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Produktart: Buch
Verlag: disserta Verlag
Erscheinungsdatum: 04.2018
AuflagenNr.: 1
Seiten: 192
Abb.: 32
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Viele Tätigkeiten lassen sich nach Ansicht zahlreicher Experten in Zukunft automatisieren. Vor diesem Hintergrund stehen etliche Berufe augenscheinlich vor gravierenden Veränderungen. Das vorliegende Buch widmet sich in diesem Zusammenhang explizit der Personalberatungsbranche. Ziel des Buches ist es, den Wandel der Personalberatungsbranche, der insbesondere durch die fortschreitende Digitalisierung begünstigt wird, herauszustellen. Ferner sollen die größten Chancen und Risiken für die Branche identifiziert werden. Aufschluss über die mögliche Zukunft der Personalberatungsbranche geben sowohl eine Wettbewerbs- und Geschäftsmodellanalyse als auch eine umfangreiche empirische Erhebung, die mit der Unterstützung des BDU (Bundesverband Deutscher Unternehmensberater) durchgeführt wurde. Der Autor analysiert auf über 130 Seiten, wie die Personalberatungsbranche von morgen aussehen könnte.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel: 2.1.3.1 Einfluss der Digitalisierung auf die Arbeitswelt Bereits in den 1930er Jahren warnte der Ökonom John Maynard Keynes vor der technologischen Arbeitslosigkeit , die sich infolge des beschleunigten technischen Fortschritts seiner Meinung nach weit verbreiten werde. Und auch in den 1990er Jahren sagte der Zukunftsforscher Jeremy Rifkin das Ende der Arbeit aufgrund der raschen Dominanz der digitalen Welt voraus. Damals schon war Rifkin der festen Überzeugung, dass leistungsfähigere Computer zu einer Welt ohne Arbeit führen werden, in der die Arbeit automatisiert wird und menschliche Arbeitskräfte durch maschinelle ersetzt werden. Dies hat sich allerdings bis heute nicht bewahrheitet. Dennoch sind die möglichen Folgen der technischen Entwicklungen von heute nicht zu unterschätzen, da neben der Digitalisierung auch die Globalisierung, der demografische Wandel und der kulturelle Wandel die fortschreitende Transformation von Produktionsfaktoren, Berufen und Erwerbsformen weiter verstärken. 2013 fachten Frey und Osborne mit ihrer Studie Die Zukunft der Beschäftigung – wie anfällig sind Jobs für Computerisierung? die Debatte erneut an. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass fast die Hälfte aller Berufe in den USA in naher Zukunft automatisiert werden könnten (47 %). In Deutschland ist der Anteil der Berufe, deren Tätigkeiten eine hohe Automatisierungswahrscheinlichkeit haben, nur unweigerlich kleiner (42 %). Bereits 2013 seien laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 15 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland einem sehr hohen Substituierbarkeitspotenzial ausgesetzt gewesen, also in einem Beruf beschäftigt, bei dem mehr als 70 % der Tätigkeiten damals schon durch Computer hätten ersetzt werden können. Da es unterschiedliche Typen von Tätigkeiten gibt, stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, von welchen Tätigkeiten hier im Einzelnen gesprochen wird. Üblicherweise werden Tätigkeiten, auch Tasks genannt, in fünf Typen eingeteilt: - analytische Nicht-Routine-Tasks, - interaktive Nicht-Routine-Tasks, - kognitive Routine-Tasks, - manuelle Routine-Tasks und - manuelle Nicht-Routine-Tasks. Zu Routine-Tasks gehören hierbei Tätigkeiten, die von (computergesteuerten) Maschinen nach programmierbaren Regeln ausgeführt werden können. Manuelle Nicht-Routine-Tasks können dagegen nicht durch Computer ersetzbar werden. Wohingegen analytische und interaktive Nicht-Routine-Tasks (wie z. B. Management oder Beratung) nur durch den Einsatz von Computern unterstützt werden können, sind kognitive Routine-Tasks (wie z. B. Buchhaltung) oder manuelle Routine-Tasks (wie z. B. das Sortieren von unterschiedlichen Dingen) von Computern ersetzbar. Es ist absehbar, dass zukünftig einige der Tätigkeiten, die bisher als Nicht-Routine-Tätigkeiten eingeschätzt werden, zu Routine-Tätigkeiten werden, weil Computer dann in der Lage sein werden diese zu ersetzen. Es lässt sich demnach festhalten, dass sich vorwiegend einfache Tätigkeiten mit geringen Anforderungen an Erfahrungswissen, begrenzter Handlungskomplexität und allen voran einem hohen Routinecharakter, relativ problemlos informationstechnologisch in Algorithmen überführen lassen. Besonders betroffen sind hiervon bspw. Tätigkeiten in der Logistik und in der Montage. Der Online-Händler Amazon lässt inzwischen 30.000 Transport-Roboter durch seine Logistikzentren fahren. Auch in Berufen, in denen Präzision von hoher Bedeutung ist, sind Maschinen den Menschen mittlerweile überlegen. Viele Routine-Tätigkeiten werden zukünftig besser und billiger von Maschinen erledigt. Dabei schließt die Automatisierung von Tätigkeiten nicht nur Arbeiten in Fabriken, sondern erstmals auch Standardjobs in Büros gleichermaßen mit ein. Versicherungsunternehmen lassen z. B. die Routine-Tätigkeiten zehntausender Sachbearbeiter in Kürze von intelligenter Software erledigen. Anders sieht es hingegen in Beschäftigungsfeldern aus, die sich durch hohe Anforderungen in den Bereichen Kreativität, soziale und emotionale Intelligenz und unternehmerisches Denken kennzeichnen. Dazu gehören bspw. Architekten, Ärzte, Psychologen, Lehrer, aber auch Förster und Fitnesstrainer. Diese Berufe werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht unter den Auswirkungen der Digitalisierung hinsichtlich Arbeitsplatzverlusten leiden. Insgesamt betrachtet lässt sich erkennen, dass nicht mehr nur Beschäftigte mit geringer bis mittlerer Qualifikation von den Rationalisierungsmaßnahmen betroffen sind, sondern die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung zunehmend auch die Perspektive der besser Qualifizierten bedroht. In Deutschland sind ca. 4,4 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einem hohen Substituierbarkeitspotenzial (mit einem Anteil von mehr als 70 % der durch Computer ersetzbaren Tätigkeiten im Beruf) ausgesetzt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich die Vermutungen und Prognosen diverser Wissenschaftler hinsichtlich des Automatisierungspotenzials zahlreicher Berufe in einigen Jahren bewahrheiten werden. Jedoch ist fraglich in welchem Ausmaß und welcher Tiefe die Berufe und Tätigkeiten wirklich substituiert werden können. Bonin et al. machen diesbezüglich darauf aufmerksam, dass die Automatisierungspotenziale mit großer Wahrscheinlichkeit überschätzt worden seien, da sie zum einen auf Experteneinschätzungen beruhen würden, die typischerweise zur Überschätzung technischer Potenziale führen würden, und zum anderen bei der Ermittlung des technischen Potenzials gesellschaftliche, rechtliche und ethische Hürden bei der Einführung neuer Technologien unberücksichtigt geblieben seien. Es ist zwar absehbar, dass in den nächsten Jahren einige Berufe bzw. Tätigkeiten automatisiert werden können, indem sie durch Roboter, Maschinen oder intelligente Software übernommen werden, jedoch werden aus der digitalen Transformation auch neue Berufe und Aufgaben hervorgehen. Diese werden aber aller Voraussicht nach höhere Qualifikationsanforderungen an die Beschäftigten stellen. Insbesondere übergreifende Fachqualifikationen werden an Bedeutung gewinnen. Hirsch-Kreinsen spricht diesbezüglich von einem Upgrading (einer Aufwertung) von Tätigkeiten und Qualifikationen als Folge der Automatisierung einfacher und gering qualifizierter Tätigkeiten mittels neuer Technologien. Alternativ zu diesem Szenario stellt er die Polarisierung als weitere Möglichkeit vor, bei der die mittleren Qualifikationsgruppen massiv an Bedeutung verlieren werden und sich zunehmend eine Schere zwischen komplexen Tätigkeiten mit hohen Qualifikationsanforderungen einerseits und einfachen Tätigkeiten mit einem niedrigen Qualifikationsniveau andererseits öffnen werde. Als Ursache für die Polarisierung und besonders die Erosion der mittleren Qualifikationsgruppen kann das Zusammenspiel von Automatisierung und Informatisierung angesehen werden. Auch in Deutschland gibt es seit kurzen Hinweise darauf, dass die Bedeutung von Routinetätigkeiten mit mittlerem Qualifikationsniveau tendenziell rückläufig ist. Ein Einbruch der Beschäftigung in diesem Bereich ist bisher allerdings nicht zu verzeichnen. Es wird äußerst wichtig sein, die Beschäftigten heute schon auf die kommenden, veränderten Qualifikationsanforderungen vorzubereiten, unabhängig davon, welches Szenario in Zukunft eintreffen wird. Digitale Kompetenz, also der kompetente Umgang mit digitalen Medien und der Aufbau einer grundlegenden IT-Kompetenz, wird in Zukunft mindestens genauso wichtig sein, wie fachliche und soziale Kompetenz. Digital Leadership wird bspw. für Führungskräfte zur Kernkompetenz werden. Unter Digital Leadership wird diesbezüglich die Fähigkeit von Führungskräften verstanden, ein Unternehmen durch die digitale Transformation zu führen und den Wandel erfolgreich voranzutreiben. Eine Studie des McKinsey Global Institutes kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland bislang nur zehn Prozent seines Digitalisierungspotenzials ausschöpft, gemessen an der Informations- und Telekommunikationsindustrie in den USA, die 100 % ihres Potenzial nutzen würden. Spitzenreiter in dieser Kategorie sei die USA mit 18 %. Fraglich ist diesbezüglich, inwieweit sich das Digitalisierungspotenzial einer Volkswirtschaft überhaupt einschätzen, geschweige denn beziffern lässt. Unabhängig von einem festen Wert, lässt sich das enorme Potenzial der Digitalisierung allerdings heute schon erahnen. 2.1.3.2 Einfluss der Globalisierung auf die Arbeitswelt Neben dem technologischen Fortschritt, bedingt durch die Digitalisierung, nimmt auch die Globalisierung eine wichtige Rolle in Zeiten von Arbeit 4.0 ein. Globalen Handel gibt es schon seit der Antike, allerdings führte erst die Industrialisierung und die damit einhergehende Verbreitung neuer Technologien, von der Eisenbahn bis zur Dampfschifffahrt, zu einer erheblichen Ausweitung der internationalen Arbeitsteilung und zur ersten Welle der Globalisierung. Heute bezeichnet man zumeist die zweite Welle ab Mitte des 20. Jahrhunderts und insbesondere seit den 1980er Jahren, die sich durch stark beschleunigten weltweiten Waren-, Dienstleistungs-, Kapital- und Personenverkehr kennzeichnete, als Globalisierung. Die Digitalisierung, allen voran das Internet, sorgte für einen großen Globalisierungsschub. Informations- und Kommunikationstechnologien sind zu einem Motor von Veränderungen geworden. Folgen der Globalisierung sind unter anderem eine globale Arbeitsteilung auf Angebotsseite, welche die Wertschöpfungsketten in der Produktion globalisiert, kürzere Produktlebenszyklen und geringere Stückzahlen, die die Bedeutung von Flexibilität und Geschwindigkeit zunehmend erhöht haben und ein verändertes Werte- und Konsumverhalten auf der Nachfrageseite, bedingt durch digitale Kommunikation. Aus Sicht der Konsumenten ist es heute völlig normal, am globalen Markt zu partizipieren. Allerdings wächst seit einigen Jahren auch das Bewusstsein der Konsumenten hinsichtlich der Arbeits- und Umweltbedingungen, durch die die Kaufentscheidungen mitbestimmt werden.

Über den Autor

Dominik Wefers, M.A., wurde 1990 in Krefeld geboren. 2015 schloss er sein Bachelorstudium im Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg ab, ehe er sein Masterstudium Management Consulting an der Hochschule Emden/Leer in Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg begann. Dieses konnte er Ende 2017 mit dem akademischen Grad Master of Arts erfolgreich abschließen. Bereits während des Studiums interessierte sich der Autor stark für die Personalberatungsbranche. Mittlerweile ist er selbst als Personalberater tätig und lebt in der schönen Hansestadt Hamburg.

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