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Geisteswissenschaften

Frederick Wiemerslage

"Emil und die Detektive" als Klassenlektüre

ISBN: 978-3-95820-398-3

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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 04.2015
AuflagenNr.: 1
Seiten: 28
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Im Jahre 1929 verfasste Erich Kästner das weltweit bekannte Kinderbuch Emil und die Detektive . Die vorliegende Studie stellt dar, warum es sich bei diesem Werk immer noch um eine geeignete Lektüre für den Schulunterricht handelt. Zudem wird vorgestellt inwiefern eine Unterrichtseinheit zu diesem Buch gestaltet werden kann. Dabei werden unter anderem die Voraussetzungen und Schwierigkeiten analysiert sowie eine Stundentafel aufgestellt. Im Rahmen dessen wird Kästners unverkennbarer Sprachstil analysiert und seine unterschätzte Wirkung und Bedeutung als Lyriker, Dramatiker, Essayist und Romancier diskutiert.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 3.3, Gesellschaftskritik in einem Kinderroman: Zwischen 1949-1952 hielt Erich Kästner im Zürcher PEN- Club eine Rede, aus der folgender Ausschnitt stammt: Unser Gast, meine Damen und Herren, ist gar kein Schöngeist, sondern Schulmeister! Betrachtet man seine Arbeiten – vom Bilderbuch bis zum verfänglichsten Gedicht- unter diesem Gesichtspunkte, so geht die Rechnung ohne Bruch auf. Er ist ein Moralist. Er ist ein Rationalist. Er ist ein Urenkel der deutschen Aufklärung, spinnefeind der unechten Tiefe , die im Lande der Dichter und Denker nie aus der Mode kommt, untertan und zugetan den drei unveräußerlichen Forderungen: nach der Aufrichtigkeit des Empfindens, nach der Klarheit des Denkens und nach der Einfachheit in Wort und Satz. In dieser Rede, die ihn selbst beschreiben soll, wird sein präzises aufklärerisches Denken deutlich, mit der sich Kästner kritisch gegen die Verhaltensschemata und Denkweisen einer etablierten Gesellschaft richtet. In Emil und die Detektive geht es um ungerecht verteiltes Kapital, welches Diebe hervorbringen kann. Die Anständigen werden in der Konsequenz zur Solidarität gezwungen. Emil und die beteiligte Kindergruppe, die in den komplizierten Apparat der Erwachsenenwelt geraten, setzen sich mit der Aufdeckung eines Verbrechens auseinander. Allein ihrer Fähigkeit des klaren Denkens, dem aufgeklärtem Scharfsinn und vor allem ihrer Solidarität haben sie den Sieg zu verdanken. Anfangs skizziert Kästner einen in Berlin isolierten kleinen Jungen, um das Bild der totalen Vereinzelung des Menschen aufzuzeigen. Später jedoch setzt er diesem Bild die Hilfsbereitschaft unter den Kindern und den familiären Zusammenhalt entgegen. Weiterhin verbleibt durch Emils Mutter, die schwer für eine bessere Zukunft ihres Sohnes kämpft, etwas Positives in der sonst so desolaten Welt. Somit wird aufgezeigt, dass durch solidarisches Verhalten und familiäre Hilfsbereitschaft, einer Isolierung des Einzelnen entgegengewirkt werden kann. Die Kinder in dem Roman bilden eine Interessengemeinschaft der Anständigen welche sich notfalls dem Zweck ihres Zieles unterordnen. Das erklärt auch die Bereitschaft des kleinen Dienstag , der spannenden Verbrecherjagd fern zu bleiben, weil er dazu eingeteilt wurde, zu Hause zu warten um die Telefonwache zu halten. Kästner glaubt an die noch unbelastete, unverbogene und unvoreingenommene Jugend. Diese allein besitze eine Chance zur Verwirklichung seines Entwurfes, so Doderer. Mit Hilfe des Buches setzt der Autor dem gesellschaftlichen System der 29er Jahre ein Konzept entgegen, das als Reform des subjektiven Verhaltens der Einzelnen zu verstehen ist. Somit ist dieses Konzept ein längerfristig angelegtes und richtet sich gegen ein solches der Revolution. Dieser Gedanke basiert auf der Vorstellung Kästners, dass eine dauerhafte Veränderung der Gesellschaft nur durch Erziehung als einziges Mittel erreicht werden könne. Insgesamt appelliert er an einen neuen Menschen in der alten Ordnung. Vor allem der Aspekt der Solidarität kommt durchgehend zum Vorschein die Erzählung lässt eine klassenlose Gesellschaft unter den Kindern entstehen. Ziel ist die Annerkennung der Kinder als Menschen, das selbstverständliche Bekenntnis zur Vernunft als Grundlage des Handelns und der Glaube an die Veränderbarkeit der Verhältnisse. Der Kinderroman, der von Emil Tischbeins Berliner Erlebnissen erzählt, enthält in der Tat keine Intention zur politischen Aktion, er offeriert kein sozialrevolutionäres Konzept, aber er warnt vor einer irrationalistischen Lösung der Verhältnisse, und er demonstriert Vernünftigkeit, ein zwar utopistisches, aber notwendiges Unternehmen. Auch wenn Hans Fallada dem Roman eine Moral beschert, die in jedes Milieu passe und welche fordert, anständig zueinander zu sein und sich einander durch dick und dünn zu helfen, hebt er Bedenken. Zum einen können Kinder, die sich nicht bewusst sind, dass es sich weniger um einen Verbrecher handele, sondern vielmehr um einen armen Lump , sich im späteren Leben als Jurist etwa durch die Lektüre einen unverständnissvollen Umgang mit kleinen Dieben aneignen. Zum anderen sei es gefährlich, Kinder auf eine Verbrecherjagd zu schicken die für sie anders ausgehen könne, als für Emil. Meines Erachtens sind diese Einwände jedoch von kleiner Relevanz. Da sich das Augenmerk ausschließlich auf die Umsetzung in der Schule richtet, kann ein vom Lehrer geleitetes Unterrichtsprojekt diesen geringen Schwachstellen nicht unterliegen. Missverständnisse müssen durch die Lehrkraft ausgeräumt und auf mögliche Gefahren direkt hingewiesen werden. 4. Emil und Die Detektive als geeignete Kinderbuchlektüre?: Wie bereits in der Einleitung angesprochen, soll in diesem Kapitel das vorliegende Buch auf seine Qualitäten bezüglich einer geeigneten Kinder- und Jugendbuchlektüre hin untersucht werden. Zum Ende hin wird der Aspekt der Aktualität näher betrachtet. Die Möglichkeit Kinder- und Jugendliteratur überhaupt in den Unterricht einzubeziehen, gründet in der Tatsache, dass sie das Kennenlernen von Literatur und ihrer Funktion in einem Entwicklungszustand des Lesers ermöglicht, in dem ohne das Vorhandensein von Kinder- und Jugendliteratur solche Ersterfahrungen nicht gemacht werden können. Darüber hinaus ermöglicht sie das Kennenlernen von fremden Leben, um das eigene damit zu vergleichen. Dahrendorf formuliert, dass man an Problemlösungskompetenz gewinne, wenn man lesend erfährt, wie andere mit ihren Problemen zurecht kommen. Kinder- und Jugendliteratur bietet die Chance, solche Erfahrungen als spannend und reizvoll zu erleben. Die aktuellen Lehrpläne in Nordrhein- Westfalen sehen im Deutschunterricht der Grundschule die Aufgabe, Phantasie und Vorstellungskraft beim Lesen zu entwickeln und zu fördern. Schülerinnen und Schüler erfahren hierbei, dass das Lesen Spaß machen kann. Nirgends lassen sich jedoch Angaben oder Hilfestellungen zur Auswahl einer zulässigen Lektüre finden. Es taucht lediglich die Forderung auf, dass in einer leseanregenden Lernumgebung Texte zum Lesen interessenbezogen aus[zu]wählen sind . Als Hilfe oder Leitfaden zur Auswahl einer geeigneten Lektüre können die bereits erwähnten Kriterien zur Bewertung und Beurteilung von Kinder- und Jugendliteratur nach Gerhard Haas dienen. Eine Diskussion bezüglich ihrer Gültigkeit findet an dieser Stelle nicht statt. Allerdings soll darauf hingewiesen werden, dass eine Benutzung solcher Vorgaben durch den Lehrer in allen Fällen kritisch reflektiert werden sollte. Insgesamt lassen sich die Kriterien in drei große Bereiche einteilen. Den Rezeptionsfunktionalen Kriterien folgen die Im weitesten Sinne pädagogischen Kriterien . Den dritten Teil dieser Gliederung bilden die ästhetischen Merkmale. Unter Verwendung dieser Vorgaben, wird Emil und die Detektive im folgenden Absatz näher betrachtet. Ob das Buch einerseits die Bedürfnisse von Spannung und Abwechslung erfüllt und andererseits Alternativen zur momentan erlebten und gelebten Wirklichkeit bereithält, wird durch die rezeptionsfunktionalen Kriterien hinterfragt. Zusätzlich müsse es darum gehen ein bei den Kindern vorherrschendes Problemdiskussionsbedürfnis zu befriedigen. In Bezug auf Emil und die Detektive können diese Kriterien weitgehend erfüllt werden. Der Aspekt der Spannung, der bereits in meinem Kapitel Sprache und Wirkung thematisiert wurde und die Forderung nach einer Alternative hinsichtlich der derzeit erlebten Wirklichkeit, kommen in Kästners Werk zur vollen Geltung. Ausgehend von einer derzeitigen Freizeitgestaltung der Schüler, dich sich überwiegend auf Fernsehen und Computerspielen reduzieren lassen kann, bietet der Roman mit seiner abenteuerlichen Verbrecherjagd durch Berlin eine willkommene, real erlebbare Alternative. Das Bedürfnis der Problemdiskussion, zumindest in Hinsicht auf das Verhältnis zwischen Erwachsenen-Kindern und Eltern-Kindern, kommt in dem Roman überaus deutlich zum tragen. Kinder übernehmen dort die Rollen von Erwachsenen, ihnen werden Problemlösungskompetenzen zugesprochen und Emils Verhältnis zu seiner Mutter ist von einer außerordentlichen Nähe gekennzeichnet. Zwar bleibt es den Rezipienten selbst überlassen, sich mit dieser Rollenverteilung zu identifizieren, allerdings eröffnet sich dem Schüler, durch einen Vergleich mit dem eigenen Leben, die Möglichkeit, sich seiner Selbst bewusst zu werden.

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