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Geisteswissenschaften

Alexander Hein

Zeit als Thema und Strukturgeber in der Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts

ISBN: 978-3-86341-201-2

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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 06.2012
AuflagenNr.: 1
Seiten: 68
Abb.: 6
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

In dieser Arbeit wird anhand dreier fiktionaler Romane der Gegenwartsliteratur das Verfahren untersucht, gemäß welchem eine Handlung über die lineare Zeitachse darstellt wird. Auch wie Zeit als strukturgebender Faktor für die Narration urbar gemacht werden kann und welches Zeitverständnis zu Grunde gelegt wird, ist Thema dieser Studie. Bei den untersuchten Werken handelt es sich um fiktiv-biographische Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts, nämlich Tereziá Moras Alle Tage, Sten Nadolnys Die Entdeckung der Langsamkeit und John von Düffels Houwelandt. Diese Werke unterscheiden sich in der Erfassung und Verwendung von Zeit. Dadurch erlauben sie eine Analyse, in welcher Besonderheiten in der zeitlichen Ordnung und im Umgang mit dem kulturellen Phänomen ‚Zeit‘ aufgedeckt werden. Unter Vorlage ausgewählter Beispiele untersucht der Autor, über welche narrativen Verfahren implizite inhaltliche Zusammenhänge in einer analeptischen, nicht linearen Erzählung dargestellt werden können und wie eine Narration in gewisser Freiheit von zeitlicher Logik möglich ist. Ferner soll gezeigt werden, wie die Darstellung einer eine Lebenszeit umspannende Erzählung möglich ist, während ein offensichtlicher Konflikt zwischen der Erzählzeit und der erzählten Zeit vorliegt. Angelehnt an die Frage der erfahrenen Zeit und der tatsächlichen Zeit stellt diese Arbeit das soziale Zeitverständnis, wie es in der Literatur als kulturelles Ausdrucksmittel zu finden ist, heraus. Literaturwissenschaftliche Fachbegriffe werden in dieser Arbeit weitestgehend aufgeschlüsselt und an Beispielen belegt.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel Verlust des zeitlichen Zusammenhangs als strukturgebendes Prinzip: Wie im vorherigen Abschnitt angedeutet, ist die Narration in Alle Tage keine synthetische Erzählung, bei der Ereignisse gemäß ihrer natürlichen zeitlichen Reihenfolge erzählt werden, sondern eine analytische Erzählung, weil die Ereignisfolge der Erzählzeit von jener der erzählten Zeit abweicht. FRÖHLICH (2007: 70-71 2006) konstatiert intertextuelle Anleihen von Alle Tage bei Ovids Metamorphose und Homers Odyssee in der Erzählstruktur und auch in hier nicht näher zu erwähnenden inhaltlichen Aspekten. Ähnlich diesen antiken Erzählungen ist in Alle Tage die Struktur, so FRÖHLICH (2007: 68), brüchig, mit Sprunghaftigkeit und Rissen, als wäre der Raum aus der Zeit geraten (AT: 379). ERIKA HAMMER (2007: 86f) beschäftigt sich näher mit dem Bezug zwischen der Odyssee und Alle Tage und stellt dabei fest, dass Alle Tage nur als Persiflage dieses Musters gelesen werden [kann] (eadem: 86), da das alte Schema […] nur als Negativfolie vorhangen (ibid.) ist. Während Odysseus Bezugspunkte wie Heimat und Familie kennt, gibt es in Alle Tage nur Scheinehen, Scheinfamilien und Ersatzmütter oder -väter, Umzüge und keinen Bezugspunkt (eadem: 87), woraus es zu einer gesteigerten Labyrinthartigkeit der Erzählung kommt. Es soll nun darum gehen, das kohärenzstiftende Verfahren hinter Alle Tage zu erfassen und in einem im Rahmen dieser Arbeit zulässigen Ausmaß die erzählte Zeit soweit zu rekonstruieren, dass die vorliegenden Brüche geschlossen werden. Darüber hinaus sollen über den Weg einer zeitlich orientierten Interpretation Rückschlüsse auf die Erzählinstanz gemacht werden. GLOY (2006: 91) beschreibt die Erzählweise in der Odyssee als eine durch die Handlungslogik sich entfaltende Erzählung, in der Einzelhandlungen ohne Zusammenhang erzählt werden. Diese sogenannte präsentische Erzählweise stellt sie der neuen Geschichtsschreibung gegenüber, in der es üblich ist, dass Ereignisse exakte Zeitstelle (Datum), […] Abstand zueinander (Dauer), sowie ihre Ordnung (nacheinander oder zugleich sein) erhalten (ibid.). Dass ein derartiges Prinzip der präsentischen Erzählweise auch auf Alle Tage anwendbar ist, zeigt sich an verschiedenen Stellen. Beispielsweise wird sehr häufig auf genauere Zeitangaben, als kalendarische Relata, die eine Orientierung über den Verlauf von Abels Geschichte erlauben könnten, verzichtet, wie auch Orte und verschwiegen werden. So wird selbst Abels Namensherkunft getilgt ( Und Nema. So wie das Nichts? Nein, sagte Abel und errötete. […] Es ist ein …scher Name , AT: 27). Zwar wird unter der Verwendung von relativen Zeitangaben erzählt, die es erlauben, die Ereignisse grob zueinander in Beziehung zu setzen, wie es mit der Erzählung über Abels bis dato ereignislose Kindheit getan wird: Damals vor fünfzehn, zwanzig Jahren, lebten sie in einer kleinen Stadt in der Nähe dreier Grenzen. (AT: 24) oder Nach (wie vielen?) Jahren fragte Thanos seinen Stammgast: Wo kommst du her? Darauf antwortete er endlich was. (AT: 258) sind weitere Beispiele für das programmatische unterschlagen genauerer Ortsangaben, während einzig die gegenwartsreferentielle Angabe im Bezug zum Origo ( vor fünfzehn, zwanzig Jahren ) eine grobe Einordnung in den Erzählkontext erlaubt. Mehr Informationen über Zeit und Ort lassen sich dennoch beiläufigen Ereignissen abgewinnen, welche, als spielten sie keine Rolle, den erzählten Gesprächen der Figuren zu entnehmen sind. So ist der emotionalen Reaktion Andres in einer politischen Debatte abzulesen, dass alle Beteiligten als mutmaßlich Betroffene persönliches Interesse am Jugoslawienkonflikt haben.

Über den Autor

Alexander Hein hat bis 2011 Germanistik und Anglistik an der Universität Duisburg-Essen studiert. Zu seinen bevorzugten Themen der Literaturwissenschaft zählen Gegenwartsliteratur, Nachkriegsliteratur und Literaturtheorie. Aus dem Bereich der Linguistik gehört vor allem die Korpuslinguistik zu seinem Interessengebiet. Im Rahmen des Studiums war auch die Didaktik der Unterrichtsfächer Deutsch und Englisch von großer Wichtigkeit für ihn. Von 2011 bis 2012 arbeitete er in Großbritannien an zwei weiterführenden Schulen.

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