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Kunst & Kultur

Sandra Hildebrandt

Tanz und Narzissmus. Spiegel und Chance

ISBN: 978-3-96146-852-2

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 07.2021
AuflagenNr.: 1
Seiten: 72
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Ein echter Narzisst geht nicht zur Tanztherapie?! Ist das wirklich so? Sind Sie sich absolut sicher mit dieser Vermutung? Was wäre, wenn er es doch täte, weil man ihn mental dort abholt, wo er sich gerade befindet? Wie effektiv wäre die Therapieform Tanztherapie? Das vorliegende Buch ist eine Weiterentwicklung für die Literatur im Bereich Tanztherapie. Erstmals wird tanztherapeutische Literatur verständlich mit psychoanalytischen Theorien verbunden. Somit können Betroffene mit Persönlichkeitsstörung einen Weg aus ihren destruktiven Verhaltensmustern erkennen. Für deren Angehörige ist das Buch eine Bereicherung und der Weg zum eigenen Verstehen. Darüber hinaus werden weitere wichtige Einflussfaktoren auf den Therapieverlauf genannt, um einen größtmöglichen Behandlungserfolg bei narzisstischer Persönlichkeitsstörung zu erzielen.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.2.2, Britische Objektbeziehungstheorie: Dieser Abschnitt zeigt die sogenannte Kopernikanische Wende psychoanalytischer Theorien, in welcher der Trieb durch den Primärfaktor Objektbeziehung ersetzt wird (Stumm, Pritz, Gumhalter, Nemeskeri & Voracek, 2006). Einen wesentlichen Beitrag hierzu lieferten unter anderem Fairbairn, Guntrip und Winnicott. Um ihre Separiertheit gegenüber anderen Vertretern zu verdeutlichen, bezeichnet sie Sutherland (1987) als britische Objektbeziehungsvertreter. So wird auch der Titel dieses Unterkapitels nachvollziehbar. Vertreter der britischen Objektbeziehungstheorien erklären, wie aus realen äußeren Beziehungserfahrungen verinnerlichte Objektbeziehungen entstehen, die sodann innerseelische Strukturen formen (Sutherland & Becker, 2010). Zu Beginn dieses Kapitels wurde bereits darauf eingegangen, warum bestimmte Objektbeziehungstheorien in dieser Arbeit nicht aufgeführt werden. Der Grund hierfür ist das Fehlen von Hinweisen zu bestimm-ten Objektbeziehungstheorien in tanztherapeutischer Literatur. Dies zeigt sich im Fall von Fairbairn und Guntrip. Es konnten jedoch Hinweise zu Winnicott gefunden werden. Daher liegt das Hauptaugenmerk dieses Kapitels auf seinen Theorien. In seinen theoretischen Ausarbeitungen stellt Winnicott die Freud’sche Objektlosigkeit des primären Narzissmus in Frage. So interpretiert Winnicott Freuds triebgebundenes Sehnen nach Bedürfnisbefriedigung durch das Objekt dahingehend, dass die Zuwendung des Objekts Mutter für so selbstverständlich gehalten wird, dass sie sich der Wahrnehmung des Kindes entzieht. Somit ?ndet auch Winnicott, erste Hinweise auf Objektbeziehungen bei Freud. Gleichzeitig schließt Winnicott den Trieb als solches nicht aus. Daher ist für ihn der primäre Narzissmus eine Begebenheit, die in eine Interaktion eingebunden ist (Winnicott, 2005). Auf diesem Ansatz basieren nachfolgende Ausführungen zu Winnicott. Das Konzept des Übergangsraums, Übergangobjekts und des Selbst von Winnicott: Für Winnicott (2005) ist körperliche Bewegung die erste Art der Kommunikation. Diese körperliche Bewegung ist für die Tanztherapeutin Willke (2007) elementar, da das ungehinderte Durchschreiten der Entwicklungsphasen durch Körpergefühlserfahrung und Bewegungsinteraktion vonstattengeht. Bevor das Kind also Sprache verstehen kann, spricht es auf visuelle Reize an, die den Körperbewegungen der Mutter entspringen. Erinnerungen, die in der Zeit der ersten Lebensmonate gesammelt werden, sind präverbal. Das Zentralnervensystem ist zu dem Zeitpunkt schlichtweg noch nicht so weit entwickelt, um Verbales zu speichern. In Winnicotts Entwicklungsmodell steht die primäre Mütterlichkeit im Vordergrund. Dabei geht er von der mütterlichen Empathie für die physischen und psy-chischen Bedürfnisse des Kindes aus (Winnicott, 2005). Nach Willke (2007) bezieht sich die mütterliche Empathie im physischen Bereich auf die Fähigkeit der Mutter, sich dem körperlichen Rhythmus des Kindes anzupassen und ihre eigenen Bedürfnisse zu separieren, um als Selbstteil des Kindes zu fungieren. Somit hilft sie dem Kind, die schmerzlich empfundenen Zustände als ertragbar zu bewältigen. Nach Winnicott (2005) fördert die genügend gute Mutter hier eine genügend gute Umwelt und so entwickeln sich innere emotionale Zustände (S. 40ff.). Im Gegensatz dazu verhindert die ungenügende Bemutterung die kindliche Entwicklung des wahren Selbst. Fonagy et al. (2006) geben ein Beispiel zur ungenügenden Bemutterung. Diese entsteht, wenn die Mutter ihr Kind nicht versteht und ihm eigene Selbstanteile aufzwingt, z. B. wenn das Kind gedrillt wird, durch as Wort ta seine Dankbarkeit auszudrücken, obwohl es zu diesem Entwicklungszeitpunkt ein Gefühl wie Dankbarkeit noch gar nicht emp?nden kann. Das Kind hat in dem Moment zwei Möglichkeiten: Entweder es widersetzt sich, wodurch es die mütterliche Liebe aufgeben muss, oder es imitiert die Gesten seiner Mutter, um ihre Liebe nicht zu riskieren, verliert dadurch jedoch sein wahres Selbst. Dadurch sind im späteren Leben ein leeres Selbst und die Af?nität zur Persönlichkeitsstörung vorprogrammiert. Willke (2007) geht bei der Bewegungsinteraktion zwischen Mutter und Kind auf die Aspekte Halten und Körperkontakt ein. Im richtigen Halten werden die Ressourcen der Identi?kation mit anderen Menschen und das Geben von Geborgenheit sichtbar. So lernt das Kind, diese Ressourcen in sich zu entwickeln und kann eine psychosomatische Einheit ausbilden. Falsches Halten erzeugt das Gefühl, fallen gelassen zu werden. Ein solch existenziell zermürbender Körperkontakt führt zum Absterben der Daseinsfreude. Somit zerlegt sich das Körper-Ich in Fragmente oder spaltet sich ins wahre und falsche Selbst20. Erkennbar ist dies für die Tanztherapeutin auf körperlicher Ebene an einem schwachen Muskeltonus und ungenügender koordinativer Fähigkeiten, auf welche Art und Weise die Patientin sich selbst hält bzw. sich nicht halten kann. Erkennbar wird letzteres z. B. in der Art des Hinsetzens, wodurch man Behaglichkeit oder Unwohlsein bei sich selbst erzeugen kann. Bernstein (1981) spürt durch dieses Körperbewegungsverhalten derartige regressive Entwicklungsphänomene auf. Die weitere Entwicklung vom Selbst des Kindes vollzieht sich nach Willke (2007) durch mütterliche nonverbale und verbale Hilfe. Durch einen Verzicht auf die mütterliche Hilfe gelangt das Kind dann zur Autonomie. Parallel zum Verzicht auf mütterliche Hilfe kommt das Winnicott’sche Konzept des Übergangsphänomens zum Tragen. Ein Übergangsobjekt, z. B. eine Kuscheldecke oder auch die bloße physische Erinnerung an die positiv besetzte Mutter, erleichtert dem Kind den Übergang zur Autonomie, da es seiner omnipotenten Kontrolle angehört (Winnicott, 2005).

Über den Autor

Sandra Hildebrandt ist gelernte Sportwissenschaftlerin und Rehabilitationswissenschaftlerin. Während des Studiums arbeitete sie insgesamt 16 Jahre als Tanzlehrerin für Kinder und Jugendliche. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums ist sie als Sporttherapeutin verschiedenster Schwerpunktkliniken tätig, vor Allem jedoch im Bereich Psychologie und Psychosomatik. Auch in dieser Zeit eignet sie sich einen großen Wissens- und Erfahrungsschatz an. Das Wissensspektrum als Hypnosecoach erteilt ihr einen komplett neuen Blickwinkel auf die Psyche des Menschen.

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