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Geisteswissenschaften

Magdalena Ruoffner

Grafeneck als Beispiel für Euthanasie im NS-Staat

ISBN: 978-3-95549-053-9

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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 01.2013
AuflagenNr.: 1
Seiten: 68
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die vorliegende Arbeit stellt die Bedeutung, den Stellenwert und die Einbettung Grafenecks in die Geschichte Deutschlands während der Zeit des Nationalsozialismus dar. Der erste Teil der Arbeit setzt sich mit der Vorgeschichte Grafenecks und dem historischen Kontext der NS-Euthanasie auseinander. Angefangen mit einer Erläuterung des Beginns der Euthanasie-Aktion im Dritten Reich werden die ersten Planungsschritte der Verantwortlichen analysiert und der Beginn der Euthanasie in Pommern und Westpreußen bis hin zur Brandenburger Probevergasung skizziert. Nach der analytischen Betrachtung der rechtlichen Grundlage der Euthanasie, Hitlers Euthanasieermächtigung vom 1. September 1939, schließt der einleitende Teil ab. Im Hauptteil der Arbeit setzt sich die Autorin mit der Tötungsanstalt Grafeneck, der zentralen Tötungsstelle Südwestdeutschlands, auseinander. Nach der Darlegung der Aktion T4 sowie des Aufbaus und der Organisation der Euthanasie im Reich folgt ein kurzer Exkurs in die Historie Grafenecks, begleitet von der Beschreibung der Umwandlung des Barockschlosses in eine NS-Tötungsanstalt. Im Weiteren werden die Täter Grafenecks, die Ärztekommission und deren Mitarbeiter aufgezeigt und näher untersucht. Nach der Beschreibung des Transports der aus Baden und Württemberg stammenden Opfer in die Tötungsanstalt Grafeneck und einer kurzen Erläuterung der Funktion der Zwischenlager für den Transport der Patienten geht die Arbeit auf den Alltag in der Tötungsanstalt Grafeneck ein und beschäftigt sich mit der Erfassung und der Auswahl der Opfer, sowie dem Aufbau und Betrieb der Tötungsanlage. Auch die Darstellung der auf dem Schlossgelände vollzogenen Morde gegenüber der der Öffentlichkeit wie auch sogenannte Fehler im System der Mord-Vertuschung werden erläuternd dargelegt. Im letzten Teil des Kernstücks dieser Arbeit werden die Reaktionen und der Widerstand seitens der Angehörigen der Opfer, der Bevölkerung und der Öffentlichkeit im Reich, aber auch die Bedenken von kirchlicher Seite und seitens der Mitarbeiter Grafenecks aufgezeigt.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 4.2., Verwaltung und nichtmedizinisches Personal: Neben der arbeitenden Ärztekommission war für den Betrieb auf Schloss Grafeneck ein weites Netz aus Verwaltung, Bürokratie, aber auch Pflege- und Hilfskräfte vonnöten. Als Rekrutierungsreservoir der nichtärztlichen Spitzen der Vernichtungsanstalt, welche ausnahmslos aus Württemberg stammten, dienten verschiedene württembergische Polizeidienststellen, wie das Stuttgarter Polizeipräsidium oder die Inspekteure der Sicherheitspolizei. Das Auswahlverfahren lässt sich nur grob skizzieren, die Mutmaßung der Forschung lautet hier, dass eine Initiative von der Berliner T4- Zentrale ausging, deren Spitzen, Dr. Vorberg und Dr. Bohne, sich zu diesem Zeitpunkt noch vor Ort in Grafeneck befanden. Während eine Einbeziehung des Stuttgarter Innenministeriums als nicht evident gilt, ist jedoch die Tatsache, dass sowohl der Reichsstatthalter, Gauleiter Wilhelm Murr, welcher seit Kriegsbeginn auch als Reichsverteidigungskommissar fungierte, als auch der württembergische Innenminister, Dr. jur. Jonathan Schmid, detailliert in die ‘Geheime Reichssache Grafeneck’ eingeweiht und einbezogen waren. Da sich die Kooperation mit den württembergischen Stellen schon bei der Auswahl des Standorts Grafeneck und dessen Beschlagnahmung bewährt hatte, lag es nahe, auch bei der Mitarbeiterauswahl auf Stuttgarter Beamte zurückzugreifen. Den Posten des nichtmedizinischen Leiters hatte Christian Wirth, ein schon 1930/ 31 in die NSDAP und 1933 in die SA eingetretener und 1939 von der SS als Obersturmführer übernommener Kriminaloberkommissar und Leiter des Kriminalkommissariats 5 im städtischen Polizeiamt Stuttgart, inne. Ende 1939 vollzog sich die Versetzung Wirths nach Grafeneck, wo Wirth, der auch schon an einer ‘Probevergasung’ in Brandenburg teilgenommen hatte, Anfang 1940 die erste Vergasung in Grafeneck leitete. Wirth, der federführend beim Aufbau der Büroabteilung in Grafeneck mitwirkte, wurde in späteren Jahren Inspekteur aller sechs Vernichtungsanstalten der T4 im Reich. Die Wahl des ersten Leiters der Büroabteilung und des Sonderstandesamts Grafeneck fiel auf Jacob Wöger, der 1933 Mitglied der NSDAP und der SS (wo er den Posten des Sturmführers zugesprochen bekam) und 1938 Leiter der Registratur in der Dienststelle des Inspekteurs der Sicherheitspolizei Stuttgart war und durch Bohne im Dezember 1939 angeworben wurde. Der Stellvertreter Wögers wurde Hermann Holzschuh, ein Beamter der Kripoleitstelle in Stuttgart, welcher auf Empfehlung Wögers im Februar 1940 angeworben wurde und in Grafeneck nach dem Ausscheiden Wögers im August 1940 dessen Stelle übernahm. In ihrer Zuständigkeit für ‘die Aktenführung, die Korrespondenz, das Standesamt, das Personalwesen und die Sicherheit’ , waren die genannten Personen ‘im wesentlichen für den gesamten Mordprozeß zuständig und dabei entweder Stellvertreter des jeweiligen Leitenden Arztes oder diesem sogar gleichgestellt.’ Doch nicht nur die leitenden Kräfte und das Personal, auch das Schreib- und Küchenpersonal wurde schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt (vornehmlich aus dem Stuttgarter Raum) rekrutiert und nach Grafeneck gebracht. Ruth B., eine in Fellbach geborene und von den Organisatoren der Aktion ‘T4’ über die NS- Frauenschaft nach Grafeneck rekrutierte Schreibkraft sagte dazu 1961 aus: ‘Also (...) meldete ich mich bei der NS- Frauenschaft und fragte nach einer Betätigung (...). Man hieß mich willkommen und da verhandelte mit mir ein Herr, den ich später in Grafeneck als Herrn Schütt kennenlernte. Er erklärte mir, dass man für eine geheime Sache jemand für Küchen- und Verpflegungsfragen brauche. Als er aber erfuhr, dass ich Schreibmaschine und Stenografie schreiben könne, meinte er, ich könne dann auch im Büro arbeiten.’ So wurde Ruth B. in die Heil- und Pflegeanstalt Grafeneck gebracht und, wie sie 1961 weiter berichtete, über das dort zum Alltag gehörende Vorgehen durch Dr. Baumhardt in Kenntnis gesetzt: ‘Er unterrichtete uns (...), daß man aus verschiedenen Heilstätten unheilbar Geisteskranke zusammenhole und hier in Grafeneck auf humane Weise töte. (...) Wir wurden darüber belehrt, dass es sich bei dieser Maßnahme um eine geheime Reichssache handelt und wir über alles, was wir erfuhren, zu schweigen hätten.’ Im November 1939 erreichte weiteres Personal das Schloss. Das Hauspersonal, welches aus Berlin rekrutiert wurde, bestand vorwiegend aus SS- Leuten, die dienstverpflichtet und nach Grafeneck abkommandiert worden waren, aus Pflegern, weiteren Schreibkräften und einem Ehepaar, welches eigens für die Grafenecker Landwirtschaft zuständig war (diese war ab November 1939 auch von der Samariterstiftung übernommen worden). Am 6. Januar 1940 erreichte ein Omnibus mit über 20 Beschäftigten, vor allem Schwestern und Pfleger, sowie weiterer Angestellter der Reichsgemeinschaft, einer Unterorganisation der T4- Behörde, die Heil- und Pflegeanstalt Grafeneck159. Nach bescheidenen Anfängen in den Monaten Oktober bis Dezember 1939, als sich zwischen ‘zehn und zwanzig Personen im Schloss aufhielten, stieg im Verlauf des Jahres 1940 die Personalstärke bis auf maximal 100 Männer und Frauen an.’

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