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Gesellschaft / Kultur


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Produktart: Buch
Verlag: disserta Verlag
Erscheinungsdatum: 12.2014
AuflagenNr.: 1
Seiten: 164
Abb.: 50
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Als einen ,,weißen Fleck auf der Landkarte des Wissens über Kinderzeichnungen (Schuster 1994: 46) bezeichnet Schuster das Erleben von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf ihre eigenen, bildnerischen Dokumente. Die traditionelle Kinderzeichnungsforschung stütze sich in Vergangenheit vorwiegend auf das Endprodukt der Kinderzeichnungen. Es wurde gefragt: Was ist wie bildnerisch entstanden? Weniger ging es dabei um die Frage: Wie und was hast du erlebt? Oder rückblickend: Wie war das damals, warum hast du das dargestellt? Die vorliegende Arbeit erhebt nicht den Anspruch, diese Fragen in all ihrer Komplexität beantworten zu können - vielmehr stellt sie sich der Annäherung der daran anschließenden, offenen Forschungsfrage: Welche Aussagen lassen sich zu der bildnerischen Entwicklung in Bezug auf die Biografie treffen? und bedient sich dazu dem Interview eines Erwachsenen, der sich seiner Kinderzeichnungen und dem damaligen Erleben erzählerisch erinnert. Damit soll ein Versuch gegeben sein, erste mögliche Schattenumrisse auf der weitläufigen, weiß befleckten ,,Landkarte hervorzubringen. Großen Künstlern, ob in der Literatur, Musik oder bildenden Kunst wird sich durch biografische Spuren genähert - warum nicht so auch der Kinderzeichnung?

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 4, Forschungsinteresse und Forschungsdesign: Da die Kinderzeichnungen von 1980-1988 fast lückenlos überliefert und im Kontext einer besonderen Biografie erstellt worden sind, wird durch verschiedene Herangehensweisen versucht, mögliche Bezüge zwischen bildnerischer Entwicklung und Biografie aufzuschlüsseln. Diese Arbeit geht dabei mit einer offenen Forschungsfrage heran und möchte herausfinden, welche Aussagen über bildnerische Entwicklung im biografischen Rahmen überhaupt möglich sind und ob sich Tendenzen oder Zusammenhänge zwischen bildnerischer Entwicklung und Biografie erkennen lassen können. Die Analyse der klassischen Kinderzeichnungsforschung, die meist entwicklungspsychologisch motiviert ist, steht bei dieser Arbeit nicht im Vordergrund. Richter (1987), Schuster (1990), Reiß (1996) und viele weitere haben sich diesem Gebiet tiefgründig gewidmet. Die vorliegende Arbeit erforscht das komplexe ästhetische Verhalten eines exemplarischen Einzelfalls. Dazu wurde sich verschiedener qualitativer und quantitativer Methoden, sowie der Biografieforschung bedient, auf die im anschließenden, methodischen Teil eingegangen werden soll. Um sich der Biografie konkret anzunähern, wurde ein schriftlich-narratives Interview durchgeführt, welches später auf die vorgelegten Kinderzeichnungen bezogen wird, um einen möglichen Zusammenhang feststellen zu können. Zur späteren Strukturierung und Auswertung des Gesamtwerkes wurden dazu eigene Kriterien erarbeitet, nach denen die Kinderzeichnungen eingeteilt wurden. Es werden weniger eigene Interpretationen der Darstellungen aufgestellt, sondern mehr Aufmerksamkeit der Zusammenhänge von Kinderzeichnung und Biografie gewidmet. Dazu wird sich erst auf das Gesamtwerk an Kinderzeichnungen bezogen um aufgrund der dort getroffenen Ergebnisse ein ausgewähltes Motiv, welches sich im Forschungsprozess und auch im Kontakt zu X. als relevant herausstellte, untersucht. Die Untersuchung einer intentionalen Absicht, also eine Orientierung an der Lebenswelt nach Schoppe, soll bezüglich des vorhandenen Materials berücksichtigt und durch eine Motivgruppe analysiert werden. Folgend wird auf die methodische Vorgehensweise eingegangen. 4.1, Methodische Grundlagen: Die methodische Vorgehensweise orientiert sich an dem vorhandenen Material. Dieses besteht aus insgesamt etwa 633 Kinderzeichnungen von X. aus der Zeit von 1980 bis 1988, von denen die Jahre 1984/85 bis 1986 im außereuropäischen Ausland verbracht wurden. So wie ein geeignetes, methodisches Vorgehen kann auch die Auswertung durch unterschiedliche Verfahren folgen und hängt von dem Forschungsvorhaben und dem Forschungskontext ab. Diese wurden nach dem Forschungsgegenstand ausgewählt. Ziel der Auswertung ist es, eine Antwort auf die anfänglich formulierte, offene Forschungsfrage der Untersuchung zu erhalten, aber auch die Ergebnisse und Erkenntnisse, die gewonnen werden konnten, zu filtern und zu ordnen. 4.2, Qualitative empirische Forschungsmethoden: Die qualitativ-empirische Forschung kennzeichnet sich einerseits durch unkonventionelle Verfahren der Erhebung von Forschungsmaterial, andererseits auch durch Verfahren strenggeleiteter Regeln. Die primären Forschungsstränge kann man in zwei Verfahren mit verschiedenen wissenschaftlichen Potenzialen einteilen: Die quantitative und die qualitative Forschung. Während die quantitative Forschung, verallgemeinert gesagt, Aussagen mittels Statistiken und Tabellen aufbereitet und nach Häufigkeit wertet, geht es in der qualitativen Forschung um eine möglichst objektive Erfassung vergleichbarer Daten (Reliabilität), dessen Resultate repräsentative Aussagen über den Forschungsstand ermöglichen (Validität) (vgl. Peez 2001b: 21). Qualitative Forschung erkundet demnach das komplexe Feld der Charakteristika menschlicher Erfahrungen durch systematische Erhebung, Aufbereitung und Interpretation von relevantem Forschungsmaterial” (ebd.). Sie fußt auf Einzelbeobachtungen und Einzelanalysen, deren Bedeutung in der Beispielhaftigkeit liegt, in dem aus den Beobachtungen der kleinen Dinge (vgl. Kade/Seittner 1995: 27) eine neue Sichtweise auf die großen Dinge (ebd.) erlangt werden kann. Qualitative Forschung hat nach Flick den Anspruch Lebenswelten ‚von innen heraus‘ aus der Sicht der handelnden Menschen zu beschreiben womit sie zu einem besseren Verständnis sozialer Wirklichkeit beitragen und auf Abläufe, Deutungsmuster und Strukturmerkmale aufmerksam machen (Flick et. al. 2005: 14). Angesichts der Gleichzeitigkeit der vielen lebensweltlichen Einflüsse auf die Entstehung von Kinderzeichnungen wird hier eine qualitative Forschungsmethode eingesetzt, denn diese wird dem widersprüchlichen Doppelgesicht institutionenabhängiger Individuallagen” (Beck 1986: 210 zitiert nach Peez 2001b: 22) durch eine offenen, exemplarischen Charakter gerecht. Nach Siegfried Lamnek bedeutet dieses Prinzip der Offenheit” (Peez 2001b: zitiert nach Lamnek 1988: 22) qualitativer Forschung einerseits ein Verzicht auf Hypothesenüberprüfung, da die Explorationsfunktion im Vordergrund steht und zweitens aber ein in Beziehung setzen mit der Theorie. Dabei soll ein offener Blick auf das Forschungsmaterial geworfen werden, welches Raum für Unerwartetes freilässt. Nach Peez stellt sich für qualitative empirische Forschung jedoch die Frage von Watzlawick: Wie wirklich ist die Wirklichkeit?” (Watzlawick 1988 zitiert nach Peez 2001b: 15). Damit soll ausgedrückt werden, dass von einer objektiven Realität nicht ausgegangen werden kann. Die Realität, auf die sich berufen wird, ist verwurzelt in subjektiven Beobachtungen zu verschiedenen Voraussetzungen und damit ein irreales Konstrukt. Die Fragen, die Peez sich stellt, nämlich erstens: Wie ist also die Erforschung von individuellen Erfahrungen und Lebensäußerungen möglich? und zweitens: Welche Bedeutung kommt dann dieser (für die Forschung) zu? (Peez 2001b: 19) können an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Es ist jedoch wichtig, für diese Problematik sensibilisiert zu sein. Auch im Zuge der Arbeit können nur solche Daten verwendet werden, die aus den Quellen gegeben sind und somit ein möglichst reales Bild von subjektiver Wahrnehmung entwerfen. Um sich also einer Subjektivität anzunähern, bedient sich die Kunstpädagogik sozialwissenschaftlicher und erziehungswissenschaftlicher Forschungsmethoden aus drei Kategorien. Deren dritte und ausschließlich erörternde Forschungsfrage beruht auf (Sinnes-) Erfahrungen” (Peez 2001b: 19). Eine Empirie, die auf der Erfassung von u.a. kulturellen, biografischen oder sozialen Phänomenen, beispielsweise durch Beobachtungen oder Experimente” (ebd.) basiert. Aussagen lassen sich hier durch Interpretation, Rekonstruktion und Analyse gewinnen. Allerdings müssen Aussagen auf wissenschaftlichen Regeln fußen, damit eine intersubjektive Nachvollziehbarkeit” (ebd.) gewährleistet ist. Die Analysen mittels interpretativer Verfahren können, und dabei wird die zweite Anfangsfrage beantwortet (welche Bedeutung haben individuelle Erfahrungen für die Forschung?), einen Beitrag zur Theoriebildung in der Wissenschaft leisten, oder nach Bude eine eingespielte Regelgewissheit durcheinanderbringen (Bude 1988: 425 zitiert nach Peez 2001b: 53). 4.2.1, Auswertung: Da die Daten mehrschichtig angelegt waren, nämlich durch eine schriftlich-erinnernde Erzählung, private Fotografien, bildnerische Produkte und Erinnerungen aus dem engen Familienkreis, liegt es nahe auch die Auswertung so anzulegen, dass diese Schichten zusammengeführt werden. Dazu wird die Einzelfallstudie durch einen retrospektiven Längsschnitt mithilfe qualitativer (biografischer) und quantitativer Verfahren ausgewertet. 4.2.1, Triangulation: Diese Syntheseleistung geschieht durch die Triangulation (Schründer-Lenzen 1997: 107ff), also einem Konzept zur methodischen Verbindung unterschiedlicher Verfahren in der Erhebung und Auswertung von Datenmaterial. Sie ist auch in Bezug auf Interviewsituationen schon erprobt worden, so haben etwa Bois-Remond, Büchner und Krüger (1994) narrative Interviews mit Leitfadeninterviews kombiniert, um ihren Forschungsgegenstand in seiner Komplexität erfassen zu können. Lutz, Behnken und Zinnecker (1997) verwendeten zur Rekonstruktion kindlicher Sozialräume unter anderem narrative Interviews und Fotos des Lebensraumes, die in einem zusammenfassenden, wissenschaftlichen Quellentext mündeten (vgl. Müller 2012: 191ff). Dabei lassen sich auch Kinderzeichnungen in Kombination mit verschiedenen Analyseverfahren finden. Laur Krüger/Grünert sind Modelle der Triangulation quantitativer und qualitativer Zugänge besonders geeignet, wenn der mehrperspektivische Blick auf die Lebenslagen und Orientierungen von Kindern (Krüger/Grünert 2010: 32 zitiert nach Müller 2012: 192) im Forschungsinteresse stehe. Durch diese Modelle können individuelle Entwicklungsprozesse und Verarbeitungsmuster in ihrer Abhängigkeit von ökologischen und gesamtgesellschaftlichen Einflussfaktoren gleichzeitig erfasst werden (ebd.). Im Fach Kunst und in Bezug auf die vorliegenden Kinderzeichnungen stellt sich auch die Frage nach einer Dokumentation der gestalterischen Prozesse, die der speziellen Gegebenheit angemessen sind. Die (Er-)Findung einer angemessenen Methode zur Materialerhebung oder Forschung ist laut Peez bezeichnend für die qualitative Empirie (vgl. Peez 2001b: 140). Grundsätzlich, so Moser, sollten auch weitere Handlungsformen des Alltags zu Methoden der wissenschaftlichen Arbeit ‘umgewandelt’ werden”(Peez 2001b: 140), denn es wäre die Aufgabe des kreativen Forschenden, von seinen Projektzielen her adäquate Methoden zu finden und anzuwenden und nicht nur das bereits bekannte Arsenal zu nutzen” (Moser 1995: 172 zitiert nach Peez 2001b: 141). Die Kriterien dazu sind ein reflektiertes, sowie intersubjektiv nachvollziehbares Verfahren auf Grundlage eines Forschungsmateriales, das so aufbereitet ist, dass es sich zu einer Interpretation eignet. Als Grundlage hierzu dienen die schriftlich-narrativen Äußerungen von X. Dabei muss erwähnt werden, dass neben sprachlich-verbalen auch sprachliche Äußerungen in schriftlicher Form so komplex sind, dass sich darauf ein eigenes Forschungsfeld gründet. Es ist also vielmehr ein Versuch, sich mittels Sprache an das eigentlich nicht Fassbare und Auszudrückende heranzutasten” (Peez 2001b: 37), das einem Vorverständnis bedarf, welches sich aus biografischen, sozialen, historischen und subjektiven Inhalten ausschöpfen lässt. Aus Texten, Zitaten und Bildern erfolgen hierbei unstrukturierte Deutungsansätze, die Pazzini eine Montage” nennt (Pazzini 1992: 2 zitiert nach Peez 2001b: 75), die mit dieser Intention versuchen, mit Hilfe von Theorien und Bildern ein Problem zu strukturieren, nicht zu lösen” (ebd.). Auch wenn dies kontrovers diskutiert wird, nennt Peez einige Vertreter dieser kunstpädagogischen Methode anhand einer Collage/Montage, wie etwa Zepf 1991 (vgl. ebd.). Die Collage leitet sich aus dem Französischen ab (‘la colle/coller’) und meint etwa Kleister, bzw. kleistern, was etwa dem Zusammenkleben von kleinen Teilchen nahe kommt. Grenzen werden nicht als klar gezogen betrachtet und auch die Forschungsfrage würde nach diesem Prinzip erst während des Forschungsverlaufs bewusst werden. Dieser Methode wird sich bedient, um die Biografie von X. zu rekonstruieren und später auch, um seine schriftliche Stellungnahme mit den Kinderzeichnungen zu kombinieren. Da beide Thematiken aus mehreren Datenquellen bestehen (fotografische, bildnerische sowie schriftlich-narrative), die im Sinne eines Kleisterns zusammengeführt werden müssen, wird versucht, dies Anhand einer Bild-Text-Collage darzustellen. Als Darstellung und Zusammenführung wird hier das Verfahren verwendet, welches sich wissenschaftlicher Quellentext (Friebertshäuser 1992: 101-106 Apel et al. 1995 zitiert nach Lutz et. al.: 432) nennt. Hier werden die erhobenen Daten in ihrer Verschiedenheit in einer Textform vereint, in einem schriftlichen Zwischenprodukt (ebd.), welches der Präsentation der Ergebnisse dient. Der Vorteil hiervon ist, dass der Rezipierende nicht das komplette Datenmaterial in seiner Fülle durchexerzieren muss, sondern die Ergebnisse anhand eines abschließenden, wissenschaftlichen Quellentextes erlangt. Die Auswahl der Aspekte hierfür bezieht sich auf den Forschungsschwerpunkt und auf die Art der Erhebung.

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