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Geisteswissenschaften


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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 01.2013
AuflagenNr.: 1
Seiten: 84
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Fukushima, nur ein Beispiel dafür, das uns Menschen heutzutage die - manchmal nur schwer zu ertragende - Realität in aller Deutlichkeit vor Augen führt. Nicht nur in Bezug auf dieses Beispiel, erscheint die Schilderung der Wunder Jesu im Neuen Testament im Höchstmaße wirklichkeitsfern und idealisierend, so dass sich ein modernes Lesepublikum der Frage: Sind Wunder noch zeitgemäß? in ihrer vollen Dringlichkeit zu stellen hat. Entstammen Wunder und Wunderglaube nicht einer vergangenen, antiken und für uns heute absolut überholten Zeitepoche? Und falls das so ist, wäre es nicht durchaus konsequent die Wundergeschichten Jesu aus dem biblischen Kanon auszuschließen? Genau solche Fragestellungen behandelt und beantwortet das vorliegende Buch unter der Leitfrage: Sind Wunder noch zeitgemäß? . Dabei ist es zunächst sinnvoll, zwischen den Begriffen Wunder und Wundergeschichte zu differenzieren und die Stellung der Wundergeschichten in der Bibel zu klären, bevor systematisch-theologisch über die Person Jesu als Wundertäter und seine Wundertaten reflektiert und ein symbolischer Ansatz zum Verständnis seiner Wundertaten vorgeschlagen wird. Der Hauptteil der Studie beschäftigt sich mit der ausführlichen Exegese der Schweinerei von Gerasa (Mk 5,1-20) und verweist bezüglich der Aktualität biblischer Wundergeschichten auf den Glaubensprozess des geheilten Mannes. Dieser stellt sich als ein Prozess zwischen Bewegen und Bewegtwerden dar. Zudem verweist sie besonders auf den gestaffelten Glaubensprozess mehrerer Aktanten in der Wundergeschichte.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 5.2, Literarkritik: Räumliche, personelle und zeitliche Widersprüche: Der Ort der Dämonenaustreibung soll nach Markus die hellenistische und zum Bündnis der 'Dekapolis' (V.20) gehörende Stadt 'Gerasa' gewesen sein. Gerasa unterstand genau wie die Zehnstädte der römischen Verwaltung. So verwundert es kaum, dass der Großteil der Bevölkerung von Gerasa, abgesehen von wenigen jüdischen Bürgern, überwiegend Heiden waren. Problematisch an der Ortsangabe Gerasa ist nur, dass die Stadt ganze 55-60 Kilometer vom See Genezareth entfernt liegt. In der Wundergeschichte des Markus, die sich eindeutig im Gebiet der Gerasener abspielt, kommen Jesus und seine Jünger aber auf der Gegenseite des eben erwähnten Sees (V.1) an. Auch die Schweine ertrinken im späteren Verlauf der Erzählung, falls es sich nicht um einen redaktionellen Zusatz handelt, in einem See (V.13). Da aber weder ein erreichbarer See, noch irgendein Gewässer in Gerasa liegt, scheint das Gebiet der Gerasener, zumindest geographisch gesehen, nicht das Ursprüngliche zu sein. Infolgedessen, schwanken Diskussionen um die Ortsangabe insgesamt zwischen dem Gebiet der 'Gerasener', 'Gadarener', bis hin zu dem der 'Gergesener' oder sogar 'Gergystener'. Bei 'Gergystener' handelt es sich wahrscheinlich um eine inkorrekte und damit zu vernachlässigende, Schreibweise von 'Gergesener'. Matthäus scheint dieses Problem frühzeitig erkannt zu haben. Denn der Plausibilität wegen verlegt er in seinem Evangelium, circa 20 Jahre später, Gerasa in das nur 9-10 Kilometer vom See Genezareth entfernte Gadara. Die Stadt Gadara selber ist aber durch das Jarmukgebirge vom Seeufer komplett abgetrennt gewesen. So hätte die Schweineherde auch hier Probleme gehabt sich einfach den Abhang hinunter in den See zu stürzen (V.13). Demnach würde nur ein dritter Ort, nämlich Gergesa, das heutige El-Kursi, in Frage kommen. Gergesa erscheint geradezu prädestiniert für die Wundergeschichte: Es liegt direkt am Ufer, weist einen Steilhang (V.13) und einige (Grab-)höhlen (V.3) auf. Darüber hinaus gibt es dort einen See und das Gebiet der Dekapolis (V.20) befindet sich ganz in der Nähe. Schon im 5 Jh. n. Chr. sollen sich Christen dort aufgehalten haben, wie Ausgrabungen der Ruinen einer Kirche und eines Klosters beweisen. Gergesa würde aufgrund dieser archäologischen Funde sogar eine historische Basis besitzen. Jedoch war Gergesa eine unbedeutende, kleine Siedlung, ja nicht einmal eine Stadt und erst recht nicht so wirtschaftlich bedeutend wie Gerasa. 'Gerasa hingegen war ein Inbegriff der hellenistischen Kultur, bei der für jüdisches Denken wegen ihres Heidentums Besessenheiten nicht fehlen durften.' Der perfekte Schauplatz für einen Exorzismus. Diese Sichtweise bestätigt auch das Plausibilitätskriterium. Demnach ist der ursprüngliche Handlungsort der Austreibung die kulturell florierende Stadt Gerasa gewesen, die bei Matthäus im Nachhinein, eben wegen der Problematik des fehlenden Gewässers, Gadara weichen musste. Für Markus spielt wohl mehr die symbolisch-theologische Aussage der Wundergeschichte eine Rolle als ihre exakte und glaubwürdige geographische Lage. Denn der Evangelist hat sich erst gar nicht darum bemüht textuelle Dopplungen, Spannungen, sowie zeitliche und personelle Widersprüche zu glätten. So erscheinen die Ketten und Fußfesseln (V.3.4a.b), Jesu Begegnung mit dem besessenen Mann (V.2.6), sein Aufenthaltsort in den Grabhöhlen (V.2.3.5), die Konzessionsbitte der Dämonen um eine neue Behausung (V.10.12) und die Berichterstattung der Hirten über die Heilung des Besessenen (V.14.16), einfach doppelt im Text. Des Weiteren lässt sich in Vers 2 und 6 eine Spannung erkennen: Während Jesus in Vers 2 'sofort' ein besessener Mann begegnet, erblickt der Besessene in V. 6 Jesus 'von weitem' und muss sogar noch auf ihn zulaufen. Zeitlich gesehen wirkt die Apopompe in V. 8 auf Grund der Verwendung des Plusquamperfekts wie ein Nachtrag oder Einschub und scheint sich nicht in den Textfluss einzufügen. Zusätzlich variiert der Evangelist mit dem Vokabular: Er unterscheidet einerseits zwischen 'Gräbern' (V.2) und 'Grabstätten' (V.3.5), andererseits zwischen 'Besessenen' (V.16) und 'besessen Gewesenen' (V.18). An zwei Stellen kommt es zu personellen Widersprüchen und verbunden damit zu einem Wechsel zwischen Singular und Plural. Anfangs erreichen 'sie' (V.1) - gemeint sind nach markinischer Redaktion Jesus und seine Jünger (s. Mk 4,35-41 5,21-43) - das Gebiet der Gerasener, während im weiteren Verlauf der Erzählung nur noch von Jesus im Singular (z.B. V.2) berichtet wird. Die Jünger spielen in der gesamten Erzählung keine Rolle mehr. Genau andersherum verhält es sich mit dem Dämon bzw. den Dämonen: In V. 7 schreit der Dämon Jesus an und in V. 9 gesteht er, dass er mehrere Dämonen in sich vereint. Ab V. 12 ist dann nur noch von den Dämonen im Plural die Rede ab V. 14 überhaupt nicht mehr. Seltsam ist weiterhin die Tatsache, dass der Besessenen nach seiner Heilung 'bekleidet und vernünftig' (V.15) dasitzt. War er vorher etwa nackt? Wurden die Kleider im Zuge seiner Besessenheit zerrissen? Falls das so gewesen sein sollte, fehlt diesbezüglich jede vorhergehende Information. Widersprüchlich erscheint besonders der Schluss der Geschichte. In V. 19 erhält der Geheilte von Jesus den Auftrag unter den Seinen und zwar das 'was der Herr [ihm] alles getan hat' zu verkünden und in V. 20 sorgt er für Erstaunen unter den Menschen der gesamten Dekapolis mit der Kunde, 'was Jesus alles für ihn getan hat'. Bricht der Geheilte im abschließenden Vers das Schweigegebot? Durchaus, denn laut W. Wrede ist eine Einhaltung des Schweigegebots, das eines der drei Elemente des Messiasgeheimnisses darstellt, nicht immer möglich gewesen. Zusammenfassend wirft die Wundererzählung viele offene Fragen auf: Warum hat Markus die Dopplungen, Spannungen, Widersprüche und Variationen nicht geglättet oder ganz unterlassen? Sind die Widersprüche bewusst eingesetztes Gestaltungsmittel, um die enorme Besessenheit des Mannes zum Ausdruck zu bringen? Da das wahrscheinlich nicht der Fall ist, sind Unebenheiten dann Ergebnis eines langen Wachstumsprozess einer nah an die ursprünglich mündliche Version heranreichenden Geschichte? In der Forschungsgeschichte wird oft auf das hohe Alter der Erzählung hingewiesen. Ein anderer Ansatz betont ihre wiederholte Überarbeitung durch verschiedene, meist anonyme Hände. In Zuge dessen, kommt es häufig zu einer Unterscheidung zwischen drei (L. Schenke, K. Kertelge) bis vier Überlieferungsstufen (R. Pesch). Meiner Meinung nach ist es kaum vorstellbar, dass die Wundergeschichte Ergebnis eines langen Wachstumsprozesses ist, an dem zahlreiche Autoren mitgewirkt haben sollen. Das würde vornehmlich in Bezug auf ihre theologische Botschaft wenig Sinn ergeben. Und selbst wenn ein Überarbeitungsprozess stattgefunden haben sollte, ist ein solcher heutzutage irrelevant, weil sich die einzelne Überarbeitungsschichten und ihre möglichen Verfasser aufgrund des textlichen Alters sowieso nicht mehr separieren und ihre Zeilen nicht mehr nachvollziehen lassen würden. Genauen Aufschluss über Motive, Ereignisse und über die in der Wundergeschichte vorkommenden Aktanten gibt die sprachliche Analyse.

Über den Autor

Anna Hesbacher, Lehramtsstudentin, wurde 1989 in Schweinfurt geboren. Ihr Studium mit dem Hauptfach Evangelische Theologie absolviert sie an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. Voraussichtlicher Abschluss des Studiums erfolgt im Frühjahr 2013. Im Herbst 2012 reichte die Autorin ihre Examensarbeit im Hauptfach Evangelische Theologie ein. Es handelt sich um eine Arbeit, die über mehrere Jahre hinweg und in sorgfältiger Eigenrecherche entstanden ist. Von Anfang an galt ihre Vorliebe dem Studium der Evangelischen Theologie mit dem Schwerpunkt: Theologische Gegenwartsfragen und systematische Theologie.

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