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Sozialwissenschaften


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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 03.2014
AuflagenNr.: 1
Seiten: 160
Abb.: 10
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Sozialmanagement entspringt einer Epoche, in welcher die Werte der Sozialen Arbeit mit herrschenden wirtschaftlichen Werten wie Nutzenmaximierung, Effizienz und Effektivität mannigfach gebraucht und ausgetauscht werden. Deshalb besteht zwischen wirtschaftlichem Handeln und sozialarbeiterischer Ethik eine Ambivalenz, in der Sozialmanagement sich spektakulär bewegt. Die Werte des Managements, historisch betrachtet, entstanden aus utilitaristischen Grundsätzen und diejenigen der Sozialen Arbeit sie verfolgen die Gedanken des individuellen Wohls und des Gemeinwohls sowie die sozialethischen Grundsätze. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen der beiden Professionen und Disziplinen sind eine Erklärung für diesen Spagat.

Leseprobe

Textprobe: KAPITEL 5, SOZIALMANAGEMENT UND DIE GLOBALISIERUNG: ‘Eine Mrd. Menschen gilt weltweit als arbeitslos oder unterbeschäftigt.’ ‘Rund 800 Mio. Menschen haben chronisch nicht genug zu essen.’(Richard Gerster 2005). Meine Behauptung, Sozialmanagement sei ein Artefakt der Globalisierung, ist nicht sehr abwegig. Tatsächlich lag die Geburtsstunde des Sozialmanagements in den Jahren, in denen die Globalisierung bereits in der Pubertät war. Wie Beck richtig feststellt, ist überall die Rede von Globalisierung: ‘Globalisierung ist sicher das am meisten gebrauchte –missbrauchte – und am seltensten definierte, wahrscheinlich missverständlichste, nebulöseste und politisch wirkungsvollste (Schlag- und Streit-)Wort der letzten, aber auch der kommenden Jahren.’ (Beck 1999, S. 42) Was also ist überhaupt unter dem Begriff der Globalisierung zu verstehen? Ist es eine internationale Wirtschaftspolitik oder eine ‘Global Governance’ bzw. ‘geplatzte Hoffnung’ (Niggli, 2004)? Diese Frage soll im folgenden Kapitel beantwortet sowie ein eventueller Zusammenhang untersucht werden zwischen Globalisierung und Sozialmanagement. 5.1, GLOBALISIERUNG, WAS IST SIE WIRKLICH? Globalisierung ist kein neues Phänomen. Schon die Spuren der Seidenstrassen oder die Reise von Kolumbus pflanzten den Keim des heutigen Baumes der Globalisierung. Ein in sich isolierter Markt hat schon damals nicht funktioniert und der zwischenstaatliche Handel war schon vor 3000 Jahren von Persien bis Äthiopien üblich. Wenn wir uns auf Europa konzentrieren würden, was in einer globalisierten Zeit schwer fällt, wird ersichtlich, dass der eurozentrische Welthandel eine Vorstufe der Globalisierung war. Schon die europäischen Seefahrer haben dieser Entwicklung beigesteuert - bei der Entdeckung der ‚neuen Welt’ und Kolonialisierung der Länder (vgl. Rudoletzky in: Pfeifer-Schaupp 2005, S. 53). An dieser Stelle kann die Geschichte der Globalisierung nur kurz skizziert werden. Dafür werden wichtige europäische Entwicklungen der letzten Jahre aufgezeigt. Ulrich Beck unterscheidet zwischen Globalismus, Globalität und Globalisierung. Mit Globalismus bezeichnet er ‘die Auffassung, dass der Weltmarkt politisches Handeln verdrängt oder ersetzt’ (Beck 1998, S. 26). Mit Globalisierung bezeichnet Beck ‘die Prozesse, in deren Folge die Nationalstaaten und ihre Souveränität durch transnationale Akteure, ihre Machtchancen, Orientierungen, Identitäten und Netzwerke unterlaufen und querverbunden werden.’. Globalität heißt für Beck die nebeneinander existierende ‘Eigenlogik der ökologischen, kulturellen, wirtschaftlichen, politischen, zivilgesellschaftlichen Globalisierung, die nicht aufeinander reduzierbar oder abbildbar sind, sondern jede für sich und in ihren Interdependenzen entschlüsselt und verstanden werden müssen.’. Beck betrachtet die Globalität, die zwischen Erster und Zweiter Moderne entstanden ist, als unvermeidbar. Die Gründe dafür sieht er in acht Merkmalen: 1) ‘geographische Ausdehnung und zunehmende Interaktionsdichte des internationalen Handels, die globale Vernetzung der Finanzmärkte und der Machtzuwachs transnationaler Konzerne, 2) Die Informations- und Kommunikationstechnologische Dauerrevolution, 3) Die universal durchgrenzten Ansprüche auf Menschenrechte – also (Lippen-) Demokratieprinzip, 4) Die Bilder-Ströme der globalen Kulturindustrien, 5) Die postinternationale, polyzentrische Weltpolitik, 6) Die Fragen der globalen Armut, 7) Der globalen Umweltzerstörung, 8) Transkultureller Konflikte am Ort.’ (ebd., S. 29f). Diese Merkmale bedeuten für Beck, dass die Globalität sich nicht an einem Ort abspielen kann. Alles, was an einer Stelle passiert, ist in kurzer Zeit auf der anderen Seite des Globus. Um die Unterschiede zwischen der oben genannten Ersten und Zweiten Moderne deutlicher zu machen, werden beispielhaft Veränderungen aufgeführt, die die Entstehungsgeschichte der Globalisierung im europäischen Kontext beeinflussten. Beispielweise führten die wirtschaftspolitischen Lenkungsmaßnahmen im 16. bis 18. Jahrhundert dazu, dass mehrere Staaten, wie Frankreich, England und Preußen, als wirtschaftliches Ziel die Maximierung der jeweiligen Exportwaren verfolgten. Sie reduzierten gleichzeitig ihre Importwaren, um mehr Geld zu erwirtschaften. Dies dauerte nicht lang. Der Welthandel konnte sich nicht entfalten, da die Einnahmen eines Landes gemäß des Merkantilismus die Einnahmen des anderen förderten (vgl. Franzmeyer 2000, S. 8ff) (Niggli 2004, S. 38). Nach der verstärkten Kolonialisierung durch europäische Länder und Großmächte hat das Handeln sich weiter entwickelt. Mit der Idee des Wirtschaftsliberalismus, die besagt, dass der Staat nur die Rahmenbedingungen setzt und die Zölle und Handelsschranken verschwinden müssen, begann das Zeitalter der globalisierten Weltwirtschaft, die im 19. Jahrhundert aufgrund des Abbaus der Zollschrankengefördert wurde sowie aufgrund des relativen Friedens der napoleonischen Eroberungen, verbesserter Produktionstechniken und Transportmöglichkeiten. Last but least hatten die Wertedes Goldes als standardisiertes Handelsgut für den internationalen Zahlungsverkehr eine enorme Wirkung auf Handlungen zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Erste und Zweite Weltkrieg sowie die Weltwirtschaftskrise in den 30-er Jahren haben diese Entwicklung massiv gebremst. Später, d. h. 1944 mit der Gründung des ‚Internationalen Währungsfonds’ und der Weltbank, wurden die Voraussetzungen geschaffen für eine weitere Liberalisierung des Welthandels. 1948 hat das ‚Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen’ den nächsten Schritten dafür getan. Im Jahr 1995 wurde das GATT durch die World Trade Organization abgelöst, die unter dem Regime der UN steht (vgl. Franzmeyer 2000 S. 9ff). Diese Liberalisierungen haben Einfluss geübt auf die Soziale Arbeit und ihre Werte. Peratton beschreibt die Globalisierung unter umfassenden wirtschaftlichen, aber auch kulturellen, sozialen, ökologischen und technologischen Aspekten. Er definiert Globalisierung als ‘[…] einen historischen Prozess, in dessen Verlauf die Netzwerke und Systeme gesellschaftlicher Beziehungen sich räumlich ausdehnen und die menschlichen Verhaltensweisen, Aktivitäten sowie die Ausübung gesellschaftlicher Macht transkontinentalen (oder interregionalen) Charakter annehmen.’ (Perraton in: Beck 1999, S. 136). Beck betrachtet Globalisierung durch eine soziologische Brille und prophezeit Folgendes: ‘Die Einheit von Nationalstaat und Nationalgesellschaft zerbricht es bilden sich neuartige Macht-, Konkurrenzverhältnisse, Konflikte und Überschneidungen zwischen national-staatlichen Einheiten und Akteuren einerseits und transnationalen Akteuren, Identitäten, sozialen Räumen, Lagen und Prozessen andererseits.’ (Beck 1999, S. 46). Diese Konkurrenzen und Konflikte, die Beck vor Jahren voraussah, sind bereits heute im sozialen Bereich feststellbar. Die Überschneidungen der staatlichen und sozialen Aufgaben werden durch Leistungsaufträgegeregelt. Wer welche Aufgaben übernimmt und weshalb sich der Staat überhaupt als Geldgebender per Vertrag sichern muss, wird ebenfalls Folge dieser Erklärung von Beck und der Theorien der modernen Soziologie wie der Container-Theorie der Gesellschaft nachvollziehbar. Den Theorien von Agnew und Corbridge zufolge setzen die Gesellschaften die ‘staatliche Beherrschung des Raumes’ voraus. Dies bedeutet, ‘der soziologische Blick folgt der ordnenden Autorität – Macht und Gewalt – des Nationalstaates. Diese drückt sich darin aus, dass Gesellschaften Staaten (definitorisch) untergeordnet werden Gesellschaften sind Staatsgesellschaften, Gesellschaftsordnung meint von der >französischen<, >amerikanischen<, >deutschen< Gesellschaft.’. Mit Blick auf die Definition der Globalisierung nach Beck kann gesagt werden, die Globalisierung ist ‘das Töten der Entfernung das Hineingeworfensein in oft ungewollte, unbegriffene transnationale Lebensformen oder – in Anlehnung an Anthony Giddens definiert – Handeln und (Zusammen-)leben über Entfernungen (scheinbar getrennte Welten von Nationalstaaten, Religionen, RegionenKontinente) hinweg. Pfeifer-Schaupp bringt seine Überzeugung wie folgt zum Ausdruck: ‘Der gegenwärtige dominierende Globalisierungsbegriff ist einseitig ökonomisch geprägt. Globalisierung ist demnach eine zusammenfassende Bezeichnung für die weltweite Durchdringung von Wirtschaftsprozessen, Kapitalverflechtung und die globale Ausrichtung von (multinationalen) Unternehmen.’ (Pfeifer-Schaupp 2005, S. 11). Er betrachtet die Globalisierung auf vier verschiedenen Ebenen und in sechs unterschiedlichen Dimensionen. Die Ebenen werden in ethisch-religiöse, philosophische, politische und ökonomische Projekte unterteilt. Diese Projekte haben ihre Wurzeln in unterschiedlichen, weltgeschichtlichen Böden, bspw. In der universalistischen jüdischen Ethik, in christlichen Überlieferungen, in der Philosophieder Stoa (300 vor. Chr.) sowie in der Französischen Revolution von 1789 mit ihren wichtigen Elementen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Als Dimensionen zählt er die ökonomische, politische wie technologische, ökologische und kulturelle sowie soziale oder zivilgesellschaftliche Globalisierung auf (ebd., S. 17).

Über den Autor

Dr. Morris Setudegan, dipl. Sozialarbeiter, wurde 1968 im Iran geboren. Sein Studium des Sozialmanagements an der Freiburger Universität in Breisgau schloss der Autor im Jahre 2008 mit dem akademischen Grad der Master of Arts erfolgreich ab. Anschliessend absolvierte er sein PhD an der International Atlantic university in den USA. Bereits während des Studiums sammelte der Autorin umfassende praktische Erfahrungen in der Thematik Migration, Sucht und Prävention, außerdem unterrichtete er als Dozent an Hochschulen Sozialmanagement in der Schweiz, Kanada und Südkorea. Fasziniert von der koreanischen Kultur und Sprache, verbrachte der Autor mehr als drei Jahre in Kanada, USA und Korea, um die Besonderheiten des asiatischen Managements kennenzulernen. Heute arbeitet er erfolgreich in der Schweiz als Sozialmanager und vermittelt sein Wissen an Hochschulen.

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