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Geschichte


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 04.2015
AuflagenNr.: 1
Seiten: 96
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Das Frauenbild der 20er Jahre und untersucht diesen Themenkomplex anhand der literarischen Positionen Irmgard Keuns, Marieluise Fleißers und Mela Hartwigs. Sie analysiert Irmgard Keuns Roman Das kunstseidene Mädchen , Marieluise Fleißers Erzählung Ein Pfund Orangen und Mela Hartwigs Roman Das Weib ist ein Nichts . Da mit den zwanziger Jahren eine Zeit beginnt, in der die Stellung der Frau immer mehr an Bedeutung gewinnt, betrachtet die Arbeit zunächst die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Dabei wird auf das Bild der ‚Neuen Frau’ Bezug genommen und hiermit verbunden, auf den enormen Aufschwung der Angestelltenkultur. Die Betrachtungen gehen ebenfalls auf die Literatur der Zeit ein und klären anhand einiger Beispiele die Frage, inwieweit weibliche Angestellte und ein neues Frauenbild Thema der zeitgenössischen Literatur werden und welche Funktion diese dabei übernimmt. In einem abschließenden Resümee werden die drei Positionen der unterschiedlichen Autorinnen in einen übergeordneten, abstrakten Rahmen gestellt und es wird noch einmal reflektiert welche Konzepte von Weiblichkeit in den drei Werken verhandelt werden.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 3.2, Analyse des Romans Das kunstseidene Mädchen: Der Roman Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun erscheint im Juni des Jahres 1932, in einer bis dahin unerhörten Auflage von 50000 Exemplaren , und wird, wie schon Keuns erstes Buch Gilgi – eine von uns, zum Bestseller. Der Roman ist in drei Kapitel aufgeteilt, in denen der Werdegang der Protagonistin Doris einer jungen Angestellten und Lebenskünstlerin erzählt wird, deren angestrebtes Ziel es ist, ein Glanz zu werden. Die Titel der Kapitel stehen symbolisch für die verschiedenen Stadien, die die Protagonistin durchlebt. Schlussendlich findet sich Doris mittellos in einem Wartesaal wieder. Wohin Doris´ Weg führen wird und ob sie ihre Ziele erreichen wird, lässt die Autorin offen. Die gesamte Handlungsführung zielt [...] auf [...] eine Kritik an der Hingabe an den bloßen Schein, hinter dem sich eine verdinglichte Welt verbirgt . 3.2.1, Erzählperspektive, Sprache und Stilmittel: Der Roman Das kunstseidene Mädchen ist in der Ich-Form, aus der Sicht der Hauptfigur Doris, geschrieben. Alle Nebenfiguren erscheinen somit aus der Sicht der Ich-Erzählerin, was bedeutet, dass sie nur schwach beleuchtet werden und keine Eigenständigkeit erlangen. Doch trotz der gewählten Erzählperspektive, offenbart sich hinter den Brüchen und Widersprüchen der Figurenaussage und in der Metaphorik sowie im sprachlichen Humor eine ironisch-distanzierte Autorin. Christa Jordan spricht in ihren Ausführungen zum Kunstseidenen Mädchen von einem Spannungsverhältnis zwischen der Erzählweise auf der einen Seite und der Metaphorik und sprachlichen Gestaltung des Textes auf der anderen. Sie spricht davon, dass hieraus die teilweise kritischen Gehalte des Romans resultieren. Das hier gewählte Stilmittel erlaubt, auch durch Auslassen eines im Text anwesenden Erzählers, bei allem Anschein von Authentizität auch eine Ferne zur Figur, die diese wesentlich schärfer auch vor dem historischen Hintergrund fokussieren läßt und die das mittelbare Einbringen kritischerer Gedanken zuläßt. Irmgard Keun verwendet eine äußerst bildliche Sprache, um die Sichtweise der Protagonistin zu veranschaulichen: Berlin senkte sich auf mich wie eine Steppdecke mit feurigen Blumen (KM 67) es summt eine gelbe Luft (KM 97) sie atmen Kronen aus sich heraus (KM 81) oder sie lächeln Fremdworte richtig (KM 81), um nur einige Beispiele zu nennen. Weiterhin finden sich viele Vergleiche und Metaphern, um bestimmte Situationen und Emotionen der Protagonistin zu verdeutlichen: Die Luft war wie ein runder Kloß und man konnte sie nicht schlucken (KM 77) Mein Herz ist ein Grammophon und spielt aufregend mit spitzer Nadel in meiner Brust (KM 58) und hatte in meinem Herzen die Brillianten von geküsster Dummheit, die ich nicht essen konnte (KM 87) meine Buchstaben zittern auf dem Papier wie sterbende Beine von Mücken (KM 58). Um Wirklichkeitsnähe zu vermitteln, lässt die Autorin die Protagonistin eine charakteristische Alltagssprache verwenden, die auf ihre soziale Herkunft schließen lässt, z. B. Mir ist ganz koddrig (KM 49) oder und ich schlickse mal eben Tränen raus (KM 180). Umgangssprachlich sind auch die teilweise wörtlich wiedergegebenen Dialoge im Berliner Dialekt (Vgl. KM 151). Auch reiht Doris oft wahllos Sätze ohne erkennbare Struktur aneinander. Die von der Autorin verwendeten Bilder und Vergleiche sind der neusachlichen und durch die Kulturindustrie geprägten Erfahrungswelt entnommen. [...] Aus den naiv und oft umgangssprachlich dahererzählten Bildern und Vergleichen spricht ein Gesellschafts- und Weltbild, das den historischen Hintergrund kritisch beleuchtet. Durch die Wahl der Stilmittel und die humoristische Ausdrucksweise, die Keun wählt, erreicht sie große Wirklichkeitsnähe und kann auf diese Weise ebenfalls Kritik, vor allem an der Gesellschaft, implizieren. Insgesamt ist Keuns Sprache alltagsorientiert, nüchtern und verständlich. Sie verzichtet auf eine artistische Ausgestaltung und bedient sich einer antipsychologischen Erzählweise. 3.2.2, Betrachtung der Protagonistin Doris: Die achtzehnjährige Doris arbeitet zu Beginn des Romans als Angestellte in einem Büro in Köln. Sie lebt noch bei ihren Eltern, die der mittleren Schicht der Gesellschaft angehören. Ihr Vater ist arbeitslos und hat gar keinen Inhalt in seinem Leben außer dreckige Karten spielen und Bier trinken mit Kümmel und in der Wirtschaft sitzen. (KM 44) Ihre Mutter arbeitet als Garderobiere an einem Theater. Doris hält sich für einen ungewöhnlichen Menschen und möchte deshalb ihre Erlebnisse in einem Buch festhalten. Ein Tagebuch für ein achtzehnjähriges Mädchen findet sie lächerlich, deshalb will sie schreiben wie Film (KM 8). Zu Beginn des Romans beschreibt die Ich-Erzählerin Doris sich selbst mit folgenden Worten: Und ich sehe aus wie Colleen Moore, wenn sie Dauerwellen hätte und die Nase mehr schick ein bißchen nach oben. [...] Und jetzt sitze ich in meinem Zimmer im Nachthemd, das mir über meine anerkannte Schulter gerutscht ist, und alles ist erstklassig an mir – nur mein linkes Bein ist dicker als mein rechtes (KM 8). Doris besitzt ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein und ist zufrieden mit ihrem Aussehen, das für sie eine große Rolle spielt. Verbunden hiermit kommt dem Materiellen in ihrem Leben eine große Bedeutung zu. Es ist sehr wichtig für sie, gut gekleidet zu sein. Zu ihrem Leidwesen kann sie sich teure Kleidung kaum leisten, denn als Angestellte verdient sie nicht besonders viel, gerade mal 150 Mark im Monat (Vgl. KM 10). Umso lieber lässt sie sich von ihren Männerbekanntschaften beschenken und kommt so zu dem einen oder anderen Accessoire. Wie wichtig modische Kleidung für sie ist, kann der folgenden Passage entnommen werden: Aber von meinen 50 Mark hatte ich mir gleich einen Hut mit Feder gekauft – dunkelgrün – das ist jetzt Modefarbe, und steht mir herrlich zu meinem erstklassigen rosa Teint. Und ist schief auf einer Seite zu tragen – kolossal fesch – und ich hatte mir bereits einen dunkelgrünen Mantel machen lassen – streng auf Taille und mit Fuchsbesatz – ein Geschenk von Käsemann, der mich durchaus beinahe heiraten wollte (KM 10). Die temperamentvolle Doris weiß, wie sie mit Männern umgehen muss, um das zu bekommen, was sie möchte. Kerstin Barndt bezeichnet Doris in ihrer Betrachtung zum kunstseidenen Mädchen als aktiv passiv , was bedeutet, dass es Doris versteht, sich auf kluge Weise dumm zu stellen. Obwohl die Grenze zwischen Prostitution und Doris´ Art der Männerwerbung zeitweise etwas verschwimmt, ist sie immer darauf bedacht, ihr System von der Prostitution zu unterscheiden. Nur einmal in der Romanhandlung bietet sie sich, aus einer verzweifelten Lage heraus, bewusst den Männern für Geld an. Ich werde mich einmal ansprechen lassen mit allem was zugehört und bezahlen. Einmal und nicht wieder (KM 153). Ansonsten findet Doris nichts Erstrebenswertes am Dasein der Huren, die ihr später in Berlin überall begegnen. Und sehn gar nicht immer aus wie welche, sie machen so einen unentschlossenen Gang – das ist gar nicht immer das Gesicht, was eine Hure so ausmacht [...] das ist eine Art von Gehen, wie wenn einem das Herz eingeschlafen ist (KM 144) .Das negative Beispiel der Hure Hulla, die sich, aus Angst vor ihrem Zuhälter aus dem Fenster stürzt, steht Doris die ganze Zeit vor Augen. Im Gegensatz dazu bewundert Doris reiche Frauen, die alles haben, ohne dafür zu arbeiten und würde am liebsten selbst so ein Leben führen. Es gibt Hermeline und Frauen mit Pariser Gedufte und Autos und Geschäfte mit Nachthemden von über hundert Mark und Theater mit Samt, da sitzen sie drin – und alles neigt sich, und sie atmen Kronen aus sich heraus (KM 81). Arbeiten möchte Doris nicht, sie würde fast alles dafür tun, um nicht arbeiten zu müssen (Vgl. KM 183-184). Die Protagonistin interessiert sich nicht für Politik Zeitung lesen findet sie langweilig und versteht auch nicht richtig, was dort geschrieben steht. Nur einmal beschließt sie, sich politisch etwas weiterzubilden, doch der Versuch schlägt fehl. Der Mann, den sie sich für ihre Aufklärung ausgewählt hat, geht auf ihre politischen Fragen nicht ein und erzählt ihr vielmehr von seinen Problemen mit seiner Frau und macht Doris versteckte Komplimente. Die Erotik ist hier, wie meistens im Roman, von größerer Bedeutung und verdrängt das Politische (Vgl. KM 73-74). Trotz aller bisherigen Erfahrungen sehnt sich auch Doris nach einer liebevollen Beziehung mit einem Mann, der sie wirklich liebt. Man müßte sein mit einem, der mir gefällt. Gefällt, gefällt, gefällt. Und seine Stimme müßte klingen, wie seine Haare glänzen – und seine Hände müßten für meinen Kopf gerundet sein wie die Art von seinem Mund auf mich zu warten. Ob es Männer gibt, die warten können, bis man will? Da kommt ja immer der Augenblick, wo man will - aber da wollen sie einen Moment zu früh, das wirft mir dann einen kalten Stein in den Bauch (KM 80-81). Das ist so furchtbar viel, wenn einem einer gefällt – Liebe ist noch ungeheuer viel mehr, daß es sie wohl gar nicht, vielleicht kaum gibt (KM 87).

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