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Geschichte


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 04.2015
AuflagenNr.: 1
Seiten: 96
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Hape Kerkelings Buch Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg war ein Bestseller. Mit Humor und Spürsinn beschreibt der Komiker die Erfahrungen und Begegnungen, die er auf dem berühmten Pilgerweg gemacht hat. Im vorliegenden Text wird untersucht, inwieweit Kulturstraßen wie Pilgerwege als Kulturerbe dazu beitragen, eine europäische Identität zu schaffen. Zuerst wird der Frage nachgegangen, wie wichtig Kultur im politischen Einigungsprozess Europas war und ist und welche Rolle sie für die Schaffung einer europäischen Identität spielt. Im zweiten Teil der Studie steht die Geschichte des Jakobswegs und der Via Regia im Vordergrund. Beide Kulturstraßen werden im Hinblick auf ihre Entstehung, ihre Entwicklung und ihren ursprünglichen Zweck verglichen. Dabei wird auch auf die Bedeutung von Kulturstraßen zur Zeit des Mittelalters eingegangen.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 3.3.1, Hauptakteure und ihre Zielvorstellungen: Das Europäische Kultur- und Informationszentrum in Thüringen (EKT), das am 21.11.1991 gegründet wurde, stellt die Leitstelle und den wichtigsten Akteur des Netzwerkes dar. Rechtlicher Träger ist seit 1998 der Verein Via Regia – Kultur für Europa e. V. , der ebenfalls von Erfurt aus operiert. Das EKT sucht neue Partner, initiiert kulturelle Projekte innerhalb Europas und erfüllt vor allem Vermittlungs- und Koordinationsaufgaben. Neben der Organisation von eigenen Veranstaltungen mit Via Regia- oder Europa-Bezug vor allem in Thüringen, kümmert es sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Via Regia Netzwerkes. Hier spielt vor allem das Betreiben der eigenen Website eine zentrale Rolle, auf der die wichtigsten Informationen zur Via Regia verfügbar sind. Das EKT gab von 1992 bis 2001 auch die Schriftenreihe Via Regia. Blätter für internationale Kommunikation heraus, von der 71 Hefte erschienen sind. In jeder Ausgabe wurde die Zielsetzung der Zeitschrift und ihr Arbeitsbereich vorgestellt. Sie spiegelt als Publikationsorgan des EKTs nach Ansicht der Verfasserin auch gleichzeitig wichtige Wertvorstellungen und Handlungsleitlinien des Netzwerkes wieder: Sie [die Zeitschrift] ist bestrebt, den Gedanken der alten Handelsstraße Via Regia, die von Frankfurt nach Osteuropa führte, als Ort lebendiger Begegnung und wechselseitigen Austauschs lebendig zu halten […]. Das Ziel der Herausgeber ist, Europa auf dem Weg ins 21. Jahrhundert zu begleiten. Dieses Europa soll menschenfreundlich, interkulturell, schöpferisch, liebenswert, friedlich und ein bisschen verrückt sein […]. Das bedeutet Denkweisen zu vermitteln, mit kulturellen Entwicklungen und Gedankengängen bekannt zu machen, die eigene Weltsichten bestätigen, bereichern und ggf. auch in Frage stellen […]. VIA REGIA stellt Einrichtungen und Initiativen vor, die der Einigung Europas dienen. VIA REGIA publiziert international interessante Projekte kultureller Einrichtungen, freier Gruppen und Künstler. VIA REGIA stellt Probleme und Konzepte zur Diskussion, die sich mit kulturellen Wechselbeziehungen zwischen den Völkern in Geschichte und Gegenwart befassen. Die jeweiligen Projekte sollen demnach vor allem dem Gedanken verpflichtet sein, dass die Via Regia ein Ort des internationalen Austausches war. Sie sollen einer geistigen und kulturellen Entwicklung in Europa dienen, die auf Weltoffenheit, Toleranz und Kreativität aufbaut. Dabei soll die Geschichte der Via Regia Sinnbild für die Geschichte Europas sein. Nach dem Standpunkt des EKTs kommt gleichzeitig die Hoffnung zum Ausdruck, dass die historische Straße im Rahmen der europäischen Einigung wieder eine gemeinschaftsfördernde Bedeutung erlangen kann, wie sie sie auch in der Vergangenheit innehatte. Über die europäische Kulturstraße soll jedoch kein vorgefertigtes Europabild geschaffen werden, sondern jedem Einzelnen soll die Möglichkeit gegeben werden, durch vielfältiges Erleben eine europäische Identität aktiv zu entfalten. Das zweite wichtige Standbein des Via Regia Netzwerkes in Deutschland bildet der 2003 in Görlitz gegründete Verein Via Regia Begegnungsraum – Landesverband Sachsen e.V. . In seiner Satzung hat er sich folgende Punkte zum Ziel gesetzt: 1. […] der Zweck des Vereins (besteht) in der Förderung von Toleranz und Völkerverständigung im Freistaat Sachsen. 2. Der Verein verfolgt das Ziel, die […] via regia im Land Sachsen als solche bewusst zu machen und Initiativen mit diesem Ziel zu vernetzen. In diesem internationalen Projekt sucht der Verein die Zusammenarbeit und den Austausch mit Partnern in anderen europäischen Staaten und anderen deutschen Ländern. 3. Ziel des Vereins ist die Erschließung der alten und neuen Verbindung Hohe Strasse/via regia für Kultur und internationalen Austausch mit Mitteln der Forschung, Bildung, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. 4. Der Verein sieht seine Aufgabe in der Schaffung eines internationalen Begegnungsraums entlang der Ost-West-Verbindung, in dem kulturelle Traditionen gepflegt und neues Kulturschaffen gefördert und ausgetauscht werden. Sowohl das EKT als auch der Via Regia Verein in Görlitz wollen zeigen, dass das gemeinsame europäische Kulturerbe entlang der Via Regia im Kulturaustausch und der internationalen Begegnung besteht und demnach auch in den gegenwärtigen Maßnahmen im Vordergrund stehen muss. In ihrer sinnbildhaften Bedeutung soll die Via Regia für den Prozess der europäischen Integration nutzbar gemacht werden. Mit dem Ziel der Förderung gemeinsamer Werte und einer europäischen Identität, wie vom Europarat vorgesehen, soll die gemeinsame Vergangenheit weiter erforscht und auf die Erfahrungen, Traditionen und Errungenschaften, die mit der Via Regia verbunden sind, hingewiesen werden. Das Netzwerk will ausgehend von dem Streckenabschnitt in Mitteldeutschland, die Angebote entlang der Kulturstraße nach Ost- und Westeuropa fortsetzen. Bei der Darstellung der Kulturstraße wird von einem Korridor ausgegangen, der sowohl den realen historischen Weg, soweit noch vorhanden, mit einbezieht, als auch gegenwärtige Streckenführungen, wie z.B. Radwanderwege. 3.3.2, Selbstverständnis: Wie sich in der Vergangenheit auf der Via Regia mit dem Warentransfer auch ein Kulturtransfer vollzog, so zeichnet sich nach der Vorstellung der Via Regia Akteure auch das heutige Europa durch diesen Transfer aus. Europa wird als ein Produkt von Mobilität und Interkulturalität gesehen, wofür die Via Regia als Sinnbild stehen kann. Die europäische Kulturstraße Via Regia verweist, wie schon in dem historischen Abriss dargestellt, auf eine geschichtliche Ost-West-Wegeverbindung. Die Straße ist auf der einen Seite konkret mit historischen Fakten nachweisbar, wie sie z.B. die urkundliche Erwähnung von 1252 oder die Nachweise über Händler, die Jahrhunderte lang auf der Straße unterwegs waren, um ihre Waren feil zu bieten, darstellen. Hier sei daran erinnert, dass die Via Regia im großen Maßstab zwar eine relativ konstante Wegeführung aufweist, dass es sich jedoch zu unterschiedlichen Zeiten um unterschiedliche Straßensysteme gehandelt haben kann. Auf der anderen Seite ist und bleibt die Via Regia als Kulturstraße aber gleichzeitig auch ein Konstrukt, mit dem die Initiatoren, also die bereits genannten Hauptakteure und die noch zu erwähnenden Kooperationspartner, die geschichtlichen Gegebenheiten so instrumentalisieren, dass eine europäische Identität historisch und geografisch begründbar ist. D.h. nicht die materielle Straße steht im Vordergrund, sondern die Handlungszusammenhänge und Bedeutungszuschreibungen, die mit der Via Regia verbunden sind, also vor allem die Straße in ihrer Funktion als Verbindung zwischen Osten und Westen und als Kulturvermittler. Die Idee bzw. die Wunschvorstellung eines vereinten Europas wird in die Geschichte projiziert. Bei den Via Regia Aktivitäten steht demnach nicht die Frage im Vordergrund, ob schon die Kaufleute des Mittelalters sich als Europäer gefühlt haben, was sicher nicht der Fall war, sondern es zählt das Bewusstsein, dass die Via Regia, lange bevor sich der Begriff Europa durchsetzte, eine kulturelle Ahnung von einer gemeinsamen, europäischen Kultur weckte. Denn in ihrer Ausdehnung verband die Via Regia Völker und ihre Sichtweisen, so dass es zu einem Kulturaustausch kam und Gemeinsamkeiten hervortreten konnten. Das Gleiche soll im Sinne des kulturellen Gedächtnisses auch in der Gegenwart durch das wiederholte Bewusstmachen des Vergangenen geschehen, wie die verschiedenen Angebote und Maßnahmen noch zeigen werden. Die Via Regia wird von Seiten des Netzwerkes vor allem als symbolischer Terminus verstanden, als Straße der Kulturen, die es ermöglicht, auch noch heute die europäischen Länder des Ostens und des Westens miteinander zu verbinden. Auch wenn entlang der Straße sehr vielfältige Kulturen aufeinander treffen, so seien sie doch durch ein gemeinsames Gefühl für Europa geeint.

Über den Autor

Rita Bartl, Master of European Studies, wurde 1981 in Temeschburg (Rumänien) geboren. Den Bakkalaureats-Studiengang Europäische Kulturgeschichte an der Universität Augsburg schloss die Autorin im Jahre 2005 erfolgreich ab. Bereits während des Studiums sammelte die Autorin umfassende praktische Erfahrungen im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsorganisation. Heute arbeitet sie im Konferenz- und Tagungsmanagement. Erste Berührungspunkte mit dem Thema der vorliegenden Arbeit hatte sie während eines Studienaufenthaltes an der Facultad de Filosofía y Letras an der Universität Valladolid, Spanien. Im Rahmen ihres Studiums an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder arbeitete sie zusammen mit anderen Studenten und Wissenschaftlern an der Wiederbelebung und Vermarktung des jahrhundertealten Jakobsweges in Brandenburg.

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