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Sozialwissenschaften

Eva Schürmann-Lanwer

Ein gelingender Alltag als Ziel: Sexualität im Kontext geistiger Beeinträchtigung

ISBN: 978-3-95684-065-4

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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 11.2013
AuflagenNr.: 1
Seiten: 52
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Viele Arbeiten zum Thema der Sexualität geistig beeinträchtigter Menschen wurden in den letzten Jahren veröffentlicht. Sowohl Medien als auch Gesellschaft haben sich in Richtung einer größeren Offenheit im Umgang hiermit bewegt und die lange Zeit andauernde Tabuisierung allmählich aufgebrochen. Dennoch zeigt, dass sich die Zahl der Publikationen zu den über die Grundthematik hinausgehenden Bereichen der Alltagsgestaltung, Aufklärung, Ehe und Elternschaft sehr begrenzt darstellte. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit erfolgt eine Auseinandersetzung mit den Schlüsselbegriffen Beeinträchtigung und geistige Beeinträchtigung sowie Sexualität statt. Beschrieben werden in diesem Konnex sowohl der Terminus selbst als auch der sexuelle Reifeprozess von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Ein besonderes Augenmerk wird zusätzlich auf die Konsequenzen der Beeinträchtigung für die körperliche und psychosoziale Entwicklung gelegt. Ängste werden hier eine zentrale Rolle spielen. Mit ihnen sehen sich beeinträchtigte Menschen immer dann konfrontiert, wenn sie ein unbeschwertes Ausleben ihrer Sexualität anstreben. Ein zusätzliches Augenmerk wird auf wesentliche Handlungsfelder des Sonderpädagogen in diesem Zusammenhang gelegt. Die besondere Bedeutung der Aufklärungsfunktion soll erörtert werden sowie Problemfelder im Zusammenhang mit Partnerschaft inklusive Schwangerschaft und Elternschaft für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung und die sogenannte beschützte Ehe im Mittelpunkt stehen. Abgeschlossen wird die Arbeit mit einer Betrachtung der sonderpädagogischen Handlungsfelder und Ausführungen zur praktischen Alltagsgestaltung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung und dem Ausleben ihrer Sexualität. Dabei wird der Fokus vor allem darauf liegen, die Bedeutung des Sonderpädagogen hinsichtlich der Gestaltung eines gelingenden Alltags mit selbstbestimmter Sexualität für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen zu zeigen. Den Diskussionsrahmen bilden die eigenen und die institutionellen Grenzen. Letztlich soll deutlich werden, worin konkret die Grenzen und Chancen der diesbezüglichen sonderpädagogischen Interventionsmöglichkeiten liegen, die in einem kurzen Ausblick und Fazit bewertet werden.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.2.2, Die sexuelle Entwicklung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung: In der Phase der Pubertät verändert sich der Körper eines Jugendlichen. Neben dem Wachstum der Gliedmaßen kommt es zur Produktion von Geschlechtshormonen. Dies führt zur Ausbildung der Geschlechtsmerkmale. So wachsen Genitalbereich und weibliche Brut, die Behaarung des Rumpfes setzt ein, und die Drüsenproduktion beginnt. Weitere, spezifisch männliche pubertäre Merkmale stellen das Wachstum des Kehlkopfes und der Stimmbruch dar. Der Höhepunkt der Entwicklung ist bei Mädchen mit dem Einsetzen der Regelblutung erreicht, bei Jungen mit der Samenproduktion. Nach Abschluss dieser ersten puberalen Phase folgt in der zweiten puberalen Phase die Ausbildung des deutlich geschlechtsspezifischeren Aussehens. Bei den Mädchen bilden sich die Brüste aus, die Hüften werden runder und das Becken breiter. ‘Die Ausdrucksbewegungen gewinnen an weiblicher Anmut’ (SENCKEL 2006: 84). Bei den Jungen endet der Stimmbruch, und die Stimme klingt männlicher, außerdem werden die Hüften schmaler und die Schultern breiter. Der Bart beginnt bei den heranwachsenden Männern zu sprießen. Des Weiteren verfeinern sich die Gesichtszüge beider Geschlechter (vgl. ebd.: 83f). ‘Doch in erster Linie verursachen die Sexualhormone eine sexuelle Erregbarkeit, einen Triebdruck und sexuelle Gefühle von zuvor unbekannter Qualität. Der sexuelle Wunsch steigert sich zur Sehnsucht nach genitaler Befriedigung. Alle Veränderungen – besonders aber die sexuellen – als zur eigenen Person gehörig zu begreifen, zu lernen, mit ihnen umzugehen, und sie in das Identitätsgefühl einzubeziehen ist eine der Entwicklungsaufgaben des Jugendalters’ (ebd.: 84). Während der Pubertät erleben Kinder und Jugendliche also eine Vielzahl von körperlichen und psychischen Veränderungen, Erschütterungen und Umbrüchen ihrer gesamten Wahrnehmung sowie ihres Verhaltens, die sich in kumulierter Form bis zu Krisen zuspitzen können. Die Entwicklungspsychologie betrachtet letztere jedoch weder als anomale noch als morbide, denaturierte Phänomene, sondern vielmehr als charakteristische, partiell gar psychische, auf das vorfindliche Milieu reagierende Verarbeitungsvorgänge der stattfindenden Entwicklungen. Demnach sind eher angepasste und unauffällige Verhaltensweisen als potenzielles Warnsignal für eine pathologische Entwicklung näher zu begutachten, zumal hier wichtige Aufarbeitungen möglicherweise ausbleiben. Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Beeinträchtigung durchlaufen in der Regel ähnliche Umstrukturierungsvorgänge wie ihre nichtbeeinträchtigten Altersgenossen. Ein Unterschied kann aus einer zeitlichen Verschiebung und einer verlangsamten Abfolge der einzelnen Entwicklungsschritte erwachsen (vgl. VERNOOIJ 2007: 400). Zudem erfolgt, resultierend aus der Benachteiligung, eine Verschiebung der Prämissen, insbesondere mit Blick auf das betreuende Personal, die von äußeren Einflüssen abgeschirmte Situation im Heim sowie im Elternhaus. Man traut beeinträchtigten Kindern nicht nur weniger zu, man erlaubt ihnen auch weniger. Ihre Chancen auf Selbstverwirklichung sind insofern im spielerischen Umgang mit Gleichaltrigen um ein Beträchtliches geringer und eingeschränkter. All das trägt in der Summe zu einer Verschärfung der Jugendkrise bei. Ich möchte im Folgenden neun Aspekte einer speziellen krisenhaften Entwicklung bei jungen Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung ansprechen (vgl. WALTER 1985: 23ff.). 2.2.2.1, Die Diskrepanz zwischen Intelligenzalter und Sexualalter: Bisher spricht im Großen und Ganzen nichts dafür, dass der Reife- und Entwicklungsprozess von Personen mit einer geistigen Beeinträchtigung im Bereich der sexuellen Entwicklung durch diese Beeinträchtigung signifikant beeinflusst wird (vgl. KREBS 1992: 40ff.). Sexualalter und Lebensalter stimmen weitestgehend überein. Ersteres umfasst die externe Darstellungsweise der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale, nicht zwingend aber die Zeugungsfähigkeit. Eine gleichzeitige Einbeziehung des herkömmlichen Begriffs des Intelligenzalters macht ersichtlich, dass das entscheidende, die Pubertät von Jugendlichen mit einer geistigen Beeinträchtigung erschwerende Problem in erster Linie in der Diskrepanz zwischen den beiden Alterskategorien zu lokalisieren ist, zumal diese als psychische und soziale Reife zu umschreibende Kategorie ‘[…] sich u.a. aus[zeichnet] durch: verantwortungsbewusstes Verhalten, kritisches Urteilsvermögen, Lockerung der gefühlsmäßigen Bindung an die Eltern, Aufbau eines eigenen Wertesystems.’ (VERNOOIJ 2007: 400). Ebenso fallen darunter ‘[...] gesellschaftliche Mündigkeit, erstrebte und langsame entwickelte finanzielle Unabhängigkeit, der Aufbau einer eigenen Existenz und damit die Möglichkeit der Familiengründung [...].’ (ebd.: 400). Sowohl für nicht-beeinträchtigte als auch für beeinträchtigte Jugendliche stellt die zeitliche Abweichung in der Abfolge der körperlichen und geistigen Entwicklung ein massives Problem in der Pubertät dar. Nicht beeinträchtigte Jugendliche haben aber aufgrund vernünftiger Einsicht - mehr oder weniger stark - die Möglichkeit zur kompensatorischen Konfliktverarbeitung. Geistig beeinträchtigten Jugendlichen fällt es weitaus schwerer, ihre Gefühle zu erfassen und zu benennen, geschweige denn, diese emotional zu verarbeiten. Körperliche Veränderungen werden wahrgenommen, können aber nicht erklärt werden.

Über den Autor

Eva Schürmann-Lanwer wurde 1987 geboren. Ihr Studium der Sonderpädagogik schloss sie 2012 mit dem akademischen Grad des Masters of Education erfolgreich ab, gefolgt von einem Referendariat für das Lehramt an Sonderschulen an. Während des Studiums sammelte die Autorin umfassende praktische Erfahrungen im Bereich des Engagements für Menschen mit Hörbeeinträchtigung. Ihre eigene Biografie motivierte sie zusätzlich, sich der Thematik des vorliegenden Buches zu widmen.

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