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Gesellschaft / Kultur


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Produktart: Buch
Verlag: disserta Verlag
Erscheinungsdatum: 11.2018
AuflagenNr.: 1
Seiten: 252
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Erziehungsberatung, als niedrigschwelliges Hilfsangebot, zählt zu den bedeutsamsten formellen Unterstützungssystemen für Jugendliche. Diese sind mit Herausforderungen konfrontiert, welche in dieser Dichte und Verflechtung in anderen Lebensabschnitten […] nicht anzutreffen [sind] (Hurrelmann/Quenzel). Daher stellen Jugendliche eine explizite Zielgruppe der Erziehungsberatung stellen dar. Allerdings wurde der Erziehungsberatung u.a. von der Jugendhilfe-Effekte-Studie (JES) eine hohe Kind- und Familienorientierung attestiert. Damit einhergehend lässt sich sowohl anhand der einschlägigen Fachliteratur als auch mittels der Daten des Statistischen Bundesamtes eine durch Jugendliche relativ geringe Inanspruchnahme von Erziehungsberatung konstatieren, obwohl sich das Jugendalter eigentlich aufgrund der enormen, entwicklungsbezogenen Umbrüche als eine dankbare Zeit für die Erziehungsberatung (Nitsch) erweist. Dienstleistungen, wie die Erziehungsberatung, sind stets als eine Koproduktion zwischen Fachkräften und Adressat_innen zu betrachten, weshalb in solcherlei Kontexten von einer hohen Relevanz personenbezogener Faktoren ausgegangen werden kann. Folglich können die von den Berater_innen internalisierten Haltungen gegenüber den Ratsuchenden die Beziehungsebene maßgeblich beeinflussen. Vor diesem Hintergrund verfolgt die vorliegende Studie die Frage, welche Haltungen Fachkräfte der Erziehungsberatung gegenüber der Zielgruppe der Jugendlichen zeigen. Die Erfassung dieser Haltungen wird mittels der Durchführung von problemzentrierten Interviews mit Berater_innen aus unterschiedlichen Erziehungsberatungsstellen intendiert. Zudem soll angesichts der Tatsache, dass sich die Personalstruktur der Erziehungsberatung durch eine eher unausgewogene Geschlechter- und Altersverteilung auszeichnet, analysiert werden, inwiefern die Haltungen von Fachkräften der Erziehungsberatung gegenüber der Zielgruppe der Jugendlichen in Dependenz zu den strukturellen Merkmalen Alter und Geschlecht divergieren.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 4.2, Beschreibung der Stichprobe: Die Datenbasis dieser Analyse beruht auf vier durchgeführten, qualitativ-leitfadengestützten, problemzentrierten Interviews. Hierbei wurden vier Fachkräfte aus unterschiedlichen EB-Stellen interviewt. Diese verhältnismäßig kleine Stichprobe kann zunächst als ausreichend angesehen werden, da qualitative Forschung die Erfassung des Allgemeinen im Besonderen intendiert und die zu Grunde liegenden latenten Sinnstrukturen schon mithilfe des Einzelfalls dezidiert werden können und eine objektive Gültigkeit besitzen, die über diesen Fall hinausgeht (vgl. Helfferich 2011, S. 173). Infolgedessen gilt die Repräsentativität auch nicht als nützliches Kriterium für qualitative Forschung, was die relativ kleine Stichprobe rechtfertigt (vgl. ebd., S. 172). Helfferich (2011) schreibt hierzu, dass das innerhalb der quantitativen Forschung existierende Gütekriterium der Repräsentativität in der qualitativen Forschung durch die innere Repräsentation substituiert wird, womit gemeint ist, dass die Stichprobe aus maximal unterschiedlichen und gleichzeitig typischen bzw. ähnlichen Fällen/Personen bestehen sollte (vgl. ebd., S. 173 f.). Im weiteren Verlauf sollen deshalb die kontrastierenden sowie die übereinstimmenden Merkmale der hier vorliegenden Stichprobe aufgeführt werden, um zu belegen, dass die erforderlichen Kriterien einer qualitativen Stichprobe erfüllt sind. In der folgenden Tabelle lassen sich die relevanten Daten der zu Beginn der Interviews ausgefüllten Kurzfragebögen finden, welche Angaben zur Person, zur Ausbildung bzw. Qualifikation, zur Tätigkeit in der EB-Stelle und zur bisherigen Berufslaufbahn enthalten. Zunächst einmal sei betont, dass sich die Similarität der Stichprobe darin widerspiegelt, dass alle vier befragten Fachkräfte zum Zeitpunkt der Interviews in einer EB-Stelle tätig waren und eine weitgehend vergleichbare pädagogische Grundausbildung absolviert haben. Somit scheinen sie als professionelle und kompetente Interviewpartner_innen für die Untersuchung der hier vorliegenden Forschungsfrage überaus gut geeignet zu sein. Zudem wird an dem von den Berater_innen teils geschätzten Anteil der Jugendlichen an den Adressat_innen insgesamt deutlich, dass sie im Rahmen ihrer Tätigkeit überwiegend Ratsuchende in Form von Jugendlichen beraten, was sich mit Blick auf die hier vorliegende Fragestellung als besonders relevant erweist. Darüber hinaus sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Stichprobe bezüglich des Innehabens einer Leitungsposition eine hohe Homogenität aufweist, da drei der interviewten Fachkräfte (A, B, D) über keine Leitungsposition verfügen und Beraterin C lediglich als stellvertretende Leitung tätig ist. Hinsichtlich der erforderlichen Unterschiedlichkeit der Stichprobe lässt sich festhalten, dass die interviewten Berater_innen entlang des Merkmals Alter divergieren. Eigenen Berechnungen zufolge befinden sich alle vier Interviewpartner_innen derzeit in jeweils unterschiedlichen Lebensjahrzehnten. Darüber hinaus sei erwähnt, dass zwischen dem jüngeren männlichen (B) und dem älteren männlichen Berater (D) ein Altersabstand von 16 Jahren liegt, während bei der jüngeren weiblichen Beraterin (A) und der älteren weiblichen Fachkraft (C) sogar ein Altersunterschied von 19 Jahren gegeben ist. Hier lässt sich folglich eine hohe Disparität konstatieren. Des Weiteren differieren die befragten Berater_innen bezüglich des Geschlechts. Denn während die Interviewpartnerinnen A und C weiblich sind, gehören die Interviewpartner B und D dem männlichen Geschlecht an. Wie bereits eben erwähnt, verfügen alle interviewten Fachkräfte über eine weitgehend vergleichbare pädagogische Grundausbildung, allerdings zeigt sich gemäß der Altersstruktur eine große Bandbreite hinsichtlich des Zeitpunktes des Abschlusses, die sich von 1982 bis in das Jahr 2015 erstreckt. So wird ersichtlich, dass die vier Fachkräfte ihren Abschluss jeweils in einem anderen Dezennium absolviert haben, was sich dementsprechend in der bisherigen Berufslaufbahn bzw. der Anzahl der bisherigen Tätigkeiten niederschlägt. Analog hierzu verfügt Beraterin C, die ihren Abschluss 1982 machte, über die insgesamt langjährigste Berufserfahrung, während Berater B, der im Jahr 2015 seinen Abschluss erlangte, am wenigsten Berufserfahrung vorweisen kann. Hier lässt sich folglich eine hohe Heterogenität verzeichnen. Darüber hinaus lässt sich eine gewisse Inhomogenität bezüglich der Anzahl an Zusatzqualifikationen feststellen. Im Rahmen dessen erweisen sich die zwei weiblichen Fachkräfte (A, C) mit drei genannten Zusatzqualifikationen als vergleichsweise besonders hoch qualifiziert, während Berater D über zwei und Berater B über eine Zusatzqualifikation verfügt. Zudem lässt sich konstatieren, dass alle vier Berater_innen eine systemische Weiterbildung absolviert haben. Allerdings besitzen nur drei der Fachkräfte (A, C, D) den Grad eines/einer systemischen Therapeuten/Therapeutin, wobei die Ausbildung der beiden älteren Fachkräfte (C, D) familienzentriert ist. Die zwei weiblichen Interviewpartnerinnen sind darüber hinaus Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und haben eine traumazentrierte Weiterbildung (A, C). Berater D verfügt über eine Mediationsausbildung, die keine/r der anderen Fachkräfte aufweisen kann. Somit liegt auch an dieser Stelle die erforderliche Divergenz vor. Relevant erscheint außerdem der Beginn der Tätigkeit in der Einrichtung. Beraterin C ist in der jetzigen Beratungsstelle seit sieben Jahren tätig, wobei sie zuvor bereits in zwei anderen EB-Stellen gearbeitet hat und folglich auf eine langjährige Praxiserfahrung in diesem Handlungsfeld zurückgreifen kann. Die drei anderen Fachkräfte (A, B, D) verfügen über eine Berufserfahrung zwischen drei und acht Jahren, wobei darauf aufmerksam gemacht sei, dass Berater D sein Anerkennungsjahr ebenfalls in einer anderen EB-Stelle absolviert hat und dort Berufserfahrung sammeln konnte. Bezüglich des Stellenumfangs lässt sich festhalten, dass die beiden weiblichen Fachkräfte (A, C) über eine Vollzeitstelle verfügen, während die zwei männlichen Berater in Teilzeit (B, D) beschäftigt sind. Bevor die Deskription der Kontaktaufnahme zu den Interviewpartner_innen erfolgt, sei explizit hervorgehoben, dass die Stichprobe von Anfang an mehreren, spezifischen Auswahlkriterien unterlag. Zwei dieser Kriterien bezogen sich auf die Merkmale Alter und Geschlecht . Im Sinne einer ausgewogenen Geschlechterverteilung erforderte die Stichprobe zwei Angehörige des männlichen Geschlechts und zwei weibliche Fachkräfte, wobei jeweils das männliche als auch das weibliche Geschlecht gleichermaßen in den zwei Altersgruppen der ab 45-Jährigen und der unter 45-Jährigen vertreten sein sollte. Das Lebensalter von 45 Jahren bildet infolgedessen die Demarkationslinie für die Einteilung in jüngere und ältere Fachkräfte. Um eine Vergleichsperspektive eröffnen zu können, wird ein gewisser lebensalterlicher Abstand zwischen den Berater_innen sowie eine ausgewogene Geschlechterverteilung im Hinblick auf die zu erfassenden Haltungen als relevant betrachtet. Zudem war es aufgrund des möglichen institutionellen Einflusses auf die zu erforschenden Berater_innenhaltungen gegenüber der Zielgruppe der Jugendlichen notwendig, vier Fachkräfte aus vier unterschiedlichen Institutionen zu interviewen. Das vierte Auswahlkriterium umfasste letztendlich vielseitige praktische Erfahrungen in der Beratung mit jugendlichen Adressat_innen. Der Kontakt zu zwei der vier EB-Stellen war aufgrund eines Praktikums von Vorneherein gegeben. Erfreulicherweise erklärten sich die zwei angesprochenen Berater_innen dazu bereit, an einem Interview teilzunehmen. Da diese beiden Interviewpartner_innen deutlich jünger als 45 Jahre alt sind, mussten mit Blick auf die existierenden Auswahlkriterien eine männliche und eine weibliche Fachkraft gesucht werden, die beide 45 Jahre und älter sind. So erfolgte der Kontakt zu den anderen EB-Stellen per E-Mail-Anfrage, um vorerst eine grundsätzliche Interviewbereitschaft der dort tätigen Fachkräfte abzuklären und diese über die o.g. Auswahlkriterien zu informieren. Im Zuge dessen wurden sämtliche EB-Stellen in ******* und Umgebung angeschrieben. Die Bereitschaft auf Seiten der Praktiker_innen erwies sich als relativ hoch. Der Eingang von diesbezüglichen Rückmeldungen ereignete sich im Verlauf von ein bis zwei Wochen. Die ersten beiden Berater_innen, die eine Zusage erteilten, entsprachen glücklicherweise den Auswahlkriterien und wurden aufgrund dessen selegiert. In darauffolgenden telefonischen Gesprächen wurden schließlich Terminvereinbarungen getroffen. Drei der Interviews (A, C, D) wurden letztendlich in den jeweiligen Räumlichkeiten der EB-Stellen absolviert. Interview B fand in den Räumlichkeiten des anderen Arbeitgebers der Fachkraft statt. Interview A hat ca. 80 Minuten gedauert, während Interview B in etwa 50 Minuten in Anspruch genommen hat. Interview C beanspruchte ungefähr 35 Minuten, während Interview D ca. 45 Minuten dauerte. Zuletzt sei noch auf das Postskriptum im Sinne Witzels hingewiesen, welches unmittelbar nach den jeweiligen Interviews angefertigt wurde (vgl. Kap. 3.4.2). Während der Durchführung der Interviews waren keine erwähnenswerten Störfaktoren zu verzeichnen, weshalb die Postskripta im Rahmen des Forschungsprozesses keine weitere Berücksichtigung finden. Allerdings sind diese dem Anhang dieser Arbeit beigefügt (vgl. Kap. 9).

Über den Autor

Elisa Peters, M.A., wurde 1990 in Konstanz geboren. Ihr Bachelorstudium der Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik/Soziale Arbeit und dem Nebenfach Psychologie absolvierte die Autorin im Jahre 2015 mit dem Bachelor of Arts an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Das daran anschließende Masterstudium der Erziehungswissenschaft mit dem Profilschwerpunkt Sozialpädagogik und dem Nebenfachmodul Psychologie beendete sie 2018 erfolgreich mit dem Abschluss Master of Arts an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Während ihrer Studienzeit sammelte die Autorin vielseitige praktische Erfahrungen in der Erziehungsberatung, welche sie schließlich dazu veranlassten, sich im Rahmen mehrerer wissenschaftlicher Arbeiten eingehend mit diesem Tätigkeitsfeld zu beschäftigen und dabei sowohl auf die dort tätigen Fachkräfte als auch auf die Zielgruppe der Jugendlichen ein besonderes Augenmerk zu legen. Seit 2018 ist die Autorin bei einem freien Träger der Jugendhilfe in Köln tätig und arbeitet dort schwerpunktmäßig mit Jugendlichen.

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