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  • Die Arbeitsbedingungen der chinesischen Wanderarbeiter: Eine Analyse am Beispiel des Apple-Zulieferers Foxconn

China


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 08.2012
AuflagenNr.: 1
Seiten: 108
Abb.: 9
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

In der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Literatur nimmt die Abhandlung über chinesische Wanderarbeiter einen breiten Raum ein. Bedauerlicherweise setzt sich diese nur aus ökonomischer, soziologischer oder migrationspolitischer Sicht mit dem Thema auseinander und vernachlässigt eine organisationstheoretische Betrachtung. Die folgenden Ausführungen sind daher eine organisations-theoretische Analyse der chinesischen Wanderarbeiter mit Fokus auf deren organisationale Kontrolle. Nach der Darstellung der theoretischen Grundlagen und verwendeten Organisationstheorien von Harry Braverman, Richard Edwards und Stewart R. Clegg wird die organisationale Kontrolle der chinesischen Wanderarbeiter am Beispiel des Unternehmens Foxconn mittels einer Sekundäranalyse untersucht. Die Untersuchung zeigt, dass es Überwachungselemente im Produktions- und Arbeitsprozess sowie im gesellschaftlichen bzw. staatlichen Umfeld gibt, die die organisationale und außerorganisationale Kontrolle der chinesischen Wanderarbeiter prägen und beeinflussen. Sie schließt damit einen Teil des Forschungsdefizits, belegt aber gleichzeitig die Nachteile einer einseitigen theoretischen Betrachtung und gibt Empfehlungen für zukünftige Untersuchungen.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2, Grundlagen: Ziel dieses Kapitels ist es, die Grundlagen der vorliegenden Untersuchung darzustellen. Dabei soll zunächst die Volksrepublik China durch eine kurze Abhandlung der chinesischen Geschichte sowie durch Darstellung grundsätzlicher Fakten zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vorgestellt werden. Der zweite Teil befasst sich mit den chinesischen Wanderarbeitern und schildert die Ursachen ihrer Entstehung sowie ihre sozioökonomischen Lebens- und Arbeitsbedingungen. Abschließend erfolgt eine Erläuterung der grundlegenden Begriffe der organisationalen Kontrolltheorien, die Junktims Organisation und Kontrolle. 2.1, Volksrepublik China: Die im Osten des asiatischen Kontinents gelegene Volksrepublik China bezeichnet sich selbst, dem altchinesischen Namen ‚Zhonghua Renmin Gongheguo‘ nach, als das ‚Reich der Mitte‘. China ist mit rund 1,3 Milliarden Menschen, etwa einem Fünftel der Weltbevölkerung, das bevölkerungsreichste und mit ca. 9,6 Millionen Quadratkilometern das drittgrößte Land. Die Hauptstadt Peking verzeichnet ca. 19,7 Millionen Einwohner. Der aktuelle Zustand der Volksrepublik lässt sich wie folgt beschreiben: ‘China geht durch drei Revolutionen gleichzeitig: die Industrialisierung, die Urbanisierung und die Transformation in eine Marktwirschaft. Der Übergang von einer kommunistischen Planwirtschaft und konfuzianischen Guanxi-Wirtschaft, die auf persönliche Beziehungen beruht, zu einer Marktwirtschaft ist 1997 in eine zweite entscheidende Phase eingetreten. Dengs Refom, die nur Gewinner kannte, führte notwendig weiter zu Jiangs Zemins ‚Reform mit Tränen‘, in der die sozialen Übergangskosten der Modernisierung und Liberalisierung zu bezahlen sind: Arbeitslosigkeit, Ungleichheit, Korruption, Entwurzelung, Kriminalität. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist China in die riskanteste Wegstrecke seines Wiederaufstiegs eingetreten.’ Unabdingbar für ein tieferes Verständnis dieser Veränderungstendenzen im modernen China ist die Betrachtung seiner historischen Entwicklung. Nachfolgend wird allerdings nur auf die geschichtlichen Ereignisse ab 1949 eingegangen. Am 1. Oktober 1949 rief der damals Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) Mao Tsetung in Peking die Volksrepublik China aus. Es folgte ein konsequenter sozialistischer Umbau des Landes, indem Großgrundbesitzer und Kapitalisten enteignet und unterdrückt, das Land (Boden) umverteilt und die Planwirtschaft eingeführt wurden. Mao führte radikale Entwicklungsexperimente und Massenkampagnen durch. 1958 erfolgte mit dem ‚Großen Sprung nach Vorne‘ ein Versuch industrieller Modernisierung, um ökonomische und technische Vorbedingungen wettzumachen und ein schnelles Wirtschaftswachstum zu stimulieren. Dies war der Beginn der massiven Wanderungsbewegungen, die bis in die heutige Zeit anhalten. Allerdings mündete dieser Industrialisierungsversuch in den Hungersnöten der ‚Drei bitteren Jahre‘ von 1959 bis 1961, dem schätzungsweise 30 Millionen Menschen zu Opfer fielen - was damals einem Dreißigstel der Bevölkerung entsprach. Um die daraufhin entfachten Machtkämpfe innerhalb der KPCh zu beenden, leitete Mao 1966 die ‚Große Proletarische Kulturrevolution‘ zur politischen Mobilmachung der Landbevölkerung ein. Intellektuelle und revolutionär Andersdenkende sollten durch die sog. Roten Garden, eine Art Gesinnungspolizei, ausgeschaltet werden, indem diese öffentlich verfolgt, gefoltert oder in Arbeitslager deportiert wurden. Diesen Aktionen fielen erneut mindestens drei Millionen Menschen zum Opfer. Nachdem Mao 1976 starb, wurde Deng Xiaoping sein Nachfolger. Da das Land durch die Reformen Maos in ein entsetzliches Chaos geworfen wurde, ein großer Mangel an Devisen herrschte sowie niedrige Faktorproduktivität und technologische Rückständigkeit allgegenwärtig waren, erklärte Deng 1978 die ‚Sozialistische Modernisierung der Wirtschaft‘ zum Mittelpunkt der politischen und wirtschaftlichen Reformen, jedoch unter Beibehaltung der Einparteiherrschaft der KPCh. Damit wurden die ‚vier Modernisierungen‘ von Landwirtschaft, Industrie, Verteidigung und Wissenschaft sowie die wirtschaftliche Liberalisierung und Öffnung zum Westen eingeleitet, um die Rückständigkeit der Volksrepublik zu überwinden. Im Rahmen dieser Reformen erfolgte die Entkollektivierung der Landwirtschaft hin zur kleinbäuerlichen Produktion, die Steigerung der Entscheidungsautonomie in Betrieben sowie die begrenzte Zulassung privater Unternehmen. Außerdem sollte mit der Öffnung zum Westen gezielt ausländisches Kapital ins Land geleitet werden, um die Wirtschaft anzuregen. Die kommunistische Führung subventionierte die Entwicklung neuer Industriezweige, die Errichtung von Sonderwirtschaftszonen sowie den Aufbau und die Modernisierung der Infrastruktur. Speziell diese ziehen seit dem mehr als Dreiviertel der ausländischen Direktinvestitionen an, da ausländische Unternehmen in den Zonen besondere Freiheiten genießen - ca. 90 Prozent aller Exporte der Volksrepublik werden dort abgewickelt. Die außenpolitische Öffnung und wirtschaftliche Liberalisierung führten allerdings, neben dem gewünschten Effekt des wirtschaftlichen Aufschwungs, auch zu einem enormen Anstieg der Einkommensunterschiede zwischen Stadt und Land und resultierten in einer Verschlechterung der materiellen Lage breiter Gesellschaftsteile, speziell von Studenten und Landbewohnern. Die Folge waren zunehmende Proteste, welche, begleitet von dem Wunsch nach mehr Freiheit und Demokratie (die ‚fünfte Modernisierung‘), 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking ihren Höhepunkt fanden. Am 4. Juni 1989 wurden durch das Militär und einer anschließenden Verhaftungs- und Hinrichtungswelle, bei der tausende Demonstranten ihr Leben verloren, die Proteste niedergeschlagen. Die KPCh hielt dennoch an ihrem politisch-wirtschaftlichem Ziel der ‚sozialistischen Marktwirtschaft chinesischer Prägung‘ durch weitere Reformen, bspw. der Befreiung der Gütermärkte von planwirtschaftlichen Elementen oder der Einräumung freier Arbeitgeberwahl, fest. 1996 wurde China in den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank aufgenommen. Nach Dengs Tod 1997 setzte dessen Nachfolger Jiang Zemin das Reformwerk u.a. durch die Bekämpfung der Korruption, die wirtschaftliche Erschließung Zentral- und Westchinas, die Teilprivatisierung von kleinen und mittleren staatseigenen Unternehmen und durch den Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) 2001 fort. Durch die zunehmende Außenöffnung und internationale Integration sowie durch ihr enormes Wirtschaftswachstum hat die Volksrepublik weltweit mehr wirtschaftliches und politisches Gewicht bekommen, was sich auch in den bislang letzten beiden Großereignissen widerspiegelt: der Austragung der Olympischen Sommerspiele 2008 und der Weltausstellung in Shanghai 2010.

Über den Autor

Felix Merz, Jahrgang 1987, studierte von 2005 bis 2009 an der Hochschule Mittweida Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Banking/Finance und International Management. Nach dem erfolgreichen Abschluss zum Diplom-Betriebswirt (FH) absolvierte der Autor bis 2012 das Masterstudium (M.Sc.) in Management and Organisation Studies an der Technischen Universität Chemnitz und schloss dieses mit Prädikat ab. Im Rahmen seiner Studien entwickelte er ein besonderes Interesse an der Kultur und Wirtschaft des asiatischen Wirtschaftsraumes im allgemeinen und der Volksrepublik China im besonderen. Zurzeit ist der Autor wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Mittweida.

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