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Geschichte

Manuel Reimann

Kanada und die Hudson’s Bay Company: Die Reise von Peter Fidler 1807

ISBN: 978-3-95934-856-0

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 02.2016
AuflagenNr.: 1
Seiten: 132
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die Hudson´s Bay Company war ein wesentlicher Faktor der europäischen Erschließung Nordamerikas. 1670 mit weitreichenden Privilegien durch den englischen König Karl II. gegründet, kontrollierte sie sehr bald große Gebiete im heutigen Kanada. Neben der Spezialisierung auf das Pelzhandelsgeschäft war auch die Erschließung der Landmassen Nordamerikas in Richtung (Nord-)Westen ein wesentlicher Punkt der Arbeit der Kompanie. Einer der dabei führend beteiligten Männer war Peter Fidler. Im Jahr 1807 führte er als Anführer eine entsprechende Reise durch. Von dieser liegt der Bericht im Archiv der Hudson´s Bay Company im kanadischen Winnipeg. Auf den ersten Blick betrachtet, ist es eine Zusammenfassung der Geschehnisse. Auffallend ist aber, dass Fidler viele Informationen über Natives gibt, und zwar nicht ausschließlich über jene, welche in seiner Mannschaft mitarbeiteten, sondern auch über Personen, die er während der Reise traf. Deshalb stellt sich die Frage, wie wichtig Native Americans für den Erfolg einer solchen Expedition waren, und wie deren Rolle vom Autor des Berichts kommuniziert wurde.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 4. Kontaktaufnahme mit den Indians: 4.1. Kontaktaufnahme zu Beginn der Reise: Peter Fidler begann seine Reise am Dienstag den 2. Juni 1807 in der Cumberland House genannten Station der Hudson´s Bay Company. Laut seinen Aufzeichnungen begann die Reise zu Mittag, wobei neben ihm auch drei weitere Männer mitfuhren. Wie der Titel des Journals besagt, reisten sie in einem kleinen Kanu. In diesen ersten Zeilen definierte er auch gleich das Ziel der Expedition, nämlich die Erkundung des Weges zum sogenannten Athapescow Lake . Dieser sollte über den Deers Lake erreicht werden. Vom erstgenannten See sollte der Churchill River erforscht werden, dazu wollte Fidler flussaufwärts fahren. Das Ziel war also die Erkundung und Kartierung des genannten Gebiets. Interessant ist, dass er bereits an dieser Stelle auch den ursprünglichen Namen, also jenen, den die Natives dem Fluss gaben, nämlich Missinnippee, angibt. Das machte er nur bei diesem Fluss, für die Seen gab er nur einen Namen an. Dieser dürfte der von den Europäern gegebene Name sein, auch wenn Athapescow eine klare Übernahme eines ursprünglich indianischen Wortes oder Namens ist. Auch heute heißt dieser See noch Lake Athabasca. Churchill River hingegen bezieht sich auf einen europäischen Adeligen, das Wort hat mit Missinnippee nichts zu tun. Gerade an dieser Stelle gibt Fidler jedoch auch den ursprünglichen Namen an. Zudem schrieb er, dass sie sechs Jungen mitnahmen. Gleich zu Beginn gibt es damit eine klare Positionierung von Seiten des Autors. Die Route und deren Erkundung werden deutlich sichtbar dargestellt, teils mit den übernommenen indianischen, teils mit den europäischen Namen, und damit ein erstes Mal betont, dass er eine kompetente Person für dieses Unternehmen war. Am Freitag, den 5. Juni traf die Expedition gegen 8 Uhr Vormittag auf zwei Männer und einen indianischen Jungen, welche auf dem Weg zum Cumberland House waren. Auch hier heißt es wieder ganz neutral Indian Boy zur Unterscheidung von den Männern, es gibt jedoch, wie schon vorher bei den Namen der Seen und Flüsse, keine Wertung oder Ähnliches. Was Fidler erwähnenswert erschien, war die Tatsache, dass diese Gruppe vom Ducti Lake zum Churchill River gekommen war, dabei einen neuen Weg genommen hatte und fünf Tage unterwegs gewesen war. Der Verfasser erwähnt nicht, ob die beiden Männer Natives oder Weiße waren. Es ist jedoch anzunehmen, dass es sich um Zweitere handelte, da er ansonsten das Indian Boy nicht so herausstreichen hätte müssen. Die Begegnung muss sich noch in der Nähe des Beaver Lake abgespielt haben, welchen die Gruppe zwei Tage vorher erreicht hatte. Er schrieb auch nicht, wie lange dieses Zusammentreffen dauerte oder was genau besprochen wurde. Lediglich, die von den anderen gewählte Route fand Fidler erwähnenswert, eben weil sie neu gewesen sei und damit auch für ihn (und damit im Endeffekt für die Hudson´s Bay Company) interessant. Das impliziert wiederum, dass er eine gewisse Vorkenntnis der Gegend hatte. Am Samstag den 6. Juni trafen sie unter anderem auf einen jungen Mann vom Stamm der Jepowyans , welcher drei Taschen mit Pech bei sich hatte und zu seinen Leuten am Deers Lake wollte. Da dieser See auf der Route der Expedition lag, wurde der Jüngling für diesen Abschnitt kurzerhand eingestellt. Damit hatte sich die Gruppe um einen Mann vergrößert. Wiederum verwendete er hier einen indianischen Namen den er versuchte ins Englische zu transkribieren, nämlich Jepowyans als Name des Stammes des angetroffenen Mannes. Fidler schrieb diese Episode sehr nüchtern und kurz. Er tätigte keine Aussagen darüber, wie Kontakt zu diesem Jüngling aufgenommen worden war. Der einzige Hinweis ist die Anmerkung, dass dieser die gleiche Route vor sich hatte wie die Expedition und deshalb als deren Führer fungierte. Offenbar ließ sich dieser Mann auch relativ leicht überreden, die Aufgabe zu übernehmen, oder Fidler wollte es zumindest so darstellen. Die Sprache ist weiterhin völlig neutral gehalten. Obwohl das neue Gruppenmitglied diesen einen großen Dienst erwies, scheint es so, als ob der Autor nie daran gezweifelt hätte, dass der Native so reagieren würde. Die Frage, warum die Expedition nicht gleich einen Guide mitgenommen hatte, beantwortet der Eintrag zum nächsten Tag, Sonntag, den 7. Juni. Am späten Abend sei nämlich ein junger indianischer Mann aufgetaucht, welcher am Deers Lake angestellt worden war, um die Gruppe dorthin zu führen. Eigentlich hätte er sie am Eingang des Deers River erwarten sollen. Nach einigen Tagen vergeblichen Wartens wäre er jedoch zurückgekehrt. Fidler nannte den 1. Juni als geplantes Datum des Zusammentreffens, die Expedition startete jedoch erst am 2. Juni vom Cumberland House . Er schrieb ganz pragmatisch, dass sie nun keine Verwendung mehr für diesen Mann gehabt hätten, da sie bereits einen Guide angestellt hätten. Es wird deutlich, dass die Kontaktaufnahme in diesem Fall wohl von den Partnern am Deers Lake betrieben wurde. Diese hatten allem Anschein nach die Formalitäten geklärt, sodass der Indian seinen Dienst in Fidlers Expedition direkt antreten konnte. Der Verfasser des Berichts selbst beschrieb die Gegebenheit komplett neutral, obwohl es offenbar Probleme gegeben hatte. Aus dem Text geht hervor, dass die Gruppe ihren Startpunkt bereits zu spät verlassen hatte. Der als Guide vorgesehene Mann verließ deshalb nach einigen Tagen den vereinbarten Treffpunkt. Anscheinend suchte er aber dennoch nach der Gruppe und traf an besagtem Tag spätabends auch mit ihr zusammen. Offenbar nahm er die Abmachungen durchaus ernst. Was auch deutlich wird, ist, dass es möglich war, ortskundige Personen zu engagieren, damit diese eine solche Gruppe anführten. Diese Vereinbarungen waren so, dass sie nicht unbedingt von demjenigen ausgehandelt werden mussten, der dann die Dienste in Anspruch nahm, sondern zumindest in diesem Fall wurde das von Partnern vor Ort erledigt. Das muss Usus gewesen sein, oder zumindest zuvor abgesprochen, da Fidler auch nicht überrascht war, dass ein solcher Mann auf sie gewartet hatte. Zumindest schrieb er in seinem Bericht nichts dergleichen. Es ist dabei jedoch zu sagen, dass er natürlich eigene Interessen verfolgte, da dieser Bericht im Endeffekt seine Leistung als Anführer einer solchen Gruppe zeigte. Deshalb musste er zumindest in der offiziellen Version souverän wirken. Eine Überraschung über eine solche Begebenheit oder gar klar zum Ausdruck gebrachter Ärger über ein in Wahrheit kleines Problem, welches durch den Ersatzmann gelöst war bevor es wirklich auftrat, wäre dieser Intention nicht zuträglich gewesen. In gewisser Weise gehören die Episoden der beiden Tage zusammen. Fidler wird bewusst gewesen sein, dass seine Gruppe zu spät aufgebrochen war. Das Engagement eines jungen ortskundigen Mannes, welchen sie zufällig trafen, kann als Reaktion darauf gesehen werden, wenn er sich bewusst war, dass der eigentliche Kontaktmann unter Umständen nicht mehr angetroffen werden würde. Sollte er nichts von diesem gewusst haben, dann zeigt das nur, dass die Partner am Deers Lake vorausschauend handelten, als sie diesen anstellten, da die Expedition offenbar einen Guide brauchte und Fidler auch in der Lage war einen solchen zu besorgen. Auffallend ist, dass er in keinster Weise abwertend über die Natives schrieb, sondern immer das relativ neutrale Wort Indians verwendete. Fidler als Angestellter wollte mit seinem Bericht natürlich seine Rolle bei der Expedition positiv hervorheben und das wirkte sich auch auf seine geschriebene Sprache im Bericht aus.

Über den Autor

Manuel Reimann, BA BA MA, wurde 1991 in Feldkirch geboren. 2010 begann er in Graz Geschichte und Archäologie zu studieren. Das Studium der Geschichte schloss der Autor im Jahr 2015 mit dem akademischen Grad Master of Arts ab. Bereits während seiner Ausbildung begann er zur Kolonialgeschichte Großbritanniens zu arbeiten, was sich auch in einem, von ihm verfassten, einschlägigen Fachartikel zeigt. Praktische Erfahrungen in der Archivrecherche und ein generelles Interesse an Kanada veranlassten ihn, seine Abschlussarbeit diesem Thema zu widmen.

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