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Geschichte


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 08.2011
AuflagenNr.: 1
Seiten: 94
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die Studie von Arias-Schreiber hat das Ziel, den Aufbau des Epos Anchietas De gestis Meni de Saa darzustellen und herauszuarbeiten, ob dieser sich an die klassische Tradition der historischen Epik, namentlich an die Aeneis Vergils anlehnt. Das Epos wurde von José de Anchieta, dem Apostel Brasiliens (1980 selig gesprochen) und Gründer von Rio de Janeiro, in der Zeit von 1560 - 1563 in lateinischer Sprache verfasst. Es besteht aus über 2900 Hexametern und gilt als das erste in Lateinamerika geschriebene Epos. Der Jesuit José de Anchieta ist allerdings nicht in Lateinamerika sondern auf Teneriffa in Spanien geboren. Als er 19 Jahre war, reiste er zu Missionierungszwecken nach Brasilien, um jedoch nie mehr nach Europa zurückzureisen. Am 9. Juni 1597 starb er in der neuen Welt. Gegenstand des Epos De gestis Mendi de Saa ist die Zivilisierung der Einheimischen Brasiliens sowie die Umsetzung der Indianerpolitik des Generalgouverneurs Brasiliens Mem de Saa und die Vertreibung der kalvinistischen Franzosen von Brasilien im Jahr 1560. Arias-Schreiber präsentiert in seiner Studie eine kurze Biographie über José de Anchieta, beschreibt die Strukturmerkmale des Epos, dessen Quellen sowie die Verfassungszeit. Er arbeitet die thematischen Einheiten des Gedichts heraus und analysiert sie im Bezug auf den Aufbau der Handlung, Handlungsträger und Verwendung narrativer Mittel (Gleichnisse, Reden, Historizität). Das letzte Kapitel thematisiert den Aufbau des Epos im Licht der typisch strukturellen Elemente der klassischen Tradition der historischen Epik und namentlich hinsichtlich der Anlehnung an die Aeneis Vergils. Arias-Schreiber kommt zum Schluss, dass die Struktur des Epos Anchietas im Grunde genommen viele von den typischen Komponenten der historischen Epischen Tradition zeigt. Allerdings bedient sich Anchieta der Darstellungsmittel anders als Vergil, hinsichtlich der Frequenz, des Inhalts, der Anzahl, der Variation und der Komplexität der narrativen Elemente.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 6.2, Buch I: 6.2.1. Erste und einzige thematische Einheit: der Krieg am Fluss Cricaré und der Tod des Fernandus de Saa (V. 199 – 809: 611 Verse): 6.2.1.1. Struktur der thematischen Einheit: Der erste Abschnitt des Epos beginnt mit der Darstellung der Kriegsgründe (V. 199 – 225): die Tamoios greifen öfter die Kolonisten in Spiritus Sanctus an, töten sie und verwüsten das Land. Als die wilden Einheimischen einen neuen Angriff auf die Christen planen, erfährt Mem de Saa davon und beschließt, seinen Sohn zu Hilfe der Kolonisten zu schicken. Vor der Abfahrt spricht Mem de Saa seinem Sohn Fernandus an, wobei er ihn zu Tapferkeit und Bewahrung des Vertrauens auf Gott auffordert. Die Rede des Mem de Saa an seinen Sohn (V. 236 – 276: 41 Verse) nimmt einen größeren Platz im Abschnitt ein als die Darstellung der Kriegsgründe (27 Verse). Dies ist ein Zeichen für die Bedeutung, die der Dichter der Episode beimisst. Den Rest der Handlung im Abschnitt trägt Fernandus de Saa. Mem de Saa wird erst am Ende des Buches kurz (V. 795 – 809) in der Erzählung wieder auftreten, als er vom Tod seines Sohnes erfährt. Nach der Abschiedsrede des Mem de Saa an seinen Sohn stellt der Dichter in wenigen Hexametern (24) die Abfahrt der Fernandus de Saa und kurz darauf seine Landung im Schauplatz des Krieges mit 100 Soldaten dar. Es folgt die ausführliche Beschreibung der Beschaffenheit des Kriegsschauplatzes, der Verteidigungsanlagen und der Rüstung der Feinde (V. 277 – 340). Vor dem Kriegsausbruch hält Fernandus de Saa eine erste Ansprache an seine Soldaten (V. 344 – 360: 17 Verse). Er fordert sie auf, mit dem Angriff anzufangen und sich auf die Hilfe Gottes zu verlassen. Die gesamte Darstellung der Handlung vor dem Kriegsausbruch macht etwa 30 Prozent der Gesamtzahl der Verse der ersten thematischen Einheit im Buch I aus. Nach der Darstellung der Kriegsvorbereitungen beginnt der Dichter mit der des Kriegsverlaufes. Dieser besteht aus drei Kampfhandlugen, die insgesamt etwa 50 Prozent der Gesamtzahl der Verse des Abschnitts ausmachen. Die erste Schlacht (V. 370 – 508) findet am Fluss Cricaré statt und wird vom Dichter ausführlich dargestellt (139 Verse). Die Handlung beginnt mit dem Angriff der Portugiesen auf die Festung der Einheimischen. Diese hatten sich zurückgezogen, als der Versuch, die Portugiesen von der Küste zu vertreiben, scheiterte. Während des Angriffs der Portugiesen auf die Festung schildert der Dichter in der Form eines Exkurses den Tod durch Pfeile zweier portugiesischer anonymer Soldaten und wie diese Tat die Wut der Portugiesen weckt (V. 462 – 508: 47 Verse). In der Folge des gewaltigen Rückangriffes sehen sich die Indianer dazu gezwungen, ihre erste Festung zu verlassen und Zuflucht in einer zweiten zu suchen. Die zweite Episode im Kriegsverlauf besteht im Angriff der Portugiesen auf die zweite Festung. Sie wird vom Dichter kurz dargestellt (V. 509 – 528: 20 Verse). Die Schlacht läuft wieder günstig für die Portugiesen und die Indianer ziehen sich in ihre dritte Festung zurück. Die Darstellung der dritten und letzten Kampfhandlung des Fernandus de Saa (V. 529 - 688: 160 Verse) fängt mit dem Angriff seiner Truppen auf die Festung der Einheimischen an. Am Ende dieser Episode schildert der Dichter den Tod des portugiesischen Befehlshabers. Diese dritte Schlacht wird ausführlicher dargestellt und macht etwa die Hälfte der Gesamtzahl der Verse des Kampflaufes aus. Die dritte Schlacht besteht aus drei Teilen: (a) die Portugiesen greifen die Festung der Einheimischen erfolgreich an. In der Mitte des Angriffs hält Fernandus de Saa eine kurze Ansprache (b) das unerwartete Zusammentreffen der Truppen der Einheimischen von unterschiedlichen Orten verbreitet Angst und Schrecken bei den Portugiesen, die sich an die Küste zurückziehen. Der Dichter versetzt sich in die Lage der fliehenden Soldaten und wirft ihnen in zweiter Person Feigheit und Unbeständigkeit vor und (c) Fernandus de Saa kämpft tapfer um sein Leben. Wenige Soldaten begleiten ihn und können dem Angriff der Feinde kaum standhalten. Als Fernandus de Saa merkt, dass er bis auf diese wenigen Soldaten von den meisten im Stich gelassen wird und als es ihm nicht gelingt, sich in die Schiffe zurückzuziehen, hält er eine kurze Ansprache an die Soldaten und ruft sie zum Angriff aus. Es gelingt ihm viele Feinde zu töten aber letztendlich wird er von den Feinden umzingelt, zu Boden geworfen und tot geschlagen. Die anderen Soldaten ziehen sich an die Küste zurück und fahren ab. Der Dichter lobpreist die Tapferkeit des Fernandus de Saa, wobei er sich in zweiter Person mit 25 Versen (V. 660 – 684) an den Verstorben wendet. Somit endet die dritte Episode des Kampfverlaufs. Trotz des Todes des Befehlshabers stellt der Dichter die Portugiesen als Sieger über die Einheimischen dar. Der letzte Teil des Abschnitts besteht aus folgenden Handlungen: die Rückfahrt der portugiesischen Soldaten in die Stadt Vitoria – sie liegt nahe des Kriegsschauplatzes-, die Bekanntmachung des Todes des Fernandus de Saa, die Darstellung der Begräbnisfeierlichkeiten, die kurze Wiederherstellung des Friedens, die Rache der Portugiesen gegen die Einheimischen, die dauerhafte Wiederherstellung des Friedens und die Schilderung des Leids des Mem de Saa. Dieser dritte Teil macht etwa 20 Prozent der Gesamtzahl der Verse des Abschnitts aus. Er wird hauptsächlich auf drei Handlungen verteilt, die nahezu gleiche Länge aufweisen: (a) Die portugiesischen Soldaten kehren in die Stadt Vitoria zurück und die Bürger erfahren vom Tod des Fernandus de Saa. Sie sind traurig und gierig die Toten zu rächen. Sie lobpreisen Fernandus de Saa für seine Opferung (V. 689 – 721: 33 Verse) (b) in der Stadt finden die Begräbnisfeierlichkeiten statt. Sie werden vom Dichter ausführlich dargestellt. Die Bürger gehen in die Kirche, errichten ein Grabmal vor dem Altar und sprechen ein Gebet. Sie nehmen am Gottesdienst teil. Der Priester bittet Gott um die ewige Ruhe aller Toten. Zum Schluss erholen sich die Soldaten, bevor sie wieder in den Krieg gegen die Einheimischen ziehen, um den Tod des Fernandus de Saa und der anderen zu rächen. Es herrscht eine kurze Friedenszeit (V. 722 – 759: 38 Verse) und (c) die Portugiesen nehmen Rache gegen die Einheimischen. Sie besiegen die Indianer endgültig. Es herrscht in der Region dauerhafter Frieden. Die portugiesischen Sieger fahren nach Bahia zurück und Mem de Saa erfährt vom Tod seines Sohnes. Obwohl er sehr traurig ist, tröstet er sich mit dem Gedanken, dass sein Sohn das Leben von Vielen mit seinem Tod gerettet hat (V. 760 – 809: 50 Verse). Dieser letzte Auftritt des Mem de Saa wird nur mit 14 Versen geschildert. Es lassen sich zusammenfassend drei große Teile im Abschnitt erkennen. (1) Der erste Teil umfasst die Darstellung der Kriegsgründe und der Kriegsvorbereitungen bis auf die Handlung vor dem Kriegsausbruch (30 Prozent der Gesamtverszahl des Abschnitts) (2) der zweite Teil umfasst den Kriegsverlauf mit dem Tod des Fernandus de Saa (etwa 50 Prozent der Gesamtverszahl des Abschnitts). Der Dichter verteilt die Darstellung des Kriegsverlaufs auf drei Kampfhandlungen. (3) Der dritte Teil besteht aus zwei Episoden: (a) die Begräbnisfeierlichkeiten sowie die darauffolgende kurze Wiederherstellung des Friedens und (b) die Rache der Portugiesen und die Schilderung des Leids des Mem de Saa nach der Nachricht des Todes seines Sohnes. Dieser letzte Teil macht den übrigen 20 Prozent der Gesamtzahl der Verse des Abschnitts aus.

Über den Autor

Felix Arias-Schreiber Barba (Lima, Peru 1964) studierte Rechtswissenschaften an der Päpstlichen Katholischen Universität von Peru, hat den Master in Rechtssoziologie an der Freien Universität Berlin (LL.M.) und den Magister in lateinischer Philologie, Alte Geschichte und Soziologie an der Freien Universität Berlin abgeschlossen. Sein Interesse an der Geschichte Lateinamerikas und an der Philologie hat ihn bewogen, das erste in Lateinamerika in lateinischer Sprache verfasste Epos De Gestis Mendi de Saa (XVI Jh.) von José de Anchieta, dem Apostel Brasiliens, im Rahmen der klassischen epischen Tradition zu analysieren, Das Werk José de Anchietas ist wegen der sprachlichen Barrieren des Lateinischen und Spanischen im deutschsprachigem Raum kaum bekannt. Die Studie von Arias-Schreiber trägt erheblich dazu bei, diese Barriere zu überwinden.

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