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Sozialwissenschaften


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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 09.2012
AuflagenNr.: 1
Seiten: 68
Abb.: 6
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Im Allgemeinen kann die Energiepolitik mit ihrer Stimme dem Wirtschaftswachstum und der Wettbewerbsfähigkeit eines Landes eine bedeutende Rolle verleihen. Als Politikfeld befasst sie sich mit Fragen der Energieversorgung, Energieeffizienz und der Problematik der Erneuerbaren Energien. Dabei können die Klimaverträglichkeit und die Belastbarkeit der Haushalte wichtige Einflussfaktoren für den Erfolg der jeweiligen energiepolitischen Maßnahmen sein. Neben dem Konzept der Energiepolitik und der Versorgungssicherheit der EU werden in dieser Abhandlung das Verhältnis zwischen Deutschland, der EU und Gazprom untersucht. Es wird hierbei die These vertreten, dass der russische Erdgaskonzern durch seine Aktivitäten und seine Preispolitik die Idee einer immediaten gemeinsamen europäischen Energiestrategie antrieb und die deutsche und europäische Energiepolitik beeinflusst hat. Dementsprechend werden Aspekte der Mitwirkung der russischen Politik auf die strategischen Entscheidungsinstanzen des Unternehmens bei Schlüsselsituationen verdeutlicht. Gleichwohl stellt diese Studie eine Analyse der Energiesituation Europas dar und veranschaulicht die chronologische Entwicklung der europäischen Energiepolitik seit der Gründung von EGKS und EURATOM.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 4, Gazprom im Wandel. Vom zentralen Wirtschaftssystem bis zur Globalisierung: Gazprom ist ein transnational agierendes Unternehmen mit Beteiligungen an allen Wirtschaftsektoren. Der Konzern weist wegen der unzähligen Verzweigungen in Töchtergesellschaften eine unübersichtliche und komplexe Unternehmensstruktur auf. Ihr Hauptgeschäftsbereich besteht jedoch in der Gas- und Ölförderung. Gazprom ist mit rund 400.000 Mitarbeitern ein treibender Motor für den Arbeitsmarkt Russlands und ein Schlüsselfaktor für das Wirtschaftswachstum im Inland. Ein Viertel der jährlichen Gesamtsteuereinnahmen des Landes stammen aus seiner Aktivität. Dem Unternehmen gehört das gesamte inländische Erdgasnetz mit einer Ausdehnung von 438.000 Km, wodurch es 90% der nationalen Erdgasversorgung deckt. Zusätzlich überwacht sie weitere 160.000 Km von internationalen Fernleitungen und verfügt als staatlich dominierte Aktiengesellschaft über das ausschließliche Ausfuhrrecht des russischen Erdgases. Der Konzern ist der größte Gasproduzent der Welt und nimmt unter den umsatzstärksten Unternehmen auf internationaler Ebene Rang 15 ein. Am globalen Erdgasmarkt verzeichnet es eine Teilnahme von 17%. Heute trägt Gazprom die Unternehmensform einer Aktiengesellschaft. Wie nirgendwo sonst verkörpert es eine Konfliktarena der Interessenverflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft. Man findet selten ein Unternehmen vor, dessen Interessen auf höchster Sphäre so vertreten sind und dessen politischen Verbindungen zwangsläufig zum Verhängnis für das Unternehmensimage werden können wie am Beispiel von Gazprom. Der russische Staat hält beim Konzern einen Aktienanteil von 51%. Aus diesem Grunde stellt sie als halb private und halb staatliche Gesellschaft einen Sonderfall dar, der einer genauen Analyse bedarf. Wie gelang es einer Firma wie Gazprom so mächtig zu werden? Wer sind die einflussreichen Akteure, die das Unternehmen während der Firmengeschichte geprägt und zum Erfolg gebracht haben? Wie ist das Verhältnis zwischen dem Konzern und der Regierung? Welchen Bezug hat das Unternehmen zum europäischen Markt? Auf die Fragen wird chronologisch im darauffolgenden Teil des Kapitels eingegangen. 4.1, Gemäß den Vorschriften - Erdgasversorgung in der Sowjetunion: Zu Beginn der 1970er Jahre wurden die ersten Erschließungen von Erdgasfeldern auf russischem Boden datiert. Zu jener Zeit litt Europa unter dem Erdölembargo seitens der OPEC-Länder. Dank der wachsenden ausländischen Nachfrage der westlichen Länder gewann die Erdgasindustrie an Bedeutung und wurde eine der tragenden Säulen der sowjetischen Wirtschaft. 1985 wurde die erste Pipeline in Richtung Europa errichtet. Die Sowjetunion war jedoch auf ein System der Planwirtschaft aufgebaut, bei dem jeder Mitgliedsstaat der Union seinen Beitrag je nach Produktionsgröße leistete. Die Allokation der Energieressourcen auf die Teilstaaten und die Überwachung der Erdgasinfrastruktur fand zentralistisch statt. Jede Entscheidung des Ministeriums für Gasindustrie in Moskau hatte direkte Wirkung auf die Energieversorgung der Teilrepubliken. Um einen Kollaps der wirtschaftlich schwächeren Länder zu vermeiden, die Unzufriedenheit von Seiten der Bevölkerung zu unterbinden und politische Unterstützung zu erzeugen, fungierte der Energiebereich als ein Medium der staatlichen Subvention. Die Staatsmacht diktierte die Regeln der Energiewirtschaft und insbesondere die der Erdgasverteilung. Als Folge war die Energieversorgung der Satellitenstaaten unbegrenzt und deutlich preisgünstiger. Diese Form der Versorgung in einer solch geschlossenen Volkswirtschaft lief weiter, bis der gesamten Wirtschaft das vollständige Erliegen drohte. Diese Strategie erwies sich wegen der Unwirtschaftlichkeit und der rückständigen Produktionstechnik für den amortisierten Energiesektor und später für das gesamt gelähmte Wirtschaftssystem als sehr destruktiv. Im Hinblick auf die Erdgasversorgung erkannte der damalige Regierungsleiter Gorbatschow die gefährlichen Folgen eines möglichen Zerfalls der Sowjetunion und befahl im Jahr 1989 die Auflösung des Ministeriums für Gasindustrie der UDSSR und die Schaffung eines staatlichen Erdgaskonzerns mit dem Namen Gazprom. Zum Vorsitzenden des Konzerns wurde der frühere Energieminister Wiktor Tschernomyrdin ernannt. Eine Position bei einem staatlichen Unternehmen von herausragender Bedeutung während des Neuaufbaus galt als das Ticket für eine spätere erfolgsversprechende Karriere in der Politik. 4.2, Auflösung der Sowjetunion und die wirtschaftlichen Folgen für Gazprom: Das Ende des Jahres 1991 verzeichnete die Auflösung der Sowjetunion. Der Niedergang der Sowjetischen Union ging mit ökonomischen Turbulenzen einher und führte zu einem Kollaps der inländischen Erdgasproduktion und -kaufkraft. Pro Jahr förderte Gazprom bis zu dieser Zeit rund 800.000 Mrd. Kubikmeter Erdgas. Infolge des Zerfalls der Union musste das Unternehmen den Verlust von einem Drittel seiner Reserven und mehr als einem Viertel der gesamten Produktionskapazität einbüßen. Wichtige Transportrouten waren nicht mehr in seinem Besitz. Der Konzern kam dennoch allen bestehenden Vertragsverpflichtungen sowohl gegenüber inländischen als auch ausländischen Kunden nach. Ungeachtet dessen stellte sich die Energieintensität beim großen unkontrollierten Erdgasverbrauch im Inland als großes Problem für das Unternehmen dar. Fehlende Gas-Zähler an Gebäuden machten die Erdgasversorgung im Inland ineffizient. Die Verluste aus dem Inlandsgeschäft konnte jedoch durch die steigenden Auslandsexporte kompensiert werden. Mit der Gründung des staatlichen Unternehmens behielt Gazprom etliche hierarchische Strukturen des Ministeriums und übernahm dabei die wirtschaftlichen Risiken einer früheren, auf Planwirtschaft basierten Institution. Im Unterschied zu anderen staatlichen Firmen erfreute es sich einer gewissen Freiheit in der Personalpolitik und hatte zudem den Vorteil, sich nahe der Informationsquelle des Erdgassektors zu befinden. Die Mehrheit der Personalführung im früheren Ministerium war in das strategische Management des Unternehmens überführt worden. Zur Erfüllung ihrer Produktionsziele wurde der Firma überdies vollständige Beaufsichtigung des Gassektors gewährt. Dadurch erlangte der Konzern den Sonderstatus eines Monopolisten.

Über den Autor

Bledar Milaqi, B.A, wurde 1983 in der Küstenstadt Durrës in Albanien geboren. Er studierte Politikwissenschaft, VWL und Wirtschaft- und Sozialgeschichte an der RWTH Aachen und profilierte sich im Bereich der Energie- und Umweltökonomie/-politik. Derzeit absolviert er seinen Master in Europastudien an der RWTH Aachen. Seit Jahren untersucht der Autor die steigende Bedeutung der Energieversorgungsfrage und andere Problematiken für Europa und verschiedene Schwellenländer. Andere Tätigkeits- und Interessengebiete des Autors sind politische Theorien und die Ökonomie der EU sowie die europäische Integration und EU-Lobbying.

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