Suche

» erweiterte Suche » Sitemap

  • Sie befinden sich:
  • Specials
  • »
  • disserta Verlag
  • »
  • Gesellschaft / Kultur
  • »
  • Die Rolle von Assistenzhunden bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft. Der Alltag von blinden Menschen in der Metropolregion Nürnberg – Untersuchung und Diskussion über den Einsatz von Blindenführhunden.

Gesellschaft / Kultur


» Bild vergrößern
» weitere Bücher zum Thema


» Buch empfehlen
» Buch bewerten
Produktart: Buch
Verlag: disserta Verlag
Erscheinungsdatum: 01.2015
AuflagenNr.: 1
Seiten: 252
Abb.: 45
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Blinden Menschen fällt es in unserer lauten und hektischen Gesellschaft nicht einfach sich zurecht zu finden. Es wurden schon zahlreiche Hilfsmittel entwickelt die den Alltag erleichtern sollen. Eine besondere Stellung nimmt hierbei der Blindenführhund ein. Deshalb beschäftigt sich die vorliegende Studie mit der Frage, inwieweit Assistenzhunde zu der Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft beitragen. Um insbesondere den Einsatz von Blindenführhunden zu untersuchen und diskutieren wurde die aktuelle Fachliteratur durch die individuellen Erfahrungen Betroffener ergänzt. Das Verhalten der Mitmenschen gegenüber einem sehbeeinträchtigten Menschen mit Blindenführhund wird aufgezeigt und dem Leser sollen Handlungsweisen im Umgang mit blinden Menschen näher gebracht werden.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.4.4, Möglichkeiten des Einsatzes eines Blindenführhundes: Wenn der Blindenführhund bereits in jungen Jahren gut sozialisiert und ausgebildet wurde, kann er für seinen Halter etliche Aufgaben erfüllen. Die Gesichtspunkte der Mobilität wurden bereits erläutert und sollen im Folgenden nur noch ergänzt werden. Mobilität: Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei das geradlinige Gehen, das einem Menschen mit Seheinschränkung nur mit einem Führhund möglich ist. Dabei achtet der Hund stets darauf, dass sein Halter weder zu nah an eine Straße, noch an die umliegenden Objekte wie Treppenstufen oder Äste gelangt. Nahezu selbständig werden Hindernisse in Kopfhöhe des Halters (wie Markisen) und in Bauch- und Brusthöhe des Halters (wie Geländer) umgangen. Bodenhindernisse wie Treppenstufen, Bordsteinkanten oder Pfützen zeigt das Tier durch Stehenbleiben an, erst nach dem Hörzeichen für das Weiterlaufen setzt der Hund seinen Weg fort. Bei Absperrungen des Bordsteins lernt der Hund diese für ein kurzes Stück auf der Straße zu umgehen, da das Wechseln der Seite den Halter sehr verwirren könnte. Der Blindenführhund ist ebenfalls in der Lage nähernde Gefahren, wie fahrende Autos oder Fahrräder, zu erkennen und den Halter durch Stehenbleiben oder sogar Wegdrängen darauf aufmerksam zu machen. Eine zentrale Bedeutung hat das Aufsuchen von Zielen, das außer dem Führhund nur eine sehende Begleitperson leisten könnte. Bio-psycho-soziale Auswirkungen: ‘Neben dieser praktischen Anleitung hat der Hund darüber hinaus noch einen weiteren, ganz besonderen Wert für den Besitzer. Er vermittelt dem Blinden das Gefühl von Sicherheit und Selbstwert.’ Die Beziehung zu einem Tier hat also auch einige bio-psycho-soziale Auswirkungen beim Menschen. So lassen sich physische Faktoren erkennen, unter anderem die Senkung des Blutdrucks und Muskelentspannung. Auch biochemische Veränderungen wie die Verringerung von Schmerzen und Verbesserungen des Gesundheitsverhaltens werden berichtet. Der Hund trägt aber auch zu mentalen Auswirkungen bei, so wird der Mensch im Lernen von den Tieren kognitiv angeregt. Das emotionale Wohlbefinden wird beispielsweise durch die Bestätigung und Ermunterung des Hundes gestärkt. Es entwickelt sich ein positives Selbstbild und Selbstbewusstsein. Des Weiteren ist hier der Abbau von Angst, Unsicherheit und Stress sowie das Erfahren sozialer Anerkennung und die antidepressive Wirkung zu nennen. Zusätzlich werden soziale Effekte erkannt, wie das Herauskommen aus Einsamkeit und Isolation. Die Entwicklung von Nähe und Körperkontakt, die positiven Auswirkungen auf das Familienleben sowie die Vermittlung positiver sozialer Attribute werden verbessert. ‘Sozialisierte, tierschutzgerecht trainierte Hunde, deren Verhalten lernbedingt ohne Einsatz von Zwangsmitteln veränderbar ist, die also vertraut eingepaßt sind in unser Leben, vermögen therapeutisch im Sinne von Stimmungsübertragungen wie Interaktionen ausgesprochen adäquat zu reagieren, so als verstünden sie die jeweilige Lebenssituation/Stimmungslage ihres Bindungspartners, wären gar bemüht, ihm zu helfen.’ 2.4.5, Grenzen des Einsatzes eines Blindenführhundes: Allerdings kann ein Blindenführhund nicht alles leisten, denn er ist und bleibt ein Tier und keine Maschine. Hunde sind keine Alleskönner: Die Hunde orientieren sich zwar oft am Menschen, doch hat jedes Tier seine eigene Persönlichkeit und zeigt individuelle Stärken und Schwächen. Sie können also auch mal einen schlechten Tag haben oder sich unter- bzw. überfordert fühlen. Zudem sprechen diese Tiere nicht und können ihrem Halter nicht sagen, welcher Bus gerade einfährt oder ob die Ampel auf Rot oder Grün steht. Der Besitzer muss also lernen, die Körpersprache der Tiere zu deuten und ihnen unmissverständliche Kommandos geben. Der sehbeeinträchtigte Mensch benötigt trotz der Unterstützung durch den Führhund eine gewisse Selbstverantwortung und Entscheidungsfähigkeit. Er darf sich nicht in jeder Situation ‘blind’ auf sein Tier verlassen. Dies wird besonders bei der Überquerung einer Straße deutlich. Hierbei sollte man sich auf sein eigenes Gehör, das in einem Orientierungs- und Mobilitätstrainings geschult werden sollte, verlassen. Der Blindenführhund kann eine letzte Hilfe sein, wenn der Halter sich verhört haben sollte und doch Gefahr droht, indem der Hund den Fortgang verweigert. Bedürfnisse des Hundes: Hunde haben als Rudeltiere einen besonderen Status inne, denn sie ‘bedürfen somit stets einer eindeutigen Zuweisung ihrer sozialen Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der Gruppe.’ Der Halter muss sich das Wissen über diese Tiere aneignen und eine konsequente Erziehung an den Tag legen, dafür muss der sehbeeinträchtigte Mensch natürlich eine gewisse Zeit opfern. Der Hund ist dem Besitzer im Hinblick auf den fehlenden Sinn überlegen und wird versuchen dies auszunutzen, wenn ihm keine Grenzen aufgezeigt werden. Dann besteht die Gefahr, dass er sich zu einem sozial unverträglichen Tier mit Verhaltensauffälligkeiten entwickelt. Hierbei spielen auch der Freilauf ohne das Geschirr sowie das Spielen mit Artgenossen eine wichtige Rolle. Schwierigkeiten im Hinblick auf die Ausbildung: Die Auswahl eines guten Blindenführhundes beginnt, wie bereits im Punkt 2.4.3 dargestellt wurde, bei der Suche nach einer geeigneten Schule. Dies gestaltet sich aber oft schwierig, da die Betreiber nicht gezwungen sind über einen bestimmten Beruf oder andere verbindliche Zugangsvoraussetzungen zu verfügen, sondern lediglich ein Gewerbe anmelden müssen. Folglich wird versucht, mit den Führhunden schnellstmöglich viel Geld zu erwirtschaften und die Ausbildung sowie Entwicklung der Hunde leidet darunter. Doch selbst wenn sich der zukünftige Führhundehalter eigenständig informiert und eine seriöse Führhundeschule gefunden hat, können die Kostenträger widersprechen und eine günstigere Ausbildungsstätte auswählen. Auch im Hinblick auf die Tätigkeit der Gespannprüfer besteht noch Handlungsbedarf, bisher können sie die Prüfung bereits nach einem Wochenendseminar abnehmen. Dementsprechend sind diese oft nicht ausreichend sachkundig. Eignung als Führhundehalter: Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Eignung der Menschen mit Sehbeeinträchtigung selbst. So ist längst nicht jeder als Führhundehalter geeignet. ‘Die eigene körperliche Fitness, Orientierung und Mobilität wird gelegentlich falsch eingeschätzt.’ Der Besitzer muss einplanen, dass der Hund etwa neun Jahre bei ihm verbringt. Der Halter sollte gewisse Führungsqualitäten mitbringen, um dem Hund eine geradlinige Erziehung zu bieten und ihn immer wieder mit neuen Aufgaben zu fordern. Zudem wird der Blindenführhund von den Krankenkassen unter der Bedingung zur Verfügung gestellt, dass er seiner Art entsprechend gepflegt und behandelt wird. Selbstverständlich sollte der Hundehalter ebenfalls bedenken, dass ein Tier auch mal krank werden kann und irgendwann stirbt. Ein Führhund wird meist bereits im Alter von etwa acht Jahren berentet. Er verbringt seine letzten Jahre in einer Pflegefamilie, wenn der Führhundehalter selbst den Ansprüchen eines älteren Hundes nicht gerecht werden kann.

Über den Autor

Madleen Morina, B.A., wurde 1989 in Wolfen geboren. Ihr Studium der Sozialen Arbeit an der Technischen Hochschule Nürnberg schloss die Autorin im Jahre 2014 mit dem akademischen Grad des Bachelor of Arts erfolgreich ab. Bereits seit ihrer frühen Kindheit war die Autorin begeistert von Tieren und sammelte zahlreiche praktische Erfahrungen. Fasziniert von der Wirkung der Tiere auf Menschen mit Behinderung beschäftigte sich die Autorin während ihres Studiums vermehrt mit dieser Thematik, wobei auch die Idee zu dieser Studie entstand.

weitere Bücher zum Thema

Bewerten und kommentieren

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichenten Felder aus.


script>