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  • Professionelle Identitäten in der Sozialen Arbeit erfolgreich konstruieren. Eine vergleichende Studie zu empirischen Befunden und gelingenden Konstruktionsprinzipien

Gesellschaft / Kultur


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Produktart: Buch
Verlag:
disserta Verlag
Imprint der Bedey & Thoms Media GmbH
Hermannstal 119 k, D-22119 Hamburg
E-Mail: info@diplomica.de
Erscheinungsdatum: 08.2024
AuflagenNr.: 1
Seiten: 144
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die Konstruktion professioneller Identitäten ist in der Profession Soziale Arbeit seit Jahren ein vieldiskutiertes Thema. Thomas Harmsen vergleicht in der vorliegenden qualitativen Studie Erkenntnisse und Konstruktionsprinzipien seiner Forschungsarbeit aus dem Jahre 2004 mit Daten aus den Jahren 2020-2023. Er weist nach, dass es langfristig überdauernde Konstruktionsprinzipien für die Generierung professioneller Identitäten in der Sozialen Arbeit gibt: Subjektivität, Handlungsorientierung, Reflexivität, Kognitivität und Werteorientierung.

Leseprobe

Textprobe: 3 Neuere empirische Befunde In jüngster Zeit sind einige relevante qualitative Studien zur professionellen Identität in der Sozialen Arbeit erschienen, deren zentralen Erkenntnisse im Folgenden kurz dargestellt werden sollen. Es handelt sich dabei um die sozialpädagogisch angelegte Dissertation zur professionellen Identität in der Sozialen Arbeit von Tobias Ruttert (2021), die Studie von Thomas Miller et al. (2021) zur Konstruktion professioneller Identität in einem berufsbegleitenden Studiengang Sozialer Arbeit, die Dissertation von Monique Brunner (2021) zur Konstruktion professioneller Identität von Schulsozialarbeitenden in der interprofessionellen Kooperation aus einer Geschlechterperspektive sowie die Dissertation von Regina Abeld zur professionellen Beziehungsgestaltung aus Sicht von Klient:innen (2017). Tobias Ruttert wertet in seiner Studie 13 Interviews inhaltsanalytisch aus. Die Interviewpartner:innen stammen aus Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe: Sozialpädagogische Familienhilfe, Erziehungsberatung und Jugendamt/Allgemeiner Sozialer Dienst. Inhaltlich beziehen sich die Fragen auf die Komplexe Studium , Profession und professionelles Handeln sowie Fachlichkeit/Zufriedenheit . Deren Ergebnisse sind in acht Kategorien - teilweise mit Subkategorien - gegliedert: Berufsbiographie Studium Professionsverständnis Können Wissen Berufliche Tätigkeit Berufliche Zufriedenheit Optimierungswünsche Er attestiert im Fazit seiner Studie Sozialarbeiter:innen eine gekonnte Beruflichkeit (2021, S. 326) als wesentliches Kriterium professioneller Identität. Er entwickelt ein Dreieck des Könnens (2021, S. 326) das aus den Elementen Haltung , Fallverstehen und Beziehungsarbeit besteht: In diesem Zusammenhang nimmt mit Blick auf die Arbeitsweise der Professionellen insbesondere die professionelle Beziehungsgestaltung einen zentralen Stellenwert ein (2021, S. 326). Der professionelle Alltag ist geprägt durch ein permanentes Spannungsverhältnis von Person und Rolle, von Nähe und Distanz: Um diese alltäglichen, beruflichen Herausforderungen adäquat bewältigen zu können, existiert auf Seiten der Fachkräfte die professionsinhärente Überzeugung, dass reflexive Unterstützungsangebote in Form von Teamarbeit, kollegialer Fallberatung, Intervision und Supervision absolut essentiell sind (2021, S. 326). Die Bedeutung sozialpädagogischen Wissens für den Identitätsbildungsprozess wird in der Studie als gering eingeschätzt: Während die Professionellen durchaus zu Recht darauf verweisen, dass diese Thematik letztendlich handlungsfeldspezifisch zu erörtern sei, dominiert in der Gesamtheit der Antworten das Wissen um Handlungsmethoden und Techniken sowie juristisches und psychologisches Fachwissen. Klassische (sozialpädagogische) Wissensbestände wie Theorien der Sozialen Arbeit oder Theorien zur sozialen Ungleichheit werden nicht genannt (2021, S. 326). In der beruflichen Praxis werden statt der systematische Relationierung von unterschiedlichen Wissensformen vorzugsweise arbeitsfeld- oder methodenspezifische Weiterbildungen besucht, um eine gekonnte Beruflichkeit zu gewährleisten: Dass sich die Fachkräfte das vermeintlich notwendige Wissen jedoch überwiegend in Form von Weiterbildungen aneignen, könnte als Indiz dafür gedeutet werden, dass die akademische Ausbildung überwiegend Wissensbestände vermittelt, die in der späteren, beruflichen Tätigkeit keine Anschlussfähigkeit besitzen und daher keine (gewinnbringende) Relationierung ermöglichen (2021, S. 326). Insgesamt sieht Tobias Ruttert in seinen Befunden durchaus Anknüpfungspunkte zu verschiedenen Professionstheorien, namentlich zum Konstrukt des Arbeitsbündnisses bei Ulrich Oevermann, den Paradoxien Fritz Schützes sowie der demokratischen Rationalität im Sinne Bernd Dewes und Hans-Uwe Ottos (vgl. Ruttert 2021, S. 327 ff). Abschließend tritt er vehement der These von der fehlenden Identität sozialpädagogischer Fachkräfte entgegen, auch wenn er auf noch vorhandene Lücken in der Forschung hinweist. Thomas Miller, Regina Roland, Victoria Vonau und Patricia Pfeil befassen sich mit der Entstehung professioneller Identität in einem berufsbegleitenden Studiengang Sozialer Arbeit. Es handelt sich um eine qualitative Längsschnittstudie mit drei Befragungszeitpunkten während des Studiums in den Jahren 2015, 2016/17 und 2018. Interviewt wurden 13 Studierende, so dass insgesamt 39 Interviews durchgeführt wurden. Die Autor:innengruppe kann in ihrer Untersuchung nachweisen, dass ein berufsbegleitendes Studium in der Lage ist, professionelle Identität zu konstituieren. Die Autor:innen beschreiben ein Modell der Entwicklung professioneller Identität, das auf einer dreifachen Offenheit beruht: Insbesondere Selbstwirksamkeitserfahrungen, hauptsächlich in Verbindung mit einer Offenheit der Studierenden, der Hochschule und des Praxisumfeldes der studierenden Praktiker*innen stellen sich dabei als förderlich heraus (Miller et al. 2021, S. 171). Studierende bringen biografische Vorerfahrungen mit, die … ein bereits existierendes Identitätskonstrukt in Form einer Haltung konstituieren und den Studienverlauf, und so die Entwicklung einer professionellen Identität, dominieren (2021, S. 172). Als nicht unproblematisch gestaltet sich die Trennung der Lernorte Praxis und Hochschule im berufsbegleitenden Studium. Im Idealfall bieten Praxisprojekte ohne Zwangscharakter eine Möglichkeit, Theorie und Praxis reflexiv miteinander zu verknüpfen: Sowohl die Offenheit der Studierenden für Reflexionsprozess als auch die Offenheit der Vorgesetzten und Kolleg*innen in der Praxis gegenüber diesen Prozessen zeigten sich als sehr identitätsrelevante Aspekte (2021, S. 173). Im Sinne alltäglicher Identitätsarbeit sind die Konstruktionsprinzipien Handlungsorientierung und Reflexion bedeutsam für die Entwicklung professioneller Identität in einem berufsbegleitenden Studium. Studierende haben drei Konstruktionsmodi entwickelt, nach denen sie Professionalität entwickeln: Modifikation, Rekonstruktion und Dekonstruktion (2021, S. 174). Im Zusammenspiel mit den Konstruktionsprinzipien von Thomas Harmsen (2004) sind sie Indikator für gelingende professionelle Identitätskonstruktionen im berufsbegleitenden Studium: Die Hinweise im Datenmaterial auf subjektive, handlungsorientierte, reflexive und flexible Konstruktionsleistungen, deren Bedeutungen sich für die Modi unterschiedlich konstituieren, legen den Schluss nahe, dass sich Entwicklungen professioneller Identität im Studienverlauf vollzogen haben (2021, S. 174). Die Erfahrung der Selbstwirksamkeit in Studium und Praxis wirkt ebenso förderlich wie der Wunsch, einen formalen akademischen Abschluss zu erwerben. Voraussetzung für Selbstwirksamkeitserfahrungen sind die strukturelle Offenheit von Hochschule und Praxis, sich auf neue Erfahrungen im Kontext professioneller Identitätsentwicklung einzulassen. Monique Brunner belegt in ihrer Dissertation für den Bereich der Schulsozialarbeit im Kanton Bern die Existenz der vier Konstruktionsprinzipien professioneller Identität nach Thomas Harmsen (2004). Sie kommt zu dem Ergebnis, dass zusätzlich zwei weitere Konstruktionsprinzipien nachweisbar sind: Die Analyse der Ergebnisse zeigen, dass die professionelle Identität in der Schulsozialarbeit eine subjektive, handlungsorientierte, reflexive, flexible, interaktive und geschlechterspezifische Konstruktionsleistung ist (2021, S. IV). Die Dissertation von Regina Abeld (2017) befasst sich mit der Gestaltung professioneller Beziehungen in der Sozialen Arbeit aus der Sicht von Klient:innen in gemeindepsychiatrischen Einrichtungen. Ihre qualitative Studie umfasst neun halbstrukturierte Einzelinterviews sowie drei Gruppeninterviews mit dem gleichen Personenkreis. In einem eigenen Kapitel stellt sie metatheoretische und gegenstandsbezogene Überlegungen zu Identität und Habitus an (2017, S. 145 ff). Dabei rekurriert sie auf unterschiedliche identitätstheoretische und sozialarbeitswissenschaftliche Theoriestränge. Sie unterscheidet Ich-Identität und Wir-Identität, und bezieht sich auf ein postmodernes Identitätsverständnis: Die Entwicklung von Professionalität spielt sich sowohl auf der kollektiven als auch auf der individuellen Bühne ab, es gilt demgemäß eine persönliche und soziale Identität als SozialarbeiterIn zu entwickeln (2017, S. 180). Auf dem Hintergrund ihrer unterschiedlichen Theoriezugänge und ihrer empirischen Befunde entwickelt Regine Abeld das Modell einer Integralen Professionellen Beziehungsgestaltung (2017, S.237 ff). Eine gelingende professionelle Beziehungsgestaltung verortet sie an einem dritten Ort oder als dritte Subjektivität (2017, S.256). Hilfreich für professionelles Handeln sind für die Autorin eine postmoderne Differenzakzeptanz, eine phänomenologische Grundhaltung, ein diagnostisches Fallverstehen sowie eine Antizipationskompetenz, die situativ, persönlich und handlungsflexibel gestaltet ist (vgl. 2017, S. 258-260). Professionstheoretisch anschlussfähig sind die empirischen Befunde in erster Linie an den Ansatz von Silke Gahleitner. Jenseits empirischer Daten ergeben sich vielfältige Bezüge zu Heiko Kleves These von der Identitätslosigkeit als eigentlicher Identität der Sozialen Arbeit (2000).

Über den Autor

Thomas Harmsen wurde 1961 in Rheine/Westfalen geboren. Über ehrenamtliche und zivilgesellschaftliche Aktivitäten kam er zur Sozialen Arbeit und studierte diese von 1983-1987 in Münster. Danach war er 21 Jahre in unterschiedlichen Arbeitsfeldern und Funktionen mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe tätig. Berufsbegleitend studierte er Sozialwissenschaften, Erziehungswissenschaft, Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaften. Abschluss als Magister Artium (1997) sowie Promotion in Sozialpädagogik an der Universität Münster 2004 mit summa cum laude . Zusatzausbildungen in unterschiedlichen Beratungsformaten: Formen der Psychotherapie (1990), Systemische Familienberatung (1994), Supervisor (1998) sowie Qualitätsentwickler (2003). Coach im Landesprojekt Familienzentren NRW seit 2006. Gutachter für Akkreditierungsagenturen. Seit 2008 Professor für Sozialarbeitswissenschaft an der Ostfalia Wolfenbüttel. Lehraufträge u.a. in der Schweiz und den Niederlanden.

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