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- Industriekultur und Arbeiterwohnen im Land Salzburg. Historische Werksiedlungen zwischen Sozialgeschichte und Denkmalpflege
Gesellschaft / Kultur
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Verlag:
disserta Verlag
Imprint der Bedey & Thoms Media GmbH
Hermannstal 119 k, D-22119 Hamburg
E-Mail: info@diplomica.de
Erscheinungsdatum: 03.2026
AuflagenNr.: 1
Seiten: 128
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback
Die Industrialisierung veränderte nicht nur Wirtschaft und Landschaft, sondern auch die Lebenswelt der Menschen. Mit ihr entstand eine neue soziale Schicht: die Arbeiterschaft. Ihre Wohnverhältnisse spiegeln zentrale Entwicklungen der Sozial-, Wirtschafts- und Architekturgeschichte wider. Dieses Buch widmet sich erstmals umfassend den historischen Arbeiterwohnhäusern und Werkswohnungen im Bundesland Salzburg. Auf Grundlage industriearchäologischer Forschung werden ausgewählte Beispiele aus Stadt und Land vorgestellt – von städtischen Arbeiterwohnbauten bis hin zu werkseigenen Siedlungen bei Eisenwerken, Aluminiumfabriken oder Kraftwerken. Neben Entstehungsgeschichte und architektonischer Gestaltung wird auch der heutige Erhaltungszustand dokumentiert. Die Studie versteht Arbeiterwohnbauten als bedeutende Zeugnisse regionaler Industriekultur und als soziale Räume, in denen sich wirtschaftlicher Wandel konkret manifestierte.
Textprobe: 1.1 Grundbegriffe der Industriearchäologie ie Industriearchäologie stellt im Allgemeinen eine Teildisziplin der Geschichts- und Sozialwissenschaften dar, welche in den 1970er und 1980er Jahren einen ersten Aufschwung erlebte und sich von da an sukzessive in der geisteswissenschaftlichen Forschung zu etablieren vermochte. Bis heute wurden zahlreiche Definitionen für die industriearchäologische Wissenschaft vorgelegt, deren vordringliches Ziel darin bestand, das Fach in eindeutiger und klarer Weise von den Nachbardisziplinen abzutrennen. Hier bestand nicht zuletzt auch das Bestreben nach der Vergabe eines unverwechselbaren theoretischen Rahmens für die mit allen Formen von Industriebauten befassten Forschung. Eine frühe Definition der Industriearchäologie stammt von englischen Forschern, welche sich in den 1950er Jahren mit den Relikten der britischen Wirtschaftsarchitektur des 18. und 19. Jahrhunderts auseinandersetzten. Diesen Wissenschaftlern zufolge hatte die Disziplin lediglich die Rettung und Wiederherstellung technischer Denkmäler zum Inhalt. Kenneth Hudson, der als einer der Hauptvertreter der industriearchäologischen Forschung der 1970er Jahre galt, definierte die Disziplin mit folgenden Worten: What is meant [by industrial archaeology] is the preservation of material relating to yesterday's manufacturing and transport which has survived, more or less intact, on its original site. Jene oben vorgestellten Definitionen der Industriearchäologie blieben im Wesentlichen auf den materiellen Aspekt beschränkt und zeigten noch keinerlei methodische Ansätze, welche eine bedeutende Grundlage für die Forschung bildeten. Auch eine genaue Abklärung der Beziehung zu den Geschichtswissenschaften wurde der interessierten wissenschaftlichen Gemeinschaft vorenthalten. In den 1990er Jahren lieferten Palmer und Neverson schließlich eine Definition für die Industriearchäologie, gemäß welcher die Disziplin als the systematic study of structures and artifacts as a mean of enlarging our understanding of the industrial past auzufassen sei. Diese kurze aber sehr eingängige Erklärung nahm einen gewissen Bezug auf die Methode (systematische Studie) und die Verstrickung der Disziplin mit der historischen Forschung (Verständnis der industriellen Vergengenheit). Die deutschsprachige Forschung zur Industriearchäologie datiert interessanterweise bereits in die 1920er und 1930er Jahre zurück und umfasste in dieser frühen Epoche insbesondere die systematische Beschäftigung mit technischen Denkmälern. Dies ist insofern bemerkenswert, als nicht etwa Großbritannien sondern Deutschland als Ursprungsort für die industriearchäologische Forschung in Erscheinung trat. Die Systematisierung des industriellen Erbes sorgte darüber hinaus für eine allmähliche Auflösung der Antithese ,Kultur gegen Technik' und zeigte - im Gegenteil -, dass diese beiden Sparten harmonisch zusammgeführt werden konnten. Die industriearchäologische Forschung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchlief eine essenzielle, in zwei Abschnitte unterteilbare Entwicklung. Die erste Phase wirkte bis in die 1970er Jahre hinein und beinhaltete eine weitgehende industrielle Bestandsaufnahme. Ihr folgte dann eine Phase des <weltweit> konstatierten euphorischen Aufbruchs der Industriearchäologie und Denkmalpflege. Wie in der angelsächsischen Region war man auch im deutschsprachigen Raum um eine möglichst klare Definition der industriearchäologischen Disziplin benüht. Rainer Slotta, einer der wesentlichen deutschen Forscher und Buchautoren auf diesem Gebiet, beschrieb das Fach als die systematische Erforschung aller dinglichen Quellen jeglicher industriellen Vergangenheit von der prähistorischen Vergangenheit bis zur Gegenwart. Aus dieser Definition lässt sich einerseits ein deutlicher Geschichtsbezug der Industriearchäologie herauslesen und andererseits findet der Begriff der ,dinglichen Quelle', hinter dem das technische Denkmal steht, seine Verwendung. Slotta geht mit seinem Erklärungsansatz so weit, dass er dieses Denkmal als Grundlage für die systematische Nachzeichnung einer Historie der industriellen Entwicklung sieht, wobei für einen derartigen Prozess deduktive Methoden zur Anwendung gelangen. Einen etwas anderen Denkansatz in Hinblick auf die allgemeine Definition der Industriearchäologie liefert Akos Paulinyi, nach dessen Auffassung die Disziplin die erfassten, also registrierten und ausführlich in Wort und Bild dokumentierten oder sogar erhaltenen materiellen Überreste der Industrie [...], diese von der Wirtschafts- und Technikgeschichte vernachlässigten Quellen für die Forschung zugänglich macht. Diese Erklärung stellt zwar die dingliche Quelle ebenfalls in ihren Mittelpunkt, versucht aber auch eine klare Abgrenzung der industriearchäologischen Forschung von der Wirtschafts- und Technikgeschichte zu erreichen. Die industriearchäologische Wissenschaft vermochte ab den 1970er Jahren auch in Österreich vermehrt Fuß zu fassen und dort zu einer in vielerlei Fragen federführenden Disziplin zu avancieren. In Analogie zu ihren deutschen Kollegen waren österreichische Forscher und Forscherinnen ebenfalls um eine möglichst prägnante Definition der Disziplin bemüht. Christoph Bertsch etwa erklärte das Fach folgendermaßen: Industriearchäologie [...] versteht sich als ein interdisziplinär arbeitendes Fach, welches sich mit der systematischen Erfassung, der möglichen Erhaltung sowie der wissenschaftlichen Auswertung der materiellen Objekte unserer Vergangenheit auseinandersetzt. Sie ist als eine historisch orientierte Disziplin im Spannungsfeld von Technikgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Kunst- und Architekturgeschichte sowie Produktgestaltung zu sehen und entwickelt Zielsetzungen und Methoden in wechselseitiger Beziehung mit diesen [...]. Dieser Denkansatz ist insofern besonders interessant, als er die Interdisziplinarität der Industriearchäologie deutlich hervorstreicht (Abb. 1). Bertsch vertritt die Annahme, dass im industriearchäologischen Forschungsansatz jede industriellproduktive Tätigkeit des Menschen implementiert ist und die dingliche Quelle in erster Linie dazu dient, in einen weitreichenden historischen Rahmen eingegliedert zu werden. Dadurch leisten Manufaktur, Fabrik oder Arbeitssiedlung in gleichem Maße einen Beitrag zum allgemeinen Verständnis wirtschafts-, sozial- und kulturhistorischer Entwicklungen. Bertsch bezieht auch den Mensch selbst in seine Theorie mit ein, wobei insbesondere die Abhängigkeit des arbeitenden Individuums von architektonischen Strukturen und daraus resultierende Verhaltensmuster einen zusätzlichen Forschungsschwerpunkt der Industriearchäologie bilden. Der zuletzt genannte Punkt deutet auf jenen im 19. Jahrhundert vermehrt unternommenen Versuch hin, das menschliche Individuum durch eine maschinengleiche Automatisierung seiner Tätigkeit bestmöglich in die Fabrik integrieren zu wollen. In diesem Zusammenhang werden die von Charles Fremont und Etienne-Jules Marey getätigten Studien zur ,Maschine Mensch' in Erinnerung gerufen. Der Begriff der Industriearchäologie steht seit jeher in enger Beziehung zum Terminus der Industriekultur, wobei die Verwendung der einen oder anderen Begrifflichkeit im Wesentlichen von der Provenienz der Forschungstätigkeit abhängt. Während man in Großbritannien vermehrt mit der Bezeichnung ,Industrial Archaeology' agiert, vermochte sich in Deutschland die Bezeichnung ,Industriekultur' über weite Strecken in der Wissenschaft durchzusetzen. An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass beide Begriffe keineswegs dasselbe repräsentieren, sondern die Industriearchäologie vielmehr als eine Teilmenge der Industriekultur zu verstehen ist. Die Industriekultur umfasst die Kulturgeschichte des industriellen Zeitalters in ihrer Gesamtheit. Sie setzt sich unter anderem mit der Geschichte der Technik, der Architekturgeschichte von Fabriken, der Sozialgeschichte der Arbeit und der Beeinflussung des geografischen Raumes durch die industrielle Entwicklung auseinander. Gerade der zuletzt genannte Prozess steht in enger Verbindung mit den Begriffen ,Industrielle Kulturlandschaft' oder ,Industrielandschaft'. Heutzutage stellt vor allem die Regionalpolitik mitunter intensive Überlegungen im Zusammenhang mit der touristischen Nutzung derartiger künstlich geschaffener Landschaften an. Wenn man noch einmal auf die Definition der Industriearchäologie durch Christoph Bertsch zurückblickt, kann man feststellen, dass diese Disziplin in enger Assoziation mit der Denkmalpflege steht. Letztere nutzt die industriearchäologischen Forschungsergebnisse zur Entwicklung geeigneter Strategien hinsichtlich der Erhaltung von historisch wertvollen Bauwerken. Die Verflechtung der beiden Disziplinen macht gerade im modernen Zeitalter der rasenden Globalisierung besonderen Sinn, da sie zu einer vermehrten Sensibilisierung gegenüber den nur noch spärlich vorhandenen Resten des Industriezeitalters führt. Hier muss jedoch sofort erwidert werden, dass alte Bauwerke der Industrie und Technik nicht automatisch den Schutz der Allgemeinheit genießen, sondern es oftmals jahrelanger Überzeugungsarbeit für deren nachhaltige Konservierung bedarf. Die Industriearchäologie verfügt auch über eine signifikante Verbindung zu den kunsthistorischen Wissenschaften, welche sich der detaillierten Dokumentation der Architektur und baulichen Stilistik widmen und dadurch einen wertvollen methodischen Beitrag zum Gesamtverständnis der industriellen Entwicklung leisten. Bis in die 1970er und 1980er Jahre hinein widmete sich die Kunstgeschichte insbesondere den prächtigen Sakral- und Profanbauten des Mittelalters und der nachfolgenden Epochen und nur in deutlich vermindertem Maße den alten Industriebauwerken. Dies hing unter anderem damit zusammen, dass das Streben nach technisch-historischen Erkenntnissen eher eine marginale Rolle spielte. Nach modernerer Auffassung versteht sich die Kunstwissenschaft als eine Auseinandersetzung mit ihrer visuellen Umwelt, welche klarerweise auch die industrielle Umwelt miteinbezieht. Die Kunstgeschichte äußert immer wieder die Befürchtung, zu einer reinen Hilfswissenschaft der Geschichte degradiert zu werden. Diese Kritik lässt sich schon alleine dadurch weitestgehend entkräften, dass die Kunstgeschichte ein eigenes historisch gewachsenes Methodenrepertoire besitzt. In der modernen Ära sieht sich die Disziplin zunehmend mit der Forderung nach der Einordnung in ein größeres Ganzes konfrontiert, wobei sie zu einem wichtigen Bestandteil einer lebendigen Geschichtswissenschaft zu avancieren vermag. In der nahen Vergangenheit wurden von kunsthistorischer Seite etliche Arbeiten zur Industriearchäologie veröffentlicht, welche als geeignete Erkenntnisgrundlage für weiterführende Forschungen dienten. 1.2 Industriearchäologische Forschung in Österreich n Österreich durchlief die industriearchäologische Forschung eine ähnliche Entwicklung wie in Großbritannien und Deutschland. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts, also mit dem ersten signifikanten Aufflackern der Industrialisierung im Habsburgerreich, setzte ein - wenn auch nur fragmentarisches - Bewusstsein für Industrie und Technik ein. In dieser frühen Ära gab es schon manche laute Stimmen, welche die Gründung eines Technischen Museums forderten. Die Realisierung einer derartigen Einrichtung ließ noch relativ lange Zeit auf sich warten, da erste museale Sammlungen erst in den letzten Dekaden des 19. Jahrhunderts angelegt wurden. Die Grundsteinlegung für das ,Technische Museum für Industrie und Gewerbe in Wien' erfolgte schließlich im Jahre 1909, wobei die Eröffnung des Hauses in das Jahr 1918 datiert. Ein aus österreichischer Sicht entscheidendes Datum in Hinblick auf die Etablierung der industriearchäologischen Wissenschaft stellte das Jahr 1925 dar, in welchem es im Bundesdenkmalamt zur Einrichtung eines Referats für ,wirtschaftsgeschichtliche und technische Kulturdenkmale' kam. Mit der Schaffung dieser für die damalige Zeit einzigartigen Einrichtung konnten industrielle und technische Anlagen erfolgreich unter Schutz gestellt werden. Die Mitarbeit in dem Referat basierte auf einem reinen Ehrenamt, wodurch sich die Nachbesetzung einzelner Stellen sehr bald als äußerst schwierig herausstellte. In den 1950er und 1960er Jahren war Österreich noch nicht an der internationalen industriearchäologischen Forschung beteiligt. Dies lag in erster Linie daran, dass man hauptsächlich mit der Bewältigung der Nachkriegslasten beschäftigt war und demzufolge nur geringfügiges Interesse für das Fach aufzubringen vermochte. Die sehr stark verzögerte Teilnahme an der internationalen Entwicklung drückte sich auch dadurch aus, dass die Erhaltung industrieller Bauwerke oder deren Umwidmung zu Museen zunächst nur verminderte Priorität besaß. Ein erster derartiger Schritt gelang mit dem Radwerk IV in Vordernberg im Jahre 1959, wobei das entsprechende Museum noch heute besichtigt werden kann. Eine ernsthafte Etablierung der industriearchäologischen Forschung in Österreich erfolgte im Zeitraum vom Ende der 1960er bis zum Anfang der 1980er Jahre. Wegweisend waren hier unter anderem Richard Pittionis ,Studien zur Industrie-Archäologie' aus dem Jahre 1968, deren Fokus jedoch auf der Untersuchung von Baustrukturen des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts lag. Gebäude aus der Blütezeit der österreichischen Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden in der Arbeit noch keine Berücksichtigung. Im Jahre 1976 wurde im Bundesdenkmalamt die ,Abteilung für technische, wirtschafts- und sozialgeschichtliche Denkmale' neu eingerichtet, welche als Ersatz für das weiter oben erwähnte, im Jahre 1925 gegründete Referat galt. Im selben Jahr wurde an der Technischen Universität in Wien auch das ,Institut für Baukunst, Denkmalpflege und Kunstgeschichte' eröffnet, welches sich mit einer systematischen Inventarisierung der technischen und industriellen Bauten in Österreich befasste. Durch diesen aufwändigen Prozess wurde letztendlich die Grundlage für zukünftige industriearchäologische Forschungen geschaffen. Im Jahre 1988 erfolgte im Rahmen des ,Instituts für Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Industriearchäologie' die Gründung einer eigenen industriearchäologischen Abteilung, wodurch die universitäre Forschung zu den Baustrukturen der Wirtschaft und Technik einen zusätzlichen Impuls erhielt. In den frühen 1990er Jahren gerieten vermehrt Süd- und Westösterreich sowie Südtirol in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses, was anhand zahlreicher Publikationen zu Buche schlug. Die Publikation wissenschaftlicher Beiträge wurde ab dem Ende der 1980er Jahre vermehrt durch die Veröffentlichung broschürenartiger Führer ergänzt, welche an ein breiteres Publikum gerichtet waren und sich die Vorstellung des industriellen Erbes in Österreich zum Ziel setzten. So entstanden unter anderem ein Rundführer durch die historische Industrielandschaft Niederösterreichs und ein Reiseführer durch die Waldviertler Textilstraße. Im oberösterreichischen Raum wurden in dieser Zeit auch das Mühlviertel sowie die unmittelbare Grenzregion zu Böhmen näher auf etwaige historische Industriestrukturen untersucht. Zudem konzentrierte sich die Forschung auf die Landeshauptstadt Linz und ihre historische Industriekultur. Bereits in die 1970er Jahre fällt die Aufarbeitung der Industriekultur in der Landeshauptstadt Graz, welche während der Industrialisierung des Habsburgerreiches eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte. So gibt es dort noch heute einige bemerkenswerte Denkmäler der Wirtschaft und Technik, deren historischer Hintergrund jedoch in manchen Fällen einer detaillierteren Beschreibung bedarf. Stadt und Land Salzburg stellten bis in die 1990er Jahre hinein einen ,weißen Fleck' auf der Landkarte der industriearchäologischen Forschung dar. Erste Überblicksarbeiten zur Salzburger Industriekultur datieren in die Mitte der 1990er Jahre und stellten zweifelsohne eine Grundlage für weitere Studien dar. An der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert erfuhr das Interesse an der Industriearchäologie in Salzburg wiederum einen kurzfristigen Rückgang. Dies hatte nicht zuletzt auch zur Folge, dass sich in der breiten Bevölkerung lediglich ein eingeschränktes Verständnis in Bezug auf die Erhaltung alter Wirtschaftsstrukturen entwickelte. Einen neuerlichen Aufschwung erlebte die industriearchäologische Forschung in den 2010er Jahren, wobei ins Detail gehende Monografien zu städtischen und ländlichen Baudenkmälern der Wirtschaft und Technik veröffentlicht wurden. Die geschichtswissenschaftliche Zeitschriftenlandschaft Österreichs widmet sich insbesondere mit den ,Blättern für Technikgeschichte' der industriearchäologischen Thematik. Die Zeitschrift wird von der technischen Universität Wien herausgegeben, wobei im Jahre 2001 mit dem 63. Band ein eigenes Sonderheft zur Industriearchäologie in Österreich zur Veröffentlichung gelangte. Auch die das gesamte Spektrum der Geschichtswissenschaften überspannende Zeitschrift ,Historicum' publizierte 1997 ein entsprechendes Sonderheft, welches seinen Fokus auf verschiedene Aspekte der industriearchäologischen Forschung lenkte. Besonders bemerkenswert ist hier vor allem der von Peter Swittalek gestaltete Leitartikel mit dem Titel ,Erhaltung von Industriedenkmälern', in welchem die verschiedenen Bedeutungsebenen der historisch-wirtschaftlichen Bausubstanz diskutiert werden. Die zukünftige Entwicklung der industriearchäologischen Forschung in Österreich lässt sich heute nur schwer prognostizieren, da die Universitäten bereits seit etlichen Jahren einem Prozess der Umorganisation und neuen Schwerpunktbildung unterworfen sind. Es darf jedoch an dieser Stelle angemerkt werden, dass die Disziplin ihren Höhepunkt mit Sicherheit bereits überschritten hat und in den kommenden Jahren wahrscheinlich eher eine marginale Rolle spielen wird. Eine der zukünftigen Aufgaben der Industriearchäologie könnte darin bestehen, noch stärker mit Denkmalschutz und Landschaftsplanung zu kooperieren und an der Erstellung von Konzepten zur Revitalisierung alter Baustrukturen mitzuwirken. Gerade in Zeiten der Knappheit von Wohnraum könnte die umfangreiche Nutzung von aufgelassenen Industriearealen einen Teil der Lösung darstellen
iMag. mult. Dr.Robert Sturm, Jahrgang 1971, studierte Naturwissenschaften, Physik und Geschichte an der Universität Salzburg. Durch seine langjährige Arbeit an der Universität konnte er sich eine umfassende Expertise auf den Gebieten der Sozialgeschichte und Industriearchäologie aneignen. Dabei konnte er auch einen detaillierten Einblick in die Industriegeschichte Österreichs und insbesondere des Bundeslandes Salzburg gewinnen, welche im vorliegenden Buch ihre umfassende Reflexion erfährt.
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