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  • Literatur im Fernsehen: Konzeption und Gestaltung dreier literarischer Talkformate des ZDF

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 07.2013
AuflagenNr.: 1
Seiten: 128
Abb.: 15
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Marcel Reich-Ranicki, deutscher TV-Literaturkritiker, brachte das Problem auf den Punkt: Er wollte wissen, wie man sich der Herausforderung stellt, Literatur im Fernsehen zu präsentieren. Die Konzeption war zunächst einmal durch allgemeine Ratlosigkeit geprägt. Diese Untersuchung möchte einen Beitrag zu der komplexen Fragestellung der konzeptionellen Möglichkeiten von Literatur im Fernsehen liefern. Hier soll es nicht um literarische Inhalte gehen, nicht um die Übertragung von Wort in (Bewegt-)Bild. Im Fokus der Analyse steht der Kern Reich-Ranickis Frage: die Präsentation von Büchern in Literatursendungen. Wie also geht diese Präsentation vonstatten? Was wird dem Zuschauer gezeigt, von einem rechteckigen Objekt, das kaum zu visuellen Höchstleistungen auf dem Bildschirm taugt? In welcher Form wird die Besprechung, Empfehlung oder Kritik eines Buches bildlich und tonlich unterstützt? Welcher Mittel aus der ästhetischen Trickkiste bedienen sich die Macher literaturkritischer Formate? Für diese Analyse bietet das ZDF ein eigenes Kontinuum des Genres, da es seit mehr als 20 Jahren Literatursendungen ausstrahlt, u.a. die hier untersuchten Das Literarische Quartett, Lesen! und Die Vorleser.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.3.2, Formate von Literatur im Fernsehen: Wie in Kapitel 2.2.2 schon erwähnt, gibt es auch im audiovisuellen Medium Fernsehen verschiedene journalistische Darstellungsformen und Formate zur Aufbereitung von Literatur. Diese unterscheiden sich stark von den klassischen Printformen, denn ‘durch die visuelle Darstellung ergeben sich völlig andere Arten der Präsentation als Zeitung oder Zeitschrift sie bieten können. Aufnahmetechnik, Beleuchtung, Ton, Musik, Schnitt, Mischung usw. haben erheblichen Einfluss auf die Darstellungsweise.’ (Mühlfeld 2006, S. 18). Hier soll es nun ausschließlich um literaturkritische Sendeformen gehen, wie sie Thomas Anz in die drei Typen Wettbewerb, Talkshow und Magazin unterscheidet (vgl. Anz/Baasner 2007, S. 184). Zur Kategorie Wettbewerb sei vor allem die Übertragung des Ingeborg-Bachmann-Preises von den Klagenfurter Literaturtagen genannt. Diese knüpft an die Tradition der Werkstatt-Diskussionen der Gruppe 47 an, die am Ende ebenfalls für das Fernsehen aufgezeichnet wurden und sich durch Spontaneität und rhetorische Finessen der Teilnehmer in den Sofortkritiken auszeichnete. Die weitaus bedeutendere Form im deutschen Fernsehen ist das Magazin. ‘Magazine sind, wie das ihre Etymologie besagt, nichts anderes als Container, in die man alles packen kann, was zum Gegenstand einer Sendung werden soll.’ (Renner 2007, S. 332). Gerade im Kulturprogramm haben sich Magazine als praktisch erwiesen, bieten sie doch die Möglichkeit viele kleine Nachrichten und Themen miteinander zu verbinden und so ein vielgestaltiges Gebiet wie das der Kultur widerzuspiegeln. Die bekanntesten Beispiele aus diesem Bereich sind die bereits erwähnten Sendungen aspekte und titel thesen temperamente. Ein Magazin wird meist in einem Studio ohne Publikum aufgezeichnet und kann mit oder ohne Moderator angelegt sein und verschiedene Darstellungsformen umfassen, wie den Bericht (oft in Form von kurzen Einspielern), die Reportage oder das Interview (im Studio oder auch innerhalb eines Beitrages). Wie zuvor schon angedeutet, wird das Feature als Mischform der eben genannten Darstellungsformen immer häufiger eingesetzt. Hier ist es möglich szenische Sequenzen, O-Töne aus einem Interview oder einer Lesung, Musik, Off-Text mit Platzhalterbildern oder Archivmaterial zusammenzubringen. Der große Vorteil eines Magazins ist zudem die Vorproduktion der Beiträge. Denn die ‘geschnittene Form […] bietet dementsprechend Möglichkeiten, die das Fernsehen für Literatursendungen nutzen kann: die Inhalte können besser reflektiert und aufeinander abgestimmt werden, die gesamte Kritik erscheint kompetenter und flüssiger.’ (Mühlfeld 2006, S. 165). Gibt es einen oder mehrere Moderatoren, so ist ‘die erste und wichtigste Aufgabe der Moderation [...], unverbundene und thematisch disparate Sendeteile zu verbinden und damit den planmäßigen Ablauf des Programms zu gewährleisten.’ (Schumacher 1988 zit. n. Mühlfeld 2006, S. 59). Der Moderator ist somit für die Überleitung zwischen den einzelnen Beiträgen zuständig, er kann aber auch eigene Wertungen abgeben und Interviews mit Autoren oder Gästen im Studio führen. Die Gefahr bei dieser aus dem Print- Journalismus übernommenen Form liegt im grundlegenden Merkmal des Fernsehens: Man sieht den Autor und hört seine Antworten in dem Moment, indem er sie ausspricht. ‘[D]a der Schriftsteller zwar druckreif schreibt, nur selten aber druckreif spricht, gerät er vor der Kamera in Konflikt mit sich selber: er weiß, wie er schreiben kann, nicht aber, wie er dasselbe aus dem Stegreif sagen soll, und das Zufällige, Unformulierte, das Unfertige dieser Methode beunruhigt ihn.’ (Koch 1971 zit. n. Mühlfeld 2006, S. 108). Aus diesem Grund werden andere Gäste meist nach ihrer Medientauglichkeit ausgewählt. Insgesamt weisen Literaturmagazine eine eher zurückhaltende Wertungspraxis auf. Emily Mühlfeld stellt in ihrer Untersuchung fest, dass meist nur allgemeine Beurteilungen erfolgen, einige in Bezug auf Autor und Inhalt, nur sehr wenige mit Blick auf Sprache und Stil. Auch Thomas Anz konstatiert: ‘Information, Reflexion und Wertung nehmen dabei meist nur einen geringen Raum ein. Die Zurückhaltung in Sachen Wertung führt dazu, dass es nur selten Verrisse gibt, positive Empfehlungen dominieren, auch aufgrund der knappen Sendezeit.’ (Anz/Bassner 2007, S. 184). Deshalb kommt Mühlfeld zu dem Schluss, dass Magazinsendungen immer auch Service-Sendungen seien, ‘die sich an Konsumenten oder Verbraucher richten und ihnen Rat oder Hilfestellung geben möchte.’ (Mühfeld 2006, S. 267). Beispiele für Literaturmagazine sind LeseZeichen (BR) und druckfrisch (Das Erste). Der dritte der oben genannten Typen ist die Talkshow, in der Fachliteratur auch als Gesprächssendung bezeichnet. Sie hat ihren Ursprung in der Diskussionsrunde und dem journalistischen Interview. Nach Neuhaus setzen sich hier ‘zwei oder mehr Literaturkenner [...] zusammen und reden über Neuerscheinungen, Trends oder andere verwandte Themen.’ (Neuhaus 2004, S. 140). Etwa seit dem Literarischen Quartett ist sie die beliebteste Form für Literatursendungen. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen dem Kritikergespräch und dem Talk mit anderen Gästen (z.B. den Autoren oder Prominenten), Döring bezeichnet diesen als Bücher-Talkshow. Das Kritikergespräch personalisiert zum einen den öffentlichen literaturkritischen Diskurs und macht den Kritiker zum Anderen als Person bekannt (vgl. Döring 2010, S. 123). In einer Bücher-Talkshow dagegen kommen die Autoren der besprochenen Bücher oft selbst zu Wort, oder aber andere prominente Leser, die aufgrund ihres Bekanntheitsgrades und ihrem sicheren Umgang mit der Kamera für ein Gespräch über Literatur eingeladen werden. Da die Beurteilung von Literatur ein subjektiver Prozess ist, bieten Talkshows die Möglichkeit für dynamische Diskussionen. Dabei sprechen die Diskussionsteilnehmer stets nicht nur zueinander, sondern auch für ein Publikum (die Fernsehzuschauer und, wenn vorhanden, das Studiopublikum). Welche Rolle das Publikum einnimmt, hängt von der Ausrichtung der Sendung ab. So ist es möglich, dass die Zuschauer im Saal direkt einbezogen werden und, dass das Fernsehpublikum mit einem ‘Sie’ oder ‘wir’ adressiert wird. Genauso kann das Publikum aber nur als Kulisse für die Talk-Gäste dienen. Ein weiterer charakterisierender Faktor ist der Moderator oder auch Gastgeber (‘host’) genannt: ‘Ein zentrales Element jeder Gesprächssendung ist die Moderation. Sie verbindet den äußeren mit dem inneren Kommunikationszusammenhang und verknüpft die einzelnen Kommunikationskreise der Gäste, des Publikums und der Zuschauer miteinander.’ (Renner 2007, S. 361). Der Moderator steuert nicht nur die Diskussion, er hält sie auch in den von der Redaktion festgelegten Bahnen und tritt als Vertreter des Publikums auf. Er eröffnet das Gespräch, weist die Sprechanteile zu, indem er sich mit Fragen direkt an die Gäste wendet, er gibt Stichworte zu neuen Themengebieten und fasst gegebenenfalls die Antworten der Diskutanten für den Zuschauer zusammen. Im Gegensatz zu Magazinsendungen bieten Talkshows eine zusätzliche Spannung. Zwar wird eine solche Sendung ebenso von der Redaktion vorgeplant, doch ergibt sich aus der Live-Diskussion die Chance auf spontane Ergebnisse, die den Zuschauer reizt. ‘Dieser besondere Status einer Gesprächssendung hängt entscheidend damit zusammen, dass diese Sendungen live ausgestrahlt werden. Daher haben die Zuschauer, die diese Sendung verfolgen, den Eindruck, als Beobachter an einer Handlung teilzunehmen, die zu dem Zeitpunkt stattfindet, zu dem sie diese Sendung sehen.’ (Renner S. 347f.). Dieser Eindruck bleibt auch erhalten, wenn die Sendung zuvor aufgezeichnet wurde, also ‘live on tape’ ist. Je nach Zielsetzung der Sendung kann es zu regelrechten Streitgesprächen kommen, die z.B. dem Literarischen Quartett zu seiner Beliebtheit verhalfen. Daneben ist es aber auch möglich, dass ein Gespräch sehr ruhig abläuft, gerade wenn der Gast der Autor des besprochenen Buches selbst ist und es sich nur um ein Zweiergespräch handelt. Hier wird dann mehr auf das Kennerlernen und Verstehen der Persönlichkeit des Autors gesetzt, als auf eine kontroverse Diskussion. Festzuhalten ist, dass auch Talkshows den Ansprüchen des (Fernseh-)Journalismus folgen: ‘Sie dienen der Information, der Meinungsbildung und der Unterhaltung. Welche Funktion in der jeweiligen Sendung dominiert, lässt sich an der Ausprägung der strukturellen Merkmale ausmachen.’ (Renner 2007, S. 364). Diese Merkmale sind zum Beispiel die Zusammensetzung der eingeladenen Gäste und die Ansprechhaltung des Moderators, aber auch die Kameraführung, Schnitt und Studiogestaltung können einen Hinweis auf den Schwerpunkt der Sendung geben.

Über den Autor

Constanze Arnold, B.A. wurde 1989 in Bad Frankenhausen (Thüringen) geboren. Ihr Bachelor-Studium im Fach Journalistik/Medienmanagement an der Hochschule Magdeburg-Stendal beendete die Autorin im Sommer 2011. Derzeit studiert die Autorin den Master Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig. Neben ihrem Studium sammelte Constanze Arnold praktische Erfahrungen durch die Produktion kurzer Dokumentarfilme, die Arbeit in einer Leipziger Filmproduktionsfirma sowie in der Video-Abteilung der Nachrichtenagentur dapd. Zudem arbeitet die Autorin seit 2011 als freiberufliche Journalistin und Eventfilmerin.

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