweiligen Zeit bestimmt wird, zu tradieren bzw. zu überliefern. Seitdem also ‘Kultur’ mehr beinhaltet als in einer Generation überliefert werden kann, ist es Aufgabe von Bildung, die Elemente auszuwählen, die für die heutige Zeit bedeutsam sind. Ein Kriterium für die Auswahl der Elemente ist meist die Zukunftsbedeutung des Stoffes für die Schüler, weniger seine Bedeutung für die gegenwärtig Situation. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, ist es nötig, dass sich die ‘professionellen Sachverwalter von Bildung jeder historischen Ausprägung von Kultur, jeder Alltagskultur, Lebenswelt und Nationalkultur kritisch prüfend nähern’. Die interkulturelle Realität wird in der Schule meistens von Lehrern, aber auch vom Schulkonzept wenig berücksichtigt. In der als ‘postmodern’ bezeichneten Gesellschaft werden die Lebensverhältnisse für einzelne immer unübersichtlicher, komplexer und schwieriger. Das macht ‘Unterstützung und Erhalt der Wertorientierung’ notwendig. Die Eltern sind damit häufig überfordert, pädagogische Einrichtungen wie zum Beispiel Kindergarten und Schule sind gefragt. Auernheimer kommt zu dem Schluss, dass Unterstützung nicht geleistet wird. Er verweist besonders auf ‘institutionelle Mechanismen’, weil bei dem grundsätzlichen Problem von Lehrern, auf die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler einzugehen, oft administrative Lösungen pädagogische Anstrengungen ersetzen. Die Kultusminister der Länder haben ‘Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule’ in einer Empfehlungen zusammengefasst. Es werden Aspekte zum Unterricht mit Kindern aus Aussiedlerfamilien und zur Förderung von Solidarität und Toleranz in einem Konzept festgehalten. Dabei wurden vier Ziele formuliert. Diese sind: Achten auf kulturelle Vielfalt, Berücksichtigung berufliche Mobilität, Verwirklichung europäischer Integration und Leben in Realisierung von einer gemeinsamen Welt. ‘Interkulturelle Bildung’ fordert von allen Schülern und Lehrkräften die Entwicklung von Einstellungen und Verhaltensweisen, die die Menschen achten und den Menschenrechten verpflichtet sind. 3.2, Institutionalisierungsmöglichkeiten in der Schule: Einige zusätzliche Hilfestellungen für ausländische Kinder sind: Es wäre möglich, die Lernzeit zu verlängern. Dies bringt Schwierigkeiten für die Heranwachsenden mit sich. Sie müssen sich auf die immer größer werdende Zahl an Zielen der Gesellschaft anpassen und somit neue Anforderungen vom Aufbau der ‘Kognitionen’ und der ‘Persönlichkeitsstruktur’ bewältigen. Eine weitere Möglichkeit wäre, die alten Ziele und Inhalte durch neue zu ersetzen. Dabei ergibt sich das Problem, dass sich nicht unbedingt die besten Argumente, sondern die ‘mächtigeren Definitoren für Ziele und Lernpläne’ durchsetzen. Als dritte Möglichkeit bietet sich an, die neuen Aufgaben übergreifend einzuführen, ohne dass der bestehende Kanon verändert werden muss. Diese Möglichkeit ist für Auernheimer langfristig gesehen die am besten realisierbare. Für den Schulalltag bedeutet dies konkret, dass diese Aufgaben in verschiedenen Modellen realisiert werden können. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Institutionalisierung von interkultureller Erziehung und Bildung: 1. Bestandteil des Erziehungsauftrages: Der Erziehungsauftrag der verschiedenen Schulformen wird in den jeweiligen Lehrplänen konkretisiert, die für alle Schulen und Lehrer verbindlich sind. Dieser Erziehungsauftrag gibt den Lehrerinnen und Lehrern den Raum konkrete Projekte zur interkulturellen Erziehung durchzuführen. 2. Fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip: Unter Unterrichtsprinzip wird eine allgemeine Regel für Unterrichtsgestaltung verstanden. ‘Interkulturelle Erziehung’ als ‘Fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip’ bietet sich für die gegenwärtige Situation besonders an, weil dies nicht unbedingt neue Lehrpläne und eine Verlängerung der Anwesenheitspflicht für die Schülerinnen und Schüler nach sich zieht. Die Lehrerinnen und Lehrer tragen hierbei allerdings die Verantwortung dafür, dass dieses Erziehungsziel neben den anderen Zielen realisiert wird. Dazu ist eine längerfristige Planung und die Absprache im Kollegium nötig, da meist nicht vorgegeben ist, in welcher Schulstufe und in welchem Unterrichtsfach dieses zu realisieren ist, ob es einmalig oder wiederkehrend geschehen soll. Bei den inhaltlichen Zielvorgaben muss entschieden werden, welche mit diesem Prinzip verbunden werden können. 3. Pflichtgemäßer Unterrichtsgegenstand: Hierbei sind die jeweiligen Lerninhalte zu verstehen. Lehrer haben bezüglich der Methode Entscheidungsspielraum. Auch das Fach, in der die erforderliche Unterrichtszeit zu verwenden ist, kann ausgewählt werden. In diesem Fach wird der Handlungsspielraum der Lehrerinnen und Lehrer erheblich eingeschränkt, andererseits würde sie diese aber ‘angesichts der Überfülle an wichtigen Gegenständen auch entlasten’. 4. Bestandteil einzelner Unterrichtsfächer: In den meisten Unterrichtsfächern kann ‘Interkulturelle Erziehung’ als Einzelaspekt durchaus einbezogen werden, nahe liegend ist dies in Fächern z.B. Sachunterricht, Religion, Musik, Ethik, Mathematik oder Kunst. Im Musikunterricht könnten Lieder aus den jeweiligen Heimatländern der Kinder gesungen und vielleicht auch Tänze einstudiert werden. Im Kunstunterricht könnten bei Bildbesprechungen Bilder aus den jeweiligen Herkunftsländern behandelt werden. Erfahrungen von Angehörigen der in der Lerngruppe vertretenen ethnischen Minoritäten könnten oft in den Unterricht einbezogen werden. Die Erfahrung der Kinder, die ethnischen Minderheiten angehören, unterscheidet sich häufig von den Erfahrungen der Kinder, die das Herkunftsland nur als Urlaubsziel kennen. 5. Neues Unterrichtsfach: Die Einführung eines ‘neuen Unterrichtsfaches’ würde bedeuten, dass ein Unterrichtsfach ‘Interkulturelle Erziehung’ zusätzlich zum bestehenden Unterrichtskanon als neues Fach eingeführt wird. Dabei ergibt sich die Schwierigkeit, dass entweder die Stundenzahl erhöht werden, oder der Fächerkanon zu Gunsten der neuen Fächer geändert werden muss. Dies könnte auf Widerstände von Seiten der Gesellschaft stoßen. 6. Andere Organisationsformen: Außerunterrichtliche Aktivitäten können ‘Interkulturelles Lernen’ fördern. Möglichkeiten hierfür sind Aktivitäten und Arbeitsgruppen, wie zum Beispiel Tanz- Theater und Musikgruppen außerhalb des Unterrichts. Grundsätzlich sind alle genannten Institutionalisierungsformen möglich, sicherlich sind sie unter den gegebenen Umständen nicht alle gleich geeignet. Hier müssen die an den jeweiligen Schulen gegebenen Voraussetzungen berücksichtigt und weiterentwickelt werden. Das Thema in den Unterricht integriert, fördert den Handlungsspielraum weitreichend.

Über den Autor

Silvana Lehmann (Förderschulpädagogin) wurde 1981 in Thüringen geboren. Ihr Lehramtsstudium an der Universität Erfurt schloss die Autorin 2007 ab. Bereits während des Studiums sammelte die Autorin umfassende praktische Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen mit einer geistigen Behinderung. Der Text ‘Interkulturelle Erziehung’ entstand während des Studiums zum Grundschullehrer. Heute arbeitet die Autorin an einem Förderzentrum in Weimar. Außerdem arbeitet sie derzeit an ihrer Dissertation im Bereich Sonderpädagogik.

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