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Pädagogik & Soziales

Andrea Jäger

Borderline-Störung: Betroffene verstehen

ISBN: 978-3-95850-612-1

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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 09.2014
AuflagenNr.: 1
Seiten: 92
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wurde im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie lange Zeit als ein Randphänomen der psychischen Störungen wahrgenommen. In den vergangenen Jahrzehnten ist jedoch ein kontinuierlich steigendes Interesse, insbesondere in der amerikanischen Forschung, zu erkennen. In verschiedenen literarischen Neuerscheinungen wird das Borderline-Phänomen als Krankheit der Moderne bezeichnet, welches Schätzungen zu Folge derzeit die drittgrößte Gruppe psychischer Erkrankungen darstellt. Die Borderline-Störung sowie deren Behandlungsmethoden werden von den verfassenden Psychiatern, Psychologen und Psychotherapeuten in der jüngsten Zeit fast ausschließlich an Hand konkreter Beispiele erläutert. Diese Entwicklung ist auf die in Fachkreisen herrschende Verunsicherung hinsichtlich dieses Störungsbildes zurückzuführen. Lange Zeit wusste man offenbar nicht, was sich hinter der Diagnose Borderline verbirgt und wie man damit umgehen sollte. Der Begriff Borderline (Grenze, Grenzgänger) an sich impliziert die besondere Fähigkeit dieser Menschen, nicht nur sich selbst, sondern auch ihr persönliches Umfeld an ihre Grenzen zu bringen. Warum Menschen mit einer Borderline-Störung eine solche Wirkung haben können und welche konkreten Verhaltensmuster sie aufweisen, weist neben der Auseinandersetzung mit aktuellen Behandlungsmethoden und sozialarbeiterischen Interventionsschritten einen Schwerpunkt dieser Studie auf.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 2.1.3, Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung: Saila: ‘Wie ein Chamäleon passe ich mich der Farbe der Person an, mit der ich gerade zusammen bin. (...) Ich komme mir unwirklich vor – wie ein Kunstprodukt. Hätte ich das Ganze noch unter Kontrolle, würde ich mich einfach in mein eigenes ‘Ich’ zurückziehen, wenn ich mich bedroht fühle. Aber leider weiß ich nicht, wer das ist.’ Fast alle Borderline-Patienten sind hinsichtlich ihres Identitätsgefühles zutiefst verunsichert. Sie leiden unter einer ‘Identitätsdiffusion’ , d. h. es fehlt ihnen die Sicherheit darüber, ‘wer sie wirklich sind’. Laut BOHUS bestätigen ca. 70% aller Betroffenen diese Tatsache. Auch gegenüber ihrem Körper herrschen höchst negative Selbstbilder vor. Die Instabilität hinsichtlich ihrer eigenen Person kann zu erheblichen Veränderungen ihrer Einstellungen, Zielsetzungen und ihrer Wünsche führen. Plötzlich werden lang geplante Vorhaben über den Haufen geworfen, Wertvorstellungen verändert, Freunde durch neue ersetzt oder sexuelle Orientierungen ins Gegenteil verkehrt. Der Borderliner befindet sich auf einer endlosen Suche nach etwas, das ihm Halt gibt und ihn ausfüllt. Er versucht seinem Selbst, das er normalerweise als böse und sündig wahrnimmt, einen Sinn, eine äußere Hülle zu geben. In dieser Unbeständigkeit bleibt gleichzeitig das Gefühl tiefer Unechtheit bestehen und schürt die Angst, von anderen ‘durchschaut’ zu werden. Jenice: ‘Ich hatte Angst, mich anderen zu nähern, weil ich befürchtete, mein Gegenüber würde entdecken, wie kaputt und gestört ich war.’ Das Selbstwertgefühl von Menschen mit einer Borderline-Störung ist abhängig von ihren jüngsten Leistungen. Da sie nach Perfektion streben, können sie in einem strukturierten Arbeitsverhältnis glanzvolle Leistungen erbringen und sich darüber positiv definieren. Die kleinsten Fehler werden jedoch als Scheitern betrachtet und sie verurteilen sich selbst genauso hart, wie sie dies auch gegenüber ihrem Partner tun. Es fällt ihnen äußerst schwer, Lebensbereiche als Ganzes wahrzunehmen. Ihr Denken, Handeln und damit auch ihr Selbstwertgefühl sind meist ausschließlich auf die voran gegangene Handlung bezogen. Laut MANSON/ KREGER gibt es zwei identitätsstiftende Rollen, welcher sich Borderliner bedienen. Über die Rolle des hilflosen Opfers bekommen sie Beachtung und Mitgefühl und haben gleichzeitig einen Grund, sich ihrer Verantwortung in schwierigen Situationen zu entziehen. In der Helfer- und Versorgerrolle, finden sie andererseits eine Aufgabe durch welche sie Kontrolle ausüben und ihre innere Leere kompensieren können. In Lebensphasen des extremen Mangels an Beziehungen, Fürsorge, Anerkennung und Hilfe kann das eigene Identitätsgefühl bis zum Nullpunkt sinken, so dass die Betroffenen das Gefühl bekommen, nicht mehr zu existieren. 2.1.4, Impulsivität in mindestens zwei selbstschädigenden Bereichen: Ein Therapeut über Johanna: Oft ‘setzte sie Alkohol als Betäubungsmittel ein. Manchmal sprach sie Männer an und nahm sie mit zu sich nach Hause. Nach solchen Exzessen mit Alkohol und Sex hatte sie Schuldgefühle und war zornig auf sich.’ Impulsives Verhalten von Menschen mit einer Borderline-Störung kann sich in Bereichen wie Substanzmissbrauch, Kleptomanie, Glücksspiele, Anorexia nervosa oder Bulimie zeigen. Ebenso können alltägliche Verrichtungen davon betroffen sein und durch das exzessive Ausleben für die Betroffenen selbst sowie auch für andere gefährlich werden, beispielsweise durch rücksichtloses Fahren, verantwortungsloses Geldausgeben oder risikoreiches Geschlechtsverhalten. Das selbstschädigende Verhalten ist laut CHESSIK oft nicht nur auf einen spezifischen Bereich fixiert. Die Borderline Patienten nehmen zur Befriedigung eines bestimmten Bedürfnisses einfach alles zu sich, was gerade greifbar in der Nähe ist (Medikamente, Alkohol, Nahrungsmittel). Dieses unkontrollierte ‘In-Sich-Hineinstopfen’ stellt oftmals einen verzweifelten Versuch der Betroffenen dar, ihre innere Leere zu füllen und sich eine Identität zu schaffen. Dem impulsiven Verhalten zu Grunde liegt eine starke, diffuse, innere Grundanspannung. Die fehlende Geborgenheit und Fürsorge in der Kindheit der Betroffenen führt dazu, dass sie stets auf der Hut sind und bei geringsten Anlässen explodieren können. Diese Impulsivität tritt unvermittelt und unkontrolliert auf und kann im Unterschied zu Panikattacken normalerweise keinem bestimmten Gefühl (Wut, Angst, Hass, etc.) zugeordnet werden. Eine angemessene Hilfeleistung für den Patienten ist deshalb relativ schwer zu finden. Das selbstschädigende Ausagieren in den genannten Bereichen sowie Selbstverletzung und Suizidversuche stellen für die Patienten einen Versuch dar, die Anspannung zu bewältigen. Dem Borderliner fällt es sehr schwer, die aufwallenden Impulse zu sortieren, zu kontrollieren und gegebenenfalls auch abzuwehren, wie dies gesunde Menschen tun. Da Situationen als isolierte Augenblicke wahrgenommen werden, helfen Erfahrungen der Vergangenheit kaum, so dass der Borderliner die selben Fehler immer wieder begeht. Vor allem wenn die Impulshandlungen zu einem tatsächlichen Abbau der Anspannung führen, werden die Verhaltensmuster konditioniert und zunehmend angewandt. Die Suchtgefahr wird in diesem Zusammenhang sehr deutlich. Alkohol- und Drogenmissbrauch stellen nach KREISMAN/ STRAUS eine Art ‘Verteidigungsmechanismus gegenüber Gefühlen von Einsamkeit und der Angst, verlassen zu werden’, dar.

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