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Gesellschaft / Kultur


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Produktart: Buch
Verlag: disserta Verlag
Erscheinungsdatum: 09.2012
AuflagenNr.: 1
Seiten: 148
Abb.: 7
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Mit der Ausgabe vom 20./21. April 1945, just zu Adolf Hitlers Geburtstag, war in Ingolstadt die letzte Ausgabe des nationalsozialistischen Donaubote erschienen. Der Einmarsch der alliierten Soldaten beendete in Ingolstadt nicht nur die NS-Zeit, sondern auch ein Kapitel lokaler und regionaler Pressegeschichte. Nach der Kapitulation war die Region zeitungslos. Die oft zitierte Stunde Null, die einen völligen Stillstand der öffentlichen Kommunikation bezeichnet, gab es für Ingolstadt und sie entfaltete ihre volle Tragweite im Sinne eines mehrere Monate andauernden Medienvakuums. Die Alliierten, allen voran die US-Armee, hatten zwar bereits zu Kriegszeiten Konzepte für ein neues, freies Pressewesen in Deutschland entwickelt, doch deren Umsetzung war mühsam und brauchte Zeit. Dieses Buch erläutert, wie sich die Ingolstädter Zeitungslandschaft vor der Machtergreifung entwickelt hat, wie sie unter dem NS-Regime ausgedünnt wurde und schließlich der Gleichschaltung zum Opfer fiel und zeigt ausführlich, wie in Ingolstadt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit dem Donau-Kurier (DK) wieder eine Zeitung gegründet wurde. Es wird dargelegt, unter welchen Bedingungen eine neue Presse für die Region entstehen musste, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatte und wie sie sich in den Jahren 1945 bis 1949 entwickelte. Dabei wird klar, dass die Geschichte des DK nicht losgelöst von den Personen betrachtet werden kann, die Verantwortung für ihn trugen. Ebenso wird deutlich, dass die amerikanische Militärregierung, vor allem die für die Presse zuständige Information Control Divison (ICD), zur Kenntnis nehmen musste, dass die Schere zwischen ihrer Theorie der Lizenzpresse und deren Umsetzung in der Praxis mitunter weit auseinander klaffte. Der Autor schildert die Rahmenbedingungen, unter denen sich die Vertreter der Militärregierung an die Planung der neuen Zeitung für Ingolstadt machten, und beleuchtet auf Basis der erstmaligen wissenschaftlichen Aufarbeitung von Archivunterlagen die Entwicklung des DK in der Lizenzzeit. Es wird gezeigt, mit welchen konkreten Schwierigkeiten das Blatt unter Aufsicht der US-Behörden zu kämpfen hatte, wie sich Mitarbeiterzahl und Auflage entwickelten, wie die Papierkontingentierung die Entwicklung der (lokalen) Berichterstattung beeinflusste, wie die ICD die Re-education-Bemühungen der Zeitung beurteilte und welche Rolle die Lizenzträger spielten. Mit der nachträglichen Einsetzung von Ludwig E. Hansen hatte der DK neben Joseph Lackas einen zweiten Lizenzträger bekommen, der aber nur kurz im Amt war. Im Gegensatz zu Hansen, der kaum in Erscheinung trat, war Lackas von Beginn an Gesprächsthema. Fallbeispiele belegen, dass er als Reizfigur galt, im Betrieb auf heftigen Widerstand stieß, politisch in der Kritik stand, seine Position zur Verfolgung persönlicher wie familiärer Interessen nutzte und auch bei der ICD nicht unumstritten war. Beleuchtet wird auch die Rolle von Altverleger Dr. Wilhelm Reissmüller. Er stand in regem Kontakt zu Kollegen, setzte sich vehement gegen Zwangspachtverträge, die Machtposition der Lizenzträger und die Vermögenskontrolle zur Wehr. Nach langem Kampf gegen Lackas und die politische Situation gelang ihm schrittweise die Rückkehr in seinen Betrieb. Abschließend wird gezeigt, welche Situation er vorfand.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 1.2. (Teil II), Gebäude und Druckerei: Sofort nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Ingolstadt waren die Zeitungsdruckerei von Dr. Reissmüller (Schwiegersohn von Sanitätsrat Dr. Ludwig Liebl, dem einstigen Besitzer), in der zuvor der ‘Donaubote’ produziert worden war, sowie alle zugehörigen Gebäude beschlagnahmt worden. Die Begründung lautete dabei in Ingolstadt nicht anders als in vielen weiteren Städten: militärische Notwendigkeit. Betroffen von der Beschlagnahmung waren die Gebäude Am Stein 12 sowie Schrannenstraße 2 und 4. Druckerei und Einrichtung wurden zunächst an Karl Semmler, einen ehemaligen Angestellten, zur Reparatur und Verwaltung und schließlich an Lizenzträger Joseph Lackas übergeben. Lackas hatte anfangs neben seiner Funktion als Herausgeber der neuen Zeitung auch treuhänderische Aufgaben zu erfüllen, was eindeutig aus einer Gewinn- und Verlustrechung sowie einer Geschäftsvermögensbilanz des Reissmüller'schen Druck- und Verlagshauses für den Monat Juli 1946 hervorgeht, die ihn als Treuhänder ausweisen. Lackas stellte Ende des Jahres 1947 unmissverständlich klar: ‘Den jetzigen Lizenzträgern des 'Donau-Kuriers' gehört aus der Vermögensmasse des Dr. Liebl oder des Dr. Reissmüller nichts, auch noch nicht einmal die kleinste Schraube es wird ihnen auch in Zukunft nichts davon gehören.’ Bereits am 23. April 1946 erteilte das ‘Custodian's Office of Property Control’ Altverleger Reissmüller die Erlaubnis, ‘seine geschäftliche Tätigkeit wieder aufzunehmen’. Zwar erklärte die Stelle, dass bis zu einem endgültigen Entscheid der Vermögensverwaltung in Dachau Reissmüllers Gesamtvermögen noch unter Kontrolle der Militärregierung stehe, doch die Befugnisse waren bereits geklärt. Nach Ansicht der Vermögenskontrolle unterstand dem - zu diesem Zeitpunkt noch nicht benannten - Treuhänder des Reissmüller'schen Vermögens die Buchhandlung und die Akzidenzdruckerei. Für Lackas bedeutete das laut ‘Custodian's Office of Property Control’ damals, dass er als lizenzierter Verleger den ehemaligen Verlag Reissmüllers pachtete, die Warenbestände käuflich übernahm und bezüglich des Druckens der Zeitung einen Vertrag mit dem Treuhänder abzuschließen hatte. Nun durfte Reissmüller zwar seine Buchhandlung wieder betreiben der Buchdruckerei Dr. Reissmüller aber ‘wurde auferlegt, die Druckerei in Ingolstadt Am Stein 12 und Schrannenstraße 4 an den Lizenzträger des 'Donau-Kurier' zu verpachten’. Die an den Eigentümer zu zahlende Pacht für Druckerei- und Büroräume sowie für Maschinen und Grundstück wurde auf Anweisung der Ingolstädter Außenstelle des Landesamts für Vermögensverwaltung von einem Sachverständigen ermittelt. Für den ‘Donau-Kurier’ war Erich Kempe aus Nürnberg zuständig, der eng mit der ICD zusammenarbeitete. Um keine Zeit - und damit Geld - zu verlieren, wandte sich Reissmüller am 9. Juli 1946 an Kempe und bat ihn um eine eingehende Betriebsschätzung. Kempe war am 23. und 24 Juli sowie am 30. August in Ingolstadt, um Informationen für sein Gutachten einzuholen. Während er bei Reissmüller auf Gastfreundschaft traf, war das Ziel von Lackas, eigene Interessen hinsichtlich einer möglichst geringen Schätzsumme durchzusetzen. Kempe beklagte sich gegenüber Reissmüller, dass Lackas ihn ‘so angegriffen’ habe, und monierte, dass der Lizenzträger ‘gerade die Punkte, die auf dringenden Wunsch der Militärregierung bei der Aufstellung des Gutachtens berücksichtigt werden mussten, nunmehr noch mehr zu seinen eigenen Gunsten herabdrücken wollte’. Ob die Bemühungen von Lackas, den Pachtbetrag zu drücken, von Erfolg gekrönt waren, lässt sich anhand der vorliegenden Unterlagen nicht eindeutig nachvollziehen, allerdings gibt es Hinweise darauf. Denn die Preisbehörde legte am 31. Juli 1946 für die vom DK belegten Räume eine Miete in Höhe von einer Reichsmark (RM) pro Quadratmeter fest, was deutlich unter dem Schnitt lag. In einem Schreiben vom Oktober 1946 riet der Sachverständige Erich Kempe Reissmüller deshalb, ‘nunmehr einen großen Vorstoß wegen der Miete zu machen’. Im Vergleich mit allen anderen Lizenzbetrieben erhalte Reissmüller wohl die geringste Miete. Während die örtlichen Preisbehörden in manchen Orten Quadratmetersätze von bis zu vier Reichsmark genehmigt hätten, liege der Durchschnitt in Bayern bei etwa zwei RM. Und selbst der Leiter des Rechtsamts der Militärregierung hatte Reissmüller eine Miete von 1,75 RM pro Quadratmeter in Aussicht gestellt. Aus einer DK-Hausmitteilung vom 3. Februar 1947 an die Buchhaltung geht hervor, wie hoch die Pachtsumme war. Zu Grunde lag den Zahlen der zweite Nachtrag des Sachverständigen Kempe. Demnach belief sich die Pacht für das erste Jahr auf 24.295 RM, für das zweite Pachtjahr auf 23.376 RM. Ferner hatte die Preisprüfungsstelle beim Stadtrat Ingolstadt die Miete auf monatlich 912,40 RM festgesetzt, was zusätzlich eine jährliche Summe von 10.948,80 RM ergab. Insgesamt waren also pro Monat 2860,40 RM für Miete und Pacht an Reissmüller zu entrichten. Im April 1947 schlossen der Verlag ‘Donau-Kurier’ und der Treuhänder des Reissmüller'schen Vermögens einen Pacht- und Mietvertrag ab, dem - zuzüglich des Mehrschichtzuschlags - diese Zahlen zu Grunde lagen. 15:14:30

Über den Autor

Tobias Zell, Dipl.-Germ., wurde 1976 im bayerischen Kelheim geboren. Er studierte in Bamberg Germanistik mit Schwerpunkt Journalistik und im Nebenfach Philosophie. Schon ab dem Alter von 17 Jahren war er als freier Mitarbeiter für mehrere Zeitungen tätig. Nach dem Studium volontierte er bei der Tageszeitung Donaukurier, arbeitete dann dort zunächst als Reporter und anschließend über fünf Jahre als Leiter von Lokalredaktionen zuerst in Riedenburg und danach in Pfaffenhofen an der Ilm. Bereits in seiner Facharbeit vor dem Abitur beschäftigte sich Zell mit Pressegeschichte seither befasst er sich mit der Lizenzphase der bayerischen Presse nach dem Zweiten Weltkrieg. Insbesondere arbeitete er die bis dahin wissenschaftlich weitgehend im Dunkeln liegenden Jahre 1945 bis 1949 des Donaukuriers auf.

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