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  • Die Tiergestützte Erlebnispädagogik. Die Entwicklung und Ausarbeitung der Zusammenführung von tiergestützter Intervention und Erlebnispädagogik

Pädagogik & Soziales


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 09.2022
AuflagenNr.: 1
Seiten: 72
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die Menschen verbringen heutzutage viel Zeit in der digitalen Welt. Das Aufwachsen der Kinder findet kaum noch im natürlichen Raum statt, der unsere verschiedenen Sinneswahrnehmungen anspricht und viele Möglichkeiten für aktives Erfahrungslernen bietet. Das Heranwachsen und Lernen findet mittlerweile primär in der digitalen Umgebung statt, eingeschränkt auf die visuelle Sinneswahrnehmung vor Bildschirmen mit wenig Bewegung. Sowohl der tiergestützte als auch der erlebnispädagogische Bereich bieten Anreize zu ebendiesem natürlichen Erfahrungslernen. Die Tiergestützte Erlebnispädagogik soll eine Möglichkeit aufzeigen, wie natur- und erlebnisnahe Interventionen Ressourcen aufdecken, Kompetenzen ausbauen und wieder Nähe zur natürlichen Umwelt schaffen können.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 3.4.3 Ganzheitlichkeit: Charakteristisch ist für die Erlebnispädagogik, dass alle Sinne angesprochen werden. Dies meint, dass sowohl Körper, als auch Psyche und die Seele einbezogen werden und mitarbeiten . (vgl. Galuske, 2013, S. 256) Wie bereits zuvor unter Grenzerfahrungen beschrieben, arbeiten Körper, Geist und Seele in Gefahrensituationen eng zusammen. Der Körper ist eng mit Emotionen und Kognitionen verbunden. Er beeinflusst Stimmungen und Denken. Bewegung unterstützt verschiedene Regionen des Gehirns, aktiviert Neurotransmitter und vermehrt Synapsen. Durch Bewegung wird Konzentration, Aufmerksamkeit und Kommunikation gefördert, sowie Wohlbefinden und Stresstoleranz. Gedächtnisleistungen können gesteigert und die Selbsteinschätzung realistischer werden. (vgl. Paffrath, 2017, S. 67) Walk and Talk ist ein Beispiel hierfür. Während dem Laufen werden Gespräche fließender, entwickeln sich und der Mensch scheint sich leichter öffnen zu können. Die Erlebnispädagogik fördert die Bewegung des Körpers auf unterschiedlichen Ebenen. So kann es Aufgaben geben, bei denen sowohl kleine als auch große Bewegungen gefördert und somit Fein- als auch Grobmotorik trainiert werden. Hier sei das Klettern als erneutes Beispiel genannt, um uns zu sichern oder nach oben zu gelangen, ist es wichtig, dass wir einen festen Griff haben und unsere Finger und Füße gezielt koordinieren können. Große Bewegungen im Sinne von sich nach oben ziehen sind genau so notwendig. Emotionen sind ein ständiger Begleiter des Lebens. Gefühlslagen spiegeln sich in der Körperhaltung, unserem Ausdruck und der Stimmlage wieder (vgl. Paffrath, 2017, S. 67). Ein trauriger Mensch hat den Blick gesenkt und lässt die Schultern hängen. Vielleicht spricht er auch mit einer gedämpften und leisen Stimme. Angst ruft unmittelbare Körperreaktionen hervor, wie einen stockenden Atem, einen schnellen Puls und Schweißbildung. Emotionen haben eine schützende und lebensrettende Funktion. Gleichermaßen sind sie wichtig für das Zusammenleben. Die Gesellschaft spaltet zunehmend unerwünschte Gefühle ab, blendet sie aus. Dadurch verlernt sie, Anteilnahme nehmen zu können und Gefühlskälte entsteht. Richtige Empathie ist mit der Fähigkeit verbunden, sich selbst, die eigenen Gefühle und (die der) andere(n) wahrzunehmen. (vgl. Paffrath, 2017, S. 68) Bei Lernprozessen sind Emotionen gleichermaßen aktiv wie Kognitionen. Sie haben eine wechselseitige Wirkung aufeinander. Die Emotionen filtern neue Informationen nach ihrer Relevanz für die persönliche Weiterentwicklung und entscheiden, wie tief und lange sie abgespeichert werden. (vgl. Paffrath, 2017, S. 69) In der Erlebnispädagogik werden die Emotionen durch konkrete und reale Ernstsituationen angesprochen. Ihre Wahrnehmung, Einordnung und der Umgang mit ihnen kann gefördert werden. Befindet sich der Mensch in einer ihm neuen, unbekannten Situation, so kann er Gefühle wie Angst und Unsicherheit verspüren. Diese Gefühle können gemeinsam eingeordnet werden. Bezogen auf das Klettern, um ein konkretes Beispiel zu bieten, so kann die Höhe, in welcher sich der Akteur befindet eine Angst auslösen oder aber auch Stolz, so weit gekommen zu sein. Die Sinne spielen in der menschlichen Entwicklung eine zentrale Rolle. Die Umwelt wird mit Hilfe von Riechen, Schmecken, Tasten, Hören, Sehen erkundet. Der Sehsinn hat mit der Zeit eine besondere Rolle eingenommen. Er überlagert mit seiner Dominanz die anderen Sinne. Die Erlebnispädagogik geht auf diese Dominanz gezielt ein, indem Aktivitäten mit Augenbinden, bei Nacht oder in der Dämmerung, in Höhlen oder mit Verdunkelung ausgeführt werden. Dadurch können die anderen Sinne gefördert und ausgeprägt werden. Diese Wahrnehmungsebenen bilden die Vorraussetzung für das Denken. Aus ihnen können komplexe Zusammenhänge geschlossen werden, Vorstellungen und Gedanken entstehen. (vgl. Paffrath, 2017, S. 70-71) Bezogen auf das Kletterbeispiel werden auch Sinne und Denken angesprochen, denn es wird nach einem Weg nach oben geschaut, getastet und erblickt, wo sich die nächste gute Möglichkeit befindet, um sich festzuhalten und weiter zu gelangen. Eine Erweiterung des Kletterns ist das blinde Klettern, bei dem sich auf die im Schatten stehenden Sinne konzentriert wird. Es wird getastet, wo die nächste Haltemöglichkeit ist und gehört, welche Tipps die Gruppe geben kann. Es wird sich orientiert an der Stimmlautstärke der unten in der Kletterhalle stehenden Personen, um abzuschätzen, welche Höhe bereits zurückgelegt wurde. Ich fühle, denke und handle, also bin ich. (Paffrath, 2017, S. 68) Körper, Geist und Seele sind gleichermaßen Teil der eigenen Persönlichkeit. Kopf, Herz und Hand werden in der Erlebnispädagogik zu einer Einheit.

Über den Autor

Brenda Schumacher wurde 1998 geboren. 2020 schloss sie ihr bilinguales Studium der Sozialen Arbeit (BA) in den Niederlanden ab und erlangte die staatliche Anerkennung in Deutschland. Während des Studiums erlangte die Autorin die Zusatzqualifikation als Erlebnispädagogin (zertifiziert nach dem be) und gewann erste Erfahrungen mit der tiergestützten Intervention durch ein studienbegleitendes Praktikum. Im Anschluss an das Studium absolvierte die Autorin erfolgreich die Weiterbildung zur Fachkraft für Tiergestützte Interventionen (ISAAT-zertifiziert), um ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu vertiefen. Es ist ihr ein Anliegen, die tiergestützte Arbeit mit der Erlebnispädagogik zu verbinden und aufzuzeigen, dass beide Bereiche einander hervorragend ergänzen.

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