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Pädagogik & Soziales


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Produktart: Buch
Verlag: Diplomica Verlag
Erscheinungsdatum: 02.2014
AuflagenNr.: 1
Seiten: 76
Abb.: 5
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback

Inhalt

In Zeiten moderner Kommunikations- und Informationstechnologien steht unsere Gesellschaft vor immer neuen Herausforderungen. Cybermobbing stellt eine dieser Herausforderungen dar, welche erst durch die vermehrte Berichterstattung der Medien Beachtung fand. Zunehmend werden nahezu weltweit tragische Fälle von Kindern und Teenagern bekannt, die den Folgen des Cybermobbings nicht mehr standhalten können. So neu das Problem Cybermobbing auch ist, so wenig erforscht ist es. Das vorliegende Buch soll einen Beitrag dazu leisten, die Lücke bezüglich der Handlungsmöglichkeiten gegen Cybermobbing zu schließen. Vorerst werden Wissensgrundlagen geschaffen, um dem Leser ein Verständnis über die Problematik zu vermitteln. Anschließend werden Möglichkeiten gegen Cybermobbing anzugehen dargestellt und analysiert. Die Analyse soll schlussendlich eine Antwort darüber liefern, welche Perspektiven Kinder, Teenager und Eltern sowie die Schule haben, um Cybermobbing vorzubeugen oder aktiv abzuwehren.

Leseprobe

Textprobe: Kapitel 4.4, Rollenverteilung beim Cybermobbing: Über die Rollenverteilung bei Cybermobbing einschließlich Täter- und Opfer-Typo-logie gibt es bislang keinen empirischen Beleg über die Richtigkeit bisher wenig erhobener Studien (vgl. Fawzi, 2009, S. 42). Ob folgende Aussagen über die Charakteristik von Cybertätern, Cyberopfern und den Beteiligten die tatsächliche Ursache zum Entstehen eines Cybermobbingprozesses sind, bleibt demnach umstritten. 4.4.1, Cyberopfer: Bei den Cyberopfern handelt es sich heutzutage hauptsächlich um Kinder und Ju-gendliche. Erwachsene können aber ebenfalls von Cybermobbing betroffen sein. Dies kann auch bei Lehrkräften der Fall sein, denn sie waren die Ersten, die sich über Mobbing im Internet beklagten (vgl. Dambach, 2011, S. 66). In der einschlägigen Fachliteratur werden Risikofaktoren genannt, die für die Cha-rakteristik von Cyberopfern von Relevanz sind. Hierfür werden folgende Merkmale benannt, die ebenfalls für Opfer des klassischen Mobbings bedeutend sein können (vgl. Pieschl & Porsch, 2012, S. 28). Häufig sind diese Opfer auch Täter beim traditionellen Mobbing im schulischen Um-feld. Sie besitzen wie die Täter ein hohes Aggressionspotenzial. Zudem sind sie we-niger empathiefähig als Gleichaltrige und haben zahlreiche Probleme mit diesen. Zu-dem werden Problematiken innerhalb der Familie beschrieben. Die Eltern sind häufig sehr bemüht und ängstlich. Daher entwickeln die Kinder ein geringes Selbstvertrau-en. Zusätzlich weisen sie etliche depressive wie psychosomatische Anzeichen auf (vgl. Pieschl & Porsch, 2012, S. 28). Merkmale, die nur für die Charakteristik von Cyberopfern typisch sind, werden fol-gendermaßen beschrieben: Oftmals sind Opfer selber Täter von Cybermobbing (vgl. Pieschl & Porsch, 2012, S. 30). Das bestätigen auch die Ergebnisse der Cyberlife-Studie. Demnach geben mehr als ein Drittel der Täter (36,2 %) an, selbst schon einmal Opfer von Cybermobbing geworden zu sein. Das könnte darauf hinweisen, dass Opfer offensichtlich negative Lerneffekte erzielen und mit den gleichen Mitteln ‘zurückschlagen‘ (vgl. Schneider, Dr. Katzer, & Leest, 2013, S. 99). Sie verfügen über ausgezeichnete Computerkenntnisse und verbringen dementspre-chend viel Zeit mit Internet und diversen Kommunikationstechnologien, bis hin zur Abhängigkeit (vgl. Pieschl & Porsch, 2012, S. 30). In der Cyberlife-Studie wird auch das bestätigt. Bei dem Typus der Cyber-Fixierten wurden fast 40 Prozent der Cybermobbing-Vorfälle gemessen. Während die ‘Cyber-Distanzierten‘ ‘nur‘ zu 14 Prozent betroffen waren (vgl. Schneider, Dr. Katzer, & Leest, 2013, S. 94). Cyberopfer sind meist mit einem Profil in einem sozialen Netzwerk aktiv, sind dage-gen in Chats eher unpopulär und finden dort nur einen schlechten Anschluss. Sie weisen ein starkes Risikoverhalten im Internet auf. Das äußert sich dadurch, dass extreme Chaträume mit bedenklichen Inhalten und einem manipulativen Verhalten besucht werden, und sich das Verhalten bis hin zum Lügen und dem unvorsichtigen Umgang mit persönlichen Daten erstreckt. (vgl. Pieschl & Porsch, 2012, S. 30). 4.4.2, Cybertäter: Folgende Merkmale zur Charakteristik von Cybertätern sind ebenfalls für die Täter des Mobbings von Bedeutung: Diese Personen besitzen eine hohe Aggressivität, eine positive Haltung gegenüber Gewalt und haben mehr persönliche Gewalterfahrungen. Sie sind weniger empathie-fähig als Personen gleichen Alters und erfahren oft nur geringe Unterstützung durch Gleichaltrige. Häufig kommen die (Cyber-)Täter aus einer gestörten Eltern-Kind- Beziehung und weisen etliche hyperaktive und psychosomatische Anzeichen auf. Ihnen werden außerdem generelle Verhaltensprobleme ähnlich den Schulschwänzern zugewiesen sowie häufiges Konsumieren von Alkohol und Zigaretten (vgl. Pieschl & Porsch, 2012, S. 29). Merkmale, die lediglich für Cybertäter von Relevanz sind, werden wie folgt benannt: Täter von Cybermobbing sind oft selber Opfer von Cybermobbingattacken. Sie haben auffällig gute Computerkenntnisse und nutzen das Internet und weitere Kom-munikationstechnologien sehr zeitintensiv. Auch in sogenannten Chatcliquen sind sie eher schwach integriert und lassen ebenfalls ein ausgeprägtes Risikoverhalten im Internet erkennen, indem sie sich im Chat sozial manipulativ verhalten (vgl. Pieschl & Porsch, 2012, S. 30). Es ist auffällig, wie sehr sich Cyberopfer und Cybertäter in vielerlei Hinsicht ähnlich sind. In der Cyberlife-Studie gaben 19 Prozent der Schüler an, bereits als Täter von Cy-bermobbing gehandelt zu haben. Mehr als ein Drittel dieser Täter sind ehemalige Opfer von Cybermobbing. Cybermobbing wird von ihnen als Mittel sich zur Wehr zu setzen gesehen (vgl. Schneider, Dr. Katzer, & Leest, 2013, S. 7-9). Vor allem die Motive für das Mobben im Internet sind erschreckend. Über 50 Pro-zent der Cybertäter geben ‘Langeweile‘ oder ‘nur zum Spaß‘ als Tatmotiv an. 16 Prozent bezeichnen Cybermobbing als ‘cool‘. Vergleichsweise selten hingegen fallen die Antworten ‘weil es Ärger mit der betref-fenden Person gab‘ (23 %), ‘weil mich diese Person auch gemobbt hat‘ (14 %) oder ‘um andere, die gemobbt worden sind, zu rächen‘ (19 %) aus (vgl. Schneider, Dr. Katzer, & Leest, 2013, S. 100). 4.4.3, Weitere Beteiligte: Bisher gibt es keine repräsentativen empirischen Untersuchungen über die Charakteristik weiterer Beteiligter im Cybermobbingprozess wie bei den Opfern und Tätern zuvor beschrieben. Jedoch könnten die Rollen der weiteren Beteiligten nach den Autoren Pieschl und Porsch wie folgt spezialisiert werden. Diese Rollen lassen sich allerdings nicht klar trennen, da die Grenzen zwischen akti-ver Hilfe und der Verstärkung fließend ineinander übergehen (vgl. Pieschl & Porsch, 2012, S. 2122). Es gibt wie beim traditionellen Mobbing die Assistenten, die dem Täter beispielsweise zeigen könnten, wie man einen Film auf der Videoplattform YouTube veröffentlicht. Personen, die dem Täter und seinem Handeln Aufmerksamkeit schenken, indem sie sich die eingestellten Filme über das Opfer anschauen, wären in diesem Fall die Verstärker. Werden diese Filme beispielsweise kommentiert oder weitergeleitet, so lässt sich schwer kategorisieren, ob es sich dabei um Assistenten oder Verstärker handelt. Es kann aber festgestellt werden, dass diese Personen das Cybermobbing damit verstärken und aufrechterhalten. Die Verteidiger stehen auf der Seite des Opfers und könnten es über das stattfindende Cybermobbing informieren. Eine andere Form der Unterstützung wäre die Ermutigung des Opfers, den Täter bei dem entsprechenden Anbieter zu melden, sich anderweitige Hilfe zu holen oder dem Cyberopfer emotional Hilfestellung zu leisten (vgl. Pieschl & Porsch, 2012, S. 21-22).

Über den Autor

Martina Bradke, B.A., wurde 1982 in Stendal geboren. Ihr Studium der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Hochschule Berlin schloss die Autorin im Jahre 2013 mit dem akademischen Grad des Bachelor of Arts erfolgreich ab. Bereits während des Studiums sammelte die Autorin umfassende praktische Erfahrungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Die vermehrten Berichterstattungen der Medien über Cybermobbingfälle bewegten die Autorin zur Untersuchung dieser Problematik.

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