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Produktart: Buch
Verlag: disserta Verlag
Erscheinungsdatum: 11.2012
AuflagenNr.: 1
Seiten: 188
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Wie hältst du’s mit der Evolution? – Diese Gretchenfrage wird seit den Entdeckungen Darwins immer wieder gestellt, insbesondere auch an die Kirche und den Papst. Für Papst Benedikt XVI. scheint die Antwort klar: Evolution ja, aber nicht als quasireligiöses Dogma, das sich auf alles eine Antwort anmaßt. Der Mensch ist mehr als das Produkt der Evolution , betont der Papst wiederholt. Doch worin besteht dieses Mehr ? Im Werk Joseph Ratzingers fehlt bis heute ein eigenes Traktat zur Schöpfungslehre. Dennoch scheint das Thema beinahe in allen seinen Schriften auf. Dies gilt besonders in Zusammenhang mit dem prägendsten Thema seiner Theologie, dem Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft. Diese Studie von Tobias Lehner bündelt die einzelnen Aspekte von Schöpfungstheologie und Anthropologie in den Schriften Ratzingers. Dabei zeichnet der Autor den geistesgeschichtlichen Hintergrund der beiden Vatikanischen Konzilien nach, deren Rezeption im Werk Ratzingers eine prägende Rolle spielen. Schnell wird deutlich: Joseph Ratzinger sieht Schöpfungstheologie und Anthropologie nicht als isolierte Spezialthemen der Dogmatik, vielmehr leiten und prägen sie sein ganzes theologisches Gedankengebäude. Der Autor lädt dazu ein, die umfangreichen Schriften Joseph Ratzingers zu Theologie, Liturgie und kirchlichem Leben unter diesem Aspekt zu betrachten. Nach und nach zeigt sich, worin das Mehr des Menschen für Joseph Ratzinger besteht: Im Erlösungswerk Christi, das den Menschen vom Geschöpf zum Hausgenossen Gottes macht. Der göttliches Logos ist die Antwort auf die Frage nach Ursprung und Ziel des Menschen. Diese spirituelle Christozentrik ist Dreh- und Angelpunkt in Joseph Ratzingers Welt- und Menschenbild.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel II.1, Modernes Weltbild und Glaube: In einem ersten Schritt soll es nun darum gehen, die Aussagen Joseph Ratzingers zu analysieren, die direkt Bezug nehmen auf den Anspruch der Evolutionstheorie, eine umfassende Erklärung für die Entstehung von Mensch und Kosmos zu liefern. Hinter diesen Beiträgen und Überlegungen Ratzingers steckt die große und entscheidende Frage, der sich die Religion angesichts der Weiterentwicklung im naturwissenschaftlich-technischen Bereich ausgesetzt sieht: Hat der Glaube in der modernen Welt mit all ihren Erkenntnissen noch Bestand? Ist es angesichts der modernen Naturwissenschaft überhaupt noch vernünftig zu glauben? Oder braucht die moderne Welt mit ihren naturwissenschaftlichen Erklärungen ‘die Hypothese Gott nicht mehr?’ Die Neuzeit ist, wie Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. oftmals analysiert, geprägt von der Vorstellung, dass nur das Nachprüfbare und im wissenschaftlichen Experiment Nachvollziehbare vernünftig sei. Erkenntnis wird somit in das Schema von Subjekt und Objekt eingeteilt: Nur das Objektive, da überprüf- und nachweisbar, ist für die Wissenschaft von Relevanz, das Subjektive ist demnach unbrauchbar und wird dem privaten Empfinden und Urteilen überlassen. Für Ratzinger stellt diese Einteilung der Wirklichkeit eine kopernikanische Wende im Weltbild dar er schreibt darüber: ‘Die merkwürdige Situation des Menschen mit sich selbst angesichts von Größe und Grenze quantitativen Denkens hat man in einem Teil der neuzeitlichen Geistesbewegung mit der Unterscheidung von Subjekt und Objekt zu meistern versucht: Wir können die Welt berechnen, weil wir sie zum ‚Objekt’ gemacht haben gegenüber diesem ‚Objektiven’, das Gegenstand der Wissenschaft ist, bleibt dann das ‚Subjektive’ die Welt des Unberechenbaren und des Freien. Religion und Moral erhalten in dieser Teilung der Welt sozusagen ihre Austragsstube im ‚Subjektiven’. Sie sind das ‚Subjektive’, d.h. sie sind nicht wissenschaftsfähig, nicht allgemeingültigen Kriterien gemeinschaftlicher Erkenntnis zu unterwerfen, aber es gibt nun einmal dieses Subjektive, in dem letztlich allein der Geschmack des einzelnen entscheidet.’ Besonders fatal an dieser wissenschaftlichen Ausrichtung am Objektiven, die nicht nur die Naturwissenschaften, sondern auch die Philosophie erfasst, ist die Tatsache, dass die wissenschaftliche Vernunft mit der Vernunft schlechthin identifiziert wird. Als solche ist sie an keine Autorität mehr gebunden und klammert Wertentscheidungen und die Frage nach Sinn und Wahrheit völlig aus, weil diese nicht objektiv qualifizierbar sind. Menschliche Erkenntnis wird nur noch unter das Theorem der Machbarkeit gestellt. Weil der Mensch Wissen nur noch aus dem Experiment gewinnen kann, dessen Herr er gewissermaßen ist, liegt es an ihm, die im Experiment verifizierte Erkenntnis denkerisch nachzuvollziehen und etwas aus und mit ihr zu machen. Ein so gearteter Absolutheitsanspruch des empirischen Erkenntnismodells, der vor allem auf die Frage der Machbarkeit abzielt, klammert per definitionem die Sinnfrage konsequent aus und stellt so nach Meinung Ratzingers eine radikale Verkürzung der Möglichkeiten menschlicher Vernunft dar. Für Joseph Ratzinger zieht dieser vorhin geschilderte Primat des Objektiven eine Veränderung der Erfahrungsformen der menschlichen Welt und des Lebens nach sich. Denn mit der Ausrichtung menschlicher Erkenntnis am Faktum des Machbaren wird auch der Versuch unternommen, sich von den überkommenen Weltbildern der griechisch-lateinischen Tradition zu emanzipieren. Diese Philosophien waren kosmologischer Art, das heißt, sie maßen dem Raum mehr ontologische Bedeutung zu als der Zeit. Gegenstand der Erkenntnis kann nach dieser Lehre nur das Sein selbst als das Geordnete und Bleibende sein, während sich das Veränderliche der rationalen Wahrnehmung entzieht. Der Geschichte wurde demnach nur eine untergeordnete Bedeutung beigemessen, sie reichte zum Erkenntnisgewinn nicht aus. Dieses kosmologische Verständnis des Seins und der Wirklichkeit hatte, wie Ratzinger darlegt, auch grundlegende Auswirkungen auf das Menschenbild: ‘Die Frage nach dem Wesen der Dinge oder der Menschen abstrahiert gerade von der Zeit sie schiebt den Zeitindex beiseite: Ob ein Mensch jung oder älter ist, ob er damals oder heute gelebt hat, ist zweitrangig - das Wesen Mensch ist davon nicht berührt, immer ein und dasselbe.’ Der Mensch erscheint hier im Gegensatz zum idealistischen Menschenbild nicht als ein Wesen, das erst im Laufe seiner individuellen Lebensgeschichte oder der gesamt-menschlichen Geschichte zu sich selber findet, Gegenstand philosophischer Betrachtung ist vielmehr der ‘Mensch an sich’. Deshalb ist auch das antik-mittelalterliche Weltbild stark kollektivistisch geprägt, es nimmt mehr den Menschen in Gemeinschaft und in seiner ontologischen Bezogenheit in den Blick als das einzelne Individuum. Wie sieht das nun im modernen Weltbild aus und wie ist diese Entwicklung in der Sicht Ratzingers zu beurteilen?

Über den Autor

Tobias Lehner Dipl. Theol., Jahrgang 1982, studierte Katholische Theologie an den Universitäten Regensburg und München. Während seines Studiums befasste er sich intensiv mit der Theologie Joseph Ratzingers. Zudem widmete er sich in Vorträgen und Namensartikeln dem Denken des Papstes.

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