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Gesellschaft / Kultur


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Produktart: Buch
Verlag: disserta Verlag
Erscheinungsdatum: 01.2018
AuflagenNr.: 1
Seiten: 140
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Bei der Herstellung von Übersetzungsqualität besteht der letzte Schritt der Qualitätssicherung i.d.R. in der Revision – der Überprüfung der Erstübersetzung durch eine/n andere/n erfahrene/n ÜbersetzerIn bzw. RevisorIn. Damit Revision ihren Zweck – die Translatoptimierung – erfüllt, muss sie jedoch professionell durch ExpertInnen ausgeführt werden, die über spezifische Revisionskompetenzen verfügen. Das ideale Kompetenzprofil für RevisorInnen besteht dabei aus verschiedenen Komponenten. Einerseits benötigt es die für die ÜbersetzerInnen notwendige translatorische Kompetenz, die sich aus Teilbereichen wie Sprachkompetenz, Kulturkompetenz, interkulturelle Kompetenz, Sach- bzw. Fachkompetenz, Recherchekompetenz, Technikkompetenz und Transferkompetenz zusammensetzt. Andererseits umfasst sie auch revisionsspezifisches theoretisches Wissen sowie strategische und soziale Kompetenzen, die der Spezifik der Arbeit mit fremden Texten und der Subjektivität des menschlichen Handelns Rechnung tragen: Dialogkompetenz, Argumentationsfähigkeit, Distanzierung von dem eigenen Ego, Toleranz und Geduld.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.3 RevisorInnen Die Terminologie vorliegender Studie basiert auf der Verwendung der Begriffe Revision und demzufolge RevisorIn als Bezeichnung für den/die die Revision ausführende Person. Wie aus dem o.A. teilweise hervorgegangen ist, existieren auch andere verwandte Bezeichnungen wie ÜberprüferInnen, QualitätslektorInnen, KorrektorInnen, SprachlektorInnen, PrüferInnen, LektorInnen usw. (vgl. z.B. Didaoui 19992:381). Die Bezeichnung Revision bzw. RevisorIn scheint jedoch in Hinblick auf die durch die Norm ISO 17100 begründete Verwendung ebendieser Begriffe, als auch durch die traditionelle Verwendung der Begriffe revision und reviser im Englischen sowie révision und réviseur im Französischen sinnvoll zu sein. Wie kann die Arbeit von RevisorInnen beschrieben werden? RevisorInnen sind meistens erfahrene SeniorübersetzerInnen, die vorwiegend mit der Revision von anderen ÜbersetzerInnen betraut sind. Sie können auch andere Funktionen innehaben, die mit dem Management zusammenhängen, wichtig ist jedoch die Tatsache, dass eine eigene Position eines/einer RevisorIn meistens in großen Übersetzungsorganisationen angesiedelt ist. Da heutzutage die Mehrheit der Übersetzungen in Auftrag an externe MitarbeiterInnen gegeben wird, besteht die Aufgabe von RevisorInnen oft in der Überprüfung der Qualität auf diese Weise erbrachter Leistungen (vgl. Mossop 2001:83). Des Weiteren unterscheidet Mossop revisers von den quality controllers. Während RevisorInnen immer qualifizierte ÜbersetzerInnen sein müssen, umfasst die Arbeit von QualitätsprüferInnen nicht immer einen Vergleich zwischen ZT und AT, was implizit bedeutet, dass sie der Ausgangssprache nicht mächtig sein müssen (vgl. Mossop 2001:84) . Dass RevisorInnen erfahrene ÜbersetzerInnen mit jahrelanger Erfahrung sein sollten und keine JuniorübersetzerInnen, scheint in der Literatur außer Frage zu stehen (vgl. z.B. Didaoui 19992:381, Mossop 2001:83, Künzli 2014:7,8). Dieser Auffassung schließt sich auch diese Studie an. Nur ÜbersetzerInnen mit dank Jahren an Erfahrung ausgeprägter translatorischen Kompetenz sind in der Lage, Übersetzungen optimal zu bewerten und zu korrigieren. Bei AnfängerInnen sind die verschiedenen Teilkompetenzen (sprachliche, kulturelle Kompetenz usw.) noch nicht ausreichend entwickelt, sodass sie von der didaktischen Form von Revision (bei der die Korrekturen mit dem/der RevisorIn besprochen werden) profitieren, sie aber nicht selbst zufriedenstellend ausführen können. Eine hoch entwickelte translatorische Kompetenz ist jedoch nicht die einzige Voraussetzung für die Tätigkeit als RevisorIn. Die Darlegung der Spezifizität der Revisionskompetenz und die Definition weiterer notwendiger Teilkompetenzen ist der Gegenstand dieser Studie und wird im Abschnitt 3.3 bzw. Kapitel 4 behandelt. 2.4 Revisionsauftrag Der Revisionsauftrag sollte ähnlich wie der Übersetzungsauftrag von dem/der AuftraggeberIn mitgeliefert werden. Während der Übersetzungsauftrag für die Beurteilung der Qualität der angefertigten Übersetzung entscheidend ist, weil er Angaben bezüglich Funktion des ZT, des Zielpublikums usw. enthält, stellt der Revisionsauftrag ebenfalls eine Orientierung für den/die RevisorIn dar. Laut Künzli (2014:6f.) soll er folgende Angaben enthalten: - Revisionskriterien – Auf welche Parameter hin soll die Übersetzung überprüft werden? (Inhalt, sprachliches Regelwerk, Stil, Layout etc.) - Revisionstiefe – In welchem Ausmaß soll der Vergleich zwischen AT und ZT stattfinden? - Revisionsumfang: Sollen der ganze Text oder lediglich Teile davon revidiert werden (komplette vs. partielle Revision)? - Revisionsablauf: Sollen Änderungen in einer bestimmten Form markiert werden? Geht der Text nach der Revision zurück an den Übersetzer? - Ökonomisch-praktische Rahmenbedingungen: Welche Frist steht für die Abwicklung des Revisionsauftrags zur Verfügung? Wie wird das Honorar berechnet? 2.5 Übersetzungsfehler Bevor im nächsten Abschnitt die Behandlung von Revisionsparametern stattfindet, ist an dieser Stelle zunächst die Auseinandersetzung mit dem Konzept des Übersetzungsfehlers angebracht. Was ist eigentlich ein Übersetzungsfehler? Eine besonders im Fremdsprachenunterricht verbreitete Definition versteht unter einem Fehler die Abweichung von einem Normen- oder Regelsystem (z.B. Cherubim 1980, Presch 1980 zit. n. Nord 19992d: 385). Diese Definition ist jedoch für das Übersetzen ungeeignet und es ist ihr ein pragmatischer Fehlerbegriff vorzuziehen, wie ihn Kolde (1980:173 zit. n. Nord 19992d: 385) definiert hat: Die Fehlerhaftigkeit eines Ausdrucks ist […] keine Eigenschaft des Ausdrucks selbst, sondern sie wird ihm von R [= dem Rezipienten, C.N.] zugeschrieben. Dementsprechend kann ein und dieselbe Übersetzung eines Textelements je nach dem angewendeten Maßstab von der beurteilenden Person sowohl als korrekt als auch inkorrekt eingestuft werden (vgl. Nord 19992d: 385). Verschiedene TranslationswissenschaftlerInnen haben sich mit dem Konzept eines Übersetzungsfehlers auseinandergesetzt. So unterscheidet Hönig zwischen den therapeutischen und den diagnostischen Fehlern (vgl. Abschnitt 1.3.5.3). Dieser Klassifizierung entspricht auch die Unterscheidung zwischen binary und non-binary errors von Pym (1992). Als binary errors sind jene Fehler zu verstehen, bei denen es nur eine korrekte Lösung gibt (bei denen also die Regelkonformität z.B. im Bereich von Grammatik, Syntax eingehalten werden muss). Als non-binary errors gelten Fehler, bei denen es zumindest zwei korrekte Lösungen gibt (vgl. Pym 1992:4). Auch Houses Fehlerklassifizierung von offen irrtümlichen und verdeckt irrtümlichen Fehlern entspricht dem Ansatz von therapeutischen und diagnostischen Fehlern (vgl. Hönig 19992b:380f.) Diese Ansätze sind für die Erarbeitung einer revisionsrelevanten Fehlerklassifizierung beachtenswert. So kann zwischen Fehlern unterschieden werden, die eine strikte Beachtung von bestehenden Regeln verlangen und solchen, bei denen unterschiedliche Textfaktoren berücksichtigt werden müssen, und die daher Reflexionsarbeit, Problemlösen verlangen. Dies kann auch mit Mossops rule und judgment in Zusammenhang gebracht werden (vgl. Mossop 2001:133). Während z.B. Rechtschreibung Regeln unterliegt, verlangt die Anpassung der Übersetzung an das Zielpublikum Reflexion. Diese Studie geht von dem funktionalistischen Verständnis aus, nach dem ein Übersetzungsfehler die Nichterfüllung der durch den Übersetzungsauftrag festgelegten Anforderungen bedeutet (vgl. Nord 19992d:385). Nach diesem Prinzip können daher bei der Beurteilung bestimmte Fehlertypen ausgeschlossen werden – beispielsweise können bei einer Rohübersetzung, im Gegensatz zu einer publikationsfertigen Übersetzung, stilistische Mängel oder falsche Interpunktion außer Acht gelassen werden: Wenn eine als druckreif bestellte Übersetzung nicht druckreif ist, ist jedes fehlende Komma ein Übersetzungsfehler , wenn eine Rohübersetzung zur Information über den Inhalt des Ausgangstextes (AT) bestellt ist, spielt die Kommasetzung nur dort eine Rolle, wo sie eventuell zu Missverständnissen oder zu inhaltlichen Entstellungen führt. (Nord 19992d:385.) Demzufolge sind aus einer allgemeinen Liste von potentiellen Revisionsparametern bei der konkreten Revisionsarbeit nur jene relevant und zu überprüfen und ggf. zu korrigieren, deren Vorhandensein die Nichterfüllung des Übersetzungsauftrags, also einen Übersetzungsfehler, bedeuten würde. 2.6 Revisionsparameter Wie aus dem Artikel Revising Translations, der auf der Webseite des Übersetzungszentrums für die Einrichtungen der EU (CdT) publiziert ist, hervorgeht, ist bei der Revision, die auf die Behebung von Fehlern und die Optimalisierung der Translate abzielt, eine instinktive Arbeitsweise nicht ausreichend (vgl. CdT 2016). Um effektiv zu sein, muss Revision systematisch durchgeführt werden. Das bedeutet, dass der/die RevisorIn in erster Linie wissen muss, welchen Aspekten er/sie seine/ihre Aufmerksamkeit im Besonderen widmen soll. Diese Informationen können in dem Revisionsauftrag enthalten sein (vgl. Künzli 2014:7) oder sind dem Übersetzungsauftrag zu entnehmen. Als Grundlage für die Revisionsarbeit soll sich der/die RevisorIn an einem Fehlerkatalog orientieren, in dem die möglichen Problembereiche, die einer Übersetzung innewohnen können, kategorisiert werden. Eine mögliche Obergliederung bietet die von Schopp (2005:56ff.) begründete Unterscheidung zwischen drei Vertextungsebenen: Tektonik, Textur, Typographie (TT+T-Modell). Dabei stützt sich Schopp an die von Holz-Mänttäri (1984) eingeführte Kategorisierung (Tektonik, Textur), der er die dritte Kategorie der Typografie hinzufügt. Holz-Mänttäri (1985:47 zit.n. Schopp 2005:290) nennt zwei Schwerpunkte des translatorischen Überprüfens : Beurteilung der normenkonformen sprachlichen Richtigkeit (Orthographie, grammatische Bezüge, Interpunktion) sowie Beurteilung der funktionsgerechten Botschafts-Konzeption und –Vertextung über die Faktoren des dynamischen Botschafttsträgerprofils , zu denen Schopp die dritte Kategorie, die Beurteilung der normenkonformen visuellen Richtigkeit (Orthotypographie, Layout) hinzufügt (vgl. Schopp 2005:290). Diese übergeordneten Kategorien können natürlich in weitere Unterkategorien gegliedert werden. Eine weitere mögliche Fehlerkategorisierung bietet beispielsweise Nords Einteilung in pragmatische, kulturelle, formale und Sprachfehler (vgl. Abschnitt 1.3.5.2). Eine effiziente Orientierungshilfe für die Bestimmung der zu überprüfenden Parameter stellt die Unterscheidung der qualitativen Bearbeitungsstufen einer Übersetzung (siehe S. 48f.) dar, die unter Berücksichtigung der ZT-Funktion und des EmpfängerInnenkreises den Grad der notwendigen sprachlich-stilistischer und typographischer Ausgestaltung bestimmen helfen kann. Die AutorInnen, die sich konkret mit Revision befassen, sprechen in Bezug auf die möglichen Fehlerkategorien von den sog. Revisionsparametern oder -kriterien. Im Folgenden werden die Fehlerkategorisierungen von Horguelin/Brunette (1998), Brunette (2000), Mossop (2001/2014) vorgestellt. Zuletzt werden auch die Revisionskriterien, die im Übersetzungszentrum der Einrichtungen der Europäischen Union angewandt werden, vorgestellt.

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