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Gesellschaft / Kultur


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Produktart: Buch
Verlag: disserta Verlag
Erscheinungsdatum: 09.2016
AuflagenNr.: 1
Seiten: 356
Abb.: 20
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Nach skizzenhafter, historischer Darstellung einzelner pädagogischer Theorierichtungen bis hin zu systemisch-konstruktivistischen, erziehungswissenschaftlich-pädagogischen Theorieansätzen - von Piaget bis hin zu Luhmann und Kersten Reich - erfolgen die Darstellungen der zentralen termini technici der Systemtheorie (unter Einbeziehung der Differenzentheorie George Spencer Browns, die für Luhmann essenziell ist) und der Sprachspieltheorie. Auf der Grundlage dieser Begriffssonden der beiden Theorierichtungen versucht der Autor eine Synopse zwischen der Systemtheorie Luhmanns und der Sprachspieltheorie Wittgensteins zu skizzieren, indem er zentrale Überlegungen zur Integration der Sprachspieltheorie in die Systemtheorie und die Bezüge auf Sozialisation, Erziehung und Unterricht als spezifisches sozialisatorisches Interaktionssystem präsentiert. Ausgangsintention dieses Synopse-Versuches ist der oftmals geäußerte Kritikpunkt an der Systemtheorie, insbesondere an deren problematischer Verortung der Sprache, die von Luhmann nicht als eigenes System angesehen wird. Demgegenüber plädiert der Verfasser, zur Überwindung dieses systemtheoretischen Dilemmas , die Sprache (Wittgenstein versteht darunter die Vielzahl von Sprachspielen) als eigene sozialsystemische Kategorie aufzufassen und Sozialisation, Erziehung und Unterricht als sprachbasierte Interaktionssysteme selbstreferentiell zu beobachten und daraus entsprechende Konsequenzen für die Unterrichts- und Erziehungspraxis zu ziehen.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel, 15: Sprache und Sprachspiele beim frühen und späten Wittgenstein: Bevor Wittgenstein sich der Alltagssprache zuwandte, hat er im Tractatus noch die Ansicht vertreten, Sprache habe eine festumrissene Korrelation zu Gegenständen in der Welt, die sich logisch klar darstellen ließe. Die Welt und die Sätze, über die wir über die Welt sprechen, haben, so schien es Wittgenstein zumindest in dieser Phase seines Philosophierens, eine identische Struktur.) Die Welt sei in Sprache ausdrückbar, die Welt ist, was die Sprache ist. Oder wie Wittgenstein es im Tractatus formuliert: 3.203 Der Name bedeutet den Gegenstand. Der Gegenstand ist eine Bedeutung .. ) Oder an anderer Stelle: 4.021 der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit: Denn ich kenne die von ihm dargestellte Sachlage, wenn ich den Satz verstehe. Und den Satz verstehe ich, ohne dass mir sein Sinn erklärt wurde. 4.022 Der Satz zeigt seinen Sinn. Der Satz zeigt, wie es sich verhält, wenn er wahr ist. Und er sagt, dass es sich so verhält .). Die Struktur der Sätze entspricht der Zusammensetzung der Welt, ja sie bildet gleichsam die Struktur zwischen Gegenstände ab, die die Welt bilden. In den zitierten Sätzen des Tractatus lassen sich unschwer Querverbindungen hin zur Namentheorie der Bedeutung erkennen, in der angenommen wurde, dass Namen für bestimmte Gegenstände stehen. Ganz ähnliche Gedankengänge lassen sich auch schon bei Locke ausmachen. Für Wittgenstein war in dieser Phase seiner Philosophie noch klar, dass … der Sprecher ….den Satz wirklich mit der Realität vergleichen (müsse/ Einf.d.d.Autor) ,)um einen Bezugsnetz zwischen Sprache und Wirklichkeit herstellen zu können, wie Merill und Jaakko Hintikka berechtigt feststellen. Diese Sichtweise von Sprache – sie findet sich bei den allermeisten Sprachphilosophen – hat Josef Mitterer als Dualisierende Redeweise beschrieben, …,weil dadurch gekennzeichnet ist, dass sie die Idee eines von der Sprache ver- und unterschiedenen Objekts hervorgebracht hat . )Diese Dualisierende Redeweise akzeptiert die Ansicht, …dass es einen Unterschied gibt zwischen der Welt und unserem Wissen von der Welt, einen Unterschied zwischen den Objekten und dem, was wir über sie sagen und aussagen einen Unterschied damit auch zwischen den Zeichen und den Gegenständen, die von ihnen bezeichnet werden… .). Man muss gleichsam den Satz auf die Wirklichkeit auflegen können und umgekehrt. Das gegenseitige Aufeinanderverweisen von Gegenstand und Wort bleibt für die meisten Sprach-philosophen durchgehend bestimmend. Auch für Wittgenstein in den Philosophischen Bemerkungen , die sich noch stark am Sprachbegriff des Tractatus orientieren. Dortselbst findet sich noch eine ähnliche Beschreibung der Verknüpfung zwischen Sprache und Welt wie im Tractatus, wie Hintikka M.B und Hintikka J. bemerken: Einer Frage entspricht immer eine Methode des Findens. Man kann ein Bild nicht mit der Wirklichkeit vergleichen, wenn man es nicht als Maßstab an sie anlegen kann .) Diese messende Verifikation, dieses Vergleichen der Sprache mit der Welt, dieses Auflegen des Satzes auf die Wirklichkeit ist in dieser Phase seines Philosophierens nicht bloß ein Problem in Bezug auf Sprache, sondern d a s Problem der Semantik von Sprache.). Erst die Verifikation – verstanden als Funktionieren des Auflegens des Satzes an die Realität - ist für Wittgenstein letztlich der Sinn (Bedeutung) des Satzes.)Die unmittelbare Vergleichbarkeit der Sprache mit der Wirklichkeit hat in dieser Phase seiner philosophischen Bemühungen folgende Problematiken deutlich gemacht: Die anfänglich vertretene Position der unmittelbaren Vergleichbarkeit von Sprache und Welt hat Wittgen-stein noch die These aufrecht erhalten lassen ,dass die Sprache selbst eine physikalistische Entität sein muss, um überhaupt mit den physikalistischen Gegenständen der Welt verglichen werden zu können,)um diese beschreiben zu können.). Trotz der physikalistischen Sicht von Sprache bleibt immer noch die Frage offen, wie eine physikalistische Sprache nichtphysikalische Phänomene beschreiben kann. Sehr bald wird Wittgenstein jedoch klar, dass die Verschwommenheit, die Ungenauigkeit der Alltagssprache und die Verschwommenheit ihrer Phänomenbeschreibungen die eigent-liche Schwierigkeit darstellen, das Phänomen Sprache umfassend zu umschreiben. Oder als Frage gestellt: Kann man die Verschwommenheit des Phänomens in eine Ungenauigkeit der Zeichnung übersetzen? ). Was passiert mit Dingen, die nicht der physikalistischen Welt angehören, sind diese mit einer physikalistischen Sprache beschreibbar (wie z.B. Gott, seelische Vorgänge, Vorstellungen, innere Vorgänge überhaupt, usw.)?Oder nochmals anders formuliert: Können Sätze einer Sprache auch dann Sinn haben, wenn sie nicht so auf eine Wirklichkeit verweisen, wie Wittgenstein dies im Tractatus beschrieben hat? ). Wittgensteins spätere Gedanken als Ergebnis solcher Fragen gingen in die Richtung, eine völlig neue Version der Verifikation zu entwickeln. Statt die Position des Tractatus zu vertreten und einen Satz nur mit der Wirklichkeit zu vergleichen, um diesem Sinn / Bedeutung (Wittgenstein verwendet diese beiden Begriffe quasi synonym) ) ) zu verleihen. In der Zeit nach dem Tractatus und insbesondere später noch vielmehr in den Philosophische(n) Untersuchungen macht Wittgenstein klar, das …ein Satz nur mit einem Satz verglichen werden…(kann/Einf.d.d.Autor), weshalb,…ein Konfrontieren der Aussage mit der Wirklichkeit ) nicht mehr als Auflegen des Satzes an den Gegenstand verstanden werden kann. Wittgenstein korrigiert daher nach und nach diese erste physikalistische Sichtweise von Sprache und behauptet nunmehr: Die Verifikation eines Satzes ist ja wieder nur durch eine Beschreibung gegeben .) Eine Beschreibung erfolgt bekanntlich wiederum in Satzform. Ein solches Sinnkriterium würde dann folgerichtig in etwa so funktionieren: Wir haben zwei Sätze. Der zweite Satz beschreibt die Verifikation des ersten Satzes. Was tue ich also? Ich stelle einfach als Regel der Grammatik auf, dass der erste Satz aus dem zweiten folgen soll. Ich spreche also gar nicht vom Sinn und was der Sinn ist, sondern ich bleib ganz innerhalb der Grammatik . )Den Begriff der Grammatik, den Wittgenstein hier vertritt, ist in einem sehr weitläufigen Sinn zu verstehen. Grammatik bezeichnet hier eher die Regelmäßigkeiten, die im Gebrauch von sprachlichen Ausdrücken zu finden sind, oder anders formuliert: Grammatik wird verstanden als das Auffinden der Regeln des Gebrauchs von Sprache.) Interessant dabei ist in dieser Textstelle vor allem die Annahme Wittgensteins, dass dieses Verifizieren nunmehr voll-ständig innerhalb der Sprache bleibt, indem sich Sätze auf Sätze beziehen. )Diese neue Version der Vorstellung der Verifikation führt Wittgenstein in den Philosophische(n) Untersuchungen ganz radikal durch. Das hat natürlich, so lautet die konsequente Schlussfolgerung Georg Römpp’s, spezifische Auswirkungen: Wenn jede Verifikation immer nur auf neue Sätze führt, so kann das Sinnkriterium für denk- und sagbare Sätze und damit für die sinnvolle Sprache nicht mehr in einer Beziehung der Sprache auf die Wirklichkeit gesucht werden. Sinn gewinnt die Sprache dann nur durch Beziehungen innerhalb der Sprache, und nur anhand solcher Beziehungen kann entscheiden werden, ob ein Satz denk- und sagbar ist (Hervorh.d.d.Autor) .). Wittgenstein selbst formuliert dieses Sinnkriterium im Zusammenhang mit dem Verständnis von Verifikation deutlich in einer Passage der Philosophische(n) Untersuchungen: Die Frage nach der Art und Möglichkeit der Verifikation eines Satzes ist nur eine besondere Form der Frage ‚Wie meinst du das?‘. Die Antwort ist ein Beitrag zur Grammatik des Satzes .) Auf die Frage Wie meinst du das? gibt man in der Regel wiederum Sätze zur Antwort, die das zuerst Gesagte so zum Ausdruck bringen, dass der Fragende es besser verstehen kann. Die Bedeutung eines Satzes kann man aber nicht so erklären, dass man – wie im Tractatus praktiziert – auf die Wirklichkeit selbst verweist.)Sätze einer Sprache müssen demnach nicht auf eine Wirklichkeit verweisen, um Sinn/ Bedeutung zu erhalten, sie müssen nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Wittgenstein selbst hat in dieser Phase seines Wirkens - dies versucht Georg Römpp nachzuweisen - die Auffassung als Irrglauben bezeichnet, dass Sprache die Natur selbst, die Welt spiegeln könne, dass die Natur in der Sprache wiedergegeben ist.). Dieser Sinneswandel Wittgensteins wird nicht etwa – wie man vorschnell meinen könnte – dadurch verursacht, dass er seine Aufmerksamkeit von der Relationierung zwischen Sprache und Welt abwendet, sondern dadurch, dass ihm diese Beziehung in veränderter Form bewusst geworden ist.). Der spätere Wittgenstein hat sich – in deutlicher theoretischen Gegenpositionierung zum Tractatus - zunehmend tiefer mit dem Funktionieren von Sprache auseinandergesetzt und dem Aspekt, wie wir Sprache gebrauchen und wie wir mit Sprache handeln ) und kam schließlich auf diese Art und Weise zum zentralen Begriff der Sprachspiele als Angel- und Drehpunkt des Funktionierens von Sprache, den er bereits in seiner mittleren Schaffensphase ) zu entwickeln begann und schließlich in den Philosophischen Untersuchungen durchgängig verwendet.). Wir wollen im folgenden Teil des Textes auf die Thematik der Sprache, der primitiven Sprachanwendungsbeispiele und deren Charakteristika näher Bezug nehmen.

Über den Autor

Otmar Lesitschnig, geboren 1954 in Korb/Völkermarkt, absolvierte die Studiengänge Philosophie / Mathematik (Mag.phil.), Theologische Philosophie (Mag.phil.fac.theol.), Psychologie / Statistik (BSc.), Pädagogik (Mag.phil.), Soziologie (BA), Theologie (Mag.theol.), Sozialwissenschaften / Humanbiologie (Mag.rer.soc.oec.), Religionspädagogik (Bakk-theol.), Lehramt für Grundschule (BEd.) und Rechtswissenschaften (Mag.iur.). Zudem promovierte er in Pädagogischer Soziologie (Dr.phil./2016/summa cum laude), Rechtswissenschaften (Dr.iur./2000/summa cum laude), Philosophie / Logik (Dr.phil./1996) und Philosophischer Theologie (Dr.phil.fac.theol./2003). Er studierte in Klagenfurt, Salzburg, Wien, Graz und Innsbruck.

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