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Geschichte

Ernst Probst

Säbelzahnkatzen: Von Machairodus bis zu Smilodon

ISBN: 978-3-95850-976-4

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 03.2015
AuflagenNr.: 1
Seiten: 324
Abb.: 181
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Säbelzahnkatzen oder Säbelzahntiger, wie man sie früher nannte, sowie Dolchzahnkatzen faszinieren den Menschen seit jeher. Mit ihren bis zu 28 Zentimeter langen Eckzähnen gehören diese berüchtigten Raubkatzen zu den bekanntesten Säugetieren der Urzeit. Die ersten von ihnen jagten bereits im Miozän vor 15 Millionen Jahren auf unserem Planeten, bis sie mit dem Ende des Eiszeitalters vor etwa 11.700 Jahren ausstarben. Mit ebendiesen eindrucksvollen Großkatzen befasst sich das Taschenbuch Säbelzahnkatzen des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst. Neben den Raubkatzen, die in Europa, Afrika, Asien und Amerika entdeckt wurden, kommen ebenfalls die Verwandten der prähistorischen Raubkatze zur Sprache. Hierzu zählen Höhlenlöwen, Mosbacher Löwen, Europäische Jaguare, Leoparden, Schnee-Leoparden, Geparde und Pumas. Das Taschenbuch Säbelzahnkatzen ist Professor Dr. Helmut Hemmer aus Mainz, Dr. Thomas Keller aus Wiesbaden und Dick Mol aus Hoofddorp (Niederlande) gewidmet. Alle drei haben den Autor vielfach mit großer Geduld bei den Recherchearbeiten für unterschiedliche Projekte unterstützt.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel, Machairodus: Die Säbelzahnkatze am Ur-Rhein: In Europa, Asien, Afrika und Nordamerika lebten vom Mittelmiozän vor ca. 15 Millionen Jahren bis zum Ende des Pliozäns vor etwa 2,6 Millionen Jahren verschiedene Arten der Säbelzahnkatze Machairodus. Sie hat also rund zwölf Millionen Jahre und somit länger existiert als alle anderen Gattungen der echten Säbelzahnkatzen. Die geologisch jüngsten Funde von Machairodus kamen in Nordafrika (Tunesien) zum Vorschein. Die Gattung Machairodus wurde 1833 von dem Zoologen und Paläontologen Johann Jakob Kaup (1803–1873), der am großherzoglichen Naturalienkabinett in Darmstadt arbeitete, wissenschaftlich untersucht und erstmals beschrieben. Ihm hatte dabei ein oberer Eckzahn (Fangzahn bzw. Caninus) aus Eppelsheim bei Alzey in Rheinhessen vorgelegen. Der Gattungsname Machairodus beruht auf dem griechischen Wort máchaira für ein schwertähnliches, im klassischen Griechenland als Schlachtmesser eingesetztes Gerät und dem Begriff odon (Nebenform von odoús ) für Zahn. Damit heißt Machairodus zu deutsch etwa so viel wie Schlachtmesserzahn . Für die Gattung Machairodus sind krummsäbelige Eckzähne mit fein gezähnelten Kanten charakteristisch. Diese Kanten nutzten sich bereits innerhalb weniger Jahre ab. Die Eckzähne von Machairodus im Oberkiefer waren merklich länger als diejenigen im Unterkiefer. Im Gegensatz zur später auftretenden Dolchzahnkatze Smilodon trug Machairodus kürzere Eckzähne, die aber länger waren als bei heutigen Raubkatzen. Machairodus wird – wie erwähnt – zu den Säbelzahnkatzen ( scimitar cats oder saber-toothed cats ) gerechnet. Kaup hat 1832 die Säbelzahnkatzen Machairodus aphanistus und Machairodus cultridens sowie die Dolchzahnkatze Paramachairodus ogygius nach Funden aus etwa zehn Millionen Jahre alten Ablagerungen des Ur-Rheins bei Eppelsheim (Kreis Alzey-Worms) in Rheinhessen beschrieben. Die dort durch Fossilien überlieferte Tierwelt gehört in das Vallesium (etwa 11,1 bis 8,7 Millionen Jahre), einen Zeitabschnitt des Obermiozäns, der nach einer typischen Säugetierfauna im Valles Penedés bei Barcelona in Katalonien (Spanien) bezeichnet ist. Die Stufe Vallesium wurde 1950 von dem spanischen Paläontologen Miguel Crusafont-Pairó (1910–1983) vorgeschlagen. Das Vallesium umfasst in der Unterteilung des Neogen (etwa 23 bis 2,6 Millionen Jahre) mittels Säugetierresten in 17 Zonen durch Pierre Mein von 1975 die Zonen MN 9 und MN 10. Der Fundort Eppelsheim zählt zur Zone MN 9 (MN = Mammals Neogen). MN 9 ist durch das Erstauftreten ( First appearance date = FAD) des Kleinsäugetieres Cricetulodon (Mäuseartiger) sowie der Großsäugetiere Hippotherium (Ur-Pferd), Decennatherium (Giraffe) und Machairodus (Säbelzahnkatze) definiert. Die Fossilien von Machairodus aphanistus und Paramachairodus ogygius aus der Gegend von Eppelsheim werden heute noch im Hessischen Landesmuseum Darmstadt aufbewahrt. Von Machairodus aphanistus liegen in Darmstadt das Fragment eines linken Unterkieferastes mit Zähnen (Inventarnummer HLMD-Din 1132) und der Rest eines Eckzahns (HLMD-Din 1140) vor, von dem rund 8,5 Zentimeter erhalten geblieben sind. Bei den Fossilien von Paramachairodus ogygius handelt es sich um das Fragment eines rechten Unterkieferastes mit Eckzahn und zwei Vorderbackenzähnen (HLMD-Din 1141) sowie um das Fragment eines linken Unterkieferastes mit zwei Vorderbackenzähnen (HLMD-Din 1167). Machairodus aphanistus wurde in Deutschland außer in Eppelsheim in Rheinhessen auch am ehemaligen Vulkan Höwenegg bei Immendingen/Donau (Kreis Tuttlingen) im Hegau und in Melchingen, heute ein Stadtteil von Burladingen (Zollernalbkreis), entdeckt. Diese Funde gehören alle in das Obermiozän. Weitere Funde der Säbelzahnkatze Machairodus aphanistus kennt man aus Spanien (Cerro Batallones, Fuentidueña, Can Ponsich, Santiga, Can Llobateres), Frankreich (Soblay, Montredon), der Schweiz (Charmoille), Griechenland (Pikermi, Saloniki), der Türkei (Denizi, Cal, Kemiklitepe, Mahmutgazi) und China. Nach Europa ist die Säbelzahnkatze Machairodus aphanistus im frühen Vallesium vor mehr als elf Millionen Jahren gelangt. Sie kam mit einer Einwanderungswelle aus dem Osten stammender Säugetiere hierher. Diese Einwanderungswelle wird als so genanntes Hipparion datum bezeichnet. Hipparion hieß früher ein dreihufiges Ur-Pferd, das heute als Hippotherium bezeichnet wird. Am Fundort Batallones 1 bei Torrejón de Velasco, etwa 25 Kilometer südlich der spanischen Hauptstadt entfernt, kamen bei Grabungen unter Leitung des Paläontologen Jorge Morales aus Madrid ungewöhnlich viele und besonders gut erhaltene Reste von Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen zum Vorschein. Sie stammen aus dem Obermiozän vor etwa neun Millionen Jahren und gehören somit ebenso wie diejenigen von Eppelsheim in Rheinhessen ins Vallesium und in die Zone MN 9. In der Gegend von Cerra Batallones gab es Hohlräume, die sich für viele Säugetiere als tödliche Fallen erwiesen. Wenn ein Tier in einen solchen Hohlraum geriet, kam es oft nicht mehr heraus, weil der Rand glitschig wie heutige Schmierseife war. Dort gefangene potenzielle Beutetiere lockten naturgemäß auch Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen an, die ebenfalls nicht mehr herausklettern konnten. Kurioserweise werden in Cerro Batallones die fossilhaltigen Schichten, in denen sich auch Reste prähistorischer Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen befinden, abgebaut, um Material für Katzenstreu zu gewinnen. Bisher wurde von den dort bekannten sechs Fundstellen lediglich eine, nämlich Batallones 1, systematisch untersucht. Zum Fundgut gehören die Säbelzahnkatze Machairodus aphanistus und die Dolchzahnkatze Paramachairodus ogygius (später Promegantereon ogygia genannt). Batallones 1 gilt als eine der fossilreichsten Fundstellen aus dem Obermiozän in Europa. Dort hat man Reste von Fischen, Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugetieren geborgen. Ungewöhnlich hoch ist der Anteil von Raubtierknochen, der sage und schreibe 98 Prozent erreicht. Normal sind durchschnittlich elf Prozent Raubtierreste. Von den zahlreichen Raubtierfossilien in Batallones 1 entfallen rund 29 Prozent auf die erwähnte Säbelzahnkatzen- und Dolchkatzen-Art. Die Reste von Machairodus aphanistus stammen von zwölf erwachsenen und zwei jungen Tieren. Bei Paramachairodus ogygius (Promegantereon ogygia) sind es 17 erwachsene Tiere und ein Jungtier. Bisher wurden in Batallones 1 also insgesamt 32 Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen nachgewiesen. Zur Tierwelt von Batallones 1 zählten auch Bärenhunde (Amphicyon), schakalähnliche Hyänen (Protictitherium), Katzenbären (Simocyon), Rüsseltiere (Tetralophodon), dreihufige Ur-Pferde (Hippotherium), hornlose Nashörner (Aceratherium) und Wildschweine (Microstonyx). Ein Schädel mit Unterkiefer aus der oberen Schicht des westtürkischen Fundortes Kemiklitepe gehört zu den vollständigsten Exemplaren der Säbelzahnkatze Machairodus. Dieses Fossil ist merklich höher entwickelt als die Funde aus der unteren Schicht. Aus der unteren Schicht kamen Fragmente eines Schädels und eines Unterkiefers von Machairodus zum Vorschein. Bei den Funden von Machairodus aphanistus aus Charmoille bei Porrentruy (Pruntrut) im schweizerischen Kanton Jura handelt es sich um einen rechten Unterkieferast mit einem Backenzahn und einem Vorderbackenzahn sowie um das Fragment eines oberen Eckzahns. Diese beiden Fossilien stammen aus den obermiozänen Hipparionsanden, die nach dem Ur-Pferd Hippotherum (früher Hipparion) benannt sind. Man bezeichnet diese Ablagerungen wegen ihrer nördlichen Herkunft auch als Vogesenschotter und Vogesensande. Der Fundort Charmoille wird in die Zone MN 9 datiert. Das Straßendorf Charmoille gehört inzwischen zur Gemeinde La Baroche. In Charmoille wurden in der heute verlassenen Grube von Vielle Tuilerie, etwa 470 Meter nördlich der Kirche des Dorfes, mehr als drei Jahrzehnte lang Vogesensande abgebaut, wobei immer wieder Reste fossiler Säugetiere ans Tageslicht kamen. Durch Schenkungen und Kauf gelangten die Fossilien zum größten Teil in das Naturhistorische Museum Basel. Zur obermiozänen Tierwelt von Charmoille zählten Biber (Monosaulax minutus), Säbelzahnkatzen (Machairodus aphanistus), Bärenhunde (Agnotherium cf. antiquum), Waldantilopen (Miotragocerus pannoniae), kleinwüchsige Hirsche (Dorcatherium naui, Euprox dicranocerus), Schweine (Hyotherium paleochoerus, Conohyus simorrensis), krallentragende Huftiere (Chalicotherium goldfussi), Ur-Pferde (Hippotherium primigenium), Nashörner (Aceratherium cf. incisivum, Dihoplus cf. schleiermacheri), Tapire (Tapirus priscus), Rüsseltiere (Deinotherium giganteum, Tetralophodon longirostris). Diese Fauna entspricht derjenigen von Eppelsheim und vom Höwenegg in Deutschland. Die Säbelzahnkatze Machairodus aphanistus ist auch durch einen Fund aus Zillingdorf (Bezirk Wiener Neustadt-Land) in Niederösterreich belegt. In der Literatur findet man teilweise auch die falsche Schreibweise Zillingsdorf. Bei dem Fossil von dort handelt es sich um einen linken zweiten Backenzahn des Unterkiefers. Der Originalfund mit der Inventarnummer NHWM 1864 I 667 ist im Naturhistorischen Museum Wien ausgestellt. Die auf einem Etikett lesbare Inventarnummer deutet darauf hin, dass dieser Zahn um 1864 gefunden wurde. Fundjahr und Archivierung sind auf alten Etiketten nicht immer identisch. Nach Ansicht des schweizerischen Paläontologen Gérard de Beaumont aus Genf existierten nur zwei Arten von Machairodus: die 1832 von Johann Jakob Kaup aus Eppelsheim in Deutschland beschriebene ältere und kleinere Art Machairodus aphanistus und die 1848 von dem Münchner Paläontologen Andreas Wagner (1797–1861) aus Pikermi in Griechenland beschriebene jüngere und größere Art Machairodus giganteus. Mit der Säbelzahnkatze Machairodus aphanistus ist – wie man heute weiß – Machaidorus cultridens identisch. Als einzigen Fundort von Machairodus cultridens in Rheinhessen nennt der Geologe und Paläontologe Jens Sommer in seiner Doktorarbeit über die Dinotheriensande von 2007 die Lokalität Eppelsheim. Die im Vergleich zur Säbelzahnkatze Machairodus aphanistus merklich kleinere Dolchzahnkatze Paramachairodus ogygius hat man außer in Eppelsheim auch in den Dinotheriensanden von Esselborn und am Wissberg bei Gau-Weinheim in Rheinhessen nachgewiesen. Die Ablagerungen des Ur-Rheins bei Eppelsheim und an etlichen anderen Fundorten in Rheinhessen werden Dinotheriensande genannt, weil sie oft Zähne und Knochen des Rüsseltieres Deinotherium giganteum ( Riesiges Schreckenstier ) enthalten. Der Ur-Rhein hatte im Obermiozän einen ganz anderen Verlauf als der heutige Rhein. Er strömte – weiter westlich als heute – ab dem Raum Worms quer durch Rheinhessen über Westhofen, Eppelsheim, Esselborn, Bermersheim, den Wissberg bei Gau-Weinheim und den Steinberg (Napoleonshöhe) bei Sprendlingen (Rheinland-Pfalz) auf die Binger Pforte zu. Der damalige Strom berührte nicht – wie heute – die Gegend von Oppenheim, Nierstein, Nackenheim, Mainz, Wiesbaden und Ingelheim. Das geschah erst später. Am Ufer des Ur-Rheins existierte eine exotische Tierwelt, wie man vor allem durch Fossilien aus Eppelsheim südlich von Alzey weiß. Allein von dort sind mindestens 35 Säugetier-Arten durch Funde nachgewiesen, von denen 25 erstmals von Eppelsheim beschrieben wurden. In der Gegend von Eppelsheim lebten meterlange Schildkröten, Maulwürfe (Talpa vallesensis), spitzmausähnliche Insektenfresser (Plesiosorex roosi, Crusafontina kormosi), Menschenaffen (Dryopithecus sp., Paidopithex rhenanus, Rhenopithecus eppelsheimensis), Säbelzahnkatzen (Machairodus aphanistus), Dolchzahnkatzen (Paramachairodus ogygius), Bärenhunde (Agnotherium antiquum, Amphicyon eppelsheimensis), Katzenbären (Simocyon diaphorus), schakalähnliche Hyänen (Ictitherium robustum), Biber (Palaeomys ogygius), Rüsseltiere (die Rhein-Elefanten Prodeinotherium bavaricum und Deinotherium giganteum sowie die Ur-Elefanten Gomphotherium angustidens, Tetralophodon longirostris, Stegotetrabelodon gigantorostris), Tapire (Tapirus priscus, Tapirus antiquus), Nashörner (Aceratherium incisivum, Brachypotherium goldfussi, Dihoplus schleiermacheri), krallenfüßige Huftiere (Chalicotherium goldfussi), Ur-Pferde (Hippotherium primigenium), Schweine (Propotamochoerus palaeochoerus, Conohyus simorrensis, Microstonyx antiquus), das geweihlose Zwergböckchen Dorcatherium naui, die muntjakähnlichen Gabelhirsche Euprox furcatus und Euprox dicranocerus, der Gabelhirsch Amphiprox anocerus, der Zwerghirsch Cervus nanus und Waldantilopen (Miotragocerus cf. pannoniae). Nachzulesen ist dies in dem Taschenbuch Der Ur-Rhein. Rheinhessen vor zehn Millionen Jahren des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst sowie im Museumsführer Das Dinotherium-Museum in Eppelsheim von Jens Lorenz Franzen, Heiner Roos und Ernst Probst, die beide 2009 erschienen sind. Franzen ist der Wiederentdecker der Dinotheriensand-Fundstelle und Begründer der ersten wissenschaftlichen Grabungen bei Eppelsheim. Roos ist Altbürgermeister von Eppelsheim und geistiger Vater des Dinotherium-Museums in Eppelsheim. Die in den Dinotheriensanden nachgewiesene Säbelzahnkatze Machairodus aphanistus hatte etwa die Größe eines heutigen Löwen, der es auf eine Schulterhöhe von rund einem Meter und eine Kopfrumpflänge von ungefähr 1,90 Meter bringt. Dagegen erreichte die Dolchzahnkatze Paramachairodus ogygius nur etwa die Maße eines jetzigen Pumas, der eine Schulterhöhe von rund 70 Zentimetern und eine Kopfrumpflänge von durchschnittlich 1,30 Meter erreicht. Die Säbelzahnkatze Machairodus und die Dolchzahnkatze Paramachairodus wirkten aber viel muskulöser als Löwe oder Puma. In älterer Literatur heißt es, die extrem kräftigen Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen aus dem Obermiozän hätten mit flinken Raubkatzen, die ihre Beute über längere Distanz hinweg verfolgen und einholen können, wenig gemein. Für Verfolgungsjagden, wie sie etwa Tiger, Löwen oder Leoparden betreiben, seien die kurzen Unterschenkelknochen der Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen nicht geeignet gewesen. Ihre Eckzähne hätten wie Brieföffner beim Aufschlitzen von Kadavern gewirkt. Dank der Entdeckung komplett erhaltener Skelette von Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen ab 1991 an der spanischen Fundstelle Batallones 1 bei Madrid kam man zu neuen Erkenntnissen. Nach der wissenschaftlichen Untersuchung der Skelettfunde von Batallones 1 vertritt man die Auffassung, die Säbelzahnkatze Machairodus aphanistus und die Dolchzahnkatze Paramachairodus ogygius (jetzt Promegantereon ogygia) aus dem Obermiozän seien agile Springer und Jäger gewesen. Sie hätten potentielle Beutetiere rasch über kurze Strecken gescheucht und nicht einfach angesprungen. Heutige Tiger lauern – gut getarnt durch das kontrastreiche Fellmuster – oft stundenlang im hohen Gras oder in Nähe einer Wasserstelle auf Beutetiere. Sie schleichen so dicht wie möglich an ihre Opfer heran, bis sie diese mit wenigen Sprüngen angreifen können. Häufig greifen sie den Hals ihrer Beutetiere an. Mit Hilfe ihrer enormen Beißkraft werden dem Beutetier Halswirbel und Rückenmark durchtrennt.

Über den Autor

Der 1946 im bayerischen Neunburg vorm Wald geborene und gegenwärtig in Wiesbaden lebende Journalist und Buchautor Ernst Probst hat seit 1986 rund 300 Bücher, Taschenbücher und Broschüren sowie über 300 E-Books veröffentlicht. Er schrieb vor allem populärwissenschaftliche Werke aus den Themenbereichen Paläontologie, Zoologie, Kryptozoologie, Archäologie, Geschichte und Luftfahrt sowie Biografien über berühmte Frauen und Männer. Sein erstes Werk Deutschland in der Urzeit (1986) erreichte fünf Auflagen und wurde von der Tageszeitung Die Welt als Glanzstück deutscher Wissenschaftspublizistik bezeichnet. Heute schreibt, sammelt und veröffentlicht Ernst Probst Aphorismen.

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