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Gesellschaft / Kultur


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Produktart: Buch
Verlag: disserta Verlag
Erscheinungsdatum: 10.2012
AuflagenNr.: 1
Seiten: 192
Abb.: 33
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

‘Fast alle Sitten und Gebräuche der Ägypter sind der Lebensweise der anderen Menschen entgegengesetzt’, so wundert sich der griechische Historiker Herodot, als er im fünften vorchristlichen Jahrhundert Ägypten besuchte. ‘Bei ihnen sitzen die Weiber zu Markt und handeln, die Männer aber bleiben zu Hause und weben...’ Dieses Zitat des immer wieder erwähnten Historikers Herodot zeigt sehr deutlich die Verwirrung, die das Verhältnis von Mann und Frau in Ägypten zur damaligen Zeit zutage förderte. Auch heute stößt man - basierend auf dem Wissen über andere Gesellschaften zu dieser Zeit - auf Unverständnis, aber auch auf Staunen. Woher rührt also diese besondere Stellung der Frauen? In den Quellen der Autorin wird Altägypten des Öfteren mit einem modernen Industriestaat verglichen, in dem die Frauen weitgehend berufstätig waren. Denn ‘eben die beruflichen Möglichkeiten und Chancen der Ägypterin sind es, die sie von ihren Schwestern in der Alten Welt abheben’. Doch wie weit reichte die Unabhängigkeit der Frauen und wie viel Machtpotenzial steckte wirklich in ihnen? Einige Überlieferungen belegen, dass es eine - wenn auch nur geringe - Anzahl von Frauen bis zum Pharaoninnen-Titel gebracht hat. Wie kam es, dass die Könige, die Herrscher über Ober- und Unterägypten und Vermittler zwischen Menschen und Göttern, ihren Platz einer Frau überließen? All diese Fragen, doch auch der Aspekt der Erziehung und Bildung sowie die Pharaonen, sollen in folgender Ausführung genauer bearbeitet werden. Der Abschluss dieses Buches widmet sich dem Vergleich einiger Faktoren mit dem antiken Griechenland, wobei vor allem bei dem Bild der Frau und der Erziehung der Kinder ein besonderes Augenmerk auf die Differenzierung zwischen Sparta und Athen geworfen wird.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 3, Die Familie im Alten Ägypten: Im Land der Pharaonen gilt die Familie als ‘Basis der ägyptischen Gesellschaft’. Will man die unteren Klassen näher betrachten, so wird dies dadurch behindert, dass diese meist nicht schreibkundig waren. Ebendiese Gruppe bestand hauptsächlich aus Dienern und den Bauern, die nach Robins den Hauptteil der Bevölkerung ausgemacht hätten. So waren diese Klassen ‘nicht in der Lage Aufzeichnungen zu hinterlassen’ was dazu führt, dass man sich auf das verlassen muss, was die Oberschicht über sie berichtet hat. Der Schreiberberuf war also der Oberschicht vorbehalten und auch Frauen durften keine Schreiber werden. Dies hat sie jedoch, nachfolgend noch genauer beschrieben, nicht davon abgehalten lesen und schreiben zu lernen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Texte, welche die Oberschicht über die unteren Klassen verfasste, oft nicht der Realität entsprachen. Sie dienten vielmehr dazu, andere Berufsgruppen als den Schreiberstand abzuwerten um auf diese Weise Schreiberstudenten, die ihres Schreibunterrichts überdrüssig wurden, zu zeigen, ‘wie schrecklich das Leben für alle anderen ist, wohingegen ein Schreiber großen Lohn erwarten kann’. Robins stellt daher einige Annahmen auf, wie die Menschen der unteren Schichten gelebt haben könnten. Sie vermutet, dass Lehmziegel-Dörfer am Fluss die meisten Menschen beherbergt hätten. Die Männer wären auf dem Feld oder in niedrigen Berufen tätig gewesen, wo sie ihren Lohn als Töpfer, Gärtner, Bäcker oder Fischer verdient hätten. Ihren Frauen dagegen sei die Zubereitung der Mahlzeiten, das Weben und andere Haushaltsarbeiten zugeteilt gewesen. Außerdem waren sie vermutlich für Erziehung der Kinder verantwortlich. Diener schien es kaum oder gar nicht gegeben zu haben, daher ist es auch verständlich, dass eine große Anzahl von Kindern erwünscht warum bei der Feldarbeit oder im Haushalt zu helfen. Nebenbei garantierte eine große Nachkommenschaft auch, dass einige von ihnen überlebten und später für die Eltern sorgen konnten, sei es im Alter oder im Totenkult. Robins nimmt außerdem an, dass der Sohn die Arbeit des Vaters übernommen hat und dass die meisten Töchter das Haus verließen und heirateten um eine eigene Familie zu gründen. Da nur wenige Frauen, wegen der hohen Sterblichkeitsrate an Kindbettfieber, das Durchschnittsalter von gerade mal 35 Jahren erreichten, könnte man meinen, dass Frauen in der altägyptischen Literatur in Watte gepackt und wegen ihrer Fähigkeit Kinder zu kriegen angepriesen wurden. Doch das ist nicht immer der Fall gewesen. Ptahhotep, der Verfasser von diversen Weisheitslehren, beschreibt sie als ‘frivol und launenhaft, unfähig ein Geheimnis zu bewahren, verlogen und untreu’. Doch auch die Männer bleiben nicht unverschont. Es ist eine Tatsache, dass ‘zahlreiche Männer ihre bescheidene Herkunft [verleugneten], sobald sie die Sprossen des Erfolges erklommen haben und verstoßen die Frau ihrer jungen Jahre’. Allerdings sollte dieses schlechte Bild, dass Ptahhotep von Frauen hatte, nicht als Regel angesehen werden. Tatsächlich war die Stellung, die die Frauen in Ägypten zu dieser Zeit innehatten, einzigartig! 3.1, Stellung der Frau im Alten Ägypten: Dass die außergewöhnliche Stellung der Frau zur damaligen Zeit viel Verwirrung stiftete, wurde bereits erwähnt. In diesem Abschnitt sollen nun kurz die allgemeinen Faktoren erwähnt werden, die die Stellung der Frau in Ägypten zu einer besonderen machten. In den nachfolgenden Abschnitten und Kapiteln wird immer wieder das Wort auf die Rolle der Frau fallen, was dieses Kapitel noch ausführlicher gestalten wird. Dies ist notwendig, da dieser Aspekt mit mehreren Kontexten verflochten ist und somit kaum in einem Kapitel isoliert dargestellt werden kann. Leider ist jedoch über die Frauen weitaus weniger überliefert als über die Männer dieser Zeit, was nicht allein daran lag, dass der größte Teil der archäologisch erforschten Grabkapellen und Grabkammern im Besitz von Männern war und sich demnach die Grabszenen hauptsächlich mit dem Grabherren befassten. Nur wenige Frauen waren im Besitz einer eigenen Grabkapelle und so können wir ‘die idealisierte Männerwelt der Grabkapellen [nicht] mit der Realität gleichsetzten. Wenn auch Frauen in der letzteren eine Rolle spielten, so war diese für die erstere vielleicht ohne Bedeutung.’ Zudem hätte es gegen die kanonischen Regeln verstoßen, wenn ein Grabherr seiner Frau die Hauptrolle in seinen Grabszenen überlassen hätte. Dennoch wird hier versucht werden, ein klares Bild dieser Ausnahmesituation zu skizzieren.

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