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Geisteswissenschaften


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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 02.2013
AuflagenNr.: 1
Seiten: 58
Abb.: 15
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Wie groß ist der Einfluss der Anglizismen auf die französische Zeitschriftenwerbung trotz der strengen gesetzlichen Vorgaben der französischen Sprachpolitik? Einleitend wird auf die theoretischen Grundlagen der Werbesprache sowie den Begriff des Anglizismus eingegangen. Darauf aufbauend folgt ein Einblick in die französische Sprachpolitik und insbesondere die Vorstellung des Loi Toubon. Die quantitative Analyse zeigt, dass sich trotz des Sprachgesetzes Anglizismen finden lassen, überwiegend in Form von Produktnamen. Das Vorkommen und die Häufigkeit der verwendeten Anglizismen stehen in engem Zusammenhang mit der angesprochenen Zielgruppe und den beworbenen Produktbereichen des jeweiligen Magazins.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 5, Umgang mit fremdsprachlichen Einflüssen in Frankreich: Die Überfremdung des Französischen, begründet durch den angloamerikanischen Einfluss, ist schon seit dem 17. Jahrhundert auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene, Thema vieler Sprachwissenschaftler, Politiker und Philosophen. Der angloamerikanische Einfluss auf das Französische hat insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr stark zugenommen. Gleichermaßen erhöht sich die Zahl der Versuche diesem Einfluss mit immer schärferen Mitteln entgegenzuwirken. Begriffe wie franglais, franglomatie, framericain oder frenglish finden sich in beinahe jedem literarischen Werk, welches sich mit diesem Thema beschäftigt (vgl. Beinke, 1990: 2). Zweifellos hat Réné Étiemble mit seiner erstmals im Jahr 1964 erschienen 'Kampfschrift' mit dem Titel 'Parlez-vous franglais' sehr zum Anfachen der Anglizismendiskussion in Frankreich beigetragen. Um die gesamte Thematik systematisch zu widerlegen, soll der Reihe nach zuerst auf den sozio-kulturellen Hintergrund und die Einflüsse des Englischen auf das Französische eingegangen werden. Im Folgenden werden die wichtigsten Grundlagen hinsichtlich der französischen Sprachpolitik sowie der französischen Sprachpflege gegeben. Abschließend wird die wichtigste Sprachpflegeorganisation, die Académie française, sowie das zuletzt verabschiedete Sprachgesetz, das Loi Toubon, vorgestellt. 5.1, Der sozio-kulturelle Hintergrund: Die Beliebtheit der Amerikaner, ebenso wie ihre Bewunderung durch andere Nationen bewirkt bei den Franzosen ein gewisses Unwohlsein und resultiert eher in einer Abneigung gegenüber der amerikanischen Kultur. Grund dafür ist der immer größer werdende amerikanische bzw. englische Einfluss auf die französische Sprache. Ähnliches lässt sich auf die Emotionen der Franzosen gegenüber Großbritannien übertragen. Warum in Frankreich derartige Reaktionen im Hinblick auf den angloamerikanischen Einfluss ausgelöst werden, soll im hier erklärt werden. Die französische und nationale Identität definiert sich in sehr hohem Maße über die französische Sprache (Beinke, 1990: 17). Fremdsprachlicher Einfluss wird demnach als Gefahr für die persönliche und kulturelle Identität aufgefasst. Grosser bezeichnet die französische Sprache in diesem Zusammenhang als eine 'unentbehrliche Stütze der Kultur' (Grosser 1987: 307 zit. in Beinke 1989: 18). Haensch betrachtet Frankreich sogar als 'Schöpfer der westlichen Kultur', als 'Land des Geistes' und als 'Heimat von Würde, Menschlichkeit, Freiheit und Gerechtigkeit' (Haensch 1972: 48 zit. in Beinke 1989: 16f). Diesen Aussagen zufolge ergibt sich für Frankreich die Aufgabe, sein kulturelles und zivilisatorisches Erbe zu bewahren und es, so weit wie möglich, zu verbreiten. Das Französische genießt laut Beinke das Prestige einer Idealsprache, auch als langue parfaite et raisonnable bezeichnet. Begründet wird dies mit den positiven Eigenschaften der französischen Sprache, wie z.B. Klarheit, Reinheit, Genauigkeit oder Eleganz. Dank dieser Merkmale, die bis heute kritiklos übernommen wurden, genießt das Französische noch immer den Ruf einer Bildungs- und Kultursprache par excellence (vgl. Beinke, 1990: 18). Laut Beinke ist es daher selbstverständlich, dass Sprachmischung und fremdsprachlicher Einfluss aufgrund des hohen Prestiges der französischen Sprache so massiv abgelehnt werden. Für den Verlauf dieser Arbeit, ist es wichtig, die eben genannten Erkenntnisse im Hinblick auf die folgenden Erläuterungen zu berücksichtigen, um die andauernde Anglizismendiskussion in Frankreich richtig beurteilen zu können. 5.2, Einflüsse des Englischen auf das Französische: Das Französische wurde 1714 durch den Vertrag von Rastatt zur einzigen Vertragssprache ernannt und galt somit als wichtigste Sprache internationaler Konferenzen. Es wurde sogar in zahlreichen Verträgen verwendet, an denen Frankreich nicht beteiligt war (vgl. Berschin, et al., 1978: 224). Die Gründe für die Maßnahmen gegen die Entlehnungen aus dem Englischen liegen im 18. Jahrhundert. Zu diesem Zeitpunkt hatte England die politische Vor¬machtstellung erreicht. Die englische Verfassung diente zu jener Zeit den französischen Aufklärern als Vorbild und die englische Philosophie war schulbildend. Der englische Einfluss verstärkte sich im 19. Jahrhundert durch die von England ausgehende in¬dustrielle Revolution. Allerdings wurden im 19. Jahrhundert nicht nur Wörter aus dem Englischen, sondern auch aus dem Amerikanischen entlehnt. Das Anglizismen¬wörterbuch von Manfred Höfler aus dem Jahr 1982 dient diesbezüglich als Beweis (vgl. Braselmann, 1999: 5). Spätestens nach dem Ersten Weltkrieg hat das Französische weit¬gehend seine Sonderstellung verloren. Schon der Vorschlag des damaligen fran¬zösischen Außenministers Pichon, das Französische als Sprache der Friedens¬ver¬handlungen zu wählen, wurde sowohl von den Vertretern Englands, als auch von den Vertretern der USA abgelehnt. Folglich wurden die Verträge gleichermaßen auf Englisch und auf Französisch verfasst (vgl. Berschin, et al., 1978: 224ff). Seit den 20er und 30er Jahren macht sich ein immenser englischer Sprachimport, insbesondere auf den Gebieten der Industrie und des Sports in Frankreich bemerkbar. Teilweise wurden zu jener Zeit ganze Terminologien für technische Gebiete (z.B. im Bereich des Eisenbahnwesens) importiert (vgl. Schütz, 1968: 9). Auch in den Bereichen Handel, Technik, Tourismus, Verkehr und Produktion nimmt der englische Einfluss deutlich zu (vgl. Beinke, 1990: 26). Der Zweite Weltkrieg hat die Lage der französischen Sprache erheblich verändert. Die Position Frankreichs wurde vor allem durch die Entwicklung der USA und der UdSSR zu Welthegemonialmächten in Frage gestellt. Den USA kommen seit 1945 zwei wesentliche Rollen zu. Zum einen werden sie als Leitbild auf vielen Lebensgebieten betrachtet, zum anderen waren sie sprachlicher Geber bzw. Vermittler von Sacheinflüssen (vgl. Schütz, 1968: 12). Der Status des Französischen einer funktionalen Weltsprache wurde spätestens zu diesem Zeitpunkt zurückgedrängt. Schuld war das ökonomische und technische Potential der USA, welches die Vormachtstellung des Englischen begünstigt hat. Zusätzlich hat die Auflösung des fran¬zösischen Kolonialreichs zu deutlichen Terrainverlusten des Französischen außerhalb Frankreichs geführt. Laut Beinke (1990: 3) tragen diese Faktoren zur Emotionalisierung der Frage des franglais bei. Auch Thody (1995: 27) hat in seinem Werk Le Franglais - Forbidden English, Forbidden American Ähnliches geschrieben: 'It is the awareness of how much the French language has declined from its earlier predominance that makes French so sensitive to the use of English or American terms by native speakers of their language.” Dennoch bleibt abschließend zu sagen, dass die Position des Französischen im Bereich der internationalen Politik, sowie in internationalen Organisationen und Gremien relativ stabil ist. In den letzten Jahren ist, laut Beinke (1990: 27), ein erneuter Aufschwung zu erkennen, was wohl auch damit zusammenhängt, dass die UNO beispielsweise viele kleinere Staaten aus dem Bereich der Frankophonie aufgenommen hat. Französisch gehört zu einer der sechs offiziellen Sprachen der UNO und ist eine der 23 Sprachen der EU. Insgesamt steht Französisch auf Platz 5 der Rangliste der meistgesprochenen Sprachen in der Welt.

Über den Autor

Alke Heykes, B.A, wurde 1987 in Wilhelmshaven an der Nordsee geboren. Ihr Studium im Studiengang Internationale Kommunikation und Übersetzen schloss die Autorin im Jahre 2010 mit dem akademischen Grad des Bachelor of Arts erfolgreich ab. Fasziniert von Sprachen und Sprachwandelprozessen vertieft die Autorin ihr Wissen derzeit im Masterstudium Sprache und Kommunikation an der Universität Mannheim. Ein Auslandssemester in Paris gab den Anstoß für die Thematik des vorliegenden Werkes.

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