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Sozialwissenschaften

Georg Funke

Waldorf bewegt: Bewegte Schule im Kontext des Waldorfkonzepts

ISBN: 978-3-95549-461-2

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Produktart: Buch
Verlag: Bachelor + Master Publishing
Erscheinungsdatum: 08.2013
AuflagenNr.: 1
Seiten: 60
Abb.: 10
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Was kann ich gegen die Konzentrationsschwächen meiner Schüler machen? Sind die vorhandenen Sitzmöbel noch zeitgemäß? Gehört ein Fußballfeld auf jeden Pausenhof? Erfährt mein Kind an dieser Schule eine optimale Ausbildung? Lehrer, Schulleiter, Hausmeister und Eltern sind ständig mit Fragen wie diesen konfrontiert. Die vorliegende Arbeit soll dabei helfen, diese Fragen zu beantworten. Sie umfasst beispielhaft eine Analyse des Gesundheitszustandes der Schüler einer Freien Waldorfschule anhand einer Studie zum BMI. Anschließend wird das Konzept der Bewegten Schule mit seinen Chancen und Potentialen theoretisch skizziert. Der abschließende Teil befasst sich mit der praktischen Integration des Konzepts in den Schulalltag und berücksichtigt dabei auch finanzielle und organisatorische Fragen.

Leseprobe

Textprobe: 3.1, Problemsituation - Folgen des Bewegungsmangels: Betrachtet man die diversen Konzepte und Ausarbeitungen zur Bewegten Schule, so vermitteln sie trotz individueller Ansätze eine gemeinsame Botschaft. Der derzeitige Schulalltag soll sich wandeln, es wird eine Verbesserung angestrebt. Alte Strukturen sollen ergänzt, verändert oder auch vollständig ersetzt werden. Dabei stellt sich die Frage, welche Merkmale der heute gängigen schulischen Praxis besonders problematisch sind. Im Folgenden werden verschiedene Situationen und Zustände an deutschen Schulen dargestellt, die laut Meinung diverser Autoren einer schnellen Verbesserung oder Beseitigung bedürfen. Zunächst wird berichtet, dass der schulische Sportunterricht vielerorts Kürzungen und Einsparmaßnahmen erfahren hat, was sich zumeist in einer reduzierten Stundenanzahl niederschlägt. So behauptet Schweiger, dass der Schulsport im Zuge von finanziellen Einsparungen von 4 auf 2 Unterrichtseinheiten gekürzt wurde, gibt dabei jedoch keine konkrete Schule bzw. ein Bundesland an (Schweiger, 2000, S. 106). Urban spricht von lediglich einmal wöchentlich stattfindendem Sportunterricht, welcher es in diesem Umfang nicht vermag, Bewegungsdefizite bei Schülern zu kompensieren (Urban, 2000, S. 149). Auch qualitativ steht der Sport als Unterrichtsfach in der Kritik. Schweiger stellt fest, dass der Sportunterricht in seiner Aufgabe, die Schüler zum Sport zu motivieren, gescheitert ist. Er führt fort: ‘Es darf sogar behauptet werden, dass der Schulsport das Bewegungsbedürfnis sehr vieler Kinder hemmt und ihre Motivation, Sport zu treiben, einschränkt.’ (Schweiger, 2000, S. 106). In diesem Zusammenhang wird auch der Frontalunterricht im Fach Sport kritisiert, weil er den Kindern Bewegung ‘verordne’. So stehe oft die Vermittlung effektiver motorischer Handlungen im Vordergrund. Dagegen habe Bewegung zur Aneignung von Erfahrungen und zur Erkundung der Umwelt weitestgehend an Bedeutung verloren (Balz et al., 2000, S. 2). Die sinkende Qualität und Quantität des Schulsports wirkt sich umso dramatischer aus, wenn man bedenkt, dass körperliche Aktivität auch im außerschulischen Bereich eine zunehmend geringere Rolle spielt. Bewegungsfeindliche Großstädte, ein gesteigerter Medienkonsum, aber auch eine Überbehütung durch das Elternhaus bewirken eine stetige Verringerung von körperlicher Aktivität an frischer Luft. (Balz et al., 2000, S. 3) Urban fügt hinzu, dass sich viele Kinder an diese Umstände angepasst haben und ihr Verhalten von Passivität und Bequemlichkeit geprägt ist. Wenn Aktivitäten durchgeführt werden, so resultieren diese häufig in einer einseitigen Belastung des Bewegungsapparats (Urban, 2000, S. 49). Auch Schulhöfe und Klassenräume laden häufig nicht zum bewegten Erkunden ein. Die Dominanz der Farbe grau wirkt für die Schüler oft ebenso abschreckend wie die Beschaffenheit der betonierten Flächen vor dem Schulhaus. Begrünte Bereiche sind selten zu finden und dienen dann nur zur Verschönerung und nicht der Nutzung. Spielgeräte sind – wenn vorhanden – meist veraltet oder bieten nur wenigen Kindern die Möglichkeit sich zu beschäftigen. (Balz et al., 2000, S. 8) An vielen Schulen ist das Ballspielen auf dem Hof untersagt, teilweise wird sogar von einem Laufverbot während der Pause berichtet (Balz, 2001, S. 50). Verschlimmert wird diese Situation dadurch, dass in den klassischen Fächern ein Abweichen vom stillen und geraden Sitzen grundsätzlich als Störung empfunden wird. Seichert bezeichnet diese vielerorts im Unterricht geforderte Disziplin als einen ‘traurigen Nachlass der preußisch-militärischen Auffassung von Zucht und Ordnung’ und macht zudem auf die oft harten und unbequemen Sitzmöbel in vielen Schulen aufmerksam (Seichert, 2000, S. 91). Diese verstärken oft die ohnehin negativen Effekte des stundenlangen Sitzens im Alltag der Kinder. Obwohl das Sitzen die unnatürlichste und belastendste Form der Körperhaltung darstellt, wird sie von Kindern bis zu 14 Stunden am Tag praktiziert. Dadurch können besonders bei Jugendlichen langfristige Schäden entstehen, weil bei ihnen die Ausformung der tragenden Strukturen der Gelenke und der Wirbelsäule noch nicht abgeschlossen ist (Seichert, 2000, S. 91). Die Konsequenzen dieses gesundheitsschädigenden Verhaltens sind weitreichend. So weisen laut Amberger (2000) 40-60% aller Kinder Haltungsschwächen auf. Des Weiteren sind mehr als die Hälfte der Arztbesuche auf Störungen des neuromuskulären Systems zurückzuführen. (Amberger, 2000, S. 7) Schweiger fügt hinzu, dass bis zu 30% der Jugendlichen an Übergewicht und 70% an Fußbeschwerden leiden. Darüber hinaus ist eine Zunahme von Herz-Kreislauf-Problemen, Konzentrationsschwächen, Allergien, Ess- und Schlafstörungen zu verzeichnen, welche ebenfalls mit Bewegungsmangel in Verbindung gebracht werden. Bis zu 10% der Kinder eines Jahrgangs sind bereits chronisch erkrankt. (Schweiger, 2000, S. 106) Auch gesunde Schüler sind oft nicht in der Lage, simple motorische Aufgaben im Klettern, Springen oder Balancieren zu bewältigen. Ihre Bewegungen wirken ungerichteter und unkoordinierter als dies bei früheren Generationen der Fall war. Grundschullehrer berichten von zappeligen und unkonzentrierten Schülern und das bereits zu Beginn der ersten Klasse (Balz et al., 2000, S. 3). Zusammenfassend ist zu sagen, dass ein grundsätzlicher Mangel an Bewegung im Schulalltag festgestellt wurde, welcher gravierende und langfristige Folgen mit sich bringt. So haben gesundheits-epidemiologische Untersuchungen ergeben, dass die körperliche Fitness über die gesamte Kindheit hinweg bis in das Erwachsenenalter relativ konstant bleibt. Somit beeinflusst die Bewegungsarmut im Kindesalter nicht nur Menschen in einem isolierten Lebensabschnitt, sondern wirkt sich grundlegend auf eine gesamte Population aus (Schweiger, 2000, S. 106).

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