Suche

» erweiterte Suche » Sitemap

  • Sie befinden sich:
  • Fachbücher
  • »
  • Pädagogik & Soziales
  • »
  • Menschen stärken: Ein Generationenprojekt. Intergenerative Projekte und ihre Potenziale für die Soziale Arbeit

Pädagogik & Soziales


» Bild vergrößern
» weitere Bücher zum Thema


» Buch empfehlen
» Buch bewerten
Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 06.2021
AuflagenNr.: 1
Seiten: 96
Abb.: 7
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Generationenprojekte können Menschen miteinander verbinden, sie berühren oder Orte der Begegnung und Wertschätzung schaffen. Unter dem Motto Menschen stärken! geht dieses Buch der Frage nach, inwiefern intergenerative Projekte ein Handlungsfeld der Sozialen Arbeit darstellen, welche Potenziale sie mit sich bringen und wie sie gestaltet werden können, um Empowerment zu ermöglichen. Auf der Basis eines durchgeführten musikalischen Projekts wird ein Konzept für die intergenerative Projektarbeit skizziert, das einen Transfer zwischen Theorie und Praxis ermöglicht. Der Begriff der Generation(en) wird dabei zunächst definiert, ebenso wie die sozialen Prozesse, die ihn prägen. Intergenerative Projektarbeit ist schon viele Jahre ein Trend, aber bisher kein eigenständiges Forschungs- und Handlungsfeld in der Sozialen Arbeit. Dieses Buch untersucht fundiert, ob es trotz Herausforderungen möglich ist, intergenerative Projektarbeit innerhalb der Sozialen Arbeit zu etablieren.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel: 1.1 Generationenkonzepte – Eine Annährung aus vier Perspektiven: Nach François Höpflinger kann der Generationenbegriff in vier Konzepte unterteilt werden. Es handelt sich hierbei um den pädagogischen, genealogischen-familialen, historisch-gesellschaftlichen und wohlfahrtsstaatlichen Generationenbegriff (vgl. Höpflinger 2019, S.2ff.). Aus pädagogischer Perspektive besteht die Annahme, dass nur zwei Generationen zeitgleich existieren. Damit ist einerseits die Generation gemeint, die lehrt und vermittelt und eine weitere, die lernt und sich etwas aneignet (vgl. Suck et al. 2005, S.51). Der Vermittlungs- und Aneignungsprozess von Fähigkeiten, Traditionen, Normen und Kenntnissen kann harmonisch verlaufen oder Konflikte und Misserfolge beinhalten. Die Akteur_innen, die zum einen auf vermittelnder und zum anderen auf aneignender Ebene tätig sind, stehen im Verhältnis zueinander und lassen sich als Generationen bezeichnen. Der pädagogische Generationenbegriff und damit einhergehend die Vorstellung der zwei Generationen resultiert aus der Position des Subjektes im Hinblick auf die in der Gesellschaft stattfindende Tätigkeit der Erziehung. Diese unterteilt sich in zwei Aktivitäten, das Lehren und Lernen, und verfügt lediglich über zwei Subjekte, die different sind (vgl. Höpflinger 1999, S.8). In jeder Gesellschaft ist die Vermittlung von Fertigkeiten, Wertvorstellungen und Traditionen einer älteren an eine jüngere Generation grundlegend, um ein Fortbestehen zu gewährleisten. Nur so kann es gelingen beispielsweise Traditionen über die eigene beschränkte Lebenszeit hinweg zu garantieren und kulturelle, soziale und wirtschaftliche Kontinuität zu ermöglichen. Der pädagogische Generationenbegriff war besonders im 19. Jahrhundert von Bedeutung und findet heute eher selten Verwendung. In unserer Gesellschaft ist es keine Seltenheit, dass auch ältere Menschen von jüngeren lernen (vgl. Höpflinger 2019, S.3). Für die Auseinandersetzung mit intergenerativen Projekten als Handlungsfeld der Sozialen Arbeit ist der pädagogische Generationenbegriff dennoch interessant, da er auf einen wesentlichen Inhalt von Generationenprojekten verweist. Es handelt sich hierbei um die gesellschaftliche Kontinuitätssicherung und somit die Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten. Das Problem der Kontinuität kann von Individuen, da sie sterblich und in soziale und kulturelle Kontexte eingebunden sind, nur gelöst werden, indem sie sich menschlich und gesellschaftlich betätigen (vgl. Eisentraut 2007, S.44). Der genealogisch-familiäre Generationenbegriff ist im Vergleich zu den anderen Konzepten eindeutiger. Er beschreibt die verwandtschaftliche Abstammung im genealogischen Sinn und damit die Abfolge der Generationen innerhalb der Familie. Die Gestaltung von familiären Generationenbeziehungen wird von sozialen, kulturellen und demografischen Entwicklungen beeinflusst (vgl. Höpflinger 1999, S.6f.). Die Pluralisierung der Lebensstile, verwandtschaftliche Verhältnisse und unterschiedliche Formen von Familie wirken sich nicht auf die Eindeutigkeit des familiären Generationenbegriffes aus. Genealogische Abstammungsfolgen können hier deutlich aufgezeigt werden (vgl. Eisentraut 2007, S.43). Für Individuen ist es möglich zeitgleich mehreren familiären Generationen anzugehören. Beispielsweise ist ein Mensch lebenslang Kind seiner Eltern und kann zeitgleich selbst Eltern- oder Großelternteil werden (vgl. Findenig 2017, S.51). Interessant ist dieses Konzept für die intergenerative Projektarbeit, da es sowohl die intergenerativen Vernetzungen als auch die dadurch entstehenden Rollenerwartungen im Familiensystem in den Blick nimmt. Außerfamiliäre Begegnungen im intergenerativen Sektor sind frei gewählt und bieten die Möglichkeit, dass Individuen sich von ihrem familiären Generationenstatus entkoppeln und die gemeinsame Aktivität im Projekt, unabhängig von familiären Zuschreibungen, mitgestalten. Enkel_innen, die im alltäglichen Leben beispielsweise eher etwas von ihren Großeltern lernen, haben außerhalb der Familie die Möglichkeit andere Aufgaben zu übernehmen und zu erproben oder selbst Wissen weiterzugeben (vgl. Eisentraut 2007, S.43). Der historisch-gesellschaftliche Generationenbegriff basiert auf der Annahme, dass Individuen, die einer spezifischen zeitlichen Epoche angehören, durch gesellschaftliche und historische Geschehnisse sowie Erfahrungen geprägt werden. Dadurch unterscheiden sie sich von Menschen, die früher oder später geboren wurden (vgl. Höpflinger 2019, S.3). Dieser Generationenbegriff beschreibt demnach gesellschaftliche Gruppierungen, denen spezifische historische, kulturelle und soziale Gemeinsamkeiten zugeschrieben werden können (z.B. 68er-Bewegung, Generation X). Im historisch-gesellschaftlichen Kontext sind Generationen als soziale Kategorien zu verstehen, die aufgrund zeitgleichen Aufwachsens oder gemeinsam erlebter Ereignisse bestimmte soziale Gemeinsamkeiten aufweisen, die sich beispielsweise in gleichen Interessen oder Anschauungen zeigen (vgl. Höpflinger 1999, S.10). Findenig verweist auf Mannheims Leitgedanken, dass jedes Individuum innerhalb einer Gesellschaft von Generationengeflechten beeinflusst wird und diese sich als leitend für das eigene Denken und Handeln erweisen können (vgl. Findenig 2017, S.48). Die Persönlichkeit eines Menschen wird durch gemeinschaftliche Erfahrungen mit den Peers geprägt. Zudem beeinflusst die Erfahrung von Differenzen zwischen sich selbst und anderen die Identitätsbildung. Durch derartige Erfahrungen und Prozesse können Menschen die individuelle Lebenswelt und gesellschaftliche Entwicklungen subjektiv mitgestalten (vgl. Lüscher et al. 2003, S.248f.). Für die intergenerative Projektarbeit ist dieses Konzept bedeutsam, weil es auf die prägenden Erfahrungen im Lebenslauf eines Menschen hinweist. Betrachtet man den Generationenbegriff im wohlfahrtsstaatlichen Kontext deutet er auf Verteilungsprozesse zwischen den unterschiedlichen Altersgruppierungen hin. Gemeint sind beispielsweise die Altersvorsorge und der Generationenvertrag (vgl. Findenig 2017, S.53). In Bezug auf das politische Prinzip der Umverteilung ist es fraglich, inwiefern es dem Generationenbegriff zugeordnet werden kann. Der Generationenvertrag stellt eine durch das Gesetz angeordnete und dadurch garantierte Finanzierung der Renten seitens des Staates dar, die durch die Beiträge der erwerbstätigen Arbeitnehmer_innen getragen werden (vgl. Höpflinger 2019, S.6). Generationen sind in diesem Kontext als an Interessen und politischen Aspekten orientierte Altersgruppen und -klassen zu verstehen. Generationenverhältnisse werden in diesem Zusammenhang durch potenzielle Konflikte und Konkurrenzkampf in Bezug auf knappe, insbesondere wohlfahrtsstaatliche Ressourcen, geprägt. Im Gegensatz zu den anderen drei Konzepten des Generationenbegriffs wird der wohlfahrtsstaatliche maßgeblich von außen bestimmt und fokussiert seine Funktion auf die Beurteilung und Beschreibung von finanziellen Ressourcen. In Bezug auf intergenerative Projekte ist dieser Zusammenhang von Bedeutung, da er als Hintergrundfolie bewusst und unbewusst nicht nur das eigene Denken und Handeln, sondern auch das der Adressat_innen beeinflussen und indirekte Konflikte und Vorurteile implizieren kann. (vgl. Findenig 2017, S. 53f.). Die vier Konzepte zeigen, wie facettenreich der Generationenbegriff ist. Bedeutend ist, dass die vier Konzepte miteinander verknüpft und nicht in Abgrenzung zueinander betrachtet werden. Jedes Individuum kann mehreren Generationen in verschiedenen Zusammenhängen angehören und unterschiedliche generationenspezifische Funktionen ausüben. Exemplarisch können sich Generationen innerhalb einer Familie im Alter und in historischen Erfahrungen des Jahrgangs der Geburt unterscheiden, was sich wiederum auf die Wert- und Normvorstellungen der Personen auswirkt. Zudem werden innerfamiliäre, genealogische Generationenbeziehungen durch soziokulturelle Hintergründe und historische Einflüsse geprägt, sodass sich beispielsweise eine Eltern-Kind-Beziehung in der Nachkriegszeit vermutlich anders gestaltet als in der 68er-Bewegung (vgl. BMFSFJ 2012, S. 11f.).

Über den Autor

Elisabeth Stückradt, wurde 1995 geboren. Bereits im Jahr 2012 begann ihre Tätigkeit in einer Kindertageseinrichtung. Nach der Ausbildung zur Sozialassistentin und ihrem Fachabitur absolvierte sie von 2013 bis 2016 die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin. Im Anschluss daran arbeitete sie von 2016 bis 2017 als Vollzeitkraft in einer Kindertageseinrichtung. Dort war sie insbesondere für die Projektarbeit und musikalische Angebote zuständig. Das Studium der Sozialen Arbeit schloss sie im Jahr 2021 mit dem akademischen Grad Bachelor of Arts an der Evangelischen Hochschule Darmstadt erfolgreich ab. Ergänzend arbeitete sie während des Studiums zunächst in einer Kindertageseinrichtung und später in einer Schule für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Förderbedarfen. Im Verlauf des Studiums etablierte Elisabeth Stückradt nebenberuflich das Generationenprojekt Menschen stärken und wurde Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes. Innerhalb der Ausbildung entwickelte die Autorin das Hauptziel, Menschen in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken und zur Echtheit zu ermutigen. Die intergenerative Projektarbeit ist für Elisabeth Stückradt eine wertvolle Begegnung der Generationen, die zahlreiche Potenziale für die Soziale Arbeit birgt.

weitere Bücher zum Thema

Bewerten und kommentieren

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichenten Felder aus.


script>