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Pädagogik & Soziales


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 05.2017
AuflagenNr.: 1
Seiten: 132
Abb.: 8
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

Die Thematik der Flüchtlingshilfe wird für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger. Mehr und mehr Unternehmen setzen sich daher die berufliche Integration von Flüchtlingen zum Ziel und testen neue Projekte – so auch die Daimler AG. Doch wie muss ein solches Projekt gestaltet werden, um effizient und gesetzeskonform zu sein? Warum sollte ein Unternehmen ein derartiges Projekt implementieren? Was muss das Projekt beinhalten, um eine erfolgreiche berufliche Integration von Flüchtlingen zu gewährleisten? Dieses Buch vermittelt dem Leser die Hintergründe und Grundlagen der aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland und geht auf verschiedene, personalwirtschaftlich relevante Themen zur beruflichen Integration von Flüchtlingen ein. Anschließend folgt eine detaillierte Beschreibung des Pilotprojekts Brückenpraktikum für Flüchtlinge bei der Daimler AG . Außerdem beschäftigt sich die Studie mit einer Evaluation des Pilotprojekts, auf deren Basis Handlungsempfehlungen für die zukünftige Implementierung ausgesprochen werden.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 4.2 Hintergrund des Projekts: Doch was genau brachte einen Manager wie Dieter Zetsche dazu, sich mit seinem Unternehmen aktiv in die Flüchtlingshilfe einzubringen und Flüchtlinge für den deutschen Arbeitsmarkt zu qualifizieren? Der Auslöser von Projekten wie diesem ist die momentane Flüchtlingsproblematik, die in ganz Europa ein hohes politisches und gesellschaftliches Interesse nach sich zieht. Da die meisten Flüchtlinge keinen in Deutschland anerkannten Schulabschluss oder eine anerkannte Berufsausbildung besitzen, gestaltet sich der Einstieg in das Berufsleben für diese Personen sehr schwierig. Unternehmen wie die Daimler AG versuchen daher, den Arbeitswilligen bei ihrem beruflichen Einstieg eine Unterstützung zu bieten. Wilfried Porth, Vorstand für Personal und Arbeitsdirektor, IT & Mercedes-Benz Vans der Daimler AG, ist der Meinung, dass Zuwanderung […] für Deutschland [eine Chance ist]. Als Unternehmen [nehme die Daimler AG ihre] gesellschaftliche und soziale Verantwortung auch bei diesem Thema sehr ernst und [helfe] bei der beruflichen und sozialen Integration. Mit dem Brückenpraktikum [werde] Flüchtlingen unbürokratisch [ein] Weg in den Arbeitsmarkt geebnet. Nach dem Praktikum unterstützt der Konzern zudem die Flüchtlinge bei der Jobsuche, indem er die Teilnehmer an andere Unternehmen, an Zeitarbeitsfirmen oder in eine Berufsausbildung vermitteln möchte. Das Brückenpraktikum stellt somit einen Baustein der Flüchtlingshilfe der Daimler AG dar. Neben dieser beruflichen Integration gibt es im Unternehmen Maßnahmen zur sozialen Integration, um den Flüchtlingen bei der Eingliederung in die Gesellschaft zu helfen. Das Unternehmen beschäftigt sich bspw. mit dem Aufbau eines Angebots zur Sprachenqualifizierung von Flüchtlingen an Daimler-Standorten, stellt Fahrzeuge der eigenen Marke Mercedes-Benz für gemeinnützige Organisationen zur Verfügung und organisierte eine Mitarbeiter-Spendenaktion. Im Rahmen dieser Aktion wurde den Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, für die Flüchtlingsnothilfe des Deutschen Roten Kreuzes zu spenden, wodurch insgesamt ein Betrag von 300.666 Euro gesammelt werden konnte. Der Konzern verdoppelte die Spenden schließlich, sodass dem Deutschen Roten Kreuz eine Summe von 601.332 Euro für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung stand. Projekte wie diese sind auch für den Betriebsrat der Daimler AG von großer Wichtigkeit. So sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Daimler AG, Michael Brecht, dass das große Engagement [der] Beschäftigten und des Unternehmens dafür, dass die Flüchtlinge bei [der Daimler AG] eine faire Chance bekommen, […] ein starkes Zeichen der Solidarität [sei] . 4.3 Detaillierte Beschreibung des Projekts: Wer die Vergangenheit kennt, darf Flüchtlinge nicht abweisen. Wer die Gegenwart sieht, kann sie nicht abweisen. Wer an die Zukunft denkt, wird sie nicht abweisen. Diese Worte nutzte der Konzernchef der Daimler AG Dieter Zetsche am Vorabend der Internationalen Automobil-Ausstellung 2015, um auf die Notwendigkeit der deutschen Flüchtlingshilfe hinzuweisen. Vom Vorstandsvorsitzenden stammt außerdem der Impuls, die Flüchtlinge bei der beruflichen Integration zu unterstützen. Wilfried Porth erhielt in seiner Funktion als Vorstand für Personal und Arbeitsdirektor den Auftrag, Maßnahmen im Rahmen beruflicher Integration umzusetzen, wodurch das Konzept des Brückenpraktikums entstand. Im vorliegenden Kapitel werden die Details dieses Projekts näher beschrieben. 4.3.1 Verantwortlichkeit: Als Vorstand für Personal und Arbeitsdirektor beauftragte Wilfried Porth den ihm unterstehenden zentralen Bereich für Personal- und Arbeitspolitik mit der Umsetzung des Projekts Brückenpraktikum. Bei einem derart großen und für das Unternehmen bedeutungsvollen Projekt wie diesem war jedoch die Expertise aller drei Funktionen des Human Resources-Bereichs gefragt: der HR Business Partner, das Center of Competence (bzw. Center of Expertise) und das Shared Service Center. Der HR Business Partner hat dabei die Aufgabe, die Führungskräfte zu beraten und zu unterstützen, wohingegen das Center of Competence für die (Weiter)Entwicklung und Steuerung moderner Personalprozesse und -instrumente zuständig ist. Das Shared Service Center soll HR-Prozesse effizient abwickeln und Standard-Mitarbeiterfragen bearbeiten. Dabei müssen die drei Funktionen Hand in Hand arbeiten, um reibungslose Abläufe garantieren zu können. Der Bereich für Personal- und Arbeitspolitik (Center of Competence (CoC)) war maßgeblich für die Planung des Brückenpraktikums zuständig. Der erste Durchlauf des Programms sollte im Werk Untertürkheim stattfinden, wodurch der Personalbereich Untertürkheim als Business Partner die operative Umsetzung des Projekts übernahm. In Abstimmung mit dem CoC war das Personalmanagement somit für die Organisation vor Ort und die konkrete Durchführung zuständig. Dabei wurde es von HR Services der Daimler AG als Shared Service Center bei operativen Aufgaben, wie bspw. der Vertrags- und Zertifikaterstellung, unterstützt. Um eine erfolgreiche Umsetzung während der gesamten Projektlaufzeit gewährleisten zu können, gab es zudem eine intensive Projektbegleitung, die auf der operativen Ebene vom Personalmanagement als Business Partner und auf strategischer Ebene vom Bereich für Personal- und Arbeitspolitik als CoC übernommen wurde. Die Planung des Brückenpraktikums umfasste unter anderem schon die Festlegung der Anzahl der Flüchtlinge, die bei der Daimler AG ein Praktikum absolvieren konnten. Weitere Themen waren bspw. die Planung eines Schichtmodells, das sich zu einer möglichst einfachen Umsetzung eignete, die Planung des genauen Ablaufs des Praktikums und die Planung der Integration eines Sprachkurses. Aus der Planung lassen sich die Themen ableiten, die im Rahmen der Organisation des Pilotprojekts anfielen. Die beiden Begriffe Organisation und Durchführung werden zwar häufig synonym verwendet, der hier intendierte Unterschied soll allerdings klarwerden, wenn man die dahinterstehenden Aufgaben betrachtet. Nachdem z.B. die Anzahl der Praktikanten festgelegt war, konnte eine Auswahl der Teilnehmer stattfinden. War die Planung eines geeigneten Schichtmodells und des genauen Ablaufs des Praktikums abgeschlossen, konnten die entsprechenden Verträge erstellt, sowie die genauen Einsatzorte und benötigte Räumlichkeiten festgelegt werden. Im Anschluss an die Planung des praktikumsbegleitenden Sprachkurses konnte ein Sprachinstitut ausgewählt und die Vorgehensweise der Sprachlehrer abgestimmt werden. An diesen Beispielen ist zu erkennen, dass der Begriff Organisation hier alle Themen umfasst, die vor dem Start des Praktikums zu erledigen waren. Bei diesen Aufgabengebieten wurde der Personalbereich Untertürkheim maßgeblich von Experten unterstützt. So wurde die Auswahl der Teilnehmer von der Bundesagentur für Arbeit und den lokalen Jobcentern übernommen. Die Verträge der Praktikanten wurden von HR Services der Daimler AG erstellt. Um die organisatorische Umsetzung und Gestaltung des Produktionseinsatzes der Praktikanten kümmerten sich die jeweiligen Fachbereiche, in denen die Teilnehmer eingesetzt wurden. Im Gegensatz zu Organisation werden unter dem Begriff Durchführung nun alle Angelegenheiten verstanden, die – angefangen mit dem ersten Tag des Praktikums – im Laufe des Programms zu erledigen waren. Darunter zählen somit z.B. die Durchführung der Einführungs-, der Zwischen- und der Abschlussveranstaltung sowie die Durchführung des Sprachkurses. Auch hierbei erhielt der Personalbereich Unterstützung. So wurde der Sprachkurs von einem externen Sprachinstitut durchgeführt und der Produktionseinsatz der Praktikanten von den jeweiligen Fachbereichen koordiniert. Im Zuge der Projektbegleitung wurden vom Personalbereich Feedbackrunden mit den Fachbereichsvertretern und Mitgliedern des Betriebsrates abgehalten, sowie regelmäßige Gespräche mit den Kontaktpersonen der Flüchtlinge geführt. Mitarbeiter des Personalbereichs besuchten die Praktikanten außerdem während ihres Produktionseinsatzes, um einen genaueren Einblick in ihren Arbeitsalltag und die Umsetzung des Praktikums von Seiten der Fachbereiche zu erhalten. Weiterhin nutzte der HR-Bereich die Sprachkurse, um in persönlichen Kontakt zu den Teilnehmern zu treten bzw. diesen zu halten. Auf der strategischen Ebene fand ebenfalls eine Begleitung des Programms durch das CoC statt, indem alle Beteiligten in regelmäßigen Meetings zur Abstimmung und Besprechung des Projekts zusammenkamen. Für den Erfolg des Projekts war außerdem ein intensiver Austausch des HR-Bereichs mit Vertretern der Agentur für Arbeit und den Jobcentern während der gesamten Projektlaufzeit maßgeblich verantwortlich. In deren regelmäßigen Besprechungen wurden bspw. Informationen über den aktuellen Stand sowie weitere Ideen ausgetauscht und gemeinsam anstehende Planungen vorgenommen. Es wird außerdem deutlich, dass schon im Voraus, aber auch während des gesamten Projekts regelmäßig Abstimmungen zwischen den verschiedenen Beteiligten stattfinden mussten, da deren effizientes Zusammenspiel und eine lückenlose Kommunikation essentiell für den Erfolg eines solchen Projekts sind.

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