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Geschichte

Wolfgang Gaßner

Der Investiturstreit: Eine Einführung

ISBN: 978-3-8428-7188-5

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 07.2014
AuflagenNr.: 1
Seiten: 84
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Der Investiturstreit war und ist einer der spannendsten Machtkämpfe um die geistliche und weltliche Vorherrschaft in Europa. Gerade die Entwicklung des Konfliktes zwischen dem Papst und dem deutschen Kaiser ist an Dramatik nur schwer zu überbieten. Der Gang nach Canossa ist dabei das herausragende Ereignis dieser Epoche und ist noch heute fest im deutschen Sprachgebrauch verwurzelt. Doch wie kam es dazu, dass, ausgehend von innerkirchlichen Reformen, ein solch intensiver Kampf zwischen Kirche und Staat entbrannte? Die Antwort auf diese Frage führt hinein in ein Machtspiel, das europaweit zwischen mehreren Päpsten und Königen geführt wurde, bis es mit dem Wormser Konkordat 1122 ein scheinbares Ende fand. Der Zwist um die Investitur, der ja für diesen Zeitraum namensgebend ist, war dabei nur eines von mehreren Konfliktfeldern, die dabei beleuchtet werden sollen.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel IV, Der Gang nach Canossa und seine Folgen für König und Papst: 1, Der Gang nach Canossa: Nachdem Heinrich die Forderungen des Papstes und der Fürsten akzeptiert hatte, befand er sich in einer schwierigen Situation. Er hatte fürs Erste seine politische Handlungsfähigkeit eingebüßt und konnte nur auf seinen Urteilsspruch warten. In Augsburg hätte er aber keine Aussicht auf Erfolg gehabt. Seine Gegner hätten die Gunst der Stunde genutzt um ihn seines Amtes zu entheben und einen neuen Herrscher einzusetzen. Neben dem geistlichen Aspekt der Bannung wären zudem die weltlichen Bereiche seiner Regentschaft Teil des Gerichts gewesen. Dies würde aber der Grundlage des salischen Königtums absolut widersprechen. Dem salischen Verständnis nach wurde der König direkt von Gott eingesetzt und unterstand folglich nur dessen Richterspruch. Er konnte also von Menschenhand nicht belangt werden. Ein Gericht, das die Handlungen des Königs untersucht und darüber richtet, wäre ein schwerer Schlag für das salische Gottesgnadentum gewesen. Die Fürsten hätten zum ersten Mal Macht über ihren Herrscher erlangt und diesen dadurch weiter schwächen und sogar demütigen können. Neben der drohenden Augsburger Versammlung gefährdete eine weitere Triburer Bestimmung Heinrichs Herrschaft: Er hatte versprochen sich innerhalb eines Jahres von dem Bann zu lösen, der auf der Fastensynode 1076 über ihn verhängt wurde. Dafür wurde die Zeit jetzt langsam knapp. Um seine Macht zu retten, musste er deshalb einen unerwarteten Zug durchführen. Statt sich in sein Schicksal zu ergeben setzte Heinrich jetzt alles auf eine Karte. Es musste ihm gelingen die feindlich gesinnten Fürsten zu umgehen, um mit dem Papst direkt Verhandlungen führen zu können. Der ‘Gang nach Canossa‘ war die einzige Möglichkeit um den Bannstrahl von ihm zu nehmen und seine Herrschaft wiederherzustellen. Der Chronist Lampert von Hersfeld schildert die Vorgänge rund um dieses berühmte Ereignis folgendermaßen: Kurz vor Weihnachten verließ Heinrich zusammen mit seiner Frau und dem zweijährigen Sohn Konrad Speyer und machte sich auf den Weg nach Süden. ‘Die Kraft und die Härte des Winters in diesem Jahr entfaltete sich so lange und so viel unwirtlicher als gewöhnlich, so dass der Rhein, durch eine Eisdecke zugefroren, vom Fest des hl. Martin bis zum ersten April für den Fußweg passierbar blieb.‘ Er wollte zusammen mit seinem Gefolge so schnell wie möglich dem Papst, der auf dem Weg nach Augsburg war, entgegenreisen, um - wenn möglich - noch in Italien auf ihn zu treffen. Ein Zusammentreffen der beiden außerhalb Deutschlands und damit außerhalb ihrer Einflusssphäre wollten die Fürsten jedoch verhindern, weshalb sie den direkten Weg nach Rom versperrten. Heinrich hatte aber aus sicherer Quelle erfahren, dass ‘die Herzöge Rudolf, Welf und Berthold [...] alle Wege die nach Italien führen und die man gewöhnlich Klausen nennt, vorher mit Wachposten besetzt [hatten], so dass ihm dort jede Möglichkeit des Übergangs genommen war.‘ Um dieser Gefahr zu entgehen wandte sich der Salier zunächst nach Burgund, um auf einer neuen Route nach Rom zu gelangen. Von dort aus kämpfte sich der königliche Tross unter großen Mühen und Anstrengungen über die Alpen. ‘Da versuchten die Männer, alle Gefahr durch ihre Kraft zu überwinden, bald krochen sie auf Händen und Füßen, bald stützten sie sich auf die Schultern ihrer Führer, zuweilen fielen sie, wenn ihr Fuß auf dem glatten Boden ausglitt, auch hin und rutschten ein langes Stück hinunter, schließlich aber erreichten sie doch unter großer Lebensgefahr endlich die Ebene. Die Königin und die anderen Frauen ihres Gefolges setzte man auf Rinderhäute, und die dem Zug vorausgehenden Führer zogen sie darauf hinunter.‘ Nachdem der Papst von der Ankunft Heinrichs in Italien erfahren hatte, zog er sich schnell auf die Burg Canossa seiner Getreuen Mathilde von Tuszien zurück. Dort wollte er erst einmal abwarten, wie sich der König ihm gegenüber verhalten würde. Dieser war nämlich in der Lombardei begeistert aufgenommen worden. Er wurde als Befreier vom päpstlichen Vormachtsanspruch gesehen und es wurde sogar eine Armee aufgestellt, um nach Rom zu marschieren und Gregor gewaltsam von seinem Stuhl zu stoßen. Der König hatte jedoch nichts dergleichen im Sinn. Denn, selbst wenn er in Italien erfolgreich gewesen wäre, hätte er sein Königtum in Deutschland für immer verspielt. Die Macht der Lombarden hätte niemals ausgereicht, um ein gegen ihn vereintes Reich zu besiegen. Ihm blieb nur noch die Hoffnung, den Papst von seiner Reue und Bußbereitschaft zu überzeugen. Schließlich, so Lampert weiter, erreichte Heinrich die Burg Canossa, ‘und hier stand er nach Ablegung der königlichen Gewänder ohne Abzeichen der königlichen Würde, ohne die geringste Pracht zur Schau zu stellen, barfuß und mit leerem Magen vom Morgen bis zum Abend, um das Urteil des Papstes zu erwarten. So verhielt es sich am zweiten, so am dritten Tag. Endlich am vierten Tag wurde er zu seinem Angesicht vorgelassen.’ Gregor selbst begründete die Aufhebung des Kirchenbannes in einem Brief an die deutschen Fürsten mit der Barmherzigkeit, die alle Anwesenden gegenüber dem Bittsteller empfanden. ‘Dort harrte er während dreier Tage vor dem Tor der Burg ohne jede königliche Pracht elendig aus [...] und hörte nicht eher auf, unter zahlreichen Tränen Hilfe und Trost des apostolischen Erbarmens zu erflehen, als bis er alle, die dort anwesend waren und zu denen diese Kunde gelangte, zu solchem Sanftmut und solch mitfühlender Barmherzigkeit bewog, dass sich alle unter vielen Bitten und Tränen für ihn einsetzten und sich über die ungewohnte Härte unserer Denkweise wunderten.’ Dem Papst blieb letztendlich kaum eine andere Wahl als Heinrich wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufzunehmen. Als irdischer Vertreter des milden, gütigen und verzeihenden Gottes hätte er die Grundprinzipien des christlichen Glaubens verletzt, wenn er einem reumütigen Sünder, der aufrichtig Buße tut, nicht vergeben hätte. Man kann Heinrichs Reise nach Canossa deshalb auch als eine Art Wallfahrt sehen, welche die religiöse Dimension des Pilgers offenbarte und gleichzeitig durch die Wallfahrt selbst den Glauben preist. Neben dem König gelangten nach und nach die gebannten Bischöfe auf verschiedenen Wegen nach Canossa ‘und baten ihn [den Papst] barfuß und im Büßergewand kniefällig um Verzeihung für die Auflehnung, die sie sich angemaßt hatten.‘ Nachdem Gregor sie zur Reue und Umkehr aufgefordert und ihnen Bußen aufgegeben hatte, gliederte er sie nach einigen Tagen wieder in die Kirche ein. Am 28. Januar 1077 wurde schließlich auch Heinrich vom Bann gelöst. Die Aufhebung war jedoch an einige Bedingungen geknüpft. So musste der König, nach Lampert, an einer Versammlung der deutschen Fürsten mit dem Papst als Richter teilnehmen und über die gegen ihn erhobenen Anklagepunkte Auskunft geben. Zudem durfte er bis dahin keine staatlichen Verwaltungsmaßnahmen durchführen und sich an keinem seiner Gegner rächen. Weiterhin forderte der Papst, dass Heinrich ihm immer untertan sein müsse und ‘wenn er gegen eine dieser [Bedingungen] verstoße, solle die jetzt so sehnlichst von ihm ersehnte Lösung vom Bann ungültig sein, ja, er werde dann schon für überführt und geständig erachtet werden, nie mehr Gehör finden zum Erweis seiner Schuldlosigkeit, und die Reichsfürsten würden daraufhin, von jeder Verpflichtung zu weiterer Untersuchung, von jeder Bindung an ihren Eid befreit, einen anderen König wählen.‘ Daraus wird ersichtlich, dass Gregor nicht vollständig von der Aufrichtigkeit der königlichen Buße überzeugt war. Möglicherweise waren diese Bedingungen aber auch dazu gedacht, die deutsche Fürstenopposition zu beruhigen, die sich einen anderen Ausgang der Ereignisse von Canossa erhofft hatte. Der König aber stimmte den Forderungen bereitwillig zu und leistete dem Papst einen Eid: ‘Ich, König Heinrich, werde wegen des Aufruhrs und der Meinungsverschiedenheit, die zur Zeit mir gegenüber besteht [...] innerhalb eines Zeitraums, den der Herr Papst Gregor festgelegt haben wird, entweder Gerechtigkeit nach seinem Urteil oder Eintracht nach seinem Rat schaffen [...]. Ebenso, wenn derselbe Herr Papst Gregor über die Alpen oder in andere Regionen gehen will, wird er sicher sein - durch meine Unterstützung oder derjenigen, die ich dazu zwingen kann - vor allen Beeinträchtigungen an Leib und Leben sowie vor der Gefangennahme [...]. Darüber hinaus soll es für ihn keinerlei weiteres Hindernis aufgrund meiner Zustimmung geben, das gegen seinen Ehranspruch ist, und, wenn jemand ihm ein solches bereitet, werde ich ihm [dem Papst] nach meinen Kräften in Aufrichtigkeit helfen.‘ Heinrich gab dem Papst hiermit freies Geleit nach Deutschland, wo dieser dann als Richter der deutschen Fürstenversammlung vorsitzen wollte.

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