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Geschichte


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 07.2011
AuflagenNr.: 1
Seiten: 116
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die vorliegende Arbeit untersucht die Reformierung des japanischen Bildungssystems durch die amerikanische Besatzungsmacht vom Zeitpunkt der Kapitulation Japans 1945 bis zum Abbruch des Gros der Reformbestrebungen im Jahre 1949. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf den initiierten Bildungsreformen und deren Nachhaltigkeit vor dem Hintergrund des Zieles, Japan zu demokratisieren. Vor allem die Beteiligung Joseph C. Trainors an den Reformen und dessen Dokumentensammlung zum Thema waren bei der Anfertigung dieses Schriftstücks von größter Wichtigkeit. Besondere Bedeutung bei der Erstellung der Untersuchung wurde folgenden Fragen zugemessen: Wie stark war der amerikanische Einfluss im besetzten Japan? Können die Beziehungen zwischen Vertretern der Besatzungsmacht und den Verantwortlichen vor Ort auf das einfache Verhältnis eines uneingeschränkt diktierenden Siegers und einem sich zwangsläufig fügenden Unterlegenen beschränkt werden? Gab es Widerstand gegen die Reformen der Besatzer von japanischer Seite und als wie erfolgreich kann dieser eingestuft werden? Kann folglich überhaupt von einer amerikanischen Demokratisierung Japans insbesondere im Bildungsbereich gesprochen werden? Konnten alle geplanten Reformen durchgeführt werden und waren diese Änderungen auch nachhaltig, d. h. auch nach Beendigung der Besatzung ab dem Jahre 1952 weiterhin in Kraft, um den Erhalt der mit der neuen Verfassung festgeschriebenen Demokratisierung des Landes langfristig zu sichern? Zur Klärung des vorangegangenen Fragenkataloges wurde das Werk wie folgt strukturiert: Leben und Werk des für diese Untersuchung wichtigsten Akteurs Joseph C. Trainor werden beleuchtet, bevor auf die Entwicklung der amerikanischen Nachkriegsplanungen unter besonderer Berücksichtigung der Nachkriegsgestaltungspläne der Japanexperten des U.S. State Departments eingegangen wird. Im Anschluss wird das erste Jahr der Besatzung in den Blick genommen. Hier werden erste Maßnahmen des japanischen Bildungsministeriums unmittelbar nach Beendigung des Krieges und deren Fortsetzung durch die U.S.-Besatzungskräfte, erste amerikanische Direktiven im Bildungssektor und schließlich die Empfehlungen der United States Education Mission to Japan untersucht. Daran anknüpfend befasst sich der Autor mit den langfristig angelegten Reformen im Bildungssektor, ersten Gesetzen zur Festschreibung der neuen Bildungspolitik und der praktischen Umsetzung der initiierten Reformmaßnahmen. Insbesondere die Art und Weise der Zusammenarbeit amerikanischer Reformpädagogen mit den japanischen Stellen wird dabei große Bedeutung zugemessen. In einem abschließenden Ausblick skizziert der Verfasser die weitere Entwicklung des japanischen Bildungssystems, bevor eine fundierte Einschätzung der tatsächlichen Reformtragweite erfolgt.

Leseprobe

Textprobe: II. B) J. C. Trainors Bildungskonzeption Um als Pädagoge mit Leib und Seele betitelt zu werden, bedarf es wohl einer außerordentlich hohen Schätzung des Wertes von Bildung und der inneren Überzeugung, durch Bildung Menschen zum Besseren formen zu können. Dies beinhaltet folglich auch die Möglichkeit durch Bildung Veränderungen herbeiführen und Menschen demnach nicht nur formen, sondern auch umformen zu können. Eben diesem Grundverständnis von Bildung hing auch der amerikanische Bildungsreformer Joseph C. Trainor an. Seinem Verständnis nach ignores no nation […] its children or its youth and in all countries there is to be found some institution which serves as the school and some field of endeavor which can be characterized by the term education.” Für die Aneignung von Bildung bedarf es theoretisch nur dem Streben des Ungebildeten nach Wissen. Für eine professionelle Vermittlung von Wissen bedarf es dann schon Lehrenden und Lernenden, die sich durch Interaktion gegenseitig zu Wissen verhelfen, wobei das Gros an Wissen vom Lehrenden übertragen wird. Schwer zu steuern sind hierbei die Art und Weise, in der das Wissen vom Lernenden aufgenommen wird und die Höhe des Umfanges, in dem derselbe es speichert und verinnerlicht und es so zu seiner Bildung werden lässt. Um die Vermittlung von Wissen nun den Vorstellungen des Lehrenden, welcher selected from among (the children’) elders to assume the responsibilities for teaching those things considered essential to the society itself , entsprechend bestmöglich zu unterstützen, ist die Schaffung von institutionellem Lehrraum förderlich, um eine positive Lernatmosphäre herstellen zu können. Diese Institutionen werden in der Regel als Schulen bezeichnet und sind neben dem Gebäude und dem Lehrer durch das Vorhandensein von Unterrichtsmaterialien, allen voran den Textbüchern, gekennzeichnet. Insbesondere im Zeitalter der Massenbildung sind schulische Einrichtungen zur Bildung des Volkes unverzichtbar. Zu beachten bleibt allerdings, dass die Hauptaufgabe des Lehrenden nicht die bloße Vermittlung von Wissen sei, am Wichtigsten müsse es sein, to understand the nature of children and the methods by means of which learning is imparted, and if these are known, the subject can be taught without the teacher being required to have a thorough mastery of it.” Der Lehrer muss also kein Meister seines Faches sein, sondern vielmehr ein meisterhafter Pädagoge. Außerdem teilt dieser Lehrende as an idealist and to some extent as an intellectual […] a faith common to many that the arguments of men are amenable to measures other than military. True it is that when events have precipitated crisis of great national significance, the educator and the schools themselves devote their every energy to the national unity. […] (And) unless the (military) dictatorship has liquidated all those who work in education arises from an inner devotion, the school force is manned by persons whose lives are in some degree or other, conscious or not, devoted to service in the interests of all that is best in humanity.” Für einen Pädagogen müsse Bildung ganz einfach the most important of human social activities” sein. Es ist nicht zu viel gesagt, Trainor als einen Anhänger der Bildungsideale John Deweys zu bezeichnen. Dieser vertrat ebenfalls die Ansicht, dass jedes Individuum die Chance auf Veränderung habe und aus Fehlern lernen könne. Der Glaube an das positive Potential jedes Einzelnen führte schließlich auch bei Trainor zu der Überzeugung, dass die Reeducation bzw. Democratization von Menschen möglich sein musste. Die Ausrichtung der Bildung müsse dabei child-centered” sein. Ein auf das Kind zugeschnittener Lehrplan ganz im Sinne der amerikanischen Bildungstradition sieht Trainor als eine Grundlage für den Bildungserfolg der Lernenden an. Zu einem Reformer wird ein Pädagoge indes erst, wenn seine Verantwortung sich auf eine Stufe auswächst, auf welcher sie beides wird, a source of strength and frustration […]. Fortan befindet sich der Educator in einem struggle between good and evil and has aligned himself clearly on the side of the good. And evil is all about him. Situiert am Platz des Geschehens ist sich der Reformer seiner Stellung und seines Einflusses stets bewusst und reflektiert seine Arbeitstätigkeit. So kann er immer wieder zu einer besseren Funktion von Bildung zurückgelangen, die Funktion to lead society into ways of better life. Dabei muss der Reformer jedoch darauf bedacht sein, nicht den Schwächen dieser Ansicht zu verfallen und damit vom guten Weg abzuweichen. Überstürztes Handeln zum Vorantreiben der Reformen oder gar der Gedanke, die Gesellschaft könnte von der Bildung geleitet werden, müssten zum Verlust der guten Absichten und dem Scheitern der Reformen führen. Trainor schreibt: It is that, whatever the idealistic value of the notion that education might or could or should lead society, the plain fact is that education does not lead but follows and of its very nature must continue to follow unless we are to propose something which might be called the ‘dictatorship of the pedagogue.’” Die Funktion von Bildung sei klar die Wiederspiegelung der Natur der jeweiligen Gesellschaft, und Bildung sei klar eine der Hauptfunktionen einer demokratischen Gesellschaft, doch dürfe sie niemals die Hauptfunktion an sich sein. Bildung könne nur folgen, or could at times be with society. It could not expect to lead without losing its essential educational character […] and mission.” Veränderungen und Reformen seien möglich und oft nötig, doch sollten pädagogische Ideen zusammen mit den Ideen aller anderen Gruppierungen und Individuen durch einen demokratischen Prozess die Natur der Gesellschaft auf Grundlage der Wünsche des gesamten Volkes bestimmen. Bildung kann nicht allein in einem abstrakten Vakuum von Normen und Werten existieren, it must relate itself to the nation and society in which it is operating.” Dies bedeutet für den Fall Japan einen unbedingten Einbezug der Vorstellungen und Wünsche der japanischen Bevölkerung für die Reform ihres Bildungswesens. Der enthusiastische, von Harry Wray als workaholic bezeichnete Pädagoge Joseph C. Trainor versuchte seinen Überzeugungen während der Zeit der Besatzung Taten folgen zu lassen. Die folgende Arbeit soll die von ihm und seinen Kollegen angestrebte gesellschaftliche Reform im Bereich der Bildung untersuchen und aufzeigen, inwiefern die Bemühungen Trainors von Erfolg gekrönt waren.

Über den Autor

Steve R. Entrich, M.A., ist 1983 in Berlin geboren. Ende 2004 nahm er ein Magisterstudium im Fach Geschichte an der Universität Potsdam auf, bevor sich der Autor Ende 2005 dazu entschied sein Studium um das Fach Erziehungswissenschaft zu erweitern. Das Interesse an der japanischen Geschichte, Kultur und Erziehung begleitete den Autor seine gesamte Studienzeit und führte 2006 schließlich zur Aufnahme des außeruniversitären Studiums der japanischen Sprache an der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft e.V. (BBAG) in Potsdam. Nach erfolgreichem Abschluss als Magister Artium nahm der Autor im Herbst 2010 ein Promotionsstudium im Fach Soziologie auf. Forschungsschwerpunkte sind vor allem Bildung und Erziehung in Japan, Die Bildungssysteme Deutschlands und Japans aus vergleichender Perspektive, Historische Bildungsreformpolitik und -prozesse sowie Bildungserfolg und soziale Herkunft.

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