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Psychologie


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 06.2018
AuflagenNr.: 1
Seiten: 84
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Gewalt gegen Kinder ist ein viel diskutiertes Thema und löst vor allem bei aktuellen Pressemeldungen über Kindesmisshandlungen, -missbrauch und -tötungen Entsetzen, Wut und Trauer in der Bevölkerung aus. Nicht nur in den Medien, sondern auch in der wissenschaftlichen Literatur rückt die psychische Gewalt dabei jedoch nur sehr selten in den Mittelpunkt der Betrachtungen und in nur wenigen Ausnahmefällen beschäftigen sich Autoren gezielt mit dem Thema der psychischen Gewalt in der Eltern-Kind-Beziehung. Psychische Gewalt ist schwer fassbar, hinterlässt keine äußerlichen Spuren und die Grenzen zwischen Erziehungspraktiken, die sich des Prinzips der Strafe bedienen und psychischer Gewalt sind oftmals fließend. Aufgrund dessen ist die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht nur für die Medien, sondern auch für die Wissenschaft problematisch. Psychische Gewalt ist jedoch allgegenwärtig und vor allem in der Eltern-Kind-Beziehung weiter verbreitet als geglaubt. Viele Kinder sind und waren psychischer Gewalt durch ihre Eltern ausgesetzt. Dieses Buch soll einerseits auf die Machtlosigkeit und das Ausgeliefertsein von Kindern aufmerksam machen, die der psychischen Gewalt durch ihre Eltern ausgesetzt sind und andererseits die Erkennungsproblematik psychischer Gewalt in der Eltern-Kind-Beziehung durch professionelle Helfer verdeutlichen. Dieses Werk ist eine korrigierte Neuausgabe des 2013 veröffentlichten Buches Psychische Gewalt in der Erziehung .

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 3.2 Bedeutung der unsicheren Bindung: Wurden die frühkindlichen Bindungsbedürfnisse des Kindes nur unzureichend oder unzuverlässig befriedigt, so entwickelt sich eine unsichere Bindung zwischen Eltern und Kind (Brisch, Karl Heinz 2003: 52). Durch unsichere (...) Bindungserfahrungen entsteht eine grundlegende Unsicherheit im Aufbau (neuer) Beziehungen. Die Erwartung, dass Beziehungen nicht verlässlich sind, dient als Grundlage, auf andere Menschen (...) zuzugehen (Dornes, M. 1997: 272). Die Kinder mit unsicheren Bindungen haben keine positive Bindungserfahrung und sind in ihrem Verhalten daher vorsichtiger und misstrauischer als sicher gebundene Kinder. Es fällt ihnen somit schwerer als sicher gebundenen Kindern auf neue Beziehungen einzugehen und sie haben häufiger negative Beziehungen zu Gleichaltrigen (Fröhlich-Gildhoff, Klaus 2006: 45). Unsicher gebundene Kinder verfügen über eine schlechtere Impulskontrolle und zeigen häufiger als sicher gebundene Kinder aggressive Verhaltensweisen. Auch hierdurch sind sie bei ihren Kameraden weniger beliebt als sicher gebundene Kinder und sind häufiger in Konflikte mit Gleichaltrigen verwickelt (Brisch, Karl Heinz 2003: 52). Sie schreiben dem Verhalten ihrer Mitmenschen verstärkt negativ Motive und Beweggründe zu, da sie mentale Vorgänge und Prozesse bei ihren Mitmenschen oft nicht realistisch wahrnehmen können (Fröhlich-Gildhoff, Klaus 2006: 45). Auch in der Konfliktlösung zeigen sich Unterschiede im Vergleich zu sicher gebundenen Kindern. Sie lösen Konflikt weniger selbstständig als sicher gebundene Kinder und reagieren häufiger aggressiv in Konfliktsituationen. Unsicher gebundene Kinder sind häufiger wütend, enttäuscht und zeigen ambivalente Gefühle gegenüber ihren Eltern (Brisch, Karl Heinz 2003: 51-52). Mit zunehmendem Alter kann bei unsicher gebundenen Kindern ein Anstieg von negativen Emotionen und ein Rückgang positiver Emotionen festgestellt werden. Unsicher gebundene Kinder sind häufiger ängstlich oder aggressiv (Fröhlich-Gildhoff, Klaus 2006: 46-47). Eine unsichere Eltern-Kind-Bindung kann dazu führen, dass die gegenseitige Abstimmung beim Lösen der Anpassungs- und Entwicklungsaufgaben des Kindes nicht gelingt und die Kinder Regulationsstörungen entwickeln. Exzessives Schreien, Schlaf- und Fütterstörungen, motorische Unruhe, Trennungsängste, Unselbstständigkeit oder Wutanfälle können die Folge sein (Sarimski, Klaus/ Papousek, Mechthild 2000: 201). Eine unsichere Bindung steht außerdem mit der Entstehung von psychischen Störungen im Zusammenhang, wobei bei Vorliegen der Zusatzkategorie der desorganisierten Bindung das Risiko eine psychische Erkrankung zu entwickeln am größten ist (Brisch, Karl Heinz 2005: 76). Im Folgenden wird die Bedeutung der einzelnen Bindungsmuster und der Zusatzkategorie der desorganisierten Bindung für die kindliche Entwicklung im Einzelnen verdeutlicht. 3.2.1 Bedeutung der unsicher-ambivalenten Bindung: Eine unsicher-ambivalente Bindung zwischen Eltern und Kind deutet auf unberechenbares, unvorhersehbares Verhalten der Eltern hin und steht im Zusammenhang mit unzuverlässiger Betreuung und Versorgung in der Vergangenheit des Kindes (Erickson, Martha Farrell/ Egeland, Byron 2006: 34). Durch unkonstante und widersprüchliche Interaktionserfahrungen mit den Eltern kann das Kind kaum verlässliche Erwartungen, bezogen auf seine Eltern, entwickeln. Hierdurch wird das Kind in seinem Verhalten unsicher und entwickelt widersprüchliche Gefühle und Erwartungen. Das Kind muss die unvorhersehbaren Reaktionen der Eltern immer wieder austesten, was eine große emotionale Anstrengung für das Kind bedeutet. Das ständige Überprüfen der Reaktionen der Eltern kann dazu führen, dass das Kind eine starke Abhängigkeit von seinen Eltern entwickelt (Zimmermann, Peter/ Spangler, Gottfried 2008: 692-693). 3.2.2 Bedeutung der unsicher-vermeidenden Bindung: Eine unsicher-vermeidende Bindung zwischen Eltern und Kind deutet darauf hin, dass die Eltern bei Interaktionen mit ihren Kindern nicht auf deren Bitten und Verlangen um Zuwendung und Aufmerksamkeit eingehen (Erickson, Martha Farrell/ Egeland, Byron 2006: 34). Die Kinder entwickeln Verhaltensstrategien, mit denen sie sich an die Einstellungen ihrer Eltern anpassen, um trotz größerer Distanz, als es ihrem Bindungsbedürfnisses entspricht, mit den Eltern in Kontakt zu bleiben. Vermeidend gebundene Kinder wissen, dass ein Signalisieren von Nähewünschen durch die Eltern mit Abweisung beantwortet wird und erlernen hierdurch, Bindungsreaktionen wie Protest, Schreien oder Anklammern erst gar nicht zu zeigen. Dies führt dazu, dass die Kinder eigene Emotionen unterdrücken und nicht mehr mitteilen. Stattdessen wahren sie eine gewisse Distanz, um die Ablehnung nicht erfahren zu müssen. Die Bindung zu den Eltern kann auf Kosten der kindlichen Wünsche nach Nähe, Zuwendung und Aufmerksamkeit dennoch aufrechterhalten werden (Brisch, Karl Heinz 2005: 77-78).

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